Ein bisschen Vorgeschichte zur Entstehung dieses Newsletters
Ein verregneter Tag auf dem Campo bei La Zarza, dem Vorörtchen Jumillas
In meiner Buchhaltung musste ich eine Zeitlang zurück scrollen, um zu finden, wonach ich suchte. Am sechsten März des Jahres 2020 habe ich 77 € investiert und mir die erste Auflage des inzwischen schon etwas abgegriffenen Buches „Der Content Terminator“ von Walter Epp zugelegt. Etwas später im gleichen Jahr schob ich nochmal fast anderthalbtausend Euronen hinterher, um dem Baron in seinen Schreibclan zu folgen. Unzählige Tipps und Tricks habe ich seitdem aus „Schreibsuchti“ gezogen, doch bei einem ganz zentralen Rat meines selbstgewählten Mentors schreckte ich immer wieder zurück: „Starte einen Newsletter„, so schreit es mich eigentlich in jedem Kapitel der Online-Schule an. Letztendlich bauen die meisten der weiterführenden Copywriter-Tipps, die der erfahrene Schreiber seinen Sprösslingen ans Herz legt, auf einen solchen Newsletter auf. Ich selbst freue mich ja auch jedes Mal, wenn der Meister seine spitzzüngige Feder nutzt, um meinen Posteingang zu beschicken. Aktuell noch unbezahlt, aber schon allein aus reiner Überzeugung dennoch zur Verbreitung gewillt, hier ein bisschen Werbung: |
Nun ist dies bereits der zehnte Newsletter von mir selbst als Absender. Wieder einmal habe ich mich lange an der Lebensweisheit festgeklammert, „Gut Ding will Weile haben“. Zugegebenermaßen haderte ich jedoch auch lange daran, welchen Namen ich dem Kinde denn geben sollte, oder präzisiert ausgedrückt, welchem Inhalt ich mich konzentrierter zuwenden möchte.
Könnte ich heute nochmal mit all meinem Wissen in meine Jugendjahre zurückkehren, so würde ich mich dem Studium der Philosophie verschreiben. In Kombination mit Historienkunde dabei auf die zahlreichen Universalgelehrten der Menschheitsgeschichte konzentrieren. Denn Breitband-Wissen ist es meines Erachtens, das heutzutage bei den Entscheidern und auch den Ratgebern dieser Entscheider rund um den Globus im wesentlichen Maße fehlt.
Mit dem Sesshaftwerden hat die Menschheit eine Errungenschaft eingeführt, die ursprünglich zu einer Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität und damit zu enormem Wohlstand führte. Doch genau diese Effekte sorgten im Laufe von Jahrhunderten immer mehr dafür, dass die Kollateralerscheinungen völlig außer Kontrolle geraten sind.
Die Rede ist von der Arbeitsteilung. Das Universelle kommt unter die Räder.
Wenn man nicht mehr „alles“ selbst machen muss, sondern einzelne Teilbereiche daraus mit höherer Professionalität angehen kann, sorgt das für eine größere Effizienz und damit für ein besseres Ergebnis. Soweit korrekt. Wenn man dieses Spiel jedoch dermaßen weit treibt, dass der Einzelne irgendwann zum regelrechten Fachidioten verkommt und damit einhergehend den Blick auf seine eigene Position im gesamten Spiel verliert, bedarf es zwingend leitender Menschen, die den Zusammenhalt und das gegenseitige Verständnis fördern.
Es entsteht so eine übergeordnete Not, der sich das einzelne Individuum hilflos ausgeliefert fühlt. Und die nur allzu gerne von rein auf ihren persönlichen Vorteil bedachten Vertretern ausgenutzt, gar forciert wird.
Es entsteht eine Kluft zwischen den „Wissenden“ und den „Glaubenden“. Zwischen den „Steuernden“ und den „Hinterherlaufenden“. Wenn ich an den abschreckend langweiligen Geschichtsunterricht während meiner Schulzeit zurückdenke und mir das bis zum Erbrechen wiederholte „nie wieder“ der Lehrer ins Gedächtnis rufe, und dann zum Vergleich einen Blick in die heutigen Nachrichten werfe, nun, ich glaube, ich muss nicht weiter erläutern, was mich zum Aufstellen der obigen These brachte.
In meinem angestammten Berufsbild des selbständigen Buchhalters habe ich im Laufe meiner über drei Jahrzehnte Berufserfahrung so vielen Unternehmern beim Wachstum geholfen. Und leider auch unfassbar viele Betriebe zu Grabe getragen. Ich habe vollkommen unfähige Glückspilze Vermögen einfahren sehen und ich habe richtig kluge Köpfe an der Realität scheitern erlebt. Mir blieb während meiner Laufbahn das ruhige Leben eines einfachen Schreibtischjobs verwehrt, stattdessen durfte ich unzählige Existenzen durch die stürmischsten Zeiten ihres Lebens begleiten. Und habe überall ein paar Erfahrungen in meine bis heute weiterhin anwachsende Sammlung aufnehmen können.
Diese Vielfalt an Zuständigkeiten und das häufige Auf und Ab verhinderten, dass ich mich zu dem entwickeln konnte, was man gemeinhin als einen Fachidioten bezeichnet. Aber ich würde mich dennoch als ausreichend weitsichtig bezeichnen, um zu erkennen, dass mir somit auch ein gewisser Blickwinkel aufs Leben fehlt. Insbesondere seitdem ich es mir zur Aufgabe gemacht habe, möglichst viele Personen zum Schritt in die Selbständigkeit zu bewegen, habe ich ein vielfaches Mehr an Menschen kennengelernt, die mit den vorgegebenen Bahnen ihres gesteuerten Lebens rundherum zufrieden sind. Es hat schon Vorteile, wenn man gesagt bekommt, welche Arbeiten man an welchem Ort und in welcher Qualität zu erbringen hat. Um die Stellung der Arbeitsmittel kümmern sich andere und am Ende des Monats kommt zuverlässig ein bereits im Voraus bekannter Betrag auf dem Bankkonto an. Ja, diese vermeintliche Sicherheit hat ihren Reiz, dessen bin ich mir bewusst, auch ohne es selbst jemals erlebt zu haben.
Das Wort „vermeintlich“ im Satz zuvor ist es, dem ich etwas mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen möchte. Es ist schlichtweg nicht selbstverständlich, dass all diese Rahmenbedingungen in dieser Form gegeben sind. Und der Mensch – als Individuum wie auch als Gemeinschaft – muss sich konstant darum bemühen, dass dieser Zustand erhalten bleibt. Was, wenn man es rechtzeitig und in ausreichender Regelmäßigkeit tut, eigentlich ein Kinderspiel sein kann.
Doch es liegt in der Natur eines Säugetiers, immer ein wenig zur Faulheit, zumindest aber zur Trägheit zu tendieren. Und sich entsprechend um manch eine Vorsorge erst zum Zeitpunkt der überfälligen Nachsorge zu kümmern. Mit dem Rauchen aufhören, wenn die Diagnose des Lungenkrebses bereits vorliegt. Oder die Weltreise angehen, wenn ohne Rollator und Blasenbeutel nichts mehr geht. Ihr kennt das.
Nun bin ich per Status heute einkommensmäßig auf meine Buchhaltungsarbeiten für Unternehmen in Umwälzungssituationen angewiesen. Nebenbei übe ich mich als Geschäftsführer eines Unternehmens, das ein datenschutzkonformes eLearning-Portal gegen die sorglose Konkurrenz von Zoom. & Co. zu vermarkten gedenkt.
Hier gleich nochmal eine Werbeeinblendung mit der Bitte um reichliche Verbreitung:
Den Schwerpunkt meines eigenen Unternehmens sehe ich jedoch schon seit Jahren deutlich mehr darin, Existenzgründer zu fördern und ihnen über die bürokratischen Hürden zu helfen, an denen die meisten schon übers Aufgeben nachdenken.
Nebenbei fröne ich meiner Leidenschaft zum Schreiben und philosophiere gerne wortgewaltig über tausendundein Thema, wie man es den Absätzen bis hierher ja schon entnehmen konnte. Damit mir die Themen auch bloß niemals ausgehen, habe ich einen Blick in die Politik geworfen und mir das lila Parteibuch von VOLT zugelegt. In der untersten Schublade meines virtuellen Schreibtischs lagert noch eine GmbH, die sich dem digitalen Datenaustausch zu einer Zeit widmen wollte, als Google Drive noch nicht erfunden war und die großen Buchhaltungsanbieter wie DATEV noch im Faxgerät das Mittel der Zukunft sahen. Mangels ausreichender Kapazität damals ein Rohrkrepierer, der bis heute auf eine Renaissance wartet.
Dann war da noch der langsam aber sicher vor sich hin alternde Körper, der bei ehemals selbstverständlichen Aktivitäten auf einmal die rote „Malfunction“-Warmleuchte im Hirn aufblitzen lässt. Steckt in meinem Kopf noch die Erinnerung an den Jüngling, der im nachbarlichen Getränkevertrieb vier Bierkasten auf einmal getragen hat, muss der heutige Typ, dessen Bart inzwischen ergraut, immer öfter vor dem Öffnen eines Gurkenglases kapitulieren.
Es ist halt eben nicht mehr Kraft das Mittel der Wahl, sondern Köpfchen. Und genau dieses grübelte lange vor sich hin, wie man denn die (unvollständige!) Liste der eigenen Fähigkeiten aus dem vorherigen Absatz in einen zentralen Newsletter gießen könnte. Mit Gründen, die gegen ein Anfangen sprachen, kann ich Bücher des Umfanges der Bibel füllen. Aber an zur Selbstüberzeugung ausreichenden Aufhängern für einen Start mangelte es doch allenthalben.
Bis mir dann zum Jahreswechsel 2022/23 auch noch diese merkwürdigen Zufälle in Spanien unterliefen. Zufälle oder Fingerzeige? Ich glaube nicht an Sterndeutung oder anderweitige übersinnliche Schicksalsgebung. Aber das heißt nicht, dass ich das Auftreten spontaner Möglichkeiten als Richtungsweisung ausschließe.
All die Tätigkeiten oben lassen sich durchaus auf einen zentralen Nenner zurückführen: die Basis des Arbeitsdenkens in Kombination mit ein wenig Kritik an der längst ins Schädliche ausgeuferten Arbeitsteilung.
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Es wird vermutlich noch weitere zehn Newsletter dauern, bis ich endlich die ganzen Kinderkrankheiten unter Kontrolle habe, die nur allein durch die Technik verursacht ständig über mich hereinbrechen. Und ich werde mich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch weiterhin allzu oft in etwas ausufernden Erzählungen verlieren. Ich schreibe zu gerne, als dass ich mich selbst an diesem Spleen beschneiden wollen würde. Doch im Kern des Newsletters wie auch dem dahinter stehenden Projekt werde ich nun langsam anfangen, auf die dem Campo Vida Sencilla zugrundeliegende Fragestellung zu sprechen zu kommen: Wie viel braucht man eigentlich wirklich, um ein stabiles und zufriedenes Leben zu führen? Oder wie wenig? Mir ist bewusst, dass diese Frage jeder Mensch nur individuell für sich selbst beantworten kann. Ich will deshalb gar nicht direkt eine Antwort liefern, sondern weit mehr dazu animieren, sich selbst überhaupt erst einmal ganz offen und ehrlich mit der Fragestellung auseinanderzusetzen. Es soll nicht darum gehen, irgendwelches Handeln oder irgendwelchen Konsum per se in Misskredit zu bringen. Nein, Zielsetzung soll es sein, den Konsum wieder in den Bereich des Genusses zurückzubringen. Statt alltägliche Rahmenbedingungen als Selbstverständlichkeit einfach hinzunehmen, hier und da einmal darüber nachzudenken, was denn dahinter steckt. Einfach nur, um beim nächsten Nutzen dieser Selbstverständlichkeit ein inneres Gefühl der Wertschätzung zu erleben. Das Streben nach „mehr“ steckt in uns Menschen tief verwurzelt drin. Verschiedene Religionen versuchen unentwegt, ihren Anhängern ein schlechtes Gewissen deswegen einzutrichtern. Das ist Quatsch, niemand kann gegen seine eigene Natur agieren. Zumindest nicht dauerhaft und ohne Schaden zu nehmen. Das „Mehr“ als Wunschtraum lässt sich aber deutlich leichter ertragen, wenn man sich dessen bewusster ist, was man bereits hat und nutzt. |
Es soll hier im Laufe der Zeit also um Vergleiche gehen. Unser nächtlicher Gang zum Kühlschrank, auf dessen Weg wir wie selbstverständlich das Licht einschalten. Tat man im Osten der Ukraine bis Anfang 2022 auch, seitdem erleben die Menschen dort auf die harte Tour, was es heißt, ohne Strom und fließendes Wasser auszukommen. Und es geht auch. Oder vielleicht als weniger heftiges Beispiel: in den Fitnessstudios der vermögenderen Zivilisationen schwitzen auf Kalorienverbrauch bedachte Zeitgenossen unter künstlich erfundener Anstrengung, während auf den Baustellen nebenan kein Fortschritt zu verzeichnen ist, weil zum Schwitzen bereite Bauarbeiter fehlen. Insgesamt werden Bewegungsmangel und Fehlernährung immer mehr zu Volkskrankheiten. Genauso wie psychische Leiden unter dem vergeblichen Versuch, virtuelles Traumleben und echtes Dasein unter einen Hut zu bringen. KI als Therapeut? Inzwischen eine Normalität, denn der Computer hat wenigstens Zeit für seinen Gesprächspartner. Und im Zweifel auch die besten Tipps zum Herbeiführen des vorzeitigen Ablebens.
Von Politikverdrossenheit bis zum Klimawandel, vom Karriereziel bis zur Gründung eines späteren Einhorns, im Laufe der Zeit soll hier in alles einmal angeschnitten werden. Und die Grundlage von alledem wird immer sein: Was brauche ich denn eigentlich selbst? Die eine lebt auch im deutschen Winter problemlos ohne Heizung, der anderen kommen nicht einmal Gewissensbisse, wenn beim Milch in den Kaffee Schenken die Kühlschranktür offen bleibt oder beim Zähneputzen das Wasser weiter läuft. Jedem Menschen ist etwas anderes wichtig. Ziel ist hier nicht der erhobene Zeigefinger, sondern nur das Schaffen von Bewusstsein für diese Zusammenhänge.
„Verlange niemals von anderen Dinge, die Du selbst nicht machen würdest“. An dieser leichten Abwandlung der berühmten Goldenen Regel der Ethik versuche ich mich zeitlebens auszurichten. Und so bin ich dann auch den Selbstversuch angegangen, als sich mir mit dem Campo die Möglichkeiten ergaben. Ich bin mit fast Nichts ins ziemliche Nichts gegangen und recherchiere nun stückweise, was ich brauche, um zufrieden zu sein. Internet? Menschen? Strom? Wasser? Nahrung? Kontakte? Arbeit? Geld? Woran fehlt es zuerst? Was kann man wie ersetzen?
Und wie verpackt man die eigenen Impressionen so, dass sie auch andere Menschen zum Nachdenken, zum Mitfiebern, zum Miterleben animiert?
Nun, diesen letzten Punkt glaube ich jetzt gelöst zu haben: Ich berichte einfach über meine eigenen Erfahrungen. In einem Newsletter.
Jetzt habe ich ja endlich einen Aufhänger dafür!
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