Gutes Wasser, böses Wasser, überall Wasser. Das Wetter ist kaputt!
weiterhin Campo Vida Sencilla, La Raja, bei La Zarza, Jumilla (Murcia)
Im Dezember 2023 machte ich mich erstmals auf den Weg nach Spanien zum Überwintern im Warmen. Damals mietete ich mich in einer wunderschönen Casita im Garten eines ausgewanderten niederländischen Pärchens ein und genoss das spanische Winterwetter. Klar, am Abend brauchte ich die Unterstützung des Pelletofens hinter meinem mitgebrachten Schreibtisch, doch tagsüber stellte ich nur zu gerne einen Hocker auf den Gartentisch und platzierte mich zum Arbeiten, für Telefonkonferenzen und zum Essen in der wärmenden Sonne. Hinter der Casita wuchsen Orangen- und Zitronenbäume, deren Ernte damals etwas dünn ausfiel, da die Bäume unter dem trockenen Sommer gelitten hatten. Auf meine Frage an meinen Vermieter, warum er denn nicht an den Dächern sämtlicher Gebäude Regenrinnen befestigt, um Gießwasser aufzufangen, antwortete er ganz simpel: Regenrinnen machen hier keinen Sinn, es regnet ja so gut wie nie. Und tatsächlich sollten mehrere Wochen vergehen, bis ich selbst das erste Mal einen spanischen Regentropfen abbekommen hatte. Klar, die Erosions-Furchen in den Hügeln, die ausgewaschenen Ramblas und die betonierten Kanäle neben den Landstraßen zeugten durchaus davon, dass es hier auch mal regnen kann und dann gleich heftig viel Wasser abzutransportieren ist. Ähnliche Zustände kannte ich schon von meinen Tauchurlauben in Ägypten, wo manch eine Brücke mitten in der Wüste auch nur alle paar Jahre mal Wasser zu sehen bekommt, dann aber gleich in einer Menge, die zarte Bauwerke einfach gleich mit sich reißen würde. Das Internet klärt auf, dass es sich bei Murcia um die trockenste Gegend ganz Europas handelt. Mehr als 300 Sonnentage im Jahr lassen nicht mehr viel Luft für Regentage. Entsprechend hat sich im Laufe der Jahrzehnte, gar Jahrhunderte die ganze Infrastruktur auf ein Abwehren von Sonne, Hitze und ein bisschen Wind ausgerichtet. Wasser wurde währenddessen eher zu einem Politikum, da man es aus anderen Ecken Spaniens per Pipeline in diese Region transportieren muss, um ausreichend davon zu haben. Tja, soweit die Theorie. Oder muss man schon sagen, die Nostalgie? Während meines zweiten Überwinterns dröppelte es ein bisschen öfter, was mir auch mal bei einem Radausflug nasse Hosen einbrachte. Aber nichts, was man nun als besonderes Ereignis herausstellen würde. Was ich da jedoch schon anfing zu kritisieren, war der unangenehm werdende Wind. Auch da gibt es genug vor sich hin rostende Zeugnisse in der Landschaft, dass es zerstörerische Stürme immer gab. Doch alle ein bis zwei Wochen ein heftiger Wind, der das Rausgehen unangenehm werden lässt, war eher eine neue Erfahrung. Und jetzt verbringe ich meinen dritten Winter im Land, in dem es ’niemals‘ regnet. Und was soll ich sagen? Tage, an denen es mal nicht regnet, sind bislang eher die Ausnahme. AEMET, die spanische Wetterbehörde, kommt gar nicht mehr hinterher, eine Warnmeldung nach der nächsten rauszuschicken, abwechselnd in den Stufen Gelb und Orange. |
Dabei geht es mir hier in Murcia noch richtig gut, auch wenn vor ein paar Tagen an der mir nächstgelegenen Küste von Alicante Wellen von bis zu fünf Metern Höhe gemessen wurden. Weiter unten im Süden Spaniens sieht die Sache wesentlich schlimmer aus. In der Nähe von Cadiz hat man nun ein erstes Dorf vorsorglich komplett evakuiert. Sämtliche Stauseen sind bis zum Überlaufen gefüllt, Flüsse und Bäche treten über die Ufer. Ich habe mich selbst lange genug bei der Freiwilligen Feuerwehr in meiner am Rhein liegenden Heimatstadt eingebracht, um den verzweifelten Kampf gegen die Wassermassen zu kennen, mit dem die Bomberos hier nun schon seit einigen Wochen zu tun haben. Und die Wettervorhersage lässt vorerst keine Hoffnung auf Besserung aufkommen. Ganz im Gegenteil, manch ein Wettermodell erzählt im Moment sogar noch etwas, dass es zusätzlich zum „nass“ jetzt auch noch „kalt“ werden soll bis hier runter in den Süden Europas.
So hielt mich das Wetter der vergangenen Woche ziemlich erfolgreich davon ab, sonderlich viel auf meinem selbst geschaffenen „Kiri-Plaza“ weiter den Umzug meines Wohnwagens vorzubereiten oder auch nur einen Spaziergang zu machen, über den ich heute hier hatte eigentlich berichten wollen.
Stattdessen habe ich mir die Außenseite der Höhle einmal angeschaut, auf deren Innenseite zwischen den Feiertagen Ende Dezember Teile der Decke eingestürzt waren. Und in der die noch nicht eingestürzten Teile der Decke auch jetzt noch nach ziemlich nasser Erde aussehen.
Der Putz außen an der Wand lässt einen deutlichen Rückschluss zu, wo sich denn die meisten Wassermengen ins Innere bewegen. Genau die Ecke, an der das ganze von der Frontmauer gestoppte Wasser abbiegen muss zum Abfließen.
Also habe ich mir ein bisschen Werkzeug geschnappt und mir die Stelle oberhalb dieser Ecke einmal genauer vorgeknöpft. Selbst nach Beseitigung des Unkrauts und der Steinchen in dem Spalt sah das Ganze eigentlich gar nicht so schlimm aus.
Doch eine andere Stelle des potenziellen Wassereintritts konnte ich in dem Bereich gar nicht ausmachen. Ich habe mir einen halben Eimer Zement mit Sand angerührt und mich mit meinen ungeübten Buchhalterfingern ans Vollstopfen der Löcher gemacht.
Einen Schönheitspreis gewinne ich damit nicht, aber zumindest die direkt offenen Stellen sind jetzt zu und sogar mit einem kleinen Hügel versehen, sodass sich da gar nicht mehr erst Wasser sammeln kann.
Der Beton rund um die geflickte Stelle wirkt insgesamt auch schon ziemlich porös. Ende der kommenden Woche muss ich aus anderen Gründen mal wieder in den Baumarkt fahren. Mal schauen, was hier in Spanien ein Sack Fließspachtel kostet. Bitumen wäre vermutlich die bessere Lösung, aber ich will ja nur eine Behelfsabdichtung herstellen, bis die Zukunft der Höhle insgesamt geklärt ist. Dann kann man immer noch schauen, was man hier an zusätzlichem Material aufbringt.
Zur Erholung habe ich dann die Lücke zwischen Regen und Wind für ein Päuschen auf dem erwähnten Kiri-Plaza genutzt. Vielleicht wird es auch ein ‚Plaza de Rosmarin‘. Wenn ich demnächst bei richtig schönem Wetter eine zweite Videobegehung mache, werde ich die Namensgebung auch nochmal aufgreifen. Eigentlich hatte ich ja die Hoffnung, bis dahin mein Steine-Problem unter Kontrolle zu bekommen. Doch irgendein böser Wichtel scheint jede Nacht vorbeizukommen und neue Steine zu verteilen. Wird noch ein wenig dauern, bis das Gelände „barfußtauglich“ ist.
Westwind. Manchmal auch Nordwest. Das Campo liegt östlich und vor allem etwas unterhalb des Feldweges, der zurück zur Hauptstraße führt. Normalerweise wandere ich diesen Hauptweg zurück zu meinem Wohnwagen. Doch auf der anderen Seite des Feldweges geht es ja nur noch den Hang runter, sprich, man ist da am höchsten Punkt des Hügels.
Und wenn da eine Windböe mit 50 km/h und mehr vorbeigedüst kommt, droht das, selbst meine zwei Zentner Lebendgewicht von den Füßen zu heben. Also bin ich von meinem Ruhepäuschen ausnahmsweise mal die völlig zugewucherte Terrasse auf der Ostseite des Grundstücks im Windschatten des Hügels zurückgelaufen.
Ein neuer Ausblick, na ja, zumindest der gewohnte Ausblick aus einem anderen Winkel.
Der meteorologische Frühling beginnt erst am 1. März, der kalendarische gar erst am 20. März. Es ist noch sehr lange hin bis zu diesen Daten. Doch wie mich ChatGPT vergangene Woche schon aufgeklärt hat, herrscht hier bereits der Vorfrühling. Wenn der Sturm die gefiederten Nachfahren der Saurier nicht gerade vom Himmel pustet, hört man es überall schon zwitschern. Und unübersehbar lässt die Mandelblüte auch nicht mehr lange auf sich warten.
Diese Seite des Hügels scheint insgesamt geschützter zu liegen. So weit sind die Mandeln auf den Terrassen in der von mir ausgesuchten Stellplatz-Terrasse noch nicht. Sollte ich vielleicht umdisponieren und an anderer Stelle anfangen, Steine zu sammeln?
Ich bin heute Abend die während meines Sommeraufenthaltes gemachten Fotos durchgegangen. Tatsächlich habe ich überraschend wenige Aufnahmen vom Campo gemacht, dafür aber deutlich mehr Zeit in Spaziergänge investiert, muss ich feststellen. Nun, die Hardcore-Buchhaltungszeit findet am kommenden Dienstag ein zwangsläufiges Ende, dann sind die Fristen fürs vergangene Jahr abgelaufen. Was ich danach produziere, ist also dann ohnehin zu spät. Dann spielt es auch keine Rolle mehr, ob „ein bisschen zu spät“ oder „viel zu spät“, es kostet den gleichen Verspätungszuschlag beim Amt. Doch bis dahin klebe ich weiterhin überproportional viel an meinem Schreibtisch, statt mir die Landschaft anzusehen.
Jedenfalls habe ich auf der Suche nach einem Foto des von mir damals entwilderten Hofes vor meinem Wohnwagen nur diese Aufnahme des Abendrotes ausfindig machen können. Man sieht rechts die hier Laub tragende, aus einem mehrfach umgebrochenen Baumstamm gewachsene Feige. Und kann links daneben vor der Auffahrt des Grundstückes ein bisschen den nur aus Sand bestehenden Weg erkennen.
Etwas anderer Blickwinkel auf den gleichen Weg und meine sockenfreien plus unbeschuhten Laufwerkzeuge (und ja, diesen Zustand gibt es tatsächlich, man soll es nicht glauben).
Einfach nur kahle Erde. Nichts mehr, kein Krümel Pflanze irgendeiner Art.
Das folgende Foto ist nun brandaktuell. Man sieht die besagte Feige in der Bildmitte, aktuell noch komplett ohne Laub (allerdings schon Knospen treibend ohne Ende).
Ich werde dem Baumbusch, wenn mich das Wetter endlich lässt, in Kürze auch noch drei bis fünf Triebe „klauen“, um ihnen auf dem nun schon mehrfach erwähnten Kiri-Plaza ein neues Zuhause zu schaffen.
Veranschaulichen soll das Foto jedoch was anderes: es „frühlingt“ und grünt und blüht auch hier ohne Ende.
Okay, ein Kleinbisschen mag ich daran Schuld tragen …
Während meines Aufenthaltes im Sommer habe ich nicht nur Unmengen von Gestrüpp auf dem Gelände beseitigt, sondern auch die verschiedenen überall herumliegenden Bausteine zusammengetragen. Das Rot des gebrannten Tons inspirierte mich dazu, die Teile als Randbegrenzung der Einfahrt aufzustellen. Größtenteils waren die Baublöcke beschädigt, zudem durch das jahrzehntelange Rumliegen unter Wind und Sonne ziemlich brüchig. Also etwas draus bauen kann man eh nicht mehr.
Doch es waren einige Steine mehr, als ich für meinen Zweck brauchte, so habe ich am unteren Ende der Einfahrt diesen kleinen Kreis angelegt. Und ganz praktisch einfach als Komposthaufen genutzt, denn ein Loch ausheben ist bei dem steinigen Boden hier eine echte Herausforderung.
Vor meiner Heimreise Ende Juli 2025 habe ich dann alles vollflächig mit einem Sack Blumenerde abgedeckt und zwei Tüten Wildwiesen-Blumenmischung aus dem Baumarkt darauf verteilt. Aufs Festdrücken habe ich damals verzichtet. Und mehr Erde zum Abdecken hatte ich keine mehr.
Tja, so sah dieses kleine Rondell dann bei meiner Wiederkehr Ende November 2025 aus. Der Kompost unterhalb der Blumenerde sichtlich eingefallen, die Oberfläche eine Handbreit niedriger als bei meiner Abfahrt.
Aber vor allem: absolut unbewachsen. Der komplette Samen scheint vom Winde verweht worden zu sein.
Dafür grünte es kräftig aus tausend unterschiedlichen kleinen Pflänzchen rund um meinen Wohnwagen, der als Windfang am Ende des Platzes stand.
Abgesehen von einem Trampelpfad, der sich inzwischen von alleine gebildet hat, habe ich bislang nichts gegen dieses Grün unternommen.
Auch wenn das vielleicht bedeutet, dass ich mir manch ein Krabbeltier anlocke, auf dessen Kennenlernen ich vielleicht verzichten möchte.
Dieser kurze Exkurs „ins Grüne“ sollte dazu dienen, ein bisschen die „Sonnenseite“ des vielen Wassers aufzuzeigen, mit dem Spanien gerade versorgt wird. Käme dieses wertvolle Nass auch in den anderen Monaten des Jahres vom Himmel, würde die Landschaft hier sicherlich schnell wieder dauerhaft erblühen. Der Wille der Natur ist da. Es fehlt nur der Treibstoff.
Ich bin daher ein bisschen hin- und hergerissen zwischen Fluchen über das aktuelle Wetter und Freuen über das Potenzial für die Pflanzen, das sich aus dem untypisch vielen Regen ergibt.
Aber das gilt natürlich nur für die Region hier, in der ich mich aufhalte, denn hier bin ich doch recht weit weg von den Bereichen, in denen die Unwetter den Menschen gerade das Leben extrem schwer machen.
Regen bringt manchmal auch noch etwas anderes zum Vorschein als nur Pflanzen, daher gibt es hier zum Abschluss noch einmal genau diese grüne Wiese vor meiner Tür, jetzt aber mit einem Bogen über der Sierra del Carche, bei dessen Anblick mein Zorn übers viele Drinnen-bleiben-Müssen dann doch ganz schnell wieder verfliegt.
Euer Clark