Träumen von den Zeiten der Polaroid-Kameras
Online in den Weiten des World Wide Web
Prosit Neujahr! 🍀
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Was ging dieses wahrlich interessante Jahr 2025 auf einmal so schnell zu Ende. Nach meinem unfreiwilligen Kennenlernen eines der vierbeinigen Feldbewohner hier letztens schrieb ich meiner Versicherungsmaklerin den einleitenden Satz „wenn das alte Jahr mit Ungemach zur Neige geht, kann das neue Jahr ja eigentlich nur noch besser werden“. An genau diesem Motto hielt ich dann auch die restlichen Tage des Dezembers bis quasi zur letzten Stunde fest, scheint es.
Computer helfen uns, Probleme zu lösen, die wir ohne sie ursprünglich gar nicht hatten, so weiß es schon der Volksmund zu sagen. Oder um einen in den in der Weimarer Republik lange vor Erfindung der Mikroelektronik aufgewachsenen Hanseaten zu zitieren: „Es gibt drei Möglichkeiten, eine Firma zu ruinieren: mit Frauen, das ist das Angenehmste; mit Spielen, das ist das Schnellste; mit Computern, das ist das Sicherste.“ Als Schiffsmakler und Nationenverständiger war Oswald Dreyer-Eimbcke recht erfolgreich. Mag das vielleicht an seiner Aversion gegen den Einzug technologischer Unterstützung in sein Unternehmen gelegen haben?
Ich für meinen Teil hätte zwischen den Feiertagen gerne noch zwei weitere Newsletter auf den Weg gebracht, wenn meine Technik mich denn gelassen hätte. Vor vielen Jahren wanderte ich mit einem Leiden in einem Bein von einem Weißkittelträger zum nächsten, landete so irgendwann auch bei einem altgedienten Spezialisten für Innere Medizin und Betriebsmedizin im Nachbarort. Nicht wirklich ein Träger des universellen Sympathiepreises, wie ich feststellen durfte, aber von seiner Herangehensweise und seiner Autorität her spürbar eine Kapazität in seinem Fach. Und ich bin ja nicht zu ihm gegangen, um mit ihm bei Gesprächen über das Zeitgeschehen zu dinieren, sondern erwartete, dass er mich wieder in einen Zustand des schmerzfreien Existierens zurückversetzt. Auch so eine Erkenntnis, die man nur macht, wenn die Gesundheit zu zicken beginnt: eigentlich spürt man seinen Körper im Normalzustand nicht. Aufmerksam wird man nur, wenn sich ein Körperteil auf einmal zu Wort meldet. Vermutlich liegt hierin die wundersame Macht der fernöstlichen Selbstfindung: ab und zu einfach auch mal in sich selbst hineinzuhorchen, um die Existenz der Extremitäten und Innereien abzufragen.
Dem Doktor war damals bewusst, dass ich zu der Sorte Mensch gehöre, die dem Körper bedingungslosen Gehorsam abverlangen und für Alarm-Meldungen externe Signalgeber benötigen. Insbesondere im Hinblick auf mein etwas schwächelndes Pümpchen legte mir der Mann daher die Anschaffung einer Apple Watch ans Herz. Zwar gäbe es Fitness-Tracker in allen Farben und Formen auch von tausend anderen Herstellern, aber an die diagnostische Qualität der Geräte aus dem Hause Apple kämen derzeit ansonsten nur echte medizinische Apparaturen heran. Seitdem ich ein Smartphone besitze, hatte ich keine Armbanduhr mehr am Handgelenk. Wozu auch? Und als überzeugter Android-Fan war mir die Apfel-Welt dermaßen ein Buch mit sieben Siegeln, dass ich den gut gemeinten Rat mit einem Nicken zur Kenntnis nahm, irgendwo in den Tiefen meines Gedächtnisses abspeicherte und zu vergessen versuchte.
Doch egal, wie sehr man sein Handy auch pflegt und schützt, irgendwann kommt der Tag, an dem entweder aus mechanischen Gründen oder – weit häufiger – aus technischer Evolution heraus eine Neuanschaffung unumgänglich wird. Da ich vor dem Einrichten all der Bankzugänge, der Suche nach tausendundeinem Kennwort bei verschiedenen Apps und dem Wegklicken der Millionen an Werbehinweisen auf neueste Gimmicks zurückschreckte, schob ich eine Neuanschaffung immer weiter in die Zukunft, bis mich dann tatsächlich die Bank eines Kunden darüber aufklärte, dass ich nun unbedingt auf die neueste App wechseln müsse und diese mit dem Betriebssystem auf meinem Smartphone einfach nicht mehr kompatibel sei. Zähneknirschend setzte ich mich ans Internet und begann nach einer Alternative zu suchen.
Genau zu dieser Zeit war auch meine Sehnsucht nach einer Rückkehr in die Welt unter Wasser schier gigantisch. Weder fitnessmäßig noch kardiologisch war ich in der Lage, über einen erneuten Einstieg ins Tauchen nachzudenken. Doch der Wunsch nach einer Überwachung der körperlichen Wiederinstandsetzung zu jugendlicher Fitness war in mir gerade sehr ausgeprägt vorhanden. Was mich dazu brachte, an den vor Jahren von dem Arzt erhaltenen Ratschlag zurückzudenken. Um die Geschichte abzukürzen: mit Tränen in den Augen investierte ich in das neu angeschaffte iPhone 15 einen Betrag, der höher war, als meine beiden Xiaomis vorher zusammen gekostet hatten. Und packte dann nochmal einen Tausender obendrauf, um mir einen Mikrocomputer ans Handgelenk zu ketten, der mir seither sagt, wann ich ins Bett zu gehen und wie oft ich gefälligst während der Arbeit aufzustehen habe.
Es handelt sich um einen technischen Wechsel von Welten, wie ich daran anschließend feststellen durfte. Und während mir alle möglichen Leute einen vorschwärmten, dass ich mir nun in der Apple-Umgebung niemals mehr irgendein Kennwort zu merken bräuchte, weil das die Cloud im Hintergrund alles zukünftig für mich managed, bekam der Datenschützer in mir dauerhafte Gänsehaut. Gleichzeitig jedoch hörte ich bei unfassbar vielen Gelegenheiten, in denen ich die Apple-User um Rat bei der Umsetzung von Android-Selbstverständlichkeiten bat, immer wieder die gleiche Aussage: „ja, nee, das geht nicht“. Statt von der Erschließung neuer Möglichkeiten überwältigt zu werden, bestätigten sich unentwegt nur meine über Jahre hinweg angewachsenen Vorurteile.
Man muss vermutlich als Teenager in die Apfel-Welt einsteigen und sich willenlos und ohne weiteres Nachdenken vollkommen darin treiben lassen, dann wird man zum absolut überzeugten Fan dieser nach außen restlos abgeschotteten iOS-Welt. Doch als Quereinsteiger, der ich zeitlebens schon allein aufgrund der zwingend erforderlichen Kompatibilität zu all meinen Kunden in der Microsoft-Welt zu Hause bin, an die sich Android komplett verzahnt anlehnt, ist mir in den inzwischen drei Jahren, die ich das iPhone nun schon nutze, der Einstieg niemals vollständig geglückt. Apple und ich verbindet eine gegenseitige Antipathie.
Und die Krone hat das Terrorgerät nun Mitte Dezember obendrauf gesetzt, als es anfing, mir den Zugriff auf meine Bilder zu verweigern. Tausende Foren im Internet berichten über exakt das gleiche Problem. Doch als Hilfestellung bekommt man nur das 0815-Larifari von wegen Gerät neu starten, Updates einspielen, Treiber aktualisieren, USB-Kabel austauschen, in die Kirche gehen und drei Vaterunser beten. Doch eine wirkliche Lösung hat keiner auf Lager. Auf dem Handy, mit dem ich die Fotos gemacht habe, bekomme ich die Bilder angezeigt. Wenn ich mit Windows Fotos synchronisiere oder einfach nur das iPhone via USB-Kabel in den Explorer einbinde, fehlen jedoch die meisten der Bilder. Werden einfach nicht angezeigt. Wenn ich aus meinem alten Bestand ein paar dutzend Bilder lösche, kann es passieren, dass einzelne der aktuellen dann auf einmal doch angezeigt werden. Aber eine verlässliche Vorgehensweise ist das nicht.
Als ich dann gestern erneut von meinen 74 während des Besuchs in Jumilla gemachten Fotos exakt elf angezeigt bekam, riss mir der Geduldsfaden. Für die letzten Newsletter habe ich mir die zu verwendenden Bilder vom iPhone an meine eigene eMail-Adresse gemailt, aber eine dauerhaft praktikable Lösung ist das nun wahrlich nicht. Also habe ich nun ChatGPT um Rat gefragt und erst einmal zwei DIN A4-Seiten lang gepromptet, welche blödsinnigen Vorschläge mir die KI nicht zu unterbreiten braucht, weil ich in den letzten Wochen wahrlich schon unfassbar viele Stunden ins Rumexperimentieren rund um dieses Problem gesteckt hatte.
Nun bin ich dahingehend schlauer, dass ich weiß, dass die Apfel-Welt für den Windows-Nutzer die sichtbare Umgebung nur simuliert. Und dass es ein seit vielen Jahren bekanntes Problem ist, dass diese Simulation mal besser und mal schlechter, meistens jedoch auch einfach gar nicht funktioniert. Apple ist an einer Lösung des Problems nicht wirklich interessiert; wer es umgehen will, soll sich einen Mac kaufen und seinen Windows-Rechner wegwerfen. Und Microsoft hat kaum Möglichkeiten, das Problem anzugehen, da es sich technisch nicht um „ein“ Problem handelt, sondern um eine ganze Kaskade ineinandergreifender Programmthematiken.
Doch wo eine Not herrscht, gibt es auch einen Markt. Und wo ein Markt vorhanden ist, findet sich auch jemand, der ihn zu bedienen gewillt ist. „iMazing“ heißt das Tool in meinem Falle, mit dessen gigantischen Download ich gestern in den letzten Stunden des Jahres die Hälfte meines Datenvolumens verbraten habe. Nur um dann festzustellen, dass diese Software perfekt alle Fotos anzeigt, also wirklich den Inhalt des gesamten iPhones für einen Windows-Rechner lesbar macht. Aber nach 50 Bildern ist in der Free-Version einfach Schluss. Wer mehr Bilder herunterladen will, muss gefälligst ein Abo abschließen und ab dann jährlich in die Kasse greifen.
Damit ich MEINE eigenen Bilder von MEINEM eigenen Smartphone auf MEINEN eigenen Computer übertragen kann, brauche ich jetzt also ZUSÄTZLICH ein kostenpflichtiges Abonnement!
Kein Wunder, dass es im Silicon Valley nur so an Milliardären wimmelt. Mache die Leute abhängig, führe künstlich eine eigentlich vermeidbare Notsituation herbei und verkaufe dann für teures Geld die dazu passende Lösung. Ein absolut perfektes Geschäftsmodell. Moralisch vielleicht fragwürdig, aber wir leben im einundzwanzigsten Jahrhundert. Moral existiert nicht mehr. Cash ist die einzige noch gültige Währung. Der Dinosaurier in mir hat das längst begriffen, ist nur irgendwie unfähig, selbst auch auf diesen Zug aufzuspringen.
Nachdem ich noch einige Stunden in die vergebliche Suche nach kostenfreien oder wenigstens kostengünstigeren Lösungen investiert hatte, gab ich mir jetzt dann doch einen Schubs und habe bei iMazing auf den „Kaufen“-Button geklickt.
Somit bin ich nun bildermäßig endlich wieder voll bei der Sache.
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