Campo-Vision

Arbeit neu denken • Digital Detox • Camposophie

Campo Vida Sencilla 

Ein Grobkonzept 

Bildungs-Camping / Natur- und Begegnungsort im Altiplano Murciano 

Vor die Überschriften setze ich noch einen Punkt namens “Gedankensammlung”. Hier halte ich die Dinge fest, die mir gerade durch den Kopf gehen, für die ich im aktuell gerade bearbeiteten Kontext jedoch keine Verwendung habe. 

Ein solcher Punkt, den ich zwar als Hintergrundwissen bei der Planung mit angesetzt wissen möchte, den ich aber aus rein vertriebstechnischer Sicht heraus nicht offen dokumentiert ausweisen kann, ist der fortschreitende Klimawandel. Wochen- ja, monatelang ohne Unterbrechung Dauertemperaturen tagsüber jenseits der 40° C und nachts fast nie unter 25° C sind bereits heute überproportional häufig in der Region, ja, von Südfrankreich bis durch ganz Spanien und Portugal insgesamt. Anbetracht des weltweiten Ignorierens sämtlicher Klimaschutzerfordernisse wird sich diese Entwicklung entsprechend der wissenschaftlichen Hochrechnungen noch weiter fortsetzen. Und dabei braucht man nicht einmal zu berücksichtigen, dass der größte Teil der Klimatologen aktuell darauf hinweisen, dass die Entwicklungsgeschwindigkeit des Worst-Case-Szenarios der letzten Weltklimarats-Prognose offensichtlich zu optimistisch ausgelegt war. Das Kippen zum Negativen hin geht wesentlich schneller als vorhergesehen. Ein Umkehren dieser Entwicklung ist ein Prozess von Jahrzehnten, vermutlich eher Jahrhunderten. Und dazu müsste man diesen Prozess überhaupt erst einmal starten, wozu sichtlich rund um den Globus der gesellschaftliche wie politische Wille fehlt. Kurzum: Es ist davon auszugehen, dass die Extremst-Wetterverhältnisse der letzten Jahre in Spanien zum absoluten Regelfall werden und darüber hinaus jedes Jahr weiterhin ansteigen werden. Die Region Murcia gehört seit jeher zu den wärmsten und trockensten Regionen Spaniens. Eine Verschärfung dieses Zustandes wird also zwangsläufig zu dem führen, was die Klimaforscher bereits seit längerem vorhersagen: In spätestens 50 Jahren werden große Teile dieses Landes für Menschen schlichtweg nicht mehr bewohnbar sein.  

Daraus folgt die Erkenntnis, dass eine Investition in diese Region von Beginn an im Geiste als reiner Konsum angesehen werden sollte. Jedes in dieser Region gekaufte Grundstück, jedes in diese Region gebaute Gebäude wird im Laufe der kommenden Jahrzehnte massiv an Wert verlieren, bis hin zur totalen Wertlosigkeit. Somit sollte man auch jede Investition in die Infrastruktur ebenfalls als Konsumausgabe betrachten. Wie bei einem guten Essen: Man gibt das Geld aus, hat ein behagliches Gefühl im Körper und Geist … und das Geld ist einfach weg.  

Insbesondere die Naturschutzmaßnahmen des Campos Vida Sencilla versuchen, hier einen Gegenpol zu setzen. Allerdings muss man sich selbst gegenüber so ehrlich sein, dass es sich gemessen an der Landesgröße um eine rein homöopathische Aktivität handelt. Doch das soll nicht davon abhalten, es dennoch zu tun. Beim Konsum von ausreichend Globuli kann irgendwann auch ein Zuckerschock eintreten. 😉 

Alles in allem kann die Campo-Idee auf jeden Fall in der breiteren, internationalen Gesellschaft helfen, ein Bewusstsein für dieses Problem zu erschaffen. Es gilt nur, die passenden Menschen für die Idee zu begeistern.  

SENDA ist das konzeptionelle Modell von Campo Vida Sencilla. 

Das spanische Wort „senda“ bedeutet Weg oder Pfad. Es beschreibt den Charakter des Projekts: einen einfachen, naturnahen Weg zu Begegnung, Lernen, Ruhe und Aufenthalt im Altiplano Murciano. 

Gleichzeitig steht SENDA für Schlichtheit, Erkenntnis, Natur, Dialog und Aufenthalt. 

Campo Vida Sencilla ist kein klassischer Campingplatz, sondern ein kleiner, naturnaher Bildungs- und Begegnungsort im ländlichen Norden der Región de Murcia. Die Übernachtung dient als einfache Infrastruktur für Kurse, Naturerfahrung, kulturellen Austausch, Wandern, Radfahren und regenerativen Tourismus. Ziel ist ein wirtschaftlich tragfähiger Betrieb mit messbarem Nutzen für Region, Einwohner und Natur sowie selbstverständlich auch die Gäste.

Die autonome Gemeinschaft Murcia erstreckt sich im Norden mit einer einzelnen Comarca zwischen die beiden gemeinhin eher bekannten Comunidades Valencia (insbesondere in Nordeuropa bekannt durch seine Urlaubsstrände der Costa Blanca) und Kastilien-La Mancha (weltberühmt Dank der Romanfigur Don Quichotte). Diese Comarca trägt den Namen ‚Altiplano‘, was letztendlich nicht mehr als „Hochebene“ bedeutet. Allerdings eine Bezeichnung, die man nicht ganz so wörtlich nehmen sollte, denn die Region liegt im Durchschnitt betrachtet kaum mehr als 600 Meter über dem Meeresspiegel und ist alles andere als „eben“. Mehrere in der Spitze über 1.000 Meter gehende Gebirgszüge gehen durch das Stück Land, darunter auch die später hier noch näher beschriebene Sierra de la Pila und die Sierra del Carche.  

Gerade einmal zwei Gemeinden gibt es auf diesem Altiplano: Yecla und Jumilla. Beide bestehend aus jeweils einem größeren Hauptort und einer schieren Unzahl an Weihern, Höfen und Einzelgebäuden im größeren Umland. Es handelt sich um eine nachweislich bereits seit Stein- und Bronzezeit besiedelte Region, die auch in der weiteren Entwicklung von den Römern über die Mauren und die Reconquista eine bewegte Historie aufweisen kann. In der Neuzeit gab es eine Blütephase der Landwirtschaft, insbesondere durch den Anbau von Mandeln und auch einer Rotweinsorte, die sich der überall im Norden Europas temporär breitmachenden Reblaus resistent zeigte. Doch zum einen der Mangel an dauerhaft ausreichend verfügbarem Wasser wie auch die im Zuge der Industrialisierung erdrückend werdenden internationalen Konkurrenz sorgten irgendwann für eine einsetzende Landflucht. 

Beide Faktoren zusammengenommen, also die Jahrhunderte, eher Jahrtausende alte Besiedelung als auch die sich ebenfalls seit langer Zeit vollziehende Entkolonialisierung ergeben das heute die Gegend prägende Bild aus einem verhältnismäßig hohen Altersdurchschnitt und vielen leerstehenden, aufgegebenen Gebäuden im ländlichen Raum. Ein Blick in die Immobilienportale im Internet zeigt ein großes Überangebot an Grundstücken und Objekten. Und eine Fahrt über die Straßen der Region führt an zahlreichen „Se vende“-Schildern vorbei, was vermuten lässt, dass das im Internet verfügbare Angebot wahrscheinlich bei weitem nicht alles abdeckt. 

Seitens der Stadtverwaltung Jumilla werden seit einigen Jahren Fördermaßnahmen der Europäischen Union genutzt, die explizit darauf abzielen, eine Wiederansiedlung von Menschen im ländlichen Raum attraktiver zu machen. Mit SENDA möchten wir darauf abzielen, die Bekanntheit der Region zu erhöhen und einen Magneten zu setzen, ohne dabei gleichzeitig die Einzigartigkeit der Gegend zu verändern. Der Wassermangel wird ein dauerhaftes Problem auf der kompletten iberischen Halbinsel bleiben, solange politische Erfordernisse Geldmittel in militärischen und sozialen Bereichen binden, statt für Umweltschutz und Nachhaltigkeitsentwicklung (Regenwasser-Führung und Rückhaltung; Meerwasserentsalzung etc.) ausreichende Summen zur Verfügung zu stellen. Eine Rückkehr zu einer vollständig landwirtschaftlichen Nutzung bleibt somit ausgeschlossen. Jeder andere Weg erweist sich daher vermutlich als erfolgsversprechender. SENDA möchte hierzu Optionen aufbauen. 

Ein genereller, keineswegs nur in Spanien sichtbarer Nebeneffekt der Verstädterung ist die allgemeine geistige Entfernung der Menschen von der Natur. Lebewesen der Tierwelt werden entweder als zu betrachtende Attraktion oder schlichtweg als Nahrungsmittel-Ressource angesehen. Schon allein die vom Menschen genutzte Begrifflichkeit zeigt diese Abgrenzung: „Umwelt“. Etwas Entferntes, um einen herum, zu dem man selbst nicht wirklich als Bestandteil zählt. SENDA möchte hier einen Aufhänger setzen, um die Denkweise der Menschen zur Verwendung des Begriffs „Mitwelt“ zu überführen.  

Ein Insekt ist nicht nur ein Schädling in der Landwirtschaft. Kinder müssen nicht mit einem Ekel-Gefühl vor allem, was krabbelt und kriecht, aufwachsen. Die meisten sechs-, acht- und noch mehrbeinigen Kleinstbewohner dieser Welt wollen einfach nur ihre Ruhe haben. Und sie dienen den größeren Bewohnern der Region allzu oft als notwendiges Nahrungsmittel, welche dann wiederum seitens des Menschen verspeist oder anderweitig genutzt werden könnten. All diese Zusammenhänge sind jedoch in einer Welt verloren gegangen, in der Kinder aufwachsen, die ein Schwein nur noch vom stilisierten Umriss auf der Salami-Packung kennen. Klar, der iberische Schinken ist eine Weltberühmtheit. Umso mehr eignet er sich als Aufhänger, um die Herkunft und Produktentwicklung mitsamt all ihrer Kollateralschäden zu erklären.  

Sowohl seitens der spanischen Regierung als auch durch zahllose private Organisationen gibt man sich viel Mühe, einzelne Areale vor dem menschlichen Einfluss zu bewahren und diese somit sowohl als Rückzugsort für die Natur als auch Erholungsort für den Menschen zu gestalten. Das Campo Vida Sencilla liegt zwischen zwei solchen ausgewiesenen Naturreservaten. SENDA möchte den Menschen hier zur Natur zurückführen und vermitteln, was es auch im Kleinen alles zu entdecken gibt. Das „Kleine“ ist hierbei doppeldeutig gemeint. Zum einen durch Kennenlernen von Pflanzen, Tieren, anderen Bewohnern auf kleinen Territorien, zum anderen als Hinweis darauf, dass es nicht eine Flugreise ans andere Ende der Welt sein muss, um völlig fremdartige, neue Erlebnisse einzufangen.

Ein Urlauber, der an Spanien denkt, denkt automatisch ans Meer. Zwar liegt die Landeshauptstadt im Landesinneren, bietet von sich aus aber ausreichend Touristenattraktionen, dass es mit einem Großstadtbesuch in jeder anderen beliebigen Großstadt der Welt gleichgesetzt werden kann, also hier dann die Meeres-Nähe keine Rolle spielt.  

Das Campo Vida Sencilla bringt durch seine Lage zwei Dinge zusammen, die sich zum gegenseitigen Vorteil ergänzen. Einerseits handelt es sich um ein touristisch kaum erschlossenes, für Einsamkeit suchende Besucher hervorragend abgeschieden liegendes Stück Land. Andererseits befinden sich mit Murcia und Alicante zwei Großstädte in unmittelbarer Erreichbarkeit und selbst die Metropole von Valencia ist mit überschaubarem Aufwand erreichbar.  

An die Küsten zieht es den klassischen Urlauber, dessen Kinder Sandburgen bauen, während die Eltern nach Auftragen von ausreichend schützender Creme sich auf der Liege am Wasser wie Grillhähnchen in der Sonne drehen. Die kulturell und geschichtlich interessierteren Reisenden hingegen dringen seit jeher weiter in das Hinterland vor. Die Lage des Campos ermöglicht es hier, den Fokus auf ebendiesen kulturellen Part zu legen, ohne bei weitergehendem Interesse auf „Party“ verzichten zu müssen, denn die gewohnten Tourismuszentren sind weiterhin nahe. 

Die Regionalregierung unternimmt zahlreiche Versuche, die Landflucht einzudämmen, oder gar umzukehren. Mit dem Programm „Aval Joven Región de Murcia“ beispielsweise sollen explizit junge Menschen durch Finanzierungsunterstützung animiert werden, sich Wohneigentum im ländlichen Raum zuzulegen. Auch EU-seitige Förderprogramme werden seitens der Verwaltung von Jumilla umfangreich in Anspruch genommen (FEDER; PAI Distritos+). Ganz generell setzt das Ayuntamiento von Jumilla gezielt auf Infrastruktur- und Wirtschaftsprogramme, die dem galoppierenden demografischen Wandel entgegenwirken.  

Doch was nutzt einer jungen Familie eine Bürgschaft von 20 % des Immobilienwertes beim Hauskauf fernab der städtischen Zentren, wenn es in dem ländlichen Gebiet rundherum sonst rein gar nichts gibt. Wer möchte sein Kind in einer Gegend heranwachsen sehen, in der es das einzige Kind im Umkreis von Kilometern ist, nur umgeben von Rentnern und Bauruinen?  

Der gesellschafts-kulturelle Wandel brachte es mit sich, dass es für einen Jugendlichen zur normalen Lebensentwicklung gehört, den Tag mit einem Besuch in der Bar oder Disco zu beenden, sich jederzeit auf eine Pizza oder einen Kinobesuch mit Freunden verabreden zu können, ja, streng genommen kann man es dahingehend verallgemeinern: konstante Animation von außen geliefert zu bekommen.  

Um hier ein generelles Umdenken loszutreten, muss neben den Wohnraum- und Infrastruktur-Hilfen auch noch eine Wegeleitung zum kulturellen Wandel mitgegeben werden. Die in der totalen Konsumgesellschaft auf Alltäglichkeit abgewerteten Dinge, wie ein Konzertbesuch oder auch nur das Treffen mit weit entfernt wohnenden Bekannten, muss wieder zu etwas Besonderem erhoben werden. Wohingegen die längst vergessenen Lebensqualitäten, wie Naturnähe und sozialer Zusammenhalt, wiederbelebt werden müssen. Aktuell hat man hier noch die Chance, auf die letzten Vertreter des geselligen Zusammenlebens zur Anleitung zurückgreifen zu können, indem man sich einfach dazu gesellt, wenn sich die Omas und Opas am Abend auf dem Feldweg vor ihrem Weiler zusammensetzen und das Leben genießen. Ganz ohne Social Media und Fernsehen.  

Dieses „Abschauen und Mitmachen bei den Alten“ gilt es aufzugreifen und zu nutzen. Bevor ein Zustand erreicht wird, in dem man selbst solche Ansätze erst wieder komplett neu erfinden muss.  

SENDA kann diese Anforderung nicht alleine stemmen. Aber das Projekt kann in der Region einen großen Anteil dazu beitragen, dass sich die Eröffnung eines kleinen Tante-Emma-Ladens oder einer Straßenecken-Bar oder eines einfachen Speiserestaurants wieder lohnt, weil eine Chance auf Mindestauslastung zur Kostendeckung besteht. Mit der Unterstützung der Bevölkerung und der Stadtverwaltung lässt sich hier ein Schwungrad in Gang setzen, das sehr viel Potential bietet, sich in absehbarer Zeit zu verselbständigen.

 

In vielen Bereichen erkennt man heute bereits einen Trend weg vom „Anschau-Tourismus“ hin zum „Erleb-Tourismus“. Aus der Philosophie kennt man den Ausspruch „Der Weg ist das Ziel“. Unter diesem Motto sollte sich das Tourismusangebot wiederfinden.  

Es wird weder Angebote für Abhak-Touristen geben, die möglichst viele Destinationen auf der Weltkarte mit einer Stecknadel versehen wollen, um zu dokumentieren, dass sie einmal dort gewesen sind, und sei es nur, indem sie einmal mit dem Reisebus an irgendwelchen Attraktionen vorbeigefahren sind. Und es wird auch kein Angebot für Dauertouristen geben, die direkt nach dem Abstellen ihres Wohnwagens die Reifen abmontieren, einen Zaun um ihre Parzelle bauen und neben dem obligatorischen Gartenzwerg ihren Fahnenmast als Zeichen der Landbesetzung einbetonieren. Ursprünglich dienten Reisen einmal fast ausnahmslos der Bildung. Mit zunehmendem Wohlstand der Gesellschaften weltweit kam der Aspekt der Erholung hinzu. Doch im dunkelsten Zeitalter der (insbesondere deutschen) Geschichte wurde etwas Neues kreiert: die Industrialisierung des Reisens. Mit all ihren negativen Nebenwirkungen. Und genau diese sollen im Rahmen des SENDA-Projektes, ganz explizit aber für das Campo Vida Sencilla, ausgeklammert werden.  

Kurz gesagt, soll das Angebot einer Reise in diese Region für den klassischen Pauschalurlauber schlichtweg zu langweilig sein. Und gleichzeitig für den Sensationsbegierigen zu anspruchsvoll. Auf diese Weise kann ein touristischer Geheimtipp für all diejenigen entstehen, die sich nicht nur bei einer Paella an den gedeckten Tisch setzen wollen, sondern auch Freude daran empfinden, sich von Einheimischen an einem Lagerfeuer die Kunst der Gachamiga-Zubereitung zeigen zu lassen. Es muss nicht immer darum gehen, die monumentalsten Bauwerke der Menschheit auf einem selbst geschossenen Foto festzuhalten. Es kann auch mal ein Einblick in das Leben eines Schäfers sein, der seine Herden über die vertrockneten Weiden treibt und dabei die Wasserversorgung im Hinterkopf behalten muss.  

Kurz gesagt: Für die Besucher (und auch die Einheimischen) der umliegenden Städte kann durchaus ein Tagesausflugs-Angebot geschaffen werden. Doch im Kern geht es darum, durch gezielten Aufbau des Angebotes und auch des Marketings eine Art Vorauswahl der Touristen umzusetzen, die durch ihre eigene persönliche Einstellung einen mentalen und sozialen Mehrwert in die Region tragen, statt denn nur eines rein finanziellen. Der Fokus soll hier immer wieder deutlich mehr auf die Nachhaltigkeit, als denn auf den liquiden Profit geworfen werden.  

Durch den Erwerb der Erbschaft eines Freundes steht Clark Ahten in La Raja ein Grundstück von etwas über 8 Hektar Fläche zur Verfügung. Es handelt sich um ein ehemals für den Anbau von Mandeln genutztes, inzwischen jedoch nahezu unbewachsenes Gelände, welches von seinem mit etwa 500 Metern über NN am südwestlich gelegenen höchsten Ende in mehreren terrassenförmigen Stufen nach Nordosten auf 465 Meter abfällt. In dieser unverbaubaren Blickrichtung liegt in ca. 15 km Entfernung der geschützte Regionalpark Sierra del Carche. Vom Gelände aus aufgrund des Gefälles nicht zu sehen, aber auf unterschiedlichen Straßen und Wegen in weniger als 10 km Entfernung sehr leicht zu erreichen ist das Naturschutzgebiet der Sierra de la Pila.  

Rund um Jumilla gibt es zahlreiche Gegenden, die verkehrslogistisch gut an die Hauptstadt angebunden sind. Es soll nicht das Ziel der SENDA sein, aus La Raja etwas Gleichwertiges zu generieren. Im Gegenteil, der Charme der Abgeschiedenheit ist es ja, was diese Region auszeichnet. Entsprechend soll sich das Angebot des Campo Vida Sencilla auch in die Gesamtstruktur einfügen, statt irgendwelche Umwälzungen loszutreten. Aus diesem Ansatz folgt das in der Überschrift verwendete Wort „klein“. Groß in der Wirkung, aber klein im Auftritt. Vor allen Dingen den Fokus immer auf Nachhaltigkeit legend.  

Das Campo Vida Sencilla gibt sich selbst eine Art Bildungsauftrag. Jeder, der diesen Ort besucht, sollte im besten Fall bei der Abreise das Gefühl haben, etwas Neues dazu gelernt zu haben. Den Inhalt der angebotenen und zu vermittelnden Bildung möchten wir absichtlich von Beginn an nicht fest umreißen, sondern einer gewissen Eigendynamik überlassen. Insbesondere die regionale Bevölkerung soll hier mit eingebunden werden und die Möglichkeit bekommen, ihr eigenes Wissen weiterzuvermitteln. Von der Tierhaltung über Trockenbaukunst oder Kochkurs bis Sportangebot ist hier alles denkbar. Selbstverständlich ist der Begriff „Sport“ hier groß gefasst und sollte auch das klassische Wellnessangebot mit abdecken, also beispielsweise Pilates oder Yoga. 

Der vorgegebene Fokus legt sich hierbei schon allein aufgrund der hierfür perfekt geeigneten Lage auf die Natur und Naturnähe des Menschen. Entsprechend sollen Themen-gebunden geführte Wanderungen/Radtouren genauso zum Repertoire gehören, wie Workshops zur Hilfe an der Natur, vom Müllsammeln bis zum Tränkebau für Wildtiere.  

Menschen, die auf Luxus und Vollversorgung Wert legen, dürften vom Angebot des Campo Vida Sencilla genauso enttäuscht werden, wie Menschen, die eine möglichst reibungslose Fortsetzung des von zuhause gewohnten Lebenswandels erwarten.  

Dem Besucher soll alles für ein einfaches Wohlbefinden Erforderliche geboten werden können. Aber nicht mehr. Da der Fokus auf temporäre Gäste gelegt wird, nicht auf Dauerbewohner, ist auch die Infrastruktur des Campo Vida Sencilla entsprechend ausgerichtet. Als Vorbild für die Ausgestaltung wird hier ein klassischer Campingplatz herangezogen. Bedeutet: Es wird Areale für Zelt-Nutzer geben und welche für Wohnmobilisten. Eine Nutzung mittels Wohnwagen sollte eher die Ausnahme darstellen, aber auch nicht ausgeschlossen sein. Darüber hinaus wird es für Langstreckenwanderer und Radreisende feste Quartiere geben. Welcher Art diese gestaltet sein werden, gilt es mit der Gründungsmannschaft des Campo Vida Sencilla noch weiter zu erörtern. Hier stehen die inzwischen weit verbreiteten Schlaffässer genauso zur Auswahl, wie die modernen, in Spanien von einzelnen Herstellern angebotenen Thermo-Iglos; oder eben auch einfache Holz- bzw. Stein-Casitas. Wichtig ist ein gegenüber konventionellen Campingplätzen vergrößerter Abstand zwischen den einzelnen Parzellen, um dem Besucher eben die Naturnähe und Einzigartigkeit der Gegend näherzubringen. 

Ein wesentlicher Unterschied zum normalen Angebot eines Campingplatzes wird die Nasszelle sein, bei der jede einzelne Parzelle über eine eigene verfügen soll. Auch hier kann in die technische Ausgestaltung noch einiges an Feinarbeit investiert werden. Die zentrale Idee ist jedoch, neben der durchgängigen Ausstattung mit Trockentrenntoiletten ansonsten jede Nasszelle mit einem durch den Besucher einsehbaren IPC-Tank bei Besuchsantritt ein festes Kontingent Wasser zur Verfügung zu stellen. Explizit Wasser ist in der Region – wie im überwiegenden Teil Spaniens – ein Versorgungsproblem. Mit einem gezielten Beobachten des Schwindens dieses Vorrates wird eine Sensibilität für die Nutzung losgetreten. Es soll hier keine Reglementierung oder Beschränkung geben. Wer seinen Vorrat verbraucht hat, bekommt mittels Campo-eigenem Versorgungstruck komplikationslos Nachschub geliefert. Aber schon allein durch die Feststellung des Nachliefern-Müssens entsteht ein Denkprozess, den ein ewig gefüllter Wasserhahn niemals lostreten könnte, egal wie sehr die Nachrichten im Fernsehen von Wasserknappheit berichten. 

Ungeachtet der parzelleneigenen Nasszelle wird es auch noch ein kleines Angebot an Gemeinschaftsbädern und Gästetoiletten geben. Hier werden auch Waschmaschinen vorgehalten (mindestens zwei, um bei Ausfall jederzeit Redundanz zur Verfügung zu haben).  

Wichtig ist bei aller Ausgestaltung der Parzellen wie auch des ganzen Platzes, dass der Schwerpunkt auf Naturnähe liegen soll. Bedeutet: keine feste Gehweg-Beleuchtung (soweit eine solche nicht aus Sicherheitsgründen für die Platzzulassung vorgeschrieben wird). Viel Begrünung, ansonsten aber eher die Reduktion aufs Wesentliche: Bett, Tisch und Stuhl.

Hier ist eine Dreiteilung angedacht: ein seitens des Campos Vida Sencilla fest angebotenes Programm, ein über das Campo angebotenes Programm seitens der Anwohner und umliegenden Gewerbetreibenden bzw. Vereine, und ein ständig wechselndes Angebot aus Bildungsarbeit und überregionaler Zusammenarbeit. 

Zum Standardprogramm des Campo Vida Sencilla gehören beispielsweise Schulungsabende zu Themen der regionalen Geschichte oder über Fauna und Flora der beiden Regionalparks und allem dazwischen auf Feld und Flur. Des Weiteren könnten Angebote für Fahrten in eine der umliegenden Städte (Jumilla, Yecla, Aspe, Fortuna, Murcia) zu regelmäßigen Terminen gemacht werden.  

Auf dem Campo-Gelände sollte mindestens ein Gemeinschaftsgebäude mit zwei unterschiedlich großen Räumen sowie eine Küche, ggfls. einseitig komplett öffenbar, errichtet werden, welches für die Schulungs- und Workshop-Angebote genutzt werden kann.  

Den Angebots-Inhalt dürfen dann aber auch die Anbietenden mitgestalten, vor allem sind hiermit die Anwohner gemeint. Hier können Inspirationen gesetzt werden, sollen aber mit Bedacht keine Begrenzungen der Ideen auferlegt werden. Wenn sich jemand mit heimischen Schlangen auskennt, darf der ein Schlangen-Seminar abhalten. Kochen, Handwerkskunst, Yoga, Sprachkurse, antike Geschichte … wie gesagt, der Ideenvielfalt soll hier unbeschränkter Raum gelassen werden.  

Der dritte Part ist die Einbindung der Förderprogramme. Also eine Verlängerung dessen, was die Stadt Jumilla beispielsweise bereits an Regionalförderung betreibt. Seminare über „früher und heute“, über Landschafts- und Naturschutz, über politische und gesellschaftliche Mitwirkung usw. Alles Themen, die einem Wandel der Zeit unterliegen und daher immer nur in einer begrenzten Form angeboten werden. Ab einem gewissen Bekanntheitsgrad könnten hier auch bekanntere Persönlichkeiten als Referenten oder zumindest Schirmherren hinzugezogen werden. Und diese nicht nur aus dem spanischen Umfeld, sondern auch aus den Ländern, in denen die Kundenzielgruppen gesetzt werden. 

Eine Besonderheit der spanischen Gesellschaft ist die Etablierung von Nachbarschaftsvereinen. Ursprünglich eher als politische Selbsthilfegruppen entstanden, haben sich daraus feste Instanzen der Gemeinschaftskultur entwickelt, wenngleich heutzutage teilweise eher als reine Freizeits- und Begegnungs-Organisationen. (Nur allein die Geschichte der Nachbarschaftsvereine gibt ein gutes Seminar-Thema für das CVS ab. Eine vergleichbare Organisation gibt es in Deutschland beispielsweise nicht). Sämtliche im Umland des Campos vorhandenen Nachbarschaftsvereine müssen auf jeden Fall von Beginn an – genauer gesagt noch vor Beginn – in die Entwicklung des Campos Vida Sencilla, besser noch in die übergeordnete Idee der SENDA involviert werden. Die meisten dieser Vereine unterhalten eigene Vereinsräumlichkeiten. Allerdings unterliegen diese meistens einer recht strickten Nutzungsdisziplin, bedeutet für den Nutzer bei Aufkommen einer Idee ein nennenswerter Zusatzaufwand. Darüber hinaus ist die Zielgruppe solcher Vereinsangebote im Regelfall der restliche Verein. Über das Campo Vida Sencilla wird mit den Campo-Besuchern eine neue Reichweite erschlossen und durch die kollektive Campo-Nutzung auch die Abwicklungshürde eines Kursangebotes erleichtert. 

Darüber hinaus ist eine Kontaktaufnahme zu sämtlichen umliegenden Gewerbebetrieben angedacht, um deren Interesse an einer Kooperation zu erfragen. So sind beispielsweise Weinproben denkbar oder Info-Veranstaltungen zu Ziegen-Produkten oder anderen landwirtschaftlichen Artikeln. Auch hier brauchen die Einheimischen eventuell Unterstützung bei der Ideenfindung und bei der Umsetzung. Doch das Campo Vida Sencilla bietet hierfür die Infrastruktur und auch die interessierte Zielgruppe.  

Hier spricht die Überschrift bereits für sich. Aktuell handelt es sich bei dem Gelände, auf dem das Campo Vida Sencilla errichtet werden soll, um seit Jahrzehnten brachliegendes Agrarland, auf dem zwischen vertrockneten Grasbüscheln noch ein paar Mandelbäume langsam vor sich hin sterben. Die seitens Campo Vida Sencilla angedachte Nutzung bringt hier eine Aufforstung und Grünanlagen-Pflege mit sich, welche auch für die Tierwelt einen Mehrwert zur Folge hat. 

Ein Wunsch der SENDA ist es auch, dass das Campo Vida Sencilla Nachahmer findet. Rund um das Campo-Gelände, aber auch im restlichen Umland des Altiplano gibt es zahllose brachliegende, aufgegebene ehemalige Agrarflächen, teilweise aber auch durchaus noch rettbare Bauruinen. Sei es, dass man daraus Schulprojekte macht, die mit dem gleichen Naturnah-Gedanken zukünftige Generationen in die Gegend lockt oder vielleicht noch ganz andere Ideen aufkommen.  

Mit wenig Aufwand, möglichst in Eigeninitiative etwas für die Allgemeinheit erschaffen, und damit den Niedergang der Region abbremsen oder gar stoppen. Das gilt es den Eigentümern dieser Objekte als menschlichen Wert näherzubringen. Und jede Form der gesellschaftsfördernden Nutzung bringt automatisch weiteren Aktionismus zugunsten der Natur mit sich. Am Ende gewinnen alle. (Sofern der sein Grundstück einbringende Eigentümer sich mit einem moralischen Gewinn zufriedengibt, nachdem er sich von dem ohnehin in dieser Region unter Berücksichtigung der zu erwartenden klimatischen Veränderungen niemals zu realisierenden finanziellen Profit verabschiedet hat). 

Um die Vermarktung zu starten, muss ein Fokus gesetzt werden. Dennoch sei hier vorab erwähnt, dass diese Liste keineswegs als abschließend angesehen werden sollte. Im Gegenteil, sowohl die Gewichtung auf einzelne Zielgruppen als auch die Gruppen an sich sollten aus dem anlaufenden Tagesgeschäft heraus geprüft und angepasst werden. Wichtig ist es am Ende, eine gewisse Art Mensch, eine gewisse Grundhaltung zu erreichen. Beispiel: Der Kauf eines Wohnmobils macht noch niemanden zum Naturschützer. Das Fahren einer Harley Davidson auch niemanden zur Umweltsau. Vielleicht wären Motorradgangs also auch eine ansprechbare Zielgruppe. Hier gilt es, selbstkritisch zu bleiben und gelegentlich flexibel nachzukorrigieren.  

Man sagt, es gäbe in der Mentalität der mobilen Urlauber einen deutlich feststellbaren Unterschied: Während Nutzer von Wohnmobilen zumeist weltoffen, reiseinteressiert und kommunikativ sind, neigen die Eigner von Wohnwagen tendenziell eher zu verschlosseneren Weltanschauungen. Ein Wohnmobilist möchte von einem Ort zum nächsten fahren und überall einmal hineinschnuppern. Ein Wohnwagenkäufer sucht sich gerne eine Stelle, an der er sein eigentlich zum Rollen gedachtes Domizil fest einmauert, einen Zaun darum baut und einen Fahnenmast als Zeugnis der Inbesitznahme hisst. Aus letzterer Verhaltensweise sind unzählige Dauercampingplätze einstanden, die schon kleinen Städten gleichen und in deren abgeschottete Kultur man als Neuzugereister nur unter schwersten Aufwendungen eindringen kann. Genau so etwas soll mit dem Campo Vida Sencilla um jeden Preis verhindert werden! 

Natürlich ist es auch ein Ziel des Campos, „Wiederholungstäter“ zu erschaffen, also einen Grundstock an Stammgästen aufzubauen, die sehr gerne immer wieder kommen. Aber die im Kopf dieser Menschen für ein erneutes Kommen zuständigen Intentionen sollten sich immer auf das „ich lerne dort etwas Neues hinzu“ konzentrieren. Niemals ein „ich kann dort ganz bequem abhängen“ als Grund haben. Natürlich gehört Entspannung auch als wesentlicher Bestandteil zum Aufenthalt. Doch das Campo Vida Sencilla sollte für mehr stehen. Nennen wir es „Mehrwertentspannung“.  

Wir legen also den Fokus auf Wohnmobile und richten darauf auch einen Teil der Infrastruktur aus. Bedeutet, es muss einerseits eine Möglichkeit zur Tankentleerung geschaffen werden und andererseits auch die Wasser- und Energieversorgung sichergestellt sein. Wobei alles in allem nicht mehr als vier bis maximal zehn Wohnmobilplätze errichtet werden sollten. Zum Aufrechterhalten des Wohlbefindens der restlichen Platzgäste sollten diese Plätze vorzugsweise direkt an dem am Campo vorbeiführenden Weg angelegt werden, damit Motor-Verkehr auf dem Campo selbst vermieden werden kann.  

Eine andere Gruppe der mobilen Reisenden sind die Zelt-Camper. Für deren Bedürfnisse gilt es spezielle Parzellen zu schaffen. Mangels ausreichen großer Bäume auf dem Campo-Gelände auch durch ein festes, schattenspendendes Dach auf jeder hierfür angebotenen Parzelle. Wie bei den Wohnmobilisten auch, sollten Parzellen, zu denen die Besucher mit dem Auto anreisen, eher im Randgebiet, möglichst straßennah eingerichtet werden. Da anzunehmenderweise die Zukunft tendenziell eher in Elektrofahrzeugen zu suchen sein wird, die dem Besucher nachts gleichzeitig für dessen Stromversorgung dienen, ist ein Stellplatz auf der Parzelle eher einzuplanen, als denn ein vom Campo separierter Parkplatz. (den es unabhängig davon trotzdem auch geben muss). 

Somit sind diese beiden Sorten von Urlaubern, Wohnmobilisten und Zelter, die erste anzugehende Zielgruppe, zu deren Erreichung man auf die klassischen Verbreitungsmedien im Internet, aber auch Reisebüros zurückgreifen kann. Hier gilt es jedoch, beim Bewerben einen besonderen Wert auf die Aufenthalts-Inhalte zu legen, um die bereits häufiger erwähnte Vorselektion der Gäste aufrechtzuerhalten. 

Vermutlich deutlich naturnaher unterwegs sind mit Sicherheit die Menschen, die gar nicht erst auf den Luxus einer Motorisierung zurückgreifen, sondern mit dem Fahrrad oder gleich zu Fuß unterwegs sind. Hier ist zu berücksichtigen, dass diese Besucher andere Anforderungen an die gebotene Infrastruktur haben. Sei es ein festes Bett oder eine Möglichkeit zur Fahrradreparatur.  

Menschen, die diese Art des Reisens wählen, sind von ihrer Mentalität her grundsätzlich weltoffener und tiefergehend an der Kultur ihres Gastlandes interessiert. Für die Gesamtidee der SENDA, aber damit auch als Besucher des Campo Vida Sencilla, ist in dieser Gruppe vermutlich der größte Anteil an Interessenten zu finden. Da es sich jedoch um eine eher untypische Form des Reisens handelt, gilt es hier nicht nur nach den entsprechenden Nischenanbietern zu recherchieren, in deren Katalog man um Aufnahme bitten muss. Sondern darüber hinaus sollte sich die Organisation der Bewerbung dieser Gruppe nicht auf das Campo Vida Sencilla beschränken, sondern überregional gedacht werden. Also sämtliche Übernachtungsanbieter in der größeren Region ausfindig machen, sämtliche weitergehende Infrastruktur mit berücksichtigen (Werkstätten, Ärzte, bestehende Wanderrouten, einzubeziehende Attraktionen usw.) und somit als Bestandteil einer größeren Wander-/Fahrradreise auftreten, statt nur als einzelnes Ziel. Der Schwenk hin zu einem mehrtägigen Aufenthalt statt einer einzelnen Übernachtung sollte dann beim Reisenden aus eigener Überzeugung aufgrund des auf dem Campo Vida Sencilla vorgefundenen Angebots entstehen, aber nicht als primärer Besuchsgrund beworben werden.  

„Was Du schon immer wissen wolltest über …“. An dieser Stelle stellt sich auch gleich eine Prinzipienfrage: Du oder Sie? Aufgrund der gleichgelagerten Interessenslage seitens Anbieter und Teilnehmer sollte die Wahl von Beginn an auf das komplikationslosere „Du“ fallen. Jeder, der bei der SENDA-Idee mitwirkt oder das Campo Vida Sencilla als Reiseziel auswählt, trägt in sich einen Wertekompass, der Umwelt und Natur, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit deutlich höher bewertet, als Regeltreue und Showbusiness. Denn streng genommen sind Höflichkeitsfloskeln kaum mehr als das. Sowohl Autorität als auch Hierarchie sollten auf Respekt und Wissens-Überlegenheit beruhen, nicht auf Beherrschung inhaltsfreier Benimmregeln.  

„Nach Wissen Durstende“ ist dann vermutlich auch die beste Umschreibung der Zielgruppen, die als Kurs- und Seminarteilnehmer infrage kommen. Ein bisschen fließt hier auch der alte philosution-Ansatz mit ein, wonach erstens alles miteinander in Verbindung steht und zweitens nichts wirklich neu ist. Ersteres, die Verbundenheit von allem, sollte eigentlich bereits in der allgemeinen Schulbildung vermittelt worden sein. Hier gilt es nur ein bisschen Auffrischungsarbeit zu leisten. Zweiteres, die Realisierung eines ständigen Wiederholungskreislaufs hingegen, bedarf vielleicht einer etwas weitergehenden Erläuterung. In der dem Kapitalismus geschuldeten Konsumgesellschaft wurde über Generationen hinweg den Menschen vermittelt, dass „neu“ gleichzeitig ein Synonym für „besser“ sein muss. Damit wurde auch der Drang geweckt, von allem immer das Neuste besitzen zu müssen, denn nur so funktioniert der Motor einer angeblich auf ewig wachsenden Wirtschaft. Insbesondere im Bereich der Lebensmittel hat sich bei vielen Menschen längst die Erkenntnis breit gemacht, dass es sich hierbei um eine Mogelpackung handelt. „Jetzt neu, mit verbesserter Rezeptur“ bedeutet im Regelfalle nur noch, dass irgendeine hochwertige Zutat durch einen billigen Ersatz, entweder Zucker oder gleich Chemie, ausgetauscht wurde, um das Produkt noch billiger zu produzieren, während der Preis inflationsbedingt konstant steigt. Dass der gleiche Effekt auch bei Konsumgütern greift, setzt sich im Bewusstsein der Menschen erst langsam durch, da hier der künstlich geschaffene Markt der Mode noch zu sehr die Denkweise bestimmt. Ein zu Zeiten der Gründerväter in manueller Handwerkskunst hergestellter Stuhl war ein Produkt für die Ewigkeit. Eigentlich unzerstörbar und darauf ausgelegt, über viele Generationen hinweg genutzt zu werden. Doch halt eben mit Schnörkeln und Verzierungen versehen, die sich gut als „nicht mehr in Mode“ abwerten ließen. So wurden selbst Artikel wie Stühle zu etwas, das man heute für vermeintlich geringes Geld erwerben kann, die konstruktionsbedingt aber auch gleichzeitig von Werk her darauf ausgelegt sind, nur wenige Jahre zu halten, denn sobald ihre „Modezeit“ abgelaufen ist, wandern sie ohnehin auf den Müll, vollkommen egal, ob noch intakt oder kaputt. Letzten Studien zufolge wird ein in Deutschland heute gekauftes T-Shirt im Durchschnitt etwa 20 Mal getragen, bevor es entsorgt wird. Das entspricht in keinster Weise der Haltbarkeitsdauer des Stoffs, aus dem das Kleidungsstück gefertigt wurde. Aber bei vielen Artikeln ist die Qualität der Nähte aufgrund dieses Wissens von Beginn an schon darauf ausgelegt, gar nicht mehr viel länger zu halten.  

Zielgruppe für die Seminarangebote des Campo Vida Sencilla sind Menschen, die genau diesen Punkt erkannt haben und deren Bauchgefühl signalisiert, dass das nicht richtig sein kann. Aber die noch keine konkrete Idee haben, wie sie aus dem Hamsterrad des Gesellschaftsdrucks aussteigen könnten. Wer will schon gerne von seinen Mitmenschen schief angeschaut werden? Der Gefahr, als Freak oder Sonderling abgestempelt – und somit vielleicht sogar gesellschaftlich gemieden – zu werden, will sich niemand aussetzen.  

Doch wie wäre es, wenn die Ausbildung zu einem Umdenken mit einem Zertifikat belohnt wird? Gerade in einem Zeitalter, in dem Aluhüte mit selbstgedrucktem YouTube-Diplom sich als Erleuchtete ansehen, ist das Vermitteln von echtem Wissen ein Mehrwert, den es zu vermarkten gilt. Und hierzu ist nicht neu zu schaffendes Wissen erforderlich. Es genügt ein Rückgriff auf bereits vorhandenes, aber werbetricktechnisch verdrängtes Wissen. Noch ein Beispiel: Es wird ununterbrochen hypermodernste Wetterschutzkleidung beworben, die ultraflexibel und robust und wasserabweisend und sonst was sein soll. Beworben werden explizit vermögende Freizeitaktivisten, bei denen der Anbieter der Ware recht sicher sein kann, dass die Artikel niemals in einen wirklichen Einsatz unter Extremstbedingungen kommen werden. Berufsgruppen hingegen, die von einer technischen Weiterentwicklung verschiedener Artikel wirklich profitieren könnten, meiden diese neuartigen Produkte jedoch aus irgendeinem Grund. So nutzen beispielsweise Seeleute und Hochseefischer bis heute noch das seit hundert Jahren bewährte Ölzeug als Schutz vor stürmischen Wetterlagen. Wenn neumodische Artikel eine Verbesserung deren Arbeitsbedingungen mit sich brächten, würden diese Menschen jede Summe zahlen, um die Artikel auch zu nutzen. Tun sie aber nicht. Wissen die vielleicht etwas, das der Normalsterbliche nicht weiß? Manch ein Seminar aus dem Angebot des Campo Vida Sencilla wird vermitteln, dass ein Band aus frischer Schafschur mehr leisten kann, als ein Eimer Pestizide. Menschen, die sich dafür interessieren, sind die Zielgruppe. 

Vereine und andere nicht-staatliche, freiwillige Zusammenschlüsse von Menschen sind seit jeher überall eine tragende Stütze der Gesellschaft. Während sich in Deutschland das Vereinswesen leider im Niedergang befindet, haben insbesondere Nachbarschaftsvereine in Spanien eine ganz andere Wertstellung in der Bevölkerung, was der historischen Geschichte geschuldet ist. Die Franco-Diktatur in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts brachte teilweise erhebliche Notstände über das Land, denen die staatlichen Stellen nichts mehr entgegenzusetzen wussten. Es entstanden daraufhin überall Bürgerinitiativen, die sich der Problemlösung in ganz pragmatischer Art und unter gegenseitiger Hilfestellung selbst annahmen. Die Aufgaben dieser regionalen Zusammenschlüsse gingen dabei richtig weit, bis zum Unterhalten von Schulen, dem Bauen von Straßen und der Sicherstellung der öffentlichen Infrastruktur. Politische Parteien neben der Zentraldiktatur waren verboten, also organisierten sich die Gruppen in Formen des Vereinswesens. Eine Zusammenarbeitsform, die man gut und gerne als kleinste Umsetzung demokratischen Miteinanders bezeichnen kann. So kam es dann auch, dass nach dem Zusammenbruch des Franco-Reichs der neue Staatsaufbau ganz wesentlich durch die schon allein durch ihr Vorhandensein und Funktionieren sehr mächtigen Nachbarschaftsvereine geprägt wurde. Manch ein Historiker schreibt die heutige Demokratie in Spanien der Existenz der ‚Asciaciones de Vecinos‘ zu.  

Mit dem Errichten eines staatlichen Mehrparteiensystems und dem Stabilisieren einer gesamtspanischen Demokratie verloren die Nachbarschaftsvereine im Laufe der Jahre an wirtschaftlicher Bedeutung. Doch der traditionelle und kulturelle Wert dieser Verbände wird von der Zivilgesellschaft bis heute weiterhin sehr hochgehalten. So werden allerorten durch diese Vereine Veranstaltungen organisiert, Hilfsmaßnahmen koordiniert und Wünsche der Bevölkerung an die staatlichen Stellen zur Umsetzung herangetragen. Eine Umsetzung einer infrastrukturellen Veränderung gegen den Willen der ortsansässigen Nachbarschaftsvereine ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. 

Entsprechend dieses Wissens muss jede Maßnahme der SENDA wie auch die Errichtung und vor allem die Vermarktung des Campo Vida Sencilla von Beginn an in enger Zusammenarbeit mit den umliegenden Nachbarschaftsvereinen erfolgen. Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, agieren die Vereine im Regelfall ziemlich vereinsintern. Mitglieder engagieren sich für Mitglieder. Diesen Ansatz kann man seitens des Campo Vida Sencilla nutzen, um hier eine Öffnung nach Außen zu schaffen; natürlich nur bei den Themen, bei denen dergleichen seitens der Vereine gewünscht ist. Doch es gibt ausreichend Themen, für die sich jeder Nachbarschaftsverein eine größere Reichweite, also mehr Gehör in der Öffentlichkeit wünscht. Insbesondere die Themenkomplexe Geschichte, Kultur und Naturschutz bzw. Erhalt der Lebensgrundlagen bieten hier ausreichend Stoff, um ortsansässige Seminarhalter und Kursausrichter zu finden.

Hier muss man so ehrlich sein, zuzugeben, dass dieser Aspekt einen großen Touch Wirtschaftlichkeit in sich trägt. Grundsätzlich soll der Betrieb des Campo Vida Sencilla auf „knapp über kostendeckend“ auskalkuliert sein. Alle an dem Unternehmen beteiligten Personen und die für das Projekt arbeitenden Mitarbeiter sollen für ihre Tätigkeit angemessen vergütet werden und die allgemeinen Kosten des Unternehmens müssen mit einer gesunden Sicherheitsmarge vollständig gedeckt werden. Mehr aber auch nicht. Ein Erwirtschaften eines massiven Gewinns, der an die Anteilseigner ausgeschüttet werden kann, ohne dass diese etwas dafür leisten, ist nicht das primäre Ziel dieses Unternehmens.  

Ungeachtet dessen muss eine Grundlage geschaffen werden, mit der eine stabile Umsatzhöhe erreicht werden kann. Und dies lässt sich mit dem in Spanien eher niedrigen Einkommensniveau nur schwer realisieren. Tatsächlich ist hier ein Zurückgreifen auf die höheren Einkommensverhältnisse der nordeuropäischen Länder angebracht. Ein explizites Bewerben von Gästen aus Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien (auch Frankreich?) sollte entsprechend von Beginn an umgesetzt werden. 

Zwei Punkte gilt es hierbei jedoch unbedingt zu berücksichtigen. Erstens darf die Ausrichtung auf Gäste aus den einkommensstärkeren Ländern nicht dazu führen, dass das Preisniveau des Campo Vida Sencilla in eine Sphäre rutscht, die für Einheimische nicht mehr zu finanzieren ist. Hier ist eventuell ein Ausgleichstopf oder ein herkunftsabhängiges Rabattmodell eine weiterverfolgenswerte Idee. Und zweitens darf der Bildungsgedanke des Campos nicht aus den Augen verloren werden. Weiterbildung darf niemals zu einer Frage des Geldes werden. Ähnlich wie bei Hand-gegen-Koje muss ein Modell geschaffen werden, welches einen Besuch des Campos durch Abarbeiten einer gewissen Leistung ermöglicht, damit auch Menschen mit geringerem oder gar keinem Einkommen die Chance haben, an den Seminaren etc. teilzunehmen.

Auf dem Gelände des Campo Vida Sencilla stehen 82.500 Quadratmeter Fläche auf acht unterschiedlich großen Terrassen zur Verfügung. Die unterste Terrasse ist die flächenmäßig größte, wobei dieser Teil der Parzelle auch regelmäßig im Durchlauf des Viehtriebs der Ziegenherden liegt. Der höchstgelegene Teil hingegen ist recht uneben strukturiert und auf einer großen Länge hin auf gleicher Höhe, wie der vorbeiführende, von den umliegenden Anwohnern aktiv genutzte Weg. 

Wirklich für die Unterbringung von Gästen eignen sich die dazwischen liegenden Terrassen. Von denen die oberen beiden recht schmal sind, also tendenziell eher für Zelter geeignet sein dürften. Nach Osten hin werden alle Terrassen etwas breiter, diese Flächen eignen sich zum Aufstellen fester Unterkünfte, wie Schlaffässer oder Iglus.  

Die folgenden drei Parzellen sind dann ausreichend breit, um Wohnmobilstellplätze zu ermöglichen, an denen dennoch jeweils noch ein Fahrweg zum Erreichen der hinteren Plätze vorbeiführt. Denn der zentrale Gedanke von „ausreichend Luft zum Nachbarn“ soll bei aller Geländeplanung eingehalten werden.  

Entsprechend soll es auf dem ganzen Gelände zu fünf bis maximal zehn Wohnmobilstellplätzen kommen. Grundsätzlich ist die Aufenthaltsdauer nicht beschränkt, doch aufgrund der Kombination des Aufenthaltes mit anderen Angeboten des Campo Vida Sencilla ist nicht von Langzeitaufenthalten auszugehen.  

Da Wohnmobile im Regelfall ihre eigene Nasszelle mitführen, ist hier das Vorhalten einer Wasserversorgung sowie ggfls. eines Stromanschlusses ausreichend. Für die Abwasser-Entsorgung muss noch eine entsprechende Möglichkeit in Form einer Zisterne geschaffen werden. Bevor hier jedoch in die Detailplanung des Campos eingestiegen wird, sollte Kontakt zu den Behörden (und AAVVs) aufgenommen werden, da sich vielleicht die zentrale Einrichtung eines Entsorgungsplatzes außerhalb des Campo-Geländes als generelle Tourismus-Förderung anbieten könnte.  

Die Stellflächen der Wohnmobile können noch befestigt werden, wenngleich dies bei dem harten Boden eher aus Gründen der Optik und Hygiene erfolgt, als denn aus Stabilitätsgründen. Jede Parzelle sollte jedoch über einen überdachten Bereich verfügen, bspw. ein Carport, damit Fahrräder etc. wettergeschützt abgestellt werden können. Regional bedingt ist Regen eher weniger ein Grund für das Erfordernis eines Dachs, als denn eher die Sonne.  

Ansonsten werden die Stellplätze weitestgehend mit tiefwurzelnden Pflanzen begrünt, um eine landschaftliche Auflockerung und nebenbei auch eine weitere Abgrenzung zwischen den einzelnen Stellplätzen zu ermöglichen.

Unter dem Begriff „Glamping“ hat sich eine ursprünglich als „Faulenzer-Edel-Camping“ verunglimpfte Art des einfachen Reisens im Laufe der Jahre letztendlich doch als durchaus vernünftige Variante durchgesetzt. Ein Zelt als Unterkunft ist insbesondere für jüngere Generationen ein besonderes Abenteuer, doch für den durchschnittlichen, körperlich wenig trainierten Urlauber, der sich eine Radreise, eine Abenteuerreise per Bus durchs Land oder einfach nur eine Erlebniswanderung wünscht, schon eine enorme zusätzliche Herausforderung. Das Ausweichen auf ein Hotel oder auch Motel/Hostel ist in den allermeisten Fällen eine recht teure Lösung, die auch viel mehr Nebenleistungen anbietet, als der Reisende mit seinem Wunsch nach einem Stuhl im Trockenen, auf den er seinen Rucksack bzw. seine Satteltaschen stellen kann, und einem „richtigen“ bequemen Bett eigentlich nur hat. Die anderen Unannehmlichkeiten, die ein Campingurlaub mit sich bringt, wie Toilette in separaten Räumlichkeiten und Gemeinschaftsbad etc., nimmt der Reisende ja gerne in Kauf, da diese schon wieder einen kleinen Teil des Abenteuers darstellen.  

Insbesondere da die zentrale Zielgruppe des Campos Vida Sencilla naturnah veranlagte Menschen sind, die sich zur Teilnahme an allerlei Fortbildungsprogrammen des Campos angemeldet haben, kann eine einfache, aber dennoch bequeme Unterkunft in Form solcher festen Module durchaus die Mehrzahl der angebotenen Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Campo ausmachen.  

Der Klassiker unter diesen Unterkünften ist das Schlaffass. Doch in Spanien haben sich in Steinbauweise auch Iglu-ähnliche Gebäude durchgesetzt. Darüber hinaus gibt es mehrere Hersteller von geodätischen Kuppelarchitekturen in Holz- und Stahlbauweise. Je nach verfügbarem Investitionsvolumen lässt sich hier ein auch zur Landschaft passendes Angebot aufbauen. Bei Startschuss für das Campo Vida Sencilla kann hier ggfls. auch nach Sponsoring als Werbemaßnahme für einen solchen Hersteller nachgedacht werden, was wiederum die Reichweite des Campos sofort erhöht.

Das zentrale Element des Campos. Es muss einen Raum geben, in dem die Personenzahl bei Komplettbelegung des Campos unterkommen kann. Daneben noch einen kleineren Raum, den man für Angebote mit kleineren Gruppen nutzen kann. Ansonsten sind zwei für eine Gruppennutzung ausreichend groß dimensionierte, überdachte und windgeschützt umgesetzte Außenbereiche erforderlich.  

Der kulinarische Bereich ist sowohl für geselliges Beisammensein als auch für die ohne eigene Kochmöglichkeit angereisten Gäste als auch als Inhalt für Seminare und Workshops geeignet. Entsprechend sollte es auch einen ausreichend groß dimensionierten und entsprechend gut ausgestatteten Küchenbereich geben. In mehr als neun Monaten des Jahres herrscht in der Region schönes Wetter, in vier bis fünf Monaten ist es sogar extrem heiß. Es gibt also zwei Möglichkeiten zur Umsetzung einer solchen Kochlösung: entweder durch Einrichtung von gleich zwei vollständig getrennten Kochbereichen, einer als geschlossene und klimatisierte In-Haus-Lösung und einer als reguläre Außenküche, vielleicht zusätzlich ausgestattet mit einem Grillbereich. Oder alternativ ein in dem festen Gemeinschaftsgebäude integrierter, ausreichend groß dimensionierter Kochbereich, von dessen Räumlichkeiten sich mindestens eine, besser zwei Wände vollständig öffnen lassen, um das Gefühl des Draußen-Seins zu erschaffen (und nebenbei für dampfreiche Kochkünste ausreichenden Abzug zu schaffen). 

Der Seminarbereich wird mit ausreichend Stühlen und zusammenklappbaren Tischen ausgestattet, um eine vollkommen flexible Nutzung der Räumlichkeiten zu ermöglichen.  

Selbstverständlich muss dieser Gemeinschaftsbereich auch über WLAN verfügen, zum einen, um die Gäste zu versorgen, zum anderen aber auch um (teil-)online abzuhaltende Seminare zu ermöglichen.  

Die Investition in solch umfangreiche Immobilien lohnt sich nur bei entsprechend hoher Auslastung/Nutzung. Daher ist auch hier wieder ein Hinzuziehen der umliegenden Vereine und Gewerbe zum Mitmachen ein wesentlicher Bestandteil der Planung. Der Begriff „Gemeinschaft“ ist hier im SENDA-Sinne nicht auf die geschlossene Gesellschaft der Campo-Gäste und -Mitarbeiter zu beschränken. 

Explizit für diesen Punkt muss nicht einmal das Rad neu erfunden werden, sondern man kann auf einen großen Bestand an ausgewiesenen Wanderrouten im Internet zurückgreifen. Sowohl Bürgerinitiativen als auch die Kommunalverwaltungen arbeiten ständig daran, mittels Beschilderung und Wegweisung die Natur und andere Hintergründe für Besucher nachvollziehbar zu machen. Die lokalen Angebote, beispielsweise die zahlreichen aktuell neu hinzukommenden Informationstafeln über die heimische Fauna, sind durchgängig in spanischer Sprache gehalten. Ein Ansatz wäre hier beispielsweise, geführte Routen zu diesen Tafeln mitsamt einer Übersetzung sowie weiteren Hintergrundinformationen anzubieten. Ein Punkt, der sowohl von jedem engagierten Einheimischen als auch im Zweifels falle von studentischen Hilfskräften umgesetzt werden kann.  

In Sachen Kultur sind es zahlreiche Brauchtümer, viele davon religiös bekundet, die in der Region eine Besonderheit darstellen. Doch selbst die insbesondere unter den älteren Bewohnern ländlicher Regionen verbreitete Angewohnheit, sich spätabends mit einem Klappstuhl zusammen mit den Nachbarn auf der Straße zu treffen, ist eine für viele Touristen ungewöhnliche Erfahrung. Städtebaulich werden in Spanien traditionell viele Plätze und Freiflächen eingeplant, da das Zusammenkommen und Plaudern einen Stellenwert innehat, den man in den meist extrem leistungsgetriebenen Ländern des Nordens Europas so nicht kennt. So könnte man beispielsweise sicherlich schon ein abendfüllendes Seminar inklusive Verköstigung und praktischer Anwendung zum Thema „Pipas“ veranstalten.  

Natürlich können hier im Laufe der Zeit auch eigene Programme mit aufgebaut werden. Doch für den Anfang ist sowohl in Sachen Naturerlebnis als auch Kulturdokumentation ein Schnelleinstieg durch Partizipieren an bereits bestehenden Angeboten möglich.

Wein und Oliven spielen hier wohl die größte, weil auch international, bekannteste Rolle. Entsprechend sollten alle Hersteller und Vermarkter dieser Produkte von Beginn an die Möglichkeit erhalten, sich an der Umsetzung der Campo-Idee zu beteiligen und damit vielleicht auch eine Umsatz-, zumindest aber Bekanntheitssteigerung zu erfahren.  

Doch auch die Erzeuger anderer Produkte, an die man nicht zuallererst denken mag, sollten hier nicht vergessen werden. Als Beispiel sind hier die Ziegenherden zu erwähnen.  

Eine große Relevanz kommt auch zwei derzeit in der Region noch ziemlich schwach ausgeprägten Gewerben zu: der Gastronomie und der Beherbergung. Letzteres ist in einer einfach zu haltenden Form zwar auch ein Bestandteil des Campo Vida Sencilla. Doch es wird auch Seminarteilnehmer geben, die lieber auf die Bequemlichkeit eines Hotels oder eines airbnb-Appartements zurückgreifen und täglich zum Campo pendeln wollen.  

Ein weiterer, tendenziell eher mittelfristig in Angriff zu nehmender Punkt sind Bildungseinrichtungen. Sowohl für allgemeinbildende Schulen als auch für Wohnheime oder andere Institutionen lässt sich ein dauerhafter Bezugspunkt als zyklisch wiederholend aufzusuchende Ausflugsstätte aufbauen.  

Ebenfalls angedacht werden kann eine Förderung regionaler Kleinexistenzgründer. Also der Aufbau von Kooperationen mit Unternehmen, die es aktuell noch gar nicht gibt, die im Fahrwasser des Campos erst entstehen. Zu nennen wären da beispielsweise Sprachschulen oder Verleiher von Mountainbikes etc.

Hier spricht die Überschrift bereits für sich. Die Campo-Idee in ihrer absolut rudimentärsten Fassung benötigt eine Verwaltungskraft, einen Platzwart, eine Reinigungskraft und eine Person als Ausfallvertretung. Sprich, vier Menschen, die eigentlich alle jeweils anderen Aufgaben mitzumachen in der Lage sind und sich gegenseitig ersetzen könnten. Aber das ist wirklich die kleinste denkbare und eigentlich gar nicht erst angedachte Aufbauform des Campo Vida Sencilla. Eine Skalierung nach oben ergibt sich aus den von Beginn an mit einsteigenden Investoren und dem somit gleich zum Start mit aufgebauten Gesamtangebot. Hierbei ist vor allen Dingen nochmals zu erwähnen, dass Kostendeckung das angestrebte Ziel dieser Geschäftsidee sein soll, nicht Gewinnmaximierung. Bedeutet, lieber einen Arbeitsplatz zu viel erschaffen, damit alle Beteiligten ihre Arbeit bequem, glücklich und zufrieden erledigen können, als auf dauerhafte Grenzbelastung des Personals zu setzen.  

Mit einer Zunahme von Menschen in der Region wachsen andere Dienstleistungsanforderungen fast schon automatisch mit, sei es Kfz-Reparaturwerkstätten, kleine Gastronomie oder auch Souvenirshops. Hier gilt es eher in konstantem Austausch mit den diesbezüglich erfahreneren Nachbarschaftsvereinen sicherzustellen, dass kein Wildwuchs entsteht, der die Einzigartigkeit der Region negativ beeinflusst. Insbesondere im Bereich der Gastronomie sollten beispielsweise vorwiegend regionaltypische Bars entstehen, in denen auch die Einheimischen regelmäßig und gerne einkehren, statt denn auf Luxus ausgerichtete Sterne-Gastronomie. „keep it cheap“ muss das Motto bleiben, damit das erzielte Wachstum auch wirklich der Region zugutekommt. 

Es wird immer Artikel geben, die man nur überregional beziehen kann. Doch soweit irgendwie möglich sollte den regional vorhandenen Gewerbetreibenden der Gesamtnutzen des Campo Vida Sencilla dahingehend nähergebracht werden, dass sie von sich aus auch eher auf Nachhaltigkeit der geschäftlichen Zusammenarbeit setzen, statt denn den maximal machbaren Profit aus einem dann vermutlich nur sehr kurzen Geschäft zu ziehen. Insbesondere durch das Integrieren lokaler Mitwirkender und Teilhaber/Investoren in die Campo-Idee soll verhindert werden, dass der weit verbreitete „Ausländer-Aufschlag“ nicht zum Tragen kommt. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass ein und dieselbe Leistung plötzlich um einen erheblichen Faktor teurer wird, wenn ein Nicht-Spanier diese anfordert, gegenüber dem Preis, der aufgerufen würde, wenn es ein Landsmann ist, der die Leistung oder Ware anfragt. Ein Einsteigen auf diese Praxis würde die insbesondere am Anfang vermutlich ziemlich knapp zu haltende Kalkulation des Campo Vida Sencilla ziemlich strapazieren.  

Grundsätzlich sollten jedoch die Anfragen, vom Bauunternehmen über Reparaturen und Anschaffungen bis hin zum laufenden Unterhalt, möglichst immer zuerst an umliegende Firmen rausgegeben werden. Auch hier wieder: Ein Hinzuziehen der Nachbarschaftsvereine mitsamt dem Wissen und gegenseitigen Kennen aller Beteiligten ist hier auf jeden Fall nötig, damit es nicht zu arg zu sehr ausgelebter Vetternwirtschaft kommt.

Spanien ist ein Land für den Sommerurlaub. In weiten Bereichen der Gastronomie an der Meeresküste arbeiten Saison-Kräfte, die einen Halbjahres-Arbeitsvertrag besitzen, der um den 30sten September herum endet. Dann werden die Gaststuben, Tauchshops und Kleiderläden geschlossen und die Mitarbeiter machen sich auf zu den Skipisten am anderen Ende des Landes, um dort für die nächsten sechs Monate zu arbeiten.  

Genau das soll auf dem Campo Vida Sencilla nicht eintreten. Hier soll ein Ganzjahres-Angebot entstehen, das explizit darauf ausgerichtet ist, auch ein Schlechtwetter-Angebot zu enthalten. Oder anders ausgedrückt, die Menschen, die sich für einen Besuch des Campo Vida Sencilla entscheiden, entspringen ohnehin nicht der Mentalität, die sich tagsüber auf dem Sandstrand grillen möchte und abends nach dem Buffet-Essen die Unterhaltung eines Animateurs benötigt.  

Natürlich sind insbesondere Menschen, die schulpflichtige Kinder mit in das Ausbildungsangebot des Campos involvieren wollen, auf die Ferienzeiten angewiesen. Eine gewisse Erhöhung der Nachfrage während der klassischen Urlaubszeiten ist also zu erwarten. Doch im Großen und Ganzen sollte das Bildungsangebot des Campos die Menschen locken, nicht die Jahreszeit oder das Wetter.

Ein essenzieller Punkt der gesamten Campo Vida Sencilla-Idee ist von Beginn an mit den Einwohnern der Region zusammenzuarbeiten. Deshalb auch der Ansatz, eine Gesellschaftsform zu wählen, die einen äußerst niederschwelligen Einstiegswert mit sich bringt. Allerdings nicht „gar keinen Einstiegswert“, denn hier kennt man das Fitnessstudio-Problem: Wenn der finanziell zu leistende Betrag überschaubar ist, zahlt man ihn, aber ansonsten geht einem das Angebot dahinter am Allerwertesten vorbei. Jemand, der jedoch 1.000 € oder 2.500 € als Anteil beispielsweise einer Genossenschaft erworben hat, möchte zumeist auch, dass dieses Unternehmen an sich Erfolg hat. Nicht unbedingt, damit es am Ende des Jahres eine Dividende abwirft, denn dafür gibt es vermutlich viele lukrativere Anlagemöglichkeiten, sondern damit die mit diesem Geld unterstützte Idee auch erfolgreich umgesetzt wird. Und am einfachsten geht letzteres, indem man sich selbst mit in das Unternehmen einbringt.  

Auf diese Weise soll eine möglichst vielfältige Interaktion zwischen den mitwirkenden Einheimischen und den durch das Campo-Filterverfahren passend neugierigen Gästen geschaffen werden. Ein kultureller Austausch unter Gleichgesinnten also.  

Die soziale Begegnung an und für sich kann sogar noch einen Schritt weiter gehen. Wünschenswert wäre es, dass sich das Campo im Laufe der Zeit zu einer regelrechten Begegnungsstätte weiterentwickelt, in der man „mal kurz auf einen Schwatz“ vorbeischaut. Ein ganz wesentlicher Unterschied der Tante-Emma-Läden aus früheren Zeiten und den heutigen Supermärkten ist nicht nur die Vielfältigkeit des Angebotes an Waren und die erheblich günstigeren Preise, sondern auch die Tatsache, dass diese kleinen Läden damals Begegnungsstätten zum Informationsaustausch waren. Man rannte nicht schnell an den Regalen vorbei, um sich die erforderlichen Artikel zusammenzusuchen, sondern man kam auch mit den Menschen ins Gespräch, die man dort traf. Manch ein Besuch beim Friseur brachte mehr Wissensvorsprung über das regionale Geschehen, als ein Blick in die Tageszeitung. Heutzutage interessiert man sich mediengesteuert meistens eher nur für das, was auf der anderen Seite des Globus passiert, statt für Vorkommnisse vor der Haustür. Die spanische Kultur bringt hier eine Grundlage mit sich, für Gäste erlebbar zu machen, dass man diese Verklärung der Informationsaufnahme auch umkehren kann. In einem Internetforum von einem wildfremden Guru gesagt zu bekommen „Red‘ mit Deinem Nachbarn“ ist etwas anderes, als zu sehen, wie Nachbarn wirklich miteinander reden. Das Campo soll zu einem solchen Ort werden.  

Ein diesen Aspekt fördernder Aufhänger könnte das Organisieren von Werkzeug-Tauschbörsen sein. Sowohl für die auf dem Campo angedachten Workshops als auch bei den Anwohnern untereinander gibt es sicherlich ständig irgendwelchen Bedarf an Geräten und Werkzeugen, die nicht jedermann zuhause vorhalten kann und will. Hier könnte ein Austausch entstehen, über den man sich gegenseitig Werkzeuge ausleiht. Gegebenenfalls mitsamt einer persönlich erbrachten Einweisung oder Bedienungsanleitung, woraus sich ganz leicht auch schon wieder der nächste Workshop generieren lässt.  

Insgesamt soll das „gemeinsame Arbeiten“ auch propagiert werden. Ein Beispiel hierfür könnte die noch vollkommen unausgereifte und an gesonderter Stelle genauer zu erläuternde Idee des Ausbaus der verfallenen Hacienda auf dem Nachbargrundstück des Campos zu einem Ferienwohnheim für (internationale) Schulklassen (und Pfadfindergruppen?) sein. Auf was wäre ein Heranwachsender mehr stolz, als darauf, mit Hammer und Kelle etwas erschaffen zu haben, das auch viele Menschen nach ihm noch nutzen können? Auch so etwas bringt Menschen zusammen.

Dieser Punkt kann ein wenig zweischneidig werden, da zwar einerseits innerhalb der Stadtverwaltung, dem Regierungsbezirk und vielleicht auch der ganzen Comunidad eine Erhöhung der Sichtbarkeit angestrebt werden sollte, aber andererseits ein arg zu starkes Herausheben der Region, insbesondere bei den (internationalen) Reiseanbietern schnell zu einem ausufernden Tourismus und damit zu einer Strukturveränderung der Region führen kann, die zwar finanziell verlockend sein könnte, langfristig aber den Gedanken hinter dem Campo Vida Sencilla zerstören würde. 

Bedeutet: Sämtliche Arbeiten rund um das Sichtbarmachen der Region müssen immer deutlich in Verbindung mit den oben ausführlicher beschriebenen Auswahlkriterien der potentiellen Besuchern abgestimmt werden. Einfach nur um jeden Preis Touristen jeder Art in die Region holen ist definitiv nicht zielführend. Das Campo Vida Sencilla bedient eine Nische für Menschen mit einer bestimmten Einstellung. Somit muss auch die Öffentlichkeitsarbeit darauf ausgelegt sein, explizit nur für diese Sorte Menschen sichtbar zu werden. Durch das Hervorheben der Naturnähe und der Schlichtheit lässt sich hier eine gesteuerte Verbreitung umsetzen. Der Fokus liegt auf Detailbetrachtung statt Action. Auf Gemeinsamkeit statt Individualismus. Mit dergleichen Hervorhebungen lässt sich der konventionelle Massentourismus gezielt aussieben.

Nun tippe ich diese Zeilen gerade Ende Juli 2026, während in Spanien der nationale Notstand ausgerufen wurde, weil große Teile der landesweit ausgebrochenen Flächenbrände nicht mehr unter Kontrolle zu bekommen sind. Das Thema der Wiederbegrünung bekommt unter diesem Gesichtspunkt noch eine ganz andere Bedeutung, als es ursprünglich beim ersten Aufkommen des Campo-Gedankens hatte.  

Das Thema birgt insgesamt so viel Potential in sich, dass hier nur in groben Zügen darauf eingegangen werden kann. Angefangen bei der Auswahl der infrage kommenden Pflanzen. Für die Erst-Begrünung des Campos habe ich einige Recherchen durchgeführt, um ausreichend hitzeresistente und auf dem kargen, teilweise betonharten Boden lebensfähige Pflanzen zu ermitteln. [an dieser Stelle kann ChatGPT eine Zusammenfassung unseres entsprechenden Chats einfügen] 

Grundsätzlich ist der Grundstückseigentümer in Spanien in der Verantwortung, die Feuergefahr auf seinem Grundstück zu begrenzen. Beispielsweise indem er trockenes Unterholz und abgestorbenes Gestrüpp nicht wild herumliegen lässt, sondern einsammelt und bestenfalls weiterverarbeitet. Meine Suche nach endemischen Gewächsen brachte hierbei auch die weit verbreitete Aleppo-Kiefer sowie verschiedenen Pinien-Arten mit auf die Ideenliste. Doch all diese Nadelhölzer sind extrem harzhaltig. Und das Harz ist ein hervorragender Brandbeschleuniger, immerhin diente es den Menschen über Generationen hinweg als Lampenöl.  

Ein zentrales Problem ist, dass Pflanzen, die sich gegenüber extremen Umweltbedingungen behaupten können, meistens ein äußerst langsames Wachstumsverhalten an den Tag legen. Einen hundert Jahre alten Baum, der durch Windbruch oder eine Feuerbrunst vernichtet wurde, durch eine Neuanpflanzung eins zu eins zu ersetzen, dauert nunmal … einhundert Jahre. Für eine schnelle Begrünung muss daher auf den einen oder anderen Trick zurückgegriffen werden, insbesondere auf dem Campo, auf dem ja aktuell außer ein paar noch in einzelnen Zweigen ums Überleben kämpfenden Mandelbäumen gar nichts mehr wächst. 

Eine der Neben-Aufgaben der SENDA-Idee wird werden, auch ein bisschen Lobbyarbeit für ein agrartechnisches Umdenken zu betreiben. Hierbei bietet sich ein breites Spektrum an wissensschaffender Aufklärungsarbeit, die sich hervorragend für Seminare und ähnliches eignet. Hintergedanke hierbei: Seitens der Gesetzgebung in Spanien (wie auch in den allermeisten anderen Ländern, auch in Deutschland) wird beim Thema Naturschutz an einer konservativen Fortsetzung des historisch Bekannten festgehalten. Wobei „historisch“ hier als nur sehr kurzzeitiger Zeitraum angesehen wird, denn der Zustand der iberischen Halbinsel heute ist menschengemacht und entspricht in keinster Weise mehr den ausgedehnten Waldgebieten von vor fünfhundert Jahren. Grundsätzlich ist ein Festhalten an Bestandsbepflanzung auch eine gute Idee, denn die hat sich eigentlich bewährt. Doch bewährte sie sich unter Zuständen, die absehbarerweise in der näheren Zukunft so nicht mehr vorherrschen werden. Um die Natur halbwegs zu retten, ist hier ein Umdenken und ein Ausweiten der anzupflanzenden Flora auf Arten vorzunehmen, die an anderen Stellen der Welt bereits heute unter den zukünftig für Spanien zu erwartenden klimatischen Bedingungen wachsen können. Auch wenn diese Arten per Stand heute absolut nicht heimisch in Spanien sind. Selbstverständlich muss hierbei auch die Verträglichkeit mit der bereits vorhandenen Vegetation geprüft werden. Pflanzen, die beispielsweise die Bodenchemie nach eigenen Bedürfnissen in einer Art verändern, die für einheimische Pflanzen unverträglich wird, sollten nur mit Bedacht und unter Kontrolle gepflanzt werden. Doch alles in allem ist ein stehender, schattenspendender, das Erdreich zusammenhaltender Baum irgendeiner fremden Gattung immer noch besser als offenliegende tote Erde, die unter der brennenden Sonne glüht und sich beim nächsten Regenguss auf den Weg zum nächstgelegenen Meer macht.

Pflanzen haben mit ihren Wurzeln ein wunderbares Werkzeug erfunden, das über die Leistungsfähigkeit der meisten Presslufthämmer hinaus geht. Sie dringen im Laufe der Zeit in jedes Gestein ein und sprengen es mittels des eigenen Wachstums auf. Dabei erschaffen sie ein Gitternetz, welches die Erde beisammen hält, wenn es darüber stürmt und flutet. Natürlich ist die wahre Funktionalität von Pflanzen viel komplexer. Auch ein Themenbereich, mit dem man sich in zahlreichen wiederkehrenden Campo-Seminarangeboten ausgiebig auseinandersetzen kann. Doch das Grundprinzip ist klar: Jede existierende, lebende Pflanze, egal welcher Größenklasse, ist ein Gewinn für die Landschaft.  

Der Aufbau des Campo Vida Sencilla soll daher von Beginn an so gestaltet sein, dass jeder freie, nicht direkt benötigte Quadratmeter Fläche mit irgendwelchen Pflanzen begrünt wird. Anbetracht des Mangels an Grund- und Regenwasser müssen hier zuallererst hitze- und trockenheitsresistente Pflanzen zum Einsatz kommen.  

Das Campo will hier jedoch nur als gutes Beispiel vorangehen. Der tieferliegende SENDA-Gedanke ist es, auch sämtliche umliegenden Flächen im Zuge von Workshops zu bepflanzen. Sobald ein Waldstück eine gewisse Größe erreicht hat, erschafft es sein eigenes Mikroklima, unter anderem durch Verdunstungsschutz auf dem Boden durch ein schattenspendendes Blätterdach als auch durch Regenproduktion durch geförderte Verdunstung aus ebendiesen Blättern. Bis dergleichen zum Tragen kommt, bedarf es viel Fläche und viel Zeit. Doch auch die längste Zeitspanne startet irgendwann an einem ersten Tag. Und Fläche, die zum Verkauf steht und bis zu ebendiesem Verkauf einfach nur brachliegend vor sich hin vegetiert, gibt es auch mehr als genug. Mit Sicherheit gibt es unter den Eigentümern den einen oder anderen, der seine Kaufpreiserwartung der Realität geschuldet ohnehin längst beerdigt hat und sein Grundstück für eine Anteilseignerschaft am Campo (oder SENDA, je nach Ausgestaltung) einzubringen gewillt ist.  

Für uns Europäer ist Wasser im Regelfall eine unbegrenzt vorhandene Ressource, über die man im Alltag nicht im Geringsten nachdenkt. Wie verschwenderisch wir damit umgehen, wird im Hausgebrauch vor allem dadurch deutlich, dass wir enormen Aufwand betreiben, durch die Trinkwasserleitungen in die Häuser ein dermaßen sauberes Wasser zu leiten, welches manch eine in Flaschen verkaufte Marke an Qualität nicht erreicht … und dann dieses Wasser dazu nutzen, unsere Ausscheidungen in der Kloschüssel hinunterzuspülen, was nach dem Duschen der zweitgrößte Wasserverbrauch im Haushalt ist, lange vor Kochen oder gar Trinken.  

Sowohl mit Führungen durch die Natur als auch mit Vorträgen und Seminaren, vor allem aber durch das Gestalten der Unterkünfte mit einer jeweils eigenen Wasserversorgung sollen die Besucher eine Hilfestellung bekommen, um ein Gefühl für die verbrauchten Mengen an Wasser zu erhalten.  

Workshops können eingerichtet werden, um Wasserreservoirs für die Tier- und Pflanzenwelt der Region zu erschaffen. Natürlich immer nur in direkter Abstimmung bzw. unter Anleitung der regional zuständigen Verwaltungsstellen. Auch Wasserrückhaltung kann ein Ausbildungsthema werden, denn in diesen trockenen Gegenden regnet es selten, aber wenn es regnet, dann meist in solchen Mengen, dass Schäden entstehen. Das ganze Regenwasser fließt dabei ungenutzt einfach an der Oberfläche ab, die durch die andauernde Hitze so hartgebacken ist, dass nichts einsickern kann. Alles Erfahrungen, die sich im Gedächtnis als Erlebnis und dauerhaftes Wissen verankern, wenn man sie mal selbst durchlebt hat, statt nur ein Video darüber anzusehen.

Eine vegetationsarme Region wirkt schnell sehr leblos, ja, frei von Lebewesen. Wie falsch man da liegen kann, merkte ich persönlich, als ich auf dem Campo Vida Sencilla dem Quaken eines Frosches lauschte. Eine Amphibie, fernab jedes sichtbaren Wasservorrates. Die sich mit Paarungsvorbereitungen beschäftigt, also davon ausgeht, dass es weitere Artgenossen in der Gegend gibt. Die nächste Rambla, in deren Grund man vermutlich auch noch lange graben muss, bis man auf Wasser stößt, liegt fast einen Kilometer nördlich und über 60 Meter tiefer als das Campo. Viel zu weit weg, als dass ein kleiner Frosch sich da hätte zufällig verlaufen haben können. Nein, die Landschaft ist nicht tot. Sie ist im Gegenteil sehr belebt. Und über diese Lebewesen, ihre Bedürfnisse und ihren Schutz gilt es aufzuklären.  

Spanien hat ein Problem mit streunenden Hunden, das ist aus Funk und Fernsehen bekannt. Auch hierüber und deren Einfluss auf die natürliche Fauna sollte Aufklärung erfolgen. Insgesamt ist auch vorstellbar, auf dem Campo eine gewisse Auswahl an Tieren zu halten. Beispielsweise die für die iberische Halbinsel typischen Rothühner (ein beliebtes Jagd-Tier in der Gegend) oder auch normale Hühner. Tiere, bei denen Ausbruchsgefahr mit Schadensfolge für die Umwelt besteht, sollten eher gemieden werden, hierunter fallen vor allem Kaninchen. Ebenso ist die Haltung wasserbedürftiger Tiere, von Gänsen über Schweine bis Rinder abzusehen, siehe Thema „Wasserversorgung“. Etwas anders sieht es aus mit Tieren, die sowohl für Ausbildungszwecke (gar therapeutisch) als auch für Arbeitshilfen eingesetzt werden können, wie beispielsweise Esel. Unabhängig von der eigenen Haltung lassen sich aber sehr leicht Beobachtungsstellen für die wild in der Region lebenden Tiere einrichten, vom Wildschwein über Rotwild bis hin vielleicht tatsächlich einem Exemplar des selten gewordenen Pardelluchses. 

Durch gezielte Ausbildungs- und Aufklärungsarbeit mit den Gästen wie auch über die Medien zur Bekanntmachung des SENDA-Projektes insgesamt kann auf jeden Fall ein Beitrag zur Aufrechterhaltung der Biodiversität, vielleicht sogar zur Verbesserung der natürlichen Lebensräume, geleistet werden.

Das Campo Vida Sencilla soll den Menschen die Natur näherbringen. Dazu kann auch mal gehören, mit der Natur in weniger angenehmen Kontakt zu kommen, indem man sich an einem der seltenen regnerischen Tagen einmal schlammige Schuhe beim Weg vom Wohnmobil zum Gemeinschaftsgebäude holt. Um die Bildung von Trampelpfaden zu verhindern, werden die viel benutzten Hauptwege mit Kies oder Schotter ausgekleidet. Aber auf das Verlegen von festen Platten oder gar das Betonieren/Asphaltieren sollte möglichst verzichtet werden. Natürlich gibt es Bereiche, an denen eine feste Bodenversiegelung zwingend erforderlich ist, weil man ansonsten beispielsweise mit der mechanischen Unkrautbeseitigung an Grenzen stoßen und auf chemische Mittel zurückgreifen müsste, was ja eine noch schlechtere Lösung wäre als eine versiegelte Fläche. Solche Fälle wären beispielsweise das Verhindern von hoch wachsendem Unkraut unter Wohnmobilen und Wohnwagen, was schnell als Einstiegsstelle von weniger in Wohnräumen gewünschten sechsbeinigen Besuchern genutzt werden könnte. Ein weiterer Grund für eine begrenzte Versiegelung könnte das Errichten eines Areals zum Auffangen von Regenwasser sein.  

Ebenso wie der Verzicht auf Bodenversiegelung sollte auch der ganze Aufbau des Platzes, also sowohl die Platzgestaltung als auch die darauf errichteten Gebäude einen deutlichen Bezug zur Landschaft und zur vorhandenen Architektur darstellen. Das kann bei steinern errichteten Gebäuden soweit gehen, dass man diese im Look älterer Bestandsgebäude ausgestaltet, statt auf die für schicke Neubauvillen üblichen Terracottafarben zurückzugreifen. Bei einem Blick über die Landschaft sollte ein Betrachter das Gefühl haben, all das „gehört“ da hin.

Die Unternehmensform einer Genossenschaft dürfte – quasi als gewerbliches Pendant eines Vereins – das geeignetste Rechtsgebilde sein, um sowohl die Möglichkeit der Kapitalbeschaffung als auch die Lukrativität für die Mitwirkenden durch demokratisches Mitspracherecht abzubilden.  

Sicherheitshalber sollten jedoch alle anderen Rechtsformen zur Umsetzung der SENDA- wie auch der Campo Vida Sencilla-Idee eingehender geprüft werden. Denkbar wäre auch, die einzelnen Sachbereiche in jeweils eigenen Gesellschaften umzusetzen, statt denn alles in Form von Abteilungen unter einem zentralen Firmenmantel. So könnten beispielsweise der Stellplatzbetrieb von dem Ausbildungsbetrieb getrennt werden. Ein denkbarer Grund für solch eine Trennung könnte die Erlangung von Fördermitteln sein, die gewisse Größenbegrenzungen oder andere Ausschlusskriterien mit sich bringen.  

Insgesamt ist dies ein Thema, zu dem auch Fachleute, also spanische Steuerberater hinzugezogen werden sollten. Ein im Vorfeld an dieser Stelle investierter Euro in Beratungsleistungen kann schnell zwei später für Korrekturbedarf ausgegebene Euros ersetzen.  

Über diesen Punkt gilt es, zum einen noch weitere Recherche im Vorfeld zu betreiben, zum anderen aber auch das Hinzukommen erster einheimischer Mitwirkender abzuwarten. Solange dieses Konzept hier nur einen groben Rahmen vorgibt, aber noch nicht in die Detailplanung einsteigt, ist eine arg zu feingliedrige Ausarbeitung der Ideen nicht zweckmäßig.

Während der gewerbliche Teil schon allein durch die Beschäftigung angestellten Personals eine betriebswirtschaftliche Grundlage benötigt, lassen sich für die Organisation der rein freiwilligen Zusammenarbeit auch andere Rechtsformen finden, beispielsweise einen Verein. Inwiefern ein solcher Verein in Konkurrenz zu den bestehenden Nachbarschaftsvereinen treten könnte, muss unbedingt im Vorfeld geprüft werden.  

Sowohl seitens der regionalen Bevölkerung, die sich in die Unterstützung des Projektes einbringen möchte, als auch unter den Besuchern, die hier eine förderungswürdige Aktivität erkennen, wird es Menschen geben, die sich ehrenamtlich einbringen oder ohne größeren Verwaltungsakt eine Spende platzieren wollen. Hierfür gilt es, einen komplikationslosen Rahmen zu finden; ein Verein könnte eine solche Möglichkeit sein.  

Die direkten Aktivitäten im SENDA-Rahmen dienen nicht dem Umweltschutz und der Wissensverbreitung, also Ausbildungsarbeit. Beides Themen, die regional, staatlich und international gefördert werden, da sie das Gemeinwohl betreffen. Auch hierfür ist ein (explizit gemeinnütziger) Verein eine bessere Arbeitsbasis, als ein handelsrechtlich strukturiertes Unternehmen.  

Sobald sich eine ausreichend große Gründungsmannschaft zusammengefunden hat, gilt es hier weitergehende Recherche zu investieren. 

Wie an anderer Stelle schon erwähnt, werden schon allein mit der Idee des Campo Vida Sencilla mehrere Arbeitsbereiche nebeneinander angerissen, die allesamt das Potential für eine eigene betriebswirtschaftliche Unternehmung in sich tragen, allem voran die Trennung von Campingplatzbetrieb und Bildungseinrichtung. Wenn man den Fokus dann noch auf SENDA insgesamt ausweitet, also die gesellschafts-kulturelle Einbindung und den Umweltschutzaspekt mitberücksichtigt, kommen noch weitere betriebsorganisatorisch selbständige Bereiche hinzu. Theoretisch könnte man all dies unter einem betrieblichen Dach zentralisieren. In der Praxis dürfte dies jedoch schnell zu unterschiedlichsten Problemen und auch Haftungsrisiken führen. Daher liegt der Gedanke nahe, die Sachgebiete – soweit möglich und Kraft finanzieller Ausstattung finanzierbar – in einzelne, selbständige Unternehmungen zu zerlegen.  

Ein besonderes Augenmerk verdient hierbei der vollständig gemeinnützig betriebene Teil des Vorhabens. Selbst Menschen der Region, die in der SENDA-/Campo-Idee nur eine Spinnerei eines zugezogenen Ausländers sehen und das ganze Konzept kritisch sehen oder gar ablehnen, dürften dennoch ein Interesse haben, dass die Natur in ihrer Umgebung gepflegt und die Entvölkerung der ländlichen Gebiete gestoppt wird. Und entsprechend sich entweder direkt oder durch Mitwirkung in dem durch sie mitgetragenen Nachbarschaftsverein mit einbringen wollen.  

Hier gilt es, eine Brücke zu schlagen, wobei sorgfältig darauf zu achten ist, dass alle beteiligten Organisationen immer sauber voneinander getrennt agieren. In der Aufbauzeit wird sich die Ausübung manch einer Position in Personalunion nicht verhindern lassen. Doch mittelfristig sollte unbedingt angestrebt werden, dass auch die jeweils agierenden Menschen keine Interessensüberhänge zwischen den einzelnen Betrieben/Vereinen haben.

Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der gesamten Idee, den es auch möglichst häufig betont in den Vordergrund zu stellen gilt: Es soll sich auf gar keinen Fall um eine ausländische Unternehmung handeln, die sich in der Region mit landeskulturfremden Ideen ausbreitet. Den Initialfunken setzt zwar ein Deutscher und schon allein aus Gründen der Kapitalgewinnung ist das Suchen/Finden/Hinzuziehen weiterer Nordeuropäer ein verfolgenswerter Ansatz. Doch nichts von der ganzen Idee kann zukunftsfähig in die Tat umgesetzt werden, wenn es die regionale Bevölkerung nicht mitträgt.  

Über die Ausgestaltung in der Rechtsform einer Genossenschaft wird deshalb so intensiv nachgedacht, weil diese explizit auf eine strikt demokratische Unternehmensführung setzt. Durch Wahlen und Abstimmungen wird der Wille der Anteilseigner umgesetzt. Ganz im Gegenteil zu den klassischen Unternehmensformen, bei denen der Wille eines Gründers im Vordergrund steht, während die Anteilseigner als Investoren nur ein Augenmerk auf den maximalen Profit ihrer Investition haben.  

Das bedeutet, dass vor dem wirklich marktaktiven Loslegen auf jeden Fall zuerst nach regional ansässigen Mitwirkenden gesucht werden muss. Kurz- bis maximal mittelfristige Zielsetzung sollte es sein, eine mindestens paritätische Führungsbesetzung aus Einheimischen und Vertretern anderer Nationalitäten zu erreichen. Tendenziell sogar eher einen einheimischen Überhang zu provozieren. (Auch hier wieder mit dem Hinweis auf die Vorzüge einer Genossenschafts-ähnlichen Betriebsorganisation, damit jeder Anteilseigner mit „einer“ Stimme zählt, vollkommen unabhängig von der Höhe des von ihm eingebrachten Kapitals.) 

Eine noch separat aufzustellende Carta der SENDA sollte zumindest die folgenden Punkte enthalten: 

Die Menschen und der gemeinschaftliche Zweck haben Vorrang vor dem investierten Kapital. Dieser Vorrang wird in transparenter, autonomer, partizipativer und absolut demokratischer Unternehmensführung umgesetzt. Entscheidungen sollen sich immer am angestrebten kollektiven Zweck orientieren und nicht durch finanzielle Abhängigkeiten beeinflusst werden.  

Sämtliche Projekte dienen der generellen sozialen Solidarität, dem Engagement für lokale Entwicklung, der Förderung strukturell benachteiligter Regionen, der Schaffung nachhaltiger Arbeitsplätze sowie der Förderung neuartiger Arbeits- und Lebensmodelle. 

Höchstes Gut aller Aktivität ist die Unabhängigkeit von öffentlichen Behörden oder anderen einflussnehmenden Organisationen.

[Hier gilt es noch Recherchearbeit zu betreiben] 

Gemäß erster Rücksprache mit einem Ingenieurbüro in Jumilla besteht für das gesamte Areal von La Raja eine Bauerlaubnis bei Einhaltung der gegebenen Vorschriften. Hierunter fallen vor allen Dingen die Unbebaubarkeit der ausgewiesenen Viehtriebs-Wege sowie die Anforderungen an Parzellengröße und Grenzabstände. Für den Bau eines einzelnen Wohngebäudes ist eine Grundstücksgröße von 5.000 m² Voraussetzung. Unter Einhaltung eines generellen Mindestabstandes von 10 Metern zu den Parzellengrenzen dürfen auf diesen Parzellen sodann maximal 2,2 % der Parzellengröße überdacht bebaut werden.  

Für eine gewerbliche Nutzung ist eine Parzellengröße von mindestens 70.000 m² erforderlich. Grundsätzlich gelten hier die gleichen Bebauungsrichtwerte wie bei Wohnbebauung, doch je nach Gewerbeart erfolgt eine Einzelfall-Prüfung.  

Das Ingenieurbüro übernimmt – auch in Zusammenarbeit mit einem Architekten – hier gerne weitere Prüfungsarbeiten. Ich habe jedoch vorerst von einer Beauftragung abgesehen, solange die Eigentumsverhältnisse am Grundstück an und für sich noch nicht final geklärt sind. Die Erstinformationen kann man aber auf jeden Fall schon einmal unter der Feststellung zusammenfassen, dass sämtliche im Zusammenhang mit dem Campo Vida Sencilla geplanten Vorhaben umsetzbar sein werden, vorausgesetzt, Clark Ahten wird im Zuge der erst noch durchzuführenden Neuparzellierung des 50%-Erbes Eigentümer der dann als „División 3“ bezeichneten Parzelle. Bis zu einer Entscheidung seitens des Eigentümers der anderen 50 % muss die Erörterung dieses Themas vertagt werden.

[Explizit die Rechte der Ziegenhirten sind hier noch genauer zu ermitteln. Aber auch der genaue Status der beiden umliegenden Naturreservate.] 

Wasser

Ein Punkt, der vermutlich zu den größten Erstinvestitionskosten gehören dürfte. An der Grundstückseinfahrt der Parzelle 3 befindet sich im Boden ein Wasseranschlussrohr. Es war hier also irgendwann in der Vergangenheit bereits einmal vorgesehen, Wasser aus der öffentlichen Versorgung zur Verfügung zu stellen. Der Anschluss wurde nur niemals fertiggestellt, das für Spanien übliche Steinhäuschen am Straßenrand mit Wasserzähler fehlt hier noch. Grundsätzlich ist aber ein Wasseranschluss auf jeden Fall machbar, indem man hier auf die vorhandene Leitung aufsetzt. Allerdings gilt es zu beachten: Es handelt sich bei der Leitung sichtlich nur um ein Kunststoffrohr mit 1 Zoll, maximal 1,5 Zoll Durchmesser. Also vom Querschnitt her der Leitungsumfang, mit dem man einen Haushaltsanschluss versorgt. Für eine Gewerbefläche oder agrartechnische Nutzung unzureichend. 

Gemäß Auskunft des Ingenieurbüros besteht in der Region die Erlaubnis zum Schlagen eines Brunnens mit einer maximalen Entnahmekapazität von 70 m³ pro Jahr. Anbetracht der aktuellen klimatischen Entwicklung steht zu befürchten, dass dies eine Genehmigung sein wird, die im Laufe der kommenden Jahre zurückgenommen wird. Wenn man also auf einen Brunnen zurückgreifen möchte, sollte die bauliche Umsetzung kurzfristig erfolgen, um später auf Bestandsschutz setzen zu können. Nach dem Motto „Haben ist besser als brauchen“ ist das Vorhalten einer zweiten Wasserversorgung ratsam.  

Anbetracht der Tatsache, dass die Wasserversorgung der Parzellen und Wohneinheiten ohnehin nicht per fester Leitung, sondern individuellem Tank geplant ist, kann entsprechend auch die Hauptwasserversorgung zusätzlich zum Anschluss ans öffentliche Netz noch mittels Zisterne und Tankwagenlieferung erfolgen. Der Bau einer Trinkwasser-gerechten Zisterne, möglichst unterirdisch, schlägt also als Erstinvestition voll zu Buche. Nach Recherche aus dem Mai 2026 kostet eine Lieferung von 16 m³ Trinkwasser etwa 130 €. Die Menge entspricht der Ladekapazität eines Lkws. Weniger Wasser abzunehmen reduziert nicht den Preis der Lieferung.

In Spanien sind für private Wohngebäude simple Sickergruben weit verbreitet. Die Nutzung biologisch abbaubarer Wasch- und Reinigungsmittel vorausgesetzt, ist eigentlich auch nichts dagegen einzuwenden. Doch für eine gewerbliche Nutzung, insbesondere mit in ihrem Nutzungsverhalten nicht kontrollierbaren Tagesgästen, scheidet eine solche Lösung definitiv aus.  

Eine öffentliche Kanalisation existiert außerhalb der Wohnsiedlungen nicht. Anbetracht der extrem hügeligen Landschaft wäre das Verbauen einer solchen vermutlich auch schlicht unbezahlbar für die Anlieger. Daher besteht hier als einzige Alternative nur das Anlegen eigener Abwasserzisternen im Untergrund auf dem Campo. Auch wenn die Frage des Verbleibs all des anfallenden Biomülls noch separat zu klären ist, sollen auf dem Campo komplett nur Trockentrenntoiletten zum Einsatz kommen. Damit reduziert sich theoretisch der Anspruch an die Abwasser-Verrohrung. Ungeachtet dessen gilt es noch mit Fachpersonal zu klären, ob man mit einem zentralen Abwassertank an der tiefsten Stelle des Campos hinkommt, oder eventuell mehrere einzeln pro Terrasse gesetzt werden müssen. So oder so handelt es sich bei diesen Zisternen um speziell versiegelte Kunststoffbehälter, die nicht nur angeschafft, sondern in diesem harten Boden auch noch vergraben werden müssen.

Zentral oder dezentral, das dürfte hier die einzige wirklich wichtige Frage an geeignetes Fachpersonal sein. Wie auch beim Wasseranschluss kann hier zur redundanten Versorgung der bereits auf der Parzelle 3 existierende, aktuell jedoch abgeklemmte Stromanschluss genutzt werden. Zu Beachten gilt hier jedoch, dass die vorhandene Überland-Verkabelung viele Jahrzehnte alt ist und nicht in Benutzung war. Hier kann es zu Bestandsschäden gekommen sein, die erst noch beseitigt werden müssen. 

Ansonsten ist geplant, jede verfügbare Dachfläche, also vor allem das Hauptgebäude und die zahlreich aufzustellenden Carports, mit Solarpaneelen auszustatten. Wie man den somit gewonnenen Strom dann aufbereitet und zwischen den Verbrauchern auf der Parzelle verteilt, gilt es noch mit Fachleuten abzuklären. Entweder als zentrale Speicher und Wandlung, um das Gelände mit 220V zu versorgen. Oder durch Installation einer eigenen Versorgung in der Abnahmeeinheit oder jeder einzelnen Terrasse. Ausfallschutz sollte hier eine wichtiger berücksichtigter Punkt sein. Eventuell ist das Vorhalten mehrerer redundanter Anlagen finanziell günstiger als der Einbau komplizierter Absicherungssysteme.

Auch wenn der Punkt nur bedingt in diese Rubrik gehört, möchte ich diesen hier mit erwähnen. Die oberirdisch hängend verlegte Stromversorgung eignet sich auch zum Verlegen eines Glasfaseranschlusses. Wie bei Wasser und Strom besteht die primäre Netzversorgung durch das 5G-Mobilfunknetz. Aber eine zusätzliche Ausfallversorgung über einen Festnetzanschluss sollte dennoch auch gegeben sein. 

Auch ohne das spanische Baurecht diesbezüglich zu kennen, sagt der Feuerwehrmann in mir genauso wie der gesunde Menschenverstand, dass ausreichende Mittel zur Brandbekämpfung vorgehalten werden müssen. Bedeutet, lokal in den einzelnen Wohneinheiten zu etablierende Feuerlöscher genauso wie ein Reservoir mit ausreichend Löschwasser. Bei Industrieanlagen in Deutschland werden ausreichend groß dimensionierte oberirdische Silos oder alternativ bei Vorhandensein von ausreichend Gelände dekorative Löschteiche angelegt. Ob sich ein Teich Anbetracht der hitzebedingten Verdunstung eignet, eventuell indem man ihn teilweise überdacht, muss noch geprüft werden. Zum Gesamtkonzept der SENDA-Idee würde ein solches offenes Gewässer, das auch der Fauna zur Verfügung steht, besser geeignet als ein Silo. Die Alternative zu einem Teich wäre sicherlich die Verdoppelung der vorzuhaltenden Trinkwasser-Reserven, da diese ohnehin, wie unter „Wasser“ oben erwähnt, neben dem für Löschzwecke vollkommen unzureichenden Hausanschluss als Zisternenkapazität vorgehalten werden sollen.  

Für das ganze Gelände gilt es selbstverständlich, auch ein Brandschutzkonzept mit entsprechender Unterweisung des gesamten Personals in der bestmöglichen Erstbekämpfung auszuarbeiten. Grillen mit Holzkohle oder offenes Lagerfeuer wird auf dem ganzen Gelände nur an einer einzigen, explizit dafür ausgewiesenen und ausgestatteten Stelle erlaubt sein. Und auch das eventuell nur in den Herbst- und Wintermonaten, da der Funkenflug ein ernstzunehmendes Problem darstellt.  

Rettungswege zum Campo-Gelände gibt es derzeit zwei, wobei nur einer davon (von der einen Kilometer entfernt vorbeiführenden RM-A10 kommend) für eine schnelle Versorgung mit Lösch- und Rettungsfahrzeugen ausreichend befestigt ist. Da dieser Weg auch eine zentrale Zufahrt zum Weiler El Ezquiel darstellt, wird er auch dauerhaft in betriebsbereitem Zustand gehalten. Die zweite Anfahrtsmöglichkeit aus Nordosten kommt von der Rückseite von La Zarza und besteht nur aus einem zwar Pkw-tauglichen und von Einheimischen auch stark frequentierten, aber dennoch eher holprigen und öffentlich nicht gepflegten Feldweg. Hier könnte eins der ersten vom Campo aus unternommenen Kollektiv-Projekte eine Befestigungsaktion sein.  

Für die allgemeine Notfallversorgung gelten auf dem Campo Vida Sencilla ansonsten die gleichen Bedingungen wie für alle umliegenden Wohneinheiten auch. Die nächstgelegenen größeren Ortschaften mit fester medizinischer Infrastruktur sind (im Uhrzeigersinn) Yecla, Pinoso, Fortuna und Jumilla, wobei diese alle einer Anfahrt von ca. 30 Minuten bedürfen. Ansonsten besteht im Umfeld des Campos auch ausreichend dauerhaft freie Fläche zum Landen eines Helikopters.  

Im Zuge der zu den weiter oben genannten Prüfungspunkten vorzunehmenden Recherche werden sicherlich auch noch einige Vorschriften aufkommen, die seitens der Behörden gestellt werden an einen Campingplatz, einen Hotelbetrieb, Gastronomie, Schule, Freizeitanlage, Bildungseinrichtung und welche Zuständigkeiten auch immer noch in Betracht kommen könnten.

Hier steht und fällt alles mit zwei Punkten: zuerst dem per Stand heute (07/2026) nach wie vor ungeklärten Eigentumsverhältnissen des Campos. Und zum zweiten dem Interesse und der Mitwirkungsbereitschaft der Anwohner bzw. ortsansässigen Nachbarschaftsvereine. Selbst ohne vorherige Recherche unterstelle ich aufgrund der von mir verfolgten Öffentlichkeitsarbeit der Stadtverwaltung von Jumilla, dass es seitens der Behörden tendenziell eine starke Unterstützung des Projektes geben wird, da es die ohnehin schon forcierten Aktivitäten extern unterstützt. Ob denn seitens der Stadtverwaltung jedoch an finanzielle Unterstützung zu kommen ist, dürfte eher zu bezweifeln sein, da die Kommunalverwaltungen im Regelfalle selbst schon nur noch mit leeren Töpfen hantieren und dutzende Baustellen gleichzeitig zu bedienen haben. Wenn denn seitens der Stadtverwaltung aber eine Unterstützung dahingehend erfolgt, dass der Bauhof die Wege-Instandsetzung und andere Arbeiten dieser Art in der Region etwas bevorzugt behandelt, ist bereits viel erreicht. Darüber hinaus kann eine wohlgesonnene Stadtverwaltung als guter Leumund bei Beantragung nationaler oder gar europäischer Förderprogramme dienen. Sowohl für den Bereich der kulturellen Förderung als auch des Umweltschutzes gibt es hier zahlreiche. Doch ein tieferes Einsteigen in das Thema lohnt erst, wenn sich eine zur Umsetzung gewillten Grundmannschaft zusammengefunden hat.

Der Dreh- und Angelpunkt allen Schaffens. Ein dermaßen in das regionale Leben verzahntes Projekt gegen den Willen der Anwohner umzusetzen, ist vollkommen ausgeschlossen. Natürlich wird es immer Menschen geben, die mit der aktuellen Situation rundherum zufrieden sind und daran gar nichts verändern möchten. So wie sich im Laufe der Zeit Hotelketten rund um den Globus darauf spezialisiert haben, keine Kinder als Gäste zuzulassen, mag es auch im Großraum La Raja Menschen geben, denen der Anblick von ausnahmslos ergrauten Haarschöpfen bei regionalen Feiern sehr gut gefällt. Doch da dieses Verhalten eigentlich nicht zum Kern der spanischen Kultur gehört und das Altiplano weitestgehend noch von Einheimischen bewohnt wird, kann eigentlich unterstellt werden, dass hier im überwiegenden Teil eine an einer Wiederbelebung interessierte Bevölkerung vorherrscht. Die Gefahr von durchsetzungskräftiger zugereisten Ausländern besteht in der Region noch nicht.  

Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, haben die Nachbarschaftsvereine in Spanien eine enorme politische Reichweite. Wenn man es schafft, diesen Vereinen das Projekt und die damit einhergehenden Vorteile vernünftig zu erläutern und somit die Bewohner der Region als Befürworter mit ins Boot holen kann, wird sich der politische Wille an städtischer und landesseitiger Stelle automatisch mit in die gleiche Richtung bewegen. Die lokale Akzeptanz zu erreichen ist also der wichtigste erste Aufhänger. Für den es zuerst eine klare Projektbeschreibung in Kurz- und Langfassung bedarf. Und dann mehrere Fürsprecher, die der spanischen Sprache mächtig sind.

Diese Frage ist zweigeteilt zu beantworten, denn die „Mit-Umsetzer“ müssen nicht gleichzeitig auch die „Nutzungs-Interessenten“ sein. Natürlich ist insbesondere bei den Gästen eine dauerhafte Unterstützungshaltung eine erstrebenswerte Entwicklung. Doch dürfte so etwas dann eher in Form einer Spenden-Zahlung oder einmaliger Materialgestellung passieren, nicht in Form von Anteilseignerschaften. 

Gründungsphase 

Daher ist die erste Zielgruppe, mit der das Projekt angesprochen werden soll, die direkt vor Ort lebende Bevölkerung, um Akzeptanz zu erreichen. Die Arbeit des Vorstellens des Projektes sollte möglichst so viel medialen Wirbel in der Region lostreten, dass nach einer gewissen Zeit zumindest kein Mensch vor Ort mehr behaupten kann, er hätte noch nie etwas davon gehört. Ganz unabhängig von der persönlichen Einstellung gegenüber der SENDA-Idee und der potentiellen Campo-Gründung soll sichergestellt werden, dass jeder zumindest die Möglichkeit hat, persönlich Stellung zu beziehen. Natürlich ist meine Hoffnung, dass auf diese Weise nur als Nebeneffekt auch die vermutlich auch vorhandenen Skeptiker und Gegner solcher Ideen eine Chance auf Widerspruch bekommen, der Haupteffekt aber schlichtweg weit mehr Reichweite ist. Und je mehr Menschen man mit der Vorstellung erreicht, umso größer die Wahrscheinlichkeit, auf mitmachende Unterstützer zu stoßen. 

Selbige die zweite Zielgruppe der ersten Kampagnen sein müssen. Wie im obigen Text mehrfach erwähnt, lässt sich das Campo-Projekt nur unter aktiver Mitwirkung mehrerer Ortsansässiger realisieren. Zudem ist das Gesamtprojekt zu groß, als dass es eine Person alleine (und dazu noch nebenberuflich) stemmen könnte. Es braucht eine Gründungsmannschaft, die gewillt ist, Arbeitszeit und Arbeitsleistung in diese Idee zu investieren. 

Die dritte Startphasen-Zielgruppe sind Investoren. Seien es Banken, bei denen Darlehen (ggfls. abgesichert durch Förderprogramme) aufgenommen werden oder Produkt-Hersteller, denen man die Idee als Werbemaßnahme näherzubringen versucht, vor allen Dingen aber auch einfach nur Menschen, die ein bisschen Geld in ein zukunftsreiches Projekt investieren wollen, ohne sich dabei den maximalen Profit, wohl aber ein maximal gutes Gewissen erhoffen. Seitens Clark Ahten wird das Grundstück in La Zarza als Sacheinlage sowie ein erheblicher Teil der persönlichen Arbeitskraft in das Projekt eingebracht. Es gilt, hier ein paar Nachahmer zu finden, durch die irgendwann eine Sogwirkung für weitere entsteht.  

Eine vierte Gruppe, die allerdings nicht unbedingt fest mit der Gründungsphase verbunden sein muss, sind die Anbieter von späteren Campo-Leistungen. Die Menschen, die später Seminare halten, Wanderungen führen oder Kochkurse geben wollen, müssen auch rechtzeitig vorab über das Potential informiert werden, eine Überlegenszeit haben. Diese Personen werden jedoch nicht nur während der Gründungsphase gesucht, sondern fortlaufend auf Dauer.  

Betriebsphase 

Das Campo Vida Sencilla kann man im Kreise der ersten Gründungsmannschaft für einen betriebsfähigen Zustand durchplanen und dann – ausreichend Kapital vorausgesetzt – auch in diesen Zustand aufbauen. Doch den Zustand des restlosen „fertig“ wird man erst im Laufe von Jahren erreichen, da manche Arbeiten durchaus bewusst etwas über die Zeit verteilt erledigt werden können (die Befestigung der Terrassenhänge beispielsweise) oder Kraft natürlicher Wachstumsprozesse eben einige Zeit brauchen, bis sie den gewünschten Zustand erreichen (selbst ein teuer eingekaufter, bereits zwei Meter hoher Baum benötigt viele Jahre, bis er zum eigentlich gewollten Schattenspender wird). Kurzum: Für die Gründungsmannschaft des Campos bleibt das eine länger währende Herausforderung. Noch eine Schippe drüber ist die SENDA-Idee anzusetzen, bei der es ja darum geht, Renaturierungsmaßnahmen und Wiederbelebungsaktionen verlassener Hofgüter auch im Umland umzusetzen. Das wird ein ewiger Prozess, bei dem niemals ein wirkliches „wir sind jetzt fertig“ erreicht werden kann.  

Um all dies zu stemmen, wird ein kontinuierlicher weiterer Zufluss an Unterstützern und Mitwirkenden erforderlich sein. Einerseits Menschen, die seitens des Campos fest angestellt werden können. Andererseits aber auch Menschen, die sich mit der SENDA-Idee so weit identifizieren, dass sie gewillt sind, im Kreise Gleichgesinnter einiges an ehrenamtlicher Arbeit zu leisten.  

Die zentrale Zielgruppe am Ende sind jedoch natürlich die Gäste und Seminarteilnehmer. Für unseren ersten Webauftritt, bei dem es ja um Umsetzungsunterstützung geht, noch nicht vordergründig relevant. Doch zur Förderung der Überzeugungsleistung bei Investoren und Mitmachwilligen ist es vorteilhaft, nach dem Vorbild „what you see is what you get“ dennoch auch schon einen Vorschlag zur Ansprache der finalen Kunden aufzeigen zu können.

Kapital und Arbeitskraft. Mit diesen beiden Worten ist vermutlich alles gesagt. Aber ich glaube, einen dritten Punkt kann man noch hinten dran hängen: Kontakte. 

Wie mehrfach erwähnt, werden zuerst einmal Menschen gebraucht, die sich mit der Idee identifizieren und gewillt sind, einen Teil ihrer Freizeit (!) in die weitere, detaillierte Konzeptausarbeitung einzubringen. Von meiner Seite aus wird diese zwar auch immer weiter ausgefeilt, doch je mehr ich in die filigrane Detailarbeit einsteige, umso größer wird die Gefahr, dass später ein williger Mitwirkender einsteigt, der sich aber den von mir vorgeschlagenen Weg anders vorstellt und all meine Vorarbeit wieder verwirft. Daher möchte ich es eigentlich im ersten Schritt beim Setzen von Akzenten und Vorschlägen belassen und lieber mehr Engagement ins Finden von Mitwirkenden stecken.  

Der zweite Schritt ist dann das Generieren von Aufbauhilfe. Was eine enorme Bandbreite an Tätigkeitsfeldern mit sich bringt. Angefangen von Schreibtischarbeiten, wie weitere Werbeaktivitäten und Verwaltungsaufgaben, beispielsweise Firmengründung, Vertragsgestaltung und Fördermittelsuche etc. über echte Kapitalmittelsuche, seien es liquide Mittel oder Sachspenden, aber natürlich auch Anteilseigner, bis hin zu Mitwirkenden in Form von hilfsbereiten Unterstützern in der Nachbarschaft, beispielsweise ein Landwirt, der mit seinem Traktor ein paar Erdarbeiten durchführt. Das Spektrum an zu erledigenden Aufgaben ist dermaßen groß, dass sich für jedes Talent eine passende Nische finden lässt. Die Person muss nur signalisieren, mitwirken zu wollen.  

Für den späteren Verlauf ist als Mitwirkung dann die Seminararbeit ein zentraler Aufhänger. Auch hier muss das Vorgehen sein, Vorschläge zu erarbeiten und zu benennen, damit Inspiration seitens Dritter aufkommen kann.

Das Thema der Entvölkerung und Überalterung außerhalb der direkten Stadtgebiete ist ein Punkt, um den sich die Verwaltung bereits seit langem aktiv bemüht. Daher ist davon auszugehen, dass ein Projekt, welches wieder Leben in das Umland zieht, bei den Behörden auf offene Ohren stoßen wird.

Etwas weniger sicher bin ich persönlich bei der Einschätzung der derzeit noch außerhalb lebenden Bevölkerung. Hier handelt es sich einerseits um einen hohen Anteil bereits ziemlich alter Menschen, die sich mit der Situation abgefunden haben und vielleicht von einem Neuerwachen des Umlandes überfordert sein könnten. Des Weiteren zeigen Fahrten übers Land einige Villen und Wohnanlagen, die sichtlich finanzielles Vermögen dokumentieren. Auch bei diesen Menschen könnte eine Wiederbelebung des Umlandes auf wenig Wohlwollen stoßen, da es die gewollte Ruhe und Abgeschiedenheit negativ beeinflussen kann. Und zusammengefasst bedeutet dies, dass man auf keinen Fall davon ausgehen sollte, mit dem (? Satz nicht zu Ende geschrieben)

Vorbedingung 

Cohrs. Alles steht und fällt nun zuerst einmal mit den Eigentumsverhältnissen rund um das geplante Campo-Gelände. Der Miteigentümer des zu erwerbenden Grundstücks zieht den Prozess des Eigentumsübergangs künstlich in die Länge und verhindert damit jede Form der Planbarkeit. Nach der zwar 2007 von ihm selbst und dem zwischenzeitlich verstorbenen zweiten Eigentümer erstellten Neuparzellierungsplanung wäre ein Halbieren des Gesamtgeländes verhältnismäßig einfach machbar. Jedoch wurde diese Neuparzellierung bis heute nicht beim Katasteramt grundbuchmäßig eingetragen. Die ganze Geschichte ist dermaßen verfahren, dass leider davon auszugehen ist, dass das Lostreten einer streitigen Lösungsfindung den ganzen Prozess nur noch weitere Jahre in die Länge ziehen wird, in denen konzeptionell rein gar nichts vorgenommen werden kann.  

Da mein eigener Enthusiasmus in Sachen Campo Vida Sencilla langsam zu erlahmen beginnt, gedenke ich momentan, das Sprichwort umzusetzen, wonach man den Stier bei den Hörnern packt. Per Stand heute (07/2026) würde ich das Campo-Konzept vor allen Dingen einer Person zuallererst präsentieren: Wolfgang Cohrs. Theoretisch ist der Mann Wissens genug, um absehen zu können, dass er das Grundstück in La Zarza in diesem Leben nicht mehr zu seinem Traumpreis verkauft bekommt. Also könnte er es doch eigentlich genauso gut auch in ein Projekt einbringen, mit dem er etwas Gutes tut und vielleicht tatsächlich indirekt im Laufe der Zeit damit eine Wertsteigerung einfährt. Ob sein Land nun neben dem nur halb so groß startenden Campo brach liegt oder einfach direkt mit in den Aufbau integriert wird, spielt für ihn eigentlich keine Rolle. Der Mann müsste nur endlich mal aus seiner Schweigsamkeit erwachen und ein Ei legen.  

SENDA-Start 

Wie mehrfach erwähnt sind die umliegenden Nachbarschaftsvereine die erste Anlaufstelle, um das Projekt vorzustellen und Akzeptanz zu erfragen. Anzunehmenderweise dürfte daraufhin eine Verselbständigung der Diskussion eintreten, die es zu kanalisieren gilt. Bedeutet, es muss eine vermehrte persönliche Präsenz bei den Treffen und Veranstaltungen dieser Vereine sichergestellt sein, um über die Inhalte und Auswirkungen der Projektidee direkt Auskunft geben zu können. Zu vermeiden ist das Entstehen von Hintergrund-Gerüchten, die sich einmal festigen und dann nicht mehr aus der Welt zu räumen sind. Und dies sowohl im Positiven wie im Negativen. (kein „da kommen ausländische Heuschrecken und übernehmen alles“ und auch kein „hier entstehen in zwölf Monaten tausend neue Arbeitsplätze“). 

Schritt zwei ist das Suchen und Finden von Gleichgesinnten und Mitwirkenden. Das SENDA-Projekt ist weder zeitlich noch mengenmäßig durch nur eine Person zu schaffen. Und auch in seiner Gesamtkonzeption nicht auf die (Rest-)Lebensspanne eines Menschen ausgelegt, sondern dazu gedacht, sich langfristig zu entwickeln. Daher braucht es auch von Beginn an mehr Mitwirkende, von denen die Impulse für die nächsten Schritte ausgehen.  

Diese „nächsten Schritte“ sind dann alles ab Schritt drei. Also beispielsweise die Kontaktaufnahme zu den Behörden, allem voran der Stadtverwaltung von Jumilla. Aber auch die Suche nach Investoren, Sponsoring-Partnern und Fremdkapitalgebern. Diese Schritte erfolgen dann aber auch nicht mehr nacheinander, sondern werden durch unterschiedliche Personen nebeneinander her gleichzeitig umgesetzt.  

Insgesamt ist davon auszugehen, dass das Projekt des Campo Vida Sencilla einen Verselbständigungs-Punkt innehat. Ich schätze diesen bei ca. 10 bis 12 mitwirkenden Personen und vor allem der ersten Übernachtung eines zahlenden Gastes bzw. dem Abhalten eines ersten Seminars erreicht. Sobald aus der Planungs-/Vorbereitungsphase in die laufende Geschäftsphase gewechselt werden kann, dürfte die schwerste Hürde geschafft sein.