Einkaufsbummel mit Generatorkauf im Baumarkt
Centros Comerciales Nueva Condomina und Thader in der Stadt Murcia
Montagabend beim Plaudern mit meinem Besucher war ich im Geiste quasi schon halb unterwegs, mir einen benzinbetriebenen Stromerzeuger zu kaufen. Dienstag und Mittwoch klebte ich am Schreibtisch, um irgendwie den verlorenen Montag aufzuholen und mich dem Buchhaltungskram zu widmen, der merkwürdigerweise mit Näherrücken des Jahresendes an Quantität und Dringlichkeit hinzugewinnt. Anrufe und eMails im Stile „Clark, ich wünsch Dir schon mal schöne Weihnachten, aber denk dran, mir noch dies und jenes und welches fertigzumachen und zuzuschicken, bevor ich in Urlaub gehe“. Der Klassiker: Lass Dir Zeit, Hauptsache, es geht schnell.
So wurde es dann Donnerstag, an dem ich jedoch durchs Dachfenster meines Wohnwagens von strahlendem Sonnenschein geweckt wurde. Blauer Himmel, an dem ein paar Wölkchen entlang wanderten. Die Anzeige meiner Powerstation verriet mir, dass die beiden Paneele an die 600 Watt Ladeleistung liefern, und das noch bevor ich mittels meiner ausgewieften Bierkasten-Stapel-Technik für einen besseren Neigungswinkel und damit noch ein Schippchen mehr Ausbeute gesorgt habe. Nein, das klappt schon mit der Stromversorgung via Solar, dachte ich mir und bin statt ins Auto doch erneut an meinen Schreibtisch zurückgekehrt. Was will man als Buchhalter in Spanien an einem wunderschönen sonnigen Tag denn auch schon anderes machen. Grmpf.
Und so wurde es dann nun heute Freitag. Da ich erst um halb zwölf in der Nacht die letzten Auswertungen zum Kunden gemailt hatte, drückte ich den Wecker um kurz vor sieben einfach weg, drehte mich um, zog mir die Decke über den Kopf und schlummerte noch eine weitere Stunde. Um kurz nach acht schwang ich dann endlich die Füße aus dem Bett und ahnte schon nichts Gutes, weil weder war es wirklich hell, noch konnte ich durchs Fenster irgendetwas erkennen. Knurrend machte ich mich auf den Weg zu meinem Bad-Anhänger.
Und bekam beim Schritt nach draußen einen echten Winteranblick des Campos präsentiert. Ihr erinnert Euch von den Fotos der ersten Campo-News: da hinten hat es einen laut spanischer Wikipedia 1.372 Meter hohen Berg. Heute früh ist er … weg.
Während ich immer noch schlaftrunken meine Zahnbürste halbherzig übers Gebiss gleiten lasse, mache ich nochmal die Tür von meinem Behelfsbad auf, um mir das Naturspektakel anzusehen. Es bleibt dabei. Suppe in der Luft. Ich brauche gar nicht bis in die Cueva („Höhle“) zu gehen, um auf das Display der Powerstation zu schauen. Da strahlt mich mit Sicherheit nur eine vierstellige Null bei der Ladeanzeige an. |
Hinterm Campo versucht sich die Sonne damit, den Nebel zu lüften. Doch ein Blick auf die Weterapp lässt vermuten, dass ihr das im ganzen Tagesverlauf kaum gelingen wird.
Um elf Uhr stand noch eine zweistündige Telefonkonferenz an, also erst einmal frühstücken. Ich habe kein Brot mehr. An diesem ständig wiederkehrenden Mangel muss ich auch irgendwie arbeiten. Also habe ich mir ein paar Tortillas in die letztens beim Hiper-Chino mitgenommene geriffelte Pfanne gehauen. Passen, als gehören sie da rein. Eine Art „Toasten“ auf dem Gasherd. Funktioniert recht gut und tatsächlich schmecken die Teile auch mit Marmelade.
Aber ein richtiges Brot kann sowas nicht ersetzen. Ich habe mir während des Kaffee-Schlürfens auf YouTube gleich mal ein paar Videos zum Thema Brot-Backen angesehen. In Gernsheim backe ich Zwetschgenkuchen auf meinem Gasgrill. Dann werde ich hier doch wohl auch ein simples Brot hinkriegen. Challenge accepted.
Heute geht es nicht zum Leroy Merlin im Süden von Murcia, sondern zum mir etwas näherliegenden direkt neben den beiden großen Einkaufszentren im Nordwesten der Stadt. 54 km ein einer dreiviertel Stunde sagt das Navi von Haustür zu Haustür. Wobei es dabei unterstellt, dass man auf der im Bild sichtbaren Schotterpiste geschlagene 90 km/h fährt. Nein, da liebe ich mein Auto zu sehr, 10 km/h tun es auf dem Kilometer bis zur Straße auch.
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Ich war mit meinem Einkaufswagen vorher in der Abteilung für Baumaterialien, hatte bereits vier Formsteine, sechs Sack Zement und zwei Sack Blumenerde darauf geladen. Daher hatte ich den schwer zu schiebenden Karren im Hauptgang stehen lassen. Als ich nun meinen knapp 50 kg schweren Karton mit dem Stromerzeuger zu meinem Wagen schleppen wollte, stoppte mich eine Verkäuferin. Ich bräuchte das doch nicht zu tragen, man habe auch hier drinnen noch Wagen, auf die die Kunden zurückgreifen können. Dass ein Einkaufswagen im spanischen ‚Carrito‘ heißt, war mir tatsächlich geläufig, so konnte ich der guten Frau verkauderwelschen, dass ich bereits einen Wagen um die Ecke stehen habe.
Sie lief dennoch neben mir her, wartete, bis ich den Karton auf meinen Stapel gewuchtet hatte und klärte mich dann auf, dass ich für dieses Gerät aber auch noch ‚Aceite‘ brauche. Ich hätte die Frau in diesem Moment am liebsten umarmt, denn dass sämtliche Motoren grundsätzlich trocken verkauft werden, wusste ich von früheren Rasenmäher-Käufen. Aber ich hätte das Motoröl heute in meiner Euphorie tatsächlich glatt vergessen. Brav folgte ich der Mitarbeiterin zum passenden Regal, wo sie mir dann auch gleich noch einen 10-Liter-Benzinkanister in die Hand drückte.
Ich werde auf jeden Fall in den nächsten Tagen noch eine Top-Bewertung bei Google für Leroy Merlin einsetzen, denn die Verkäufer dort sind durch die Bank weg extrem hilfsbereit und supergeduldig mit sprachunbegabten Kunden. Ist zwar nachweislich nicht die günstigste Baumarktkette Spaniens und in Sachen Programm eher mit unserem deutschen Bauhaus oder OBI vergleichbar, also mehr Wert auf Innenausstattung und Dekoration legend, als denn auf wirkliche Bau-Artikel. Aber der Service dort ist einfach phänomenal.
Buchläden und Baumärkte sind so die zwei Einkaufsstätten, an denen ich auch immer wieder gerne einfach mal vollkommen ziellos durch die Gänge wandere und mir Inspiration hole. Was gibt es Neues? Wie wird was gemacht? Was kostet welches Gerät? Es gibt in solchen Läden einfach so viel zu betrachten, dass ich mir diese Viertelstunde mehr einfach nur zu gerne gönne.
So stand ich dann irgendwann vor diesem Ofen hier.
Komplett aus Beton gegossen, nur vorne die Fliesen als Deko aufgeklebt. 699€ soll nur der Ofen kosten, das Fußteil unten drunter geht extra, nur konnte ich kein Preisschild dafür finden. Gefällt mir, das Teil. Aber ich glaube, das kriege ich in Eigenarbeit gemauert billiger hin. Ist vielleicht ein Projekt, das ich in Angriff nehmen kann, wenn das mit dem Brotbacken irgendwann so gut funktioniert, dass ich beim Ofen aufrüsten kann. Aber apropos Brot. Mein Bauch meldet eine gewisse Leere und Einkaufen gehen will ich ja auch noch. Also beende ich meine Besichtigungstour und sehe zu, dass ich zur Kasse komme.
Nur eine irgendwie an US-amerikanischen Stil erinnernde Brücke trennt den Baumarkt vom Einkaufszentrum „Nueva Condomina“. Hier will ich mir beim Asia-Imbiss noch ein leckeres Häppchen antun, bevor ich meine Einkaufsfahrt zum Supermarkt fortsetze. Mit leerem Magen einkaufen gehen ist bekanntlich niemals eine gute Idee. Insbesondere nicht, wenn man wie ich heute einen etwas größeren Vorrat anlegen will. Ruckzuck kauft man einen Grundstock, von dem auch eine Familie leben könnte, statt nur eines überwiegend nur rumsitzenden Singles.
Direkt neben dem Eingang zum Einkaufszentrum geht es in eine Kartbahn. Schon Jahre habe ich vor, mal wieder Kart fahren zu gehen. Zu allen möglichen Gelegenheiten habe ich schon versucht, ein paar Leute zusammen zu bekommen, doch gelungen ist es mir nie. Mit nur zwei, drei Personen kriegt man zum einen keinen Gruppentarif hin und zum anderen macht das Rumdüsen auch nicht wirklich so viel Spaß. Hier in Spanien würde ich dann ganz alleine für mich ein paar Runden drehen. Nein, es bleibt weiterhin ein unerfüllter Kleine-Jungen-Wunsch in mir. Irgendwann einmal. Irgendwann bestimmt.
Den Imbiss der Padthaiwok-Kette hatte ich bei meinem allerersten Besuch in diesem Einkaufszentrum ausprobiert, als ich damals zwischen dem Apple-Store und dem Vodafone-Shop hin und her pendelte, um eine spanische Datenkarte in meinem Handy zum Laufen zu bringen. Dazu musste ich damals meine ursprüngliche deutsche SIM-Karte in eine eSIM umstellen, damit der einzige Slot im Gerät für die spanische Karte frei wird. Natürlich ist dabei so ziemlich alles schiefgegangen, was schiefgehen konnte. Der Mitarbeiter bei Vodafone im Erdgeschoss war eigentlich der richtige Ansprechpartner, verstand nur leider kein Wort Englisch und war eingefleischter Android-Nutzer. Da ich selbst kaum Ahnung von iPhones hatte (habe), blieb mir nichts anderes, als zum im ersten Stock liegenden Apple-Store zu gehen, wo man zwar fließend Englisch sprach, dafür aber das Problem von Vodafone nicht verstand. Wie gesagt, es war eine sehr lustige Erfahrung damals, nach deren Lösung ich mir einen fettigen gebratenen Reis mit Hühnchen gegönnt hatte. Und genau dieses Gericht genehmigte ich mir dann heute noch einmal.
Das erste Mal, dass ich gefragt wurde, ob ich mein Hühnchen medium haben möchte. Rind noch blutig, okay. Aber Huhn? Nun, andere Länder, andere Sitten. Ich habe auf fuerte, well done bestanden, und mir darüber hinaus picante gewünscht. Und tatsächlich brachte mich das Essen zum Schwitzen. Ganz untypisch für die spanische Küche, die sich mit scharfem Essen normalerweise eher schwertut. Richtig „spicy“ ist hier eigentlich Essen nie, selbst wenn „picante“ drauf steht. Aber in der Küche am Wok steht hier eindeutig kein Spanier, sondern ein Asiat.
Lecker. Habe ich nicht das letzte Mal dort gegessen.
Ansonsten ist das Condomina ein Einkaufs-Zentrum, wie man sie aus nahezu jedem anderen Land auch kennt. Und tatsächlich auch größtenteils mit exakt den gleichen Shops in den verschiedenen Gängen. Zu dieser Jahreszeit natürlich auch noch allgegenwärtig untermalt von Weihnachtsmusik und ganz viel Lichterketten. Ich bin nicht weiter durch die Räume geschlendert, sondern nach dem Essen gleich wieder nach draußen in Richtung Auto aufgebrochen.
Als ich über den Parkplatz lief, fiel mir das Nachbargebäude des Baumarktes ins Auge. „Hyper-Chinos“ gibt es hier in Spanien quasi in jedem Ort. Gemischtwaren-Läden mit tendenziell plastiklastigem, günstigerem Angebot. Aber dafür ein Repertoire an Artikeln, das keine Grenzen kennt. Irgendwie immer eine Mischung aus 1€-Shop und Mega-Kaufhaus. Mir fiel das beim Frühstück angesehene YouTube-Video mit dem Hinweis auf Brot backen im emaillierten Topf wieder ein. Wenn es einen Laden gibt, bei dem ich einen solchen Topf zu einem akzeptablen Preis finde, dann hier. Also bin ich kurzerhand abgebogen und eingekehrt.
Das mit dem „Hiper“ im Namen nehmen die nachweislich sehr ernst. Hier einfach mal exemplarisch der Gang mit Tellern und Gläsern. Von billig bis kitschig ist hier einfach alles zu haben. Bei meinen Töpfen stand ich auch vor der Wahl, halb hoch, ganz hoch, 20, 24 oder 26 cm Durchmesser … Manchmal wäre es echt einfacher, wenn es nur ein einziges Produkt zu kaufen gäbe.
Mal wieder Zeit für ein Selfie zwischendurch vorm weihnachtlich dekorierten Baumarkt. Jetzt geht es aber wirklich endlich auf zum direkt nebenan gelegenen Thader-Einkaufszentrum, dessen riesiger Parkplatz bei Wohnmobilisten beliebt ist, weil supereinfach mit der Bahn an die Innenstadt von Murcia angebunden. Vor allem hat es dort aber auch zwei Dinge, die ich jetzt brauche: einen Aldi und eine Tankstelle, um meinen neuen Benzinkanister zu füllen.
Langsam wird es dunkel. Was mit der vielen Beleuchtung das Ambiente mächtig verschönert. Was mir aber gleichzeitig vor Augen führt, wie schnell die Zeit doch vergeht. So Einkaufsbummel-Fahrten kann man nicht jeden Tag machen. Umso mehr muss ich mir jetzt einen kleinen Vorrat kaufen. Auf geht’s zu Aldi. Oder sagt man nicht eher neudeutsch inzwischen „nach Aldi“?
Kaffee, Tee und jede Menge Marmelade. Diverse Konserven, Eier, Käse, ein bisschen Obst und selbstverständlich Weizen- und Roggenmehl plus Hefe für Back-Experimente. Sowie neue Packungen mit Taccos, falls ebendiese Experimente am Ende doch in die Hose gehen. So das Wetter nicht gar so nass ausfällt, steht am morgigen Samstag wieder Gartenarbeit auf dem Programm, da werde ich weder Backen noch Kochen wollen, dafür gibt es eine Fertigpizza im Grill.
Und dann ist ja auch noch Weihnachten, also ein bisschen Naschzeug muss auch noch sein. Schwubbs sind über 100€ weg. Sag nochmal einer, das Leben in Spanien sei günstiger, als in Deutschland. Ich stelle mal die These in dem Raum, dass sich die Preise nicht wirklich so viel geben. |
Zum Abschluss bin ich dann noch um die Ecke auf die Rückseite des Aldi gelaufen, wo eine Selbstwaschanlage und eine Tankstelle komplett ohne Personal zur Herausforderung für mich wurden. An dem Automaten musste ich den Betrag festlegen, zu dem ich zu tanken gedachte. Okay, das Benzin scheint hier günstiger zu sein, als ich es von heimischen Tankstellen kenne. Für die von mir vorgegebenen15€ erhielt ich 11,46 Liter Benzin. Also 1,309 € pro Liter.
Auf geht es nun wieder nach Hause. Also aufs Campo. Noch ein bisschen an diesem Newsletter tippen, dann ab ins Bett und morgen wieder ans Steine-Sammeln und Büsche-Sutzen gehen. Zum Abschluss gibt es hier noch ein Bild vom eingangs erwähnt etwas sonnig-lastigeren Donnerstag. Die Aufnahme habe ich gemacht, als ich nach meinem frisch gepflanzten Kiri-Baum gesehen habe. Sprich, hier handelt es sich um meinen zukünftigen Ausblick, wenn ich denn den Wohnwagen irgendwann einmal auf den neuen Platz stellen kann.
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