Quo Vadis, Clark? In den Frühling!
Campo Vida Sencilla, La Raja, bei La Zarza, Jumilla (Murcia)
„Sag mal, Clark, wie willst Du denn jemals mit dem Newsletter Geld verdienen?“ Ist nicht so, dass ich mir die Frage nicht gelegentlich selbst auch stelle, aber in der vergangenen Woche wollten überraschend viele Leute hierüber eine Aussage von mir hören. Und immer wieder gebe ich darauf die aus der zwischenmenschlichen Beziehungsbeschreibung nur zu gut bekannte Aussage von mir: „Es ist kompliziert“.
Vermutlich kommt es zu der vermehrten Fragestellung aufgrund der derzeitigen Wetterlage. Die Leute bleiben mehr zuhause und nutzen diese Gelegenheit, um sich die klassische Sinnfrage zu stellen. Ich denke, also bin ich. Als Descartes sich in seinen Gedanken über das Zweifeln verlor, war die moderne Arbeitswelt noch nicht erfunden. Doch die Zweifel sind geblieben. Aber ich will mich hier nicht im Philosophieren verlieren, sondern durchaus die gestellte Frage zu beantworten versuchen.
Bei jeder Geschäftsidee braucht es Mitwirkende und je nach Größe auch Dreigeldfünfzig an Investitionskapital. Und ich glaube, schon an dieser Stelle brauche ich eigentlich nicht mehr weiter über den Inhalt des Begriffs „kompliziert“ zu reden, oder?
Okay, ein häufiger Einwand ist dann auch noch, dass man für eine Geschäftsidee doch auch einen Markt, also potentielle Kunden, benötigt. Dem stimme ich zu. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, man braucht zudem ein Gespür für Timing. Manchmal ist die Geschäftsidee zwar spitze, aber die Zeit dafür einfach noch nicht reif.
Doch ganz unabhängig davon gibt es bereits jetzt die wildesten Geschäftsmodelle, die ganz offensichtlich hervorragend funktionieren.
Wie viel würdest Du beispielsweise dafür bezahlen, damit Dein Name für eine kurze Zeit in nahezu sämtlichen Nachrichten erwähnt wird? Nur Dein Vorname. Ohne Hinweis auf Dich als Person. Dass Du gemeint bist, weißt nur Du und die paar Menschen, denen Du es mitgeteilt hast. In den allermeisten Fällen wirst Du nur kurz am Rande erwähnt. Aber Du kannst bei dem Lotteriespiel auch das große Los ziehen und über Wochen die Schlagzeilen dominieren, ja, vielleicht sogar in die Geschichtsbücher eingehen. Die Chancen für letzteres stehen aktuell so gut, wie noch nie zuvor. Na, was ist es Dir wert? 50 Euro? 100 Euro?
Ihr habt es vielleicht schon erraten, ich rede hier von den Wetterpatenschaften. Man kann sich bei einem Berliner Verein gegen Gebühr auf eine Warteliste setzen lassen, nach der dann in alphabetischer Reihenfolge die einzelnen Wetterzyklen benannt werden. Die selteneren und meistens für Sonnenschein verantwortlichen Hochdruckgebiete sind für 390 Euro zu haben, ein eher depressionsfördnerndes Wetter verursachendes Tiefdruckgebiet gibt es schon für 290 €. Zertifikat inklusive.
Damit sowohl Männlein als auch Weiblein mal die Chance bekommt, am schlechten Wetter schuld zu sein, wechselt die Namensvergabe der Druckgebiete jährlich. In den geraden Jahreszahlen haben die Männer ihr Hoch, bedeutet, im aktuellen Jahr 2026 sind die Frauen für das Ungemach im Straßenverkehr und die chronisch an meinem Wohnwagen rüttelnden Stürme verantwortlich.
Was man noch dazu sagen sollte: An die deutschen Namensvergabe halten sich die bösen Wetterfrösche des Auslands natürlich nicht. Während in Deutschland „Elli“ dafür sorgte, dass die Bahn ausnahmsweise mal reale Ausreden für die Verspätungen hatte, war es „Harry“, der im Mittelmeerraum manch einem Villenbesitzer die passende Yacht direkt in den Vorgarten legte. Wetter ist schon eine komplizierte Sache, das macht vor der Namensvergabe nicht halt.
Aber zurück zum Komplizierten, das war ja unser Thema. Anfang 2024 erfuhr ich von der Erbschaft meines Freundes und der Tatsache, dass ich mich nicht einmal 20 Kilometer davon entfernt zum Überwintern eingemietet hatte. Damals war die Welt und das Wetter noch in Ordnung, also konnte ich mich auf mein Fahrrad schwingen und mir das Gelände genauer ansehen. Die erste Reaktion war die gleiche, wie sie mit Sicherheit jeder andere auch empfindet: Meine Güte, was für ein verwilderter, von der Menschheit aufgegebener und jenseits aller Zivilisation gelegener Flecken Erde ist das denn?!
Doch dann stand ich da in der Sonne und ließ meinen Blick über das weite Tal wandern. Irgendwo zwitscherte ein Vogel. Irgendein winterhartes Insekt summte um meine Beine. Sonst… nichts. Stille.
Der perfekte Ort, um sich zu sammeln. Ablenkungsfrei einmal tief durchzuatmen.
Vielleicht nennt man das „Liebe auf den zweiten Blick“, auf jeden Fall war ich schon beim Zurückradeln in meine Casita im Hinterkopf am Überlegen, ob man nicht aus ebendieser Abgeschiedenheit etwas Sinnvolles machen könnte. Ja, hier ist weit und breit nichts. Kein Meer, kein Schwimmbad, kein Freizeitpark, kein Einkaufszentrum. Einfach „nichts“. Aber war es nicht exakt genau das, was mich letztenendes zur Auswahl der Casita in dem vermutlich keinem Menschen außerhalb dieser Region bekannten El Salado Alto brachte? Ich wollte meine Ruhe haben und, wenn ich nicht gerade über der Arbeit brüte, eine möglichst kurze Distanz zur Natur. Potential für Wanderer und Mountainbiker hat es hier ohne Ende.
Vor vielen Jahren verspürte ich dieses Gefühl der Seelenheil spendenden Abgeschiedenheit schon einmal: an Bord der Easy Living, eines Katamarans auf der Ostsee. Doch Segeln ist ein Mannschaftssport. So richtig zur absoluten Tiefenentspannung wird das nur, wenn man mit der richtigen Crew unterwegs ist. Man kann auch Pech haben und gestresster von einem Törn zurückkommen, als man hingefahren ist.
Ich liebe das Meer. Aber zum Herbeiführen eines geistigen Resets braucht es irgendwie mehr. Also habe ich das Internet befragt und bekam schon nach wenigen Klicks bestätigt: Mit dieser Suche nach einem Rückzugsraum bin ich nicht alleine. Da gibt es bereits einen richtigen Markt drumherum.
Doch zwei Dinge an all den Angeboten, die ich so betrachtete, störten mich: Animation und Kosten. Da bekommen Manager ein verlängertes Retreat-Wochenende angeboten, um aus ihrem Alltagsdruck einmal herauszukommen. Vier Tage im Schlosshotel vollgepfropft mit Meditationen und Coaching-Sitzungen für läppische 8.900 Euro ohne Anreise. Was ist das, wenn nicht Druck und Stress? Es mag High-End-Manager geben, die solche geführte Ablenkung als Entspannung empfinden. Aber wo steht denn geschrieben, dass nur Manager in der Situation stecken, vor lauter Alltag die Bodenhaftung verloren zu haben? Das Leben verläuft nicht gradlinig, für niemanden. Und Entscheidungen treffen, die über das gewohnte Maß hinaus gehen, muss auch jedermann.
Im Spirituellen redet man gerne von „Erdung“, wenn man beispielsweise beim Yoga auf das Tragen von Schuhen verzichtet. Die Haut der Füße soll direkten Kontakt mit dem Boden haben. Im übertragenen Sinne braucht man eine solche Erdung auch im Geiste. Entscheidungen zu treffen, bedeutet, Sachverhalte gegeneinander abzuwägen. Ich lasse hier mal eine kontextfremde These in den Text einfließen: Ein großer Teil der aktuell in sämtlichen Demokratien spürbaren Politikmüdigkeit der Menschen ist darauf zurückzuführen, dass die Entscheider der letzten Jahrzehnte die Bodenhaftung verloren haben. Es werden Entscheidungen getroffen, deren Reichweite der Entscheider nicht überblickt, da er das mit dieser Entscheidung beeinflusste Problem selbst niemals hatte.
Was genau ist denn überhaupt ein Problem? Das Sinken des Aktienkurses? Die Abgabefrist eines Reportings? Das Abschneiden beim nächsten Gehaltsgespräch? Oder im Privatleben das Nichtfinden eines Handwerkers? Die Höhe der Telefonrechnung? Das Absetzen der Lieblings-Soap im Fernsehen? Ich bin ziemlich sicher, dass jeder so seine eigene Definition für den Begriff „Problem“ aufzählen kann.
Aus dem Alltag mal für eine gewisse Zeit ausbrechen und sich mit wahren Problemen beschäftigen, das ist mehr oder minder das Angebot, welches das Campo Vida Sencilla seinen Besuchern irgendwann machen möchte. Wie viel, oder genauer gesagt, wie wenig braucht ein Mensch eigentlich wirklich, um ein glückliches Leben zu führen? Ab welchem Status kann man getrost von Luxus sprechen? Es soll nicht darum gehen, den Luxus abzuschaffen. Es soll nur darum gehen, ihn als ebensolchen wieder anzuerkennen und entsprechend wertzuschätzen.
Von Kristin bis Opika tobten sich in den Tagen zahlreiche Tiefdruckgebiete über Europa aus, die mich davon überzeugten, dass meine Zeit besser am Schreibtisch angebracht ist, statt mich dem weiteren Steine-Sammeln zu widmen. So kam es zu einer Situation, die ich selbst beispielsweise als „Problem“ titulieren würde. Meine Morgenroutine lässt mich vom Wohnwagen zum Sanitärhänger wandern, in dem ich den Ofen anwerfe. Dann geht es weiter zur Höhle, den Moosgummi-Schaber holen und ab zu den Solarpanelen, um den Tau der Nacht von den Zellen zu wischen. Auf dem Rückweg bringe ich schon einmal vom Kühlschrank in der Höhle die Margarine und Marmelade in den Wohnwagen, dann geht es in die inzwischen warme Örtlichkeit zum Zähneputzen und aufs Töpfchen setzen. Draußen rüttelt der kalte Wind an den harten Wänden des schweren Anhängers, drinnen bringt das eigene Hinterteil die hölzerne Klobrille auf Wohlfühltemperatur. Die Muskulatur an der entsprechenden Körperöffnung beginnt somit in die erforderliche Entspannungsphase überzugehen… da gibt der Ofen ein letztes Husten von sich und geht aus. Meine erste geleerte spanische Gasflasche. Zu einer völligen Unzeit. DAS ist ein Problem. Ja, und ich gebe zu, ein Problem, in welches ich manch einen anderen Menschen auch einmal zu bringen gedenke.
Bis dahin beschränke ich mich aber darauf, einfach nur über ebensolche Erlebnisse zu berichten. Jede Herausforderung, die einem Menschen hier auf dem Campo einmal begegnen kann, will ich vorher einmal selbst durchlebt haben. Ob mein jeweiliger Lösungsansatz Anspruch auf Einzigartigkeit hat, will ich gar nicht behaupten. Aber über das Mindestmaß an Anforderungen und verschiedene Ansätze zur Erfüllung ebendieser kann ich auf jeden Fall schon jetzt berichten. Was ich aktuell nur hier mit diesen Zeilen tue. Irgendwann in absehbarer Zeit aber auch noch ein paar weitere Angebote mit dranzuhängen gedenke.
Tja, und ganz nebenbei treibe ich mich ja auch weiterhin noch im Buchhaltungsbereich herum. Wo ich ebenfalls gerne ein wenig angesammeltes Wissen in die Welt hinaustragen möchte. Das alles unter einen Hut zu bringen wird schon eine gewisse Herausforderung werden. Aber sagte ich es nicht bereits? Es ist kompliziert. 😉
Nach dem vielen einleitenden Text will ich dann doch wenigstens auch noch das eine oder andere Bild der vergangenen Woche hinterherschieben. Wie schon geschrieben war das Wetter gelinde gesagt „ungemütlich“. Aus Deutschland erreichten mich zahlreiche Berichte über massenhaft von dem inzwischen in den Breitengraden so gar nicht mehr gewohnten weißen Zeugs.
Rund um die spanische Hauptstadt sorgte diese kalte Pampe tatsächlich ebenfalls für reichlich Chaos. Doch auch wenn meine Wetterapp zwischendurch mal was von wahrscheinlichem Schnellfall für den nächsten Tag ankündigte, blieb mir dieser am Ende dann doch erspart.
Was es dafür allerdings vermehrt gab, war Regen und vor allen Dingen ohne Ende Wind in allen möglichen Stärkegraden bis hin zu Orkanböen.
Morgens ist hier auf dem Campo zumeist die Welt noch in Ordnung. Die Sonne kämpft sich vom Horizont nach oben und ignoriert mein alltägliches Meckern, dass sie schon wieder auf der falschen Seite, weil hinter dem Hügel hinter meinem Wohnwagen, aufgeht. Aber dafür gibt sie sich redlich Mühe, meine müden Knochen zu wärmen. Leider meistens nicht lange, dann müssen die Bäume auf dem Campo wieder ihr Durchhaltevermögen beweisen und mein Komposteimer beginnt erneut seine unfreiwillige Reise ins Tal. Inzwischen lege ich schon immer einen großen Stein unten rein, davon habe ich ja wahrlich genug hier. Doch wenn ich das nächste Mal meinen Teebeutel zur Wohnwagentür rauswerfen will, ist er schon wieder weg. Es ist schon wirklich sehr, sehr windig hier gerade.
Nachdem ich mir zum Jahreswechsel so schön eine Art Routine angewöhnt hatte, nach dem Frühstück für drei Stunden an den Schreibtisch und anschließend für zwei bis drei Stunden zum Steine-Sammeln nach draußen zu gehen, fiel es mir kurzzeitig echt schwer, mich wieder an komplette Indoor-Tage vorm Bildschirm zu gewöhnen.
Man macht ja deswegen abends nicht früher Feierabend, nur weil man auf die körperliche Ertüchtigung am Nachmittag verzichtet hat. Und im Dunkel bei Regen und Sturm rausgehen ist auch nicht lustig, also bleibt man am Ende stumpf nur an der Arbeit sitzen.
Aber es gibt ja auch Dinge, die man drinnen machen kann, ohne dabei vorm Bildschirm zu sitzen. Meine Brotversorgung sicherstellen beispielsweise. Langsam kriege ich echt Übung im Backen. Nur an der Mehlmischung muss ich weiter experimentieren. Je mehr Weizenmehl, desto langweiliger das Brot. Je mehr Weizen ich durch Roggen oder Dinkel ersetze … desto krümeliger wird das Ergebnis. Alles in allem bin ich mit meinen Backkünsten ja zufrieden. Geschmacklich absolut okay. Nur in Sachen Verarbeiten beim Schneiden schon eine Herausforderung. Ist mein Lieblingswort im heutigen Newsletter, scheint es.
Könnte vielleicht auch an meinem Grill liegen. Bei meinen letzten Back-Aktionen hatte ich den Grill immer auf der Rampe des Pferdeanhängers stehen, da ich die darin befindliche spanische Propangasflasche nutzte. An der Stelle blies immer der Wind um den Grill herum, was ich als Ursache für die schwächelnde Heizleistung vermutete. Jetzt habe ich ja zwei zusätzliche Flaschen (genauer gesagt eine, die andere heizt meinen Anhänger, siehe Anekdote oben).
Bei meinen neuen Flaschen handelt es sich nun um Butan, nicht um Propan. Während ich von meinen deutschen Gasflaschen eine rein blaue Flamme gewohnt war, brennt das Gas nun mit einer gelben Spitze am blauen Bereich. Und rußt mir die Töpfe von unten ziemlich zu. Das Schlimmste aber: Der Spaß wird irgendwie nicht richtig heiß. Dieses Mal habe ich den Grill im Eingangsbereich der Höhle in Betrieb genommen, also absolut windgeschützt. Und trotzdem … selbst nach einer Stunde Betrieb mit höchster Stufe auf allen drei Brennern gerade mal 170 °C im Grill. So wird Brotbacken anspruchsvoll. Aber einfach kann ja jeder.
Wenn denn endlich mal das schlechte Wetter eine Pause einlegt, erwacht sofort die Natur. Im Guten genauso wie im für uns Menschen manchmal etwas Fragwürdigen. So wurde mir auch einmal der Zugang zu meinem Bad-Anhänger von sehr kleinen Zeitgenossen versperrt. Ich kriege das Erlernen der spanischen Sprache schon nicht gebacken, daher brauche ich nicht darüber nachzudenken, „ameisisch“ lernen zu wollen. Doch interessiert hätte es mich schon, was die kleinen Sechsbeiner da auf dem nackten und vom langen Regen völlig sauber gewaschenen Beton meiner Behelfstreppe zu finden hofften. Zwischen den vielen Fußgängern huschten einige geflügelte Ausfertigungen herum, war das nicht irgendwas mit Paarung und Vermehrung? Braucht ein liebestrunkener Ameisenkopf mehr Höhe, um die temporär gewonnene Flugfähigkeit nicht gar so sehr zu strapazieren?
Während meines Sommeraufenthaltes hatten mich die kleinen roten Ameisen dermaßen oft in meinem Wohnwagen malträtiert, dass ich irgendwann zur chemischen Keule greifen musste, um sie des Hauses zu verweisen. Die großen Schwarzen jedoch hatten direkt gegenüber von meinem Wohnwagen mehrere Höhlen gebuddelt, von denen aus sie in alle Himmelsrichtungen ausströmten und dabei richtige Straßen anlegten. Für mich und meinen Wohnwagen interessierten sich die Schwarzen überhaupt nicht, also habe ich auch deren Straßen respektiert und sie ihr Ameisending machen lassen. ‚Ihr stört mich nicht, ich störe euch nicht.‘
Jetzt lag die Sachlage jedoch ein bisschen anders. Mit jedem Gang ins Bad würde ich einen Massenmord begehen. Aber das Ameisenpulver einsetzen wollte ich dann doch auch nicht. Die Tiere tun mir ja nichts, sie sind nur im Weg. Also habe ich auf die freien Flächen zwischen die Ameisen vorsichtig aus meinem Schnupfenversorgungskasten etwas japanisches Heilpflanzenöl getropft. Streng darauf achtend, dass ich keine Ameise treffe. Die Fußgänger zeigten sich auch von dem Geruch beeindruckt und begannen sich zurückzuziehen. Manch eine geflügelte Ameise jedoch landete auch mal mitten im Minzöl. Nun, ich könnte mir vorstellen, dass für sie die Partnersuche an diesem Tag abgeschlossen war. Eine Stunde später war die Treppe wieder ameisenfrei. Wo auch immer die Tierchen sich jetzt herumtreiben.
Stichwort „Treiben“. Als ich letztens ChatGPT befragte, ob man von einem Feigenbaum Stecklinge ziehen kann, bekam ich zur Antwort, dass man das am besten im späten Winter machen sollte. Auf meine verwunderte Rückfrage, wie man denn das Ende des Januars bezeichnet, wenn nicht „späten Winter“, klärte mich die KI auf, dass meine Einschätzung der Jahreszeiten sich nicht an den kalendarischen Vorgaben orientieren sollte.
Für Fauna und Flora in Spanien herrscht inzwischen bereits der Vorfrühling, der Winter ist vorbei.
Als ich die beiden Bienen an der Höhlenwand bei ihrem fleißigen Akt beobachtete, musste ich daran denken. Frühlingsgefühle, wo immer man auch hinschaut. Was mich ein bisschen erschreckte, waren die vielen im Umkreis um meine Beobachtung des pelzigen Pärchens auf dem Boden liegenden toten Bienen. So sehr beim Begatten verausgabt, dass am Ende alle Lebensenergie ins Weibchen übergegangen ist? An Nahrung kann es nicht liegen, es gibt hier ausreichend Blüten und nach dem vielen Regen auch überall Wasser. Die Natur ist schon manchmal grausam, scheint es.
Ich höre das inzwischen schon so gewohnte Bimmeln der Ziegenglocken. Und ja, sie invadieren gerade mal wieder meinen Campo. Irgendwie freut es mich, dass die brachliegende Fläche doch noch einen Nutzen findet. Meine Augen wandern über die auseinanderlaufende Herde und suchen den Hirten. Auch scheint es sich bei den dunkleren Tieren um die berühmten schwarzen Schafe, nicht aber um den Schäferhund zu handeln. Ich musste den Zoom benutzen, um die Herren der Herde ausfindig zu machen.
Ganz rechts im Bild unter den Bäumen haben es sich der Schäfer und der Hund gemütlich gemacht. Das Tal ist für die Tiere dermaßen ungefährlich, dass man sie auch halb unbeaufsichtigt lassen kann. Ich muss mich wirklich bei Gelegenheit übers Hirtenwesen einlesen. Meinen aktuellen Wissensstand habe ich aus dem Anschauen der Heidi-Zeichentrickfilme, doch das relaxte Leben des Ziegen-Peters ist vielleicht nicht ganz so repräsentativ. Gibt es sowas wie Sammel-Hirten eigentlich noch? Könnte ich mir auch zwei, drei Ziegen zulegen und sie dem Hirten morgens zum Betreuen mitgeben, abends bringt er sie mir zurück?
Aber … was soll ich denn mit Ziegen? Eigenen Käse für aufs Brot produzieren? Schmeckt Ziegenmilch im Kaffee? Fragen über Fragen. Ich stelle wieder einmal fest, es gibt noch viel zu erkunden hier auf dem Campo.
Doch für heute ist inzwischen der Mond aufgegangen. Die Wetterapp sagt, es wird in der Nacht regnen. Der Himmel sieht noch gar nicht danach aus. Doch auch der Wind soll die nächsten Tage wieder zurückkommen. Von mir aus könnte der langsam mal nachlassen. Ich hätte Lust, gelegentlich einen Spaziergang einzulegen.
Mir beispielsweise die verlassene Hacienda unten auf dem Bild nochmal anschauen gehen. Als ich im letzten Sommer einmal kurz dort war, hat mich der Bau beeindruckt.
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