Besuch, Räucherversuche und ein Zeitsprung zurück
Weiterhin außerhalb von La Zarza, Jumilla, Spanien, im Norden Murcias
Es ist doch einfach ein schönes Gefühl, wenn in Angriff genommene Projekte Früchte tragen! Der Newsletter hier ist noch klein, der Kreis der Empfänger hat noch erheblich Luft nach oben, und doch kommt es schon jetzt zu Kontakten außerhalb der sozialen Medien, über die ich bislang nur auf das Campo Vida Sencilla hingewiesen habe. So schrieb mich Anfang der vergangenen Woche ein aktiver Wohnmobilist an, der bislang nur einzelne meiner Facebook-Einträge durch einen Leser meiner Posts weitergeleitet bekommen hatte. Er sei gerade unterwegs durch Spanien gen Süden, um mit Bekannten am Mittelmeer Weihnachten zu feiern und würde mich auf dem Weg gerne einfach mal besuchen kommen. Statt eines einfachen „Ja“ habe ich ihm gleich mit der ganzen Wegbeschreibung geantwortet. So rollte dann gestern erstmals ein Wohnmobil auf das von mir dem einfachen Leben verschriebene Gelände.
Zuerst gab es einen ausgiebigen Rundgang über das Areal, während dem ich unentwegt über den furchteinflößenden Umfang all der Dinge berichtete, die ich gerne in Angriff nehmen möchte und an denen ich mich vermutlich die kommenden 75 Jahre abmühen werde, so denn keine weiteren Mitwirkenden einsteigen. Glücklicherweise hatte der Mann schon reichlich Spanien-Erfahrung, sodass mein Hinweis darauf, hier sonst eher ein sonniges Plätzchen zu bewohnen, nicht gar so unglaubwürdig klang. Immerhin beließ es das Wetter wenigstens bei einer dickten grauen Wolkendecke und gönnte uns am Nachmittag und Abend die Möglichkeit, im Trockenen draußen zu sitzen. Vergeblich versuchte ich für den von mir präferierten Wermut Werbung zu machen, doch mein Besucher hielt sich lieber am Rotwein der gleichen Bodega fest.
Bei einem meiner früheren Baumarkt-Besuche in Gernsheim hatte ich vor Ewigkeiten einmal eine blecherne Feuerstelle gekauft, die als Ausstellungsstück mit ein paar Kratzern erheblich runtergesetzt war. Ursprünglich damals für meinen Campingplatz in der Gernsheimer Nachbarortschaft Biebesheim als Möglichkeit zum Aufwärmen gedacht, kam das Teil jedoch nie zum Einsatz. Da ich beim Beladen des Pferdeanhängers für die Fahrt hier nach Spanien noch einiges an Volumen frei hatte und das Teil nicht wirklich viel wog, habe ich es kurzerhand mitgenommen. Für mich alleine hätte ich es vermutlich niemals in Betrieb genommen. Aber so mit einem Besucher auf dem Campo und sowohl in meinem Wohnwagen aufgrund des festen Umbaus zum Schreibtisch als auch in seinem kleinen Womo keine Möglichkeit, zum Drinnen hinsetzen, war eine Feuerstelle draußen doch eine echte Alternative.
Während mein Gast sich ans Kartoffelnschälen begab und seinen Benzin-betriebenen Kocher zum Zubereiten von leckeren Bratkartoffeln anheizte, wanderte ich übers Gelände und sammelte abgestorbene Mandelbäume ein. Zwar hatte es in der Nacht zuvor heftig geregnet, doch der Kern des Holzes war durchs jahrelange Rumliegen in der Sonne absolut Brennholz-tauglich trocken. Beim Zersägen der eigentlich gar nicht mal so dicken Stämmchen bin ich ganz schön ins Schwitzen gekommen. Ich bin echt überrascht, dass Mandeln ein so unfassbar hartes Holz erzeugen.
Ein Holz, das am Ende aber auch ein sehr ergiebiges und wärmendes Feuerchen abgibt, wie wir im Laufe der kühl werdenden Abendstunden dann feststellten, während wir Pistazien futternd noch lange an dem blechernen Turm standen, uns unentwegt weiter unterhielten und uns dabei räuchern ließen.
Während ich selbst mich in Sachen Solar-Stromversorgung maximal unterstützt durch manch ein YouTube-Tutorial vorwärts experimentiere, hatte ich mit meinem Besucher einen Mann vom Fach als Gesprächspartner. Dem ganzen Thema meiner hier im Einsatz befindlichen Technik werde ich bei Gelegenheit noch einen eigenen Newsletter widmen. Durch meine Unterhaltungen am Lagerfeuer lernte ich jedoch noch einiges mehr dazu. Und bekam dabei leider auch Befürchtungen bestätigt, die ich zwar längst schon in mir vorhanden wusste, es aber dann eben doch nochmal eine andere Nummer ist, Fakten klar und deutlich ausgesprochen zu hören. Um bei der Wetterlage, unter der meine Batterieleistungen seit Tagen zu leiden haben und die laut Vorhersage mindestens bis zum Jahresende noch mehr oder weniger gleichbleibend bestehen bleiben soll, für meine Zwecke ausreichend Storm zu erzeugen, müsste ich ein Fußballfeld mit Solarpaneelen pflastern. Ausreichend Platz für solch ein Vorhaben hätte ich zwar schon, aber die Anschlussleistung meiner Powerstation würde das definitiv nicht mehr mitmachen. Und außerdem … was mache ich denn dann später einmal an den sicherlich wiederkehrenden, richtig sonnigen Tagen? Tütenweise Gratisstrom verschenken, damit in Murcia sämtliche Klimaanlagen durch mich alleine versorgt werden können?
Nein, so schwer sich mein Strom-liebendes Herz auch dagegen sträubt, ich muss wohl einsehen, dass ich in einer Situation angekommen bin, in der ich ab und zu zwischendurch auf ein benzinbetriebenes Hilfsaggregat zurückgreifen muss. Ein kurzer Blick in die App des Baumarktes zeigte mir, dass dieses Strom-Problem wohl eins mit Massenmarkt-Anspruch ist. Von preisgünstig bis flüsterleise, von gerade mal Handy-ladetauglich bis zur Notstromversorgung eines Krankenhauses gibt es in den Regalen alles Erdenkliche im Angebot. Für 130 € bekomme ich ein 1,5kW-Gerät, das 50 % des eingesetzten Treibstoffs in Schallwellen umsetzt, die man bis nach Deutschland hört. Und für 7.500 € bekomme ich Geräte, mit denen ich Pumpen antreiben könnte, die mir das Mittelmeer auf mein Campo fließen lassen. Ich werde mich also in den kommenden Tagen einmal mehr in mein Auto setzen und erneut in Richtung Murcia fahren. Dieses Mal jedoch nicht zum Süd-Markt, sondern ins Einkaufszentrum, um gleich auch noch die dort gelegene Filiale von Feinkost Albrecht alias Aldi zu plündern und vielleicht einfach mal lecker asiatisch essen zu gehen.
Vermutlich wird ab dem Tag, ab dem ein solcher Generator mitsamt passendem Benzinkanister in meiner Höhle steht, ausnahmslos nur noch die Sonne in ausreichender Menge scheinen. Aber tatsächlich ist mir dies das Risiko wert. Das Rumknausern und Abgeschaltet-Lassen des zweiten Bildschirms während der Arbeit, damit ich irgendwie mit meinen Stromvorräten über den Tag komme, ist jedenfalls keine Lösung. Für mich eindeutig eine Lernerfahrung: Winter ist was anderes als Sommer. Nicht nur in Sachen Temperatur. Wer hätte das gedacht?
Aber nochmal kurz zurück zum Abendessen. Bei einem der zahllosen Themen, über die wir uns unterhielten, musste ich zwischendurch auflachen. Mein Besucher erzählte, dass er in einer der überall in Deutschland inzwischen anzutreffenden, zu Buch-Tauschstationen umfunktionierten Telefonzellen, ein dünnes Buch von Mark Twain stehen sah. „Im Gold- und Silberland“ der Titel des Werkes aus dem Jahre 1897, in dem der berühmte Schriftsteller auf seine Erlebnisse während des Goldrauschs zurückblickt.
Und das mit dermaßen viel Detailverliebtheit, aber auch jeder Menge Selbstironie wiedergibt, dass selbst Nebensächlichkeiten zum Genuss beim Lesen werden. Mein Gast berichtete mir, dass er beim Lesen des kleinen Büchleins ab und zu auch an meine Art des Schreibens denken musste.
Ich nickte wissend beim Hören der Worte und dachte an die Einleitung meines ersten Newsletters zurück, bei dem ich ja auf genau diese Parallele selbst schon eingegangen war. Es vergingen einige Gabeln der köstlichen Bratkartoffeln sowie mehrere Schlucke Wein, bis mir ein Geistesblitz durchs Oberstübchen schoss: Mein hier so eifrig über Mark Twain sprechender Virtuose der Benzinkochstelle konnte unmöglich seinen Bezug aus meinem Newsletter entnommen haben, denn den habe ich ja niemals fertiggestellt, geschweige denn verschickt!
Als ich diesen ursprünglichen Eröffnungs-Brief tippte, glaubte ich mich ja noch in der irrigen Annahme, mit der Website und dem Newsletter deutlich vor meinem Aufbruch nach Spanien starten zu können. Doch meine ersten drei für diesen Zweck schon vorbereiteten Newsletter sind niemals über den Status der digitalen Karteileiche hinaus gekommen. Außer meiner sich eifrig um die Website kümmernden Mitarbeiterin und mir selbst kennt niemand den Inhalt. Es muss absoluter Zufall sein, dass mein Gast hier Parallelen zieht. Da ist es wieder einmal, dieses merkwürdige Gefühl: ist das wirklich einfach nur Zufall?
Aus jahrzehntelanger Erfahrung weiß ich, welches Schicksal Schreib-Konserven am Ende erleiden. Irgendwann erfolgt der Klick auf den Löschen-Button, weil sich der Inhalt einfach schon längst überholt hat oder das angeschnittene Thema in anderen Zusammenhängen aufgegriffen wurde und somit der Kontext nicht mehr passt. Meine im November vorerfassten Skripte für die ursprünglichen Sendungen Nummer Zwei und Drei erlitten inzwischen dieses Schicksal. Doch über die Reisevorbereitungen an sich will ich ja irgendwann eigentlich noch schreiben, wenngleich ich schon gegrübelt habe, wie ich denn die Kurve von der damaligen Einleitung zum inzwischen erforderlichen Rückblick hinbekomme. Jetzt löse ich das Problem auf eine einfache, wenn auch stilistisch vielleicht nicht ganz galante Art und Weise: Ich kopiere hier den Text aus meiner allerersten angedachten Rundmail in seiner Original-Fassung ein. Denkt Euch beim Lesen ab hier einfach in die Mitte des Novembers zurück. Mindestens vier Wochen ist es her, da tippte ich Folgendes:
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