Zum Jahresende nochmal in die Zivilisation.
Weinstadt Jumilla im Norden Murcias
08:11 Uhr, der letzte Tag des alten Jahres beginnt, der Clark setzt einen Schritt vor die Tür des Wohnwagens. Vermutlich langweile ich meine Leser mit diesem immer gleichen Ausblick, doch ich muss zugeben, dass es mir bislang noch nicht gelingen will, mich daran satt zu sehen.
Sowohl auf meiner Anhöhe hier vor Wohnwagen als auch auf dem ebenfalls brachliegenden Nachbargrundstück verursacht der viele Regen der letzten Zeit ganz offensichtlich langsam Veränderungen: unter die sonst die Landschaft dominierenden Brauntöne mischt sich immer mehr Grün.
Ich gebe zu, dass ich erst in eine Weste schlüpfe und eine Mütze aufsetze, bevor ich mich aus dem Wohnwagen nach draußen traue. In meinen Aldi-Crogs schluffe ich die 25 Meter bis zum Pferde-Badersatz-Anhänger. Darin starre ich das Thermometer an, während ich den Aufwärmknopf des Gasofens gedrückt halte. Ich habe schon andere Temperaturen hier erlebt. Aber zu Hause in Gernsheim sind es ja aktuell auch nochmal einige Grad weniger. Also verkneife ich mir das Jammern. Trotzdem, ein bisschen wärmer könnte es ja schon sein, nicht?
Der Kontakt mit dem Wasser vertreibt das letzte Bisschen Müdigkeit aus dem Körper. Vor ein paar Tagen habe ich mir wieder einmal eine der alten Dokumentationen zum Thema Eulen und Lerchen angeschaut. Ich werde wohl auf ewig eine Eule bleiben, egal wie sehr man mir zu erklären versucht, dass sich das im Zuge des Älterwerdens verschiebt. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Nun, wenn er ihm schmeckt, soll er ihn haben. Mache ich nicht streitig, drehe mich lieber nochmal unter der Bettdecke rum.
Aber hilft ja alles nichts. Irgendwann ist das Frühstück gegessen und all meine Wäsche zusammengesucht. Ich habe mir vorgenommen, in frischem Bettzeug ins neue Jahr zu starten, also habe ich das auch noch abgezogen und ins Auto geworfen. Dann nochmal das Klebeband kontrollieren, mit dem ich die immer noch defekte Radverkleidung höchst professionell befestigt habe. Und ab geht es auf den Weg in die Hauptstadt der Region hier, nach Jumilla.
Mein Navi war der Meinung, mich vom Campo runter heute mal anders leiten zu wollen, doch in alter Gewohnheit bin ich den Weg gefahren, den ich schon kenne. Keine Lust auf neuerliche Experimente gleich zu Tagesbeginn. So rollte ich kurz darauf wieder einmal auf der Straße, die ich, glaube ich, bislang jedes einzelne Mal fotografiert habe, wenn ich sie entlang kam. Diese unfassbar lange, schnurgerade Straße, die sich irgendwo am Horizont in einer Autobahnauffahrt verliert, erinnert mich einfach an amerikanische Road-Movies. An einem Zweirad habe ich zwar kein wirkliches Interesse, aber vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem ich die Straße mal auf einem offenen Vierrad entlang cruise. Obwohl … dann kann ich sie vermutlich nicht mehr fotografieren. Na ja, bis dahin habe ich genug Aufnahmen davon gemacht.
Jumilla, Ciudad del Vino. Während die Reblaus in unseren deutschen Regionen vor langer Zeit dafür sorgte, dass die Winzer in Sachen Rebsorten ein wenig erfinderisch und kompromissbereit werden mussten, hat hier in dem heiß-trockenen Klima Murcias die ‚Monastrell‘ in ihrer Urform überlebt. Mit meinem Faible für schwere Rotweine ein wahres Paradies. In Jumilla gibt es auch ein „Museo de Vino“. Genauso wie die auf der anderen Seite der Stadt am Berghang gelegene Burg sind das alles so Ziele, die noch auf meiner ständig länger werdenden „will ich gelegentlich mal besichtigen“-Liste stehen. Eins steht fest: Es wird Jahre dauern, bis ich tatsächlich mal Gefahr laufe, über Langeweile zu klagen.
Rechts hinter dem Schriftzug des Stadtnamens sieht man das Aldi-Schild, der auf dem Heimweg nochmal kurz mein Ziel sein wird, um mich für eine etwas länger andauernde Rückzugszeit auf dem Campo auszustatten. Nur das Wasser kaufe ich im direkt dahinter liegenden Mercadona. Nicht weil das Wasser dort besser schmeckt, nein, Mercadona ist der einzige Laden, in dem es die 8-Liter-Kanister mit einem extragroßen Deckel gibt. Das macht mir das spätere Wiederbefüllen der Kanister am Brunnen leichter. Lauter so kleine Nebenbei-Erfahrungen, die man im Laufe der Zeit einsammelt.
Mein wesentlichstes Ziel der heutigen Stadt-Fahrt ist jedoch diese kleine Filiale von Lacolada. Waschsalons gibt es einige in Jumilla, wie mich Google Maps wissen lässt. Aber dieser hier liegt so schön nahe einer Hauptstraße, auf der ich garantiert immer einen Parkplatz bekomme und in dessen Nähe ich vom Friseur über einen Asiaten bis zur Pizzeria schon einige Läden kenne. Auch die Stadtverwaltung ist um die Ecke zu erreichen und die Fußgängerzone mit zahlreichen weiteren Läden ebenfalls. Lauter Dinge, die mich heute nicht interessieren, doch insbesondere, wenn Zeit ein rares Gut ist, fährt man am besten die Stellen an, die man bereits kennt. Und die Zeit rennt.
Silvester ist Großwaschtag bei den Einheimischen, musste ich feststellen. Tatsächlich waren sämtliche Maschinen belegt, als ich ankam. Irgendwann wurde dann eine der kleineren Maschinen frei, doch mit Blick auf meine beiden Körbe habe ich lieber auf eine 16kg-Trommel gewartet. Die 2 € Preisunterschied war es mir wert, dass sich meine Wäsche in der Trommel auch noch ein bisschen bewegen kann. Apropos 2 €, davon hatte ich zahlreiche im Geldbeutel, doch die Maschinen nehmen ausnahmslos nur 1€-Stücke an. Bei meinem ersten Besuch im Sommer bin ich ins Café daneben gegangen, um Geld zu wechseln, was mir die Bedienung dort jedoch verweigerte und mich auf einen Wechselautomaten zwischen den Wäschetrocknern und den Waschmaschinen hinwies. An dessen Nutzung man Frischlinge von alten Hasen unterscheiden kann. Man stopft oben einen 10€-Schein rein, dann feuert der Apparat mit richtig Schwung 10 einzelne Euro-Münzen unten raus. Der erfahrene, wiederkehrende Nutzer hält schützend die Hand davor. Der Frischling und die von chronischer Gedächtnisschwäche geplagten Clarks dieser Welt laufen halt eben anschließend den über den Boden durch den Salon rollenden Münzen hinterher.
Irgendwann war meine Maschine dann am Laufen und die Anzeige ließ mich wissen, dass ich nun 40 Minuten Freizeit anstehen habe. Frohen Mutes bin ich zu „meinem“ Friseur gegangen, doch dort saßen auch schon zwei weitere Herren und warteten aufs Drankommen. Mit einem gemurmelten „volvo el proximo año“ zog ich mich wieder zurück. Lieber wanderte ich noch ein bisschen durch die Straßen, als dass ich dem sympathischen Herrenhaarkürzer noch mehr Druck in den letzten Arbeitsstunden des Jahres auf die Schultern lade.
Ob nun Dorf oder Stadt, in Spanien ist es üblich, dass man sich irgendwo einfach trifft und plaudernd stehen bleibt. In Fußgängerzonen eine Qual für diejenigen, die da einfach nur durchlaufen wollen. Aber seitens der Stadtplaner werden daher seit je her alle paar Häuserblocks freie Flächen eingeplant. In den meisten Fällen gleich kombiniert mit irgendwelchen Beschäftigungsmöglichkeiten für die Kinder. Irgendwie fühlt sich das alles rundherum locker und ungezwungen an. Aufgrund meines vollen Schreibtisches und meines die Kräfte eines einzelnen Menschen völlig übersteigenden Stellplatz-Einricht-Plans des Campos bin ich mental selbst nach inzwischen fünf Wochen in diesem Land immer noch im ziemlich deutschen Zustand des Ständig-Getriebenen. Doch man spürt richtig, wie die innere Uhr langsamer zu laufen beginnt, wenn man sich auf so einem Platz einfach nur in der Sonne dazu stellt und die Menschen beobachtet.
Die Wartezeit kann ich aber auch gut für was zu essen nutzen, dachte ich mir irgendwann und bin zur Pizzeria gelaufen, in der es eine Pizza „Frankfurt“ gibt. Wenn man sich diese wahrlich nicht mehr sonderlich italienische Spezialität mit dem Berg kleingeschnittener Frankfurter Würstchen darauf einverleibt hat, schaut man freiwillig in der ganzen folgenden Woche keine Fleischprodukte mehr an. Oder sollte ich vielleicht mal schauen, ob ich hier eine Pizza Hawaii ergattern kann? Ein kleiner grüner Zettel verkündete mir jedoch das Wort „cerrado“, was auf Deutsch soviel heißt, wie „50 Meter weiter findest du beim Asiaten auch was zu Essen“.
Jetzt ist aber langsam mein Appetit auf gebratenen Reis mit Huhn auch mal für eine längere Zeit gedeckt. Insgesamt freue ich mich schon ein bisschen darauf, mich einfach mal ein paar Tage in rudimentärer Form selbst zu versorgen. Wenn ich mich ausreichend durch meine völlig fehlenden Fähigkeiten der Essenszubereitung wieder in eine gewissen Aushungerungszustand gebracht habe, macht ein Restaurantbesuch auch wieder mehr Spaß am Gaumen.
Ich machte mich auf den Rückweg, dieses Mal beim Asia-Shop vorbei, um mir einen zweiten Wäscheständer und einen größeren Topf zum Warmwasser-Zubereiten zuzulegen. Mein Wasserkessel deckt nur mit Ach und Krach die Feuerstelle meines Gaskochers ab. Ist zwar ganz angenehm, dass ich somit meinen Anhänger noch ein bisschen zusätzlich heizen kann, aber um einfach mal schnell an warmes Wasser zu kommen, wäre ein vollständiges Abdecken der Flamme sinnvoller. Zwar darf man nicht über ökologische Zusammenhänge nachdenken, wenn man in Spanien einen emaillierten 36-cm-Topf kauft, der auf der anderen Seite des Globus hergestellt wurde und trotzdem gerade mal 12,50 € kostet. Doch für meine Warmwasserversorgung ist das genau das richtige Produkt.
Natürlich gibt es auch in Spanien richtige Spießer-Ecken unter den zahlreichen Plätzen. Mal abgesehen von den Pfützen nach dem nächtlichen Regen kein Staubkorn auf dem Boden. Und auch rein gar nichts erlaubt, was Spaß macht, keine Hunde, kein Ballspielen, kein Fahrradfahren. Man kann sich richtig vorstellen, wie eine Omi ein Fenster aufreißt und beschwerend rausbrüllt, wenn sich nur ein paar Menschen wagen sollten, sich hier zu unterhalten ohne zu flüstern. Nun, entsprechend belebt – oder besser gesagt „entlebt“ – ist der Platz ja dann auch, wie man sieht.
Der Baum wollte es krumm. Der städtische Gärtner wollte aber unbedingt einen symmetrischen Würfel haben. Wer hat gewonnen? Geht das als Kompromiss durch?
Immerhin wurde der Baum nicht einfach gefällt, weil Leute meiner Größe sich beim drunter herlaufen bücken müssen.
Mein nächstgelegener Nachbar auf dem Campo hat während meiner Abwesenheit regelmäßig nach meinem Wohnwagen geschaut und dient mir auch bei allen Anliegen, die ich so zwischendurch habe, als erste Anlaufstelle. Er ist es auch, über den ich in den Nachbarschafts-Verein hineingerutscht bin, auf dessen Festivitäten ich mir nun schon zweimal den Bauch vollgeschlagen habe. Beinahe dreimal, doch die letzte Veranstaltung musste leider wegen schlechtem Wetter am Abend vorher abgeblasen werden.
Jedenfalls hielt ich es für angebracht, dem Mann zwei Flaschen echten Gernsheimer Prickelwassers vorbeizubringen.
Er hat zwei Söhne und eine Tochter, also habe ich noch eine Flasche alkoholfreien Gaumenschmaus obendrauf gepackt. Das kleine Wohnhöhlenhaus in meiner Campo-Nachbarschaft dient der Familie nur als Wochenend-Rückzugsort. Ihre eigentliche Wohnung haben sie in der Stadt. Ich bin also noch einen Schlenker dorthin gefahren und statt nur meine Flaschen loszuwerden, bekam ich glatt auch eine im Austausch in die Hand gedrückt. Wehre ich mich nicht gegen; mit einem leckeren Rotwein kann man mich immer glücklich machen.
Wie oben schon geschrieben, war mein letzter Stopp vor der Heimfahrt dann der Supermarkt mit den praktischen Wasserbomben. Wenn ich an der Quelle stehe und einen Kanister nach dem nächsten fülle, kommen immer mal wieder Leute vorbei, die nur ihre einzelne kleine Flasche zum Trinken auffüllen wollen. Ich lasse die selbstverständlich immer vor. Nur weiß ich daher, dass sich das Brunnenwasser problemlos auch zur Nahrungsherstellung nutzen lassen würde. Insbesondere, da ich sprudelfreies Wasser ohnehin nur in Form von Tee oder Kaffee trinke, also vorher abkoche.
Und doch bleibt in mir eine gewisse Skepsis übrig, wegen der ich mein „Trink“-Wasser eher im Supermarkt hole und das Brunnenwasser als „Brauch“-Wasser vom Zähneputzen bis zum Spülen einsetze. Nun, warum soll ich mich in Spanien anders verhalten, als wir alle es in Deutschland tun? Erwiesenermaßen gelten für das deutsche Leitungswasser weit drastischere Grenzwerte und deutlich akribischere Reinheits-Überwachungen, als für Flaschenwasser, in das nach monatelangem Lagern vermutlich schon Weichmacher aus dem Plastik der Flasche übergegangen sind. Und dennoch verwenden wir das wertvolle Nass aus der Leitung nur, um unsere Häufchen den Kanal runter zu spülen, während wir für teures Geld Kisten mit Trinkwasser nach Hause schleppen. Menschen handeln nicht logisch. Ich auch nicht.
Auf geht es nach Hause. Die Straße kennen wir schon, jetzt mal andersherum. Überraschung: die ist auch in dieser Richtung schnurgerade und verliert sich am Horizont. Nur, dass ich sie in dieser Richtung nicht bis zum Ende fahren werde.
An der Stelle, an der La Raja, also die Region, in der sich mein Campo befindet, ausgeschildert ist, führt mich das Navi schnurgerade vorbei. Ich zögere kurz, dann gebe ich mir einen Ruck und komme zu dem Schluss, Google eine Chance zu geben, mir neue Wege zu zeigen. Ich lerne ja gerne ein bisschen die Landschaft kennen. Die Straße, auf die ich dann einbiegen soll, wird schon eine Schippe schmaler.
Nach ein paar Kilometern meint Google Maps dann erneut, ich möge bitte rechts abbiegen. Ab jetzt muss es auch ohne Asphalt gehen. Ist schon interessant, was dieses Navigationssystem hier noch als „Straße“ für den Autoverkehr führt.
Vorbei geht es an dem, was irgendwann demnächst wieder zu Reben und schlussendlich zu Wein werden wird. So weit das Auge reicht, Weintrauben im Anbau. Auf einer Weinprobe hat mich eine Winzerin einmal aufgeklärt, dass sich Rebstöcke ihr Wasser schon holen. Man solle sich nicht von dem Bisschen irritieren lassen, was an der Erdoberfläche vor sich hin vegetiert. Wenn es irgendwo unten drunter Wasser zu finden gibt, und sei es in 20 oder 30 Metern Tiefe, dann wird es die Weinrebe finden und anzapfen. Anders wären manche Berghänge gar nicht für den Weinbau zu gebrauchen. Ich muss mir dieses Wissen immer wieder ins Gedächtnis rufen, wenn ich solche absolut trocken wirkende Anbauflächen vor mir sehe.
Mr. Google, wir müssen reden! Diesem Belastungstest ist meine Gewebeklebeband-Technik, mit der ich meinen Kotflügel geflickt habe, natürlich nicht mehr gewachsen. Wäre ich doch nur so abgebogen, wie ich es eigentlich für richtig hielt und den Weg gefahren, den ich schon kenne. Was hat das Navi denn geritten, mich hier entlang. zu. lotsen?
Als ich diese betonierte Furt in der Rampla, also dem meistens trockenen Flusslauf, entdeckte, wusste ich endlich wieder, wo ich bin. Hier bin ich im Sommer einmal spazieren gegangen. Das Navi hat mich an meinem eigentlichen Ziel vorbei geführt, nun nähere ich mich dem Campo aus der exakt Jumilla gegenüberliegenden Himmelsrichtung. Der Weg kann also unmöglich kürzer sein, als mein Hinweg am Morgen. Langt es nicht, dass Apple mich ärgert? Muss jetzt Google auch noch anfangen, Nonsens zu produzieren?
Aber das hat zumindest den Vorteil, dass ich mein oben zuallererst einkopiertes Bild hier einmal genau umgedreht fotografieren kann. Statt vom Wohnwagen aus über die Terrassen ins Tal hinein fotografiere ich jetzt übers Tal hinweg die Terrassen hoch meinen Wohnwagen.
Zu weit weg? Okay, ich fahre ein bisschen näher ran. Besser so?
Immer noch eher ein Suchbild? Nun, dann nutze ich mal den Zoom des iPhones, um der Suche ein Ende zu bereiten. Rechts oben sieht man nun meinen Wohnwagen hinter den beiden Pfefferbäumen und noch ein bisschen weiter rechts daneben den grauen Pferdeanhänger.
Von der Bildmitte nach links gehend kann man auch die Schlucht recht gut erkennen, in deren Windschutz ich meinen Stellplatz umzuverlegen gedenke. Wenn ich denn jemals dort mit dem Steine-Aufsammeln fertigwerden sollte.
Von oben aus betrachtet sieht die Kreuzung, an der das Grundstück des Campos endet, immer so sauber aus. Jetzt, wo ich an genau der Stelle zu meinem Campo hin abbiege, geht mir die Frage durch den Kopf, wer denn für die Instandhaltung solch eines Feldweges zuständig ist. Noch ein paar Regengüsse der letztens erlebten Art und das hier ist nur noch ein ausgewaschenes Flussbett, aber keine Straße mehr. Da mag Google noch so sehr der Meinung sein, dass das hier einen ordentlich zu befahrenden Weg darstellt. Ich glaube, auf lange Sicht hin ist die Anschaffung eines Traktors mit Schaufel vielleicht wirklich kein Fehler.
Da bin ich doch fast den Berg nicht hochgekommen! Statt vorwärtszufahren, wanderte mir das Heck zur Seite weg. Dank zuschaltbarem Vierrad-Antrieb ein lösbares Problem, doch oben angekommen erkannte ich dann die Ursache. Der Lehmboden klebt perfekt im Profil der Reifen. Schließlich sind die glatt wie ein Babypopo und haben nicht mehr den geringsten Gripp auf dem Schlamm. Wie machen die Einheimischen das nur mit ihren Dacias und Berlingos? Vermutlich kennen die immer jemanden, der einen Traktor besitzt und auch mal aus dem Graben hilft.
Im Sommer war ich so verwöhnt von der Sonne und den Temperaturen, dass ich mir übers Trocknen der Wäsche gar keine Gedanken mehr gemacht hatte. Jetzt habe ich angefangen, die Wäscheständer an eine Stelle zu packen, die noch voll in der Sonne lag. Bis ich mit dem Aufhängen fertig war, bekam schon nur noch die obere Hälfte Sonne ab. Das linke Foto ist um 16:36 Uhr entstanden. Das Rechte um 16:52 Uhr. Die Sonne fällt hier wie ein Stein vom Himmel. So wird das nix mit dem Trocknen der Wäsche, stellte ich fest. Und habe meine Wäscheständer in die Höhle geschleppt. Was würde ich nur ohne diese unterirdische Lagerfläche machen?
Das Verschwinden der Sonne brachte aber das helle Strahlen des Mondes richtig zur Geltung. Ich habe die Dämmerung genutzt, um die Vorbereitungen meiner eigenen kleinen Silvester-Party voranzutreiben.
Meine allerletzte Flasche Champagner aus de Verkauf des französischen Feuerwehrkameraden bekam die Ehre, mein Jahr 2026 einzuleiten. Noch verschwende ich keinen Gedanken an die irgendwann einmal anstehende Heimfahrt nach Gernsheim. Doch sobald es soweit ist, macht es wohl Sinn, dass ich kurz in der Partnerstadt Bar-sur-Aube vorbeischaue und wieder ein paar Kisten des besonderen Getränkes bunkere.
Nach dem ausgiebigen Schlemmen beim Asiaten am Nachmittag brauchte ich den Rest des Abends – theatralischer klingt es wohl, wenn ich schreibe „den Rest des Jahres“ – nichts mehr zu Essen.
Eine Tüte Erdnüsse zum Puhlen hatte ich mir im Supermarkt mitgenommen. Und erstmals das hier in Spanien so berühmte „Flan“. Überall liest man davon, jeder redet darüber, im Supermarkt gibt es Mischungen zum Anrühren und ganze Kühltheken mit hundert unterschiedlichen Sorten. Da musste ich doch als letzte Tat des alten Jahres wenigstens noch eine Wissenslücke schließen und habe mir einen Vierer-Pack der Geschmacksrichtung „Café“ von dem Eier-Zucker-Zeugs mitgenommen.
Na ja. Jetzt kann ich mitreden, was es mit dem Nachtisch auf sich hat. Mir Banause bleibt ein ganz profaner Pudding aber definitiv lieber. Flan ist ganz nett, ja. Aber wenn man es nicht probiert hat, verpasst man auch nicht wirklich etwas. So zumindest meine sicherlich nicht repräsentativ anzusetzende Meinung.
Zeit fürs Silvesterabendprogramm. Offenes Feuer in einer so dermaßen trockenen Umgebung bereitet dem Feuerwehrmann in mir Bauchweh. Beruhigter neben die wärmenden Flammen setzen konnte ich mich erst, nachdem ich eine improvisierte Glutauffangwanne unter die Ladeöffnung gestellt hatte.
Noch etwas später kam dann mein Wasserkessel oben auf den Kamin, aber das diente weniger dem Brandschutz, als dem späteren Füllen der Wärmflasche fürs Bett.
Zwischendurch juckte es mich in den Fingern, meinen Ausflug nach Jumilla gleich in getipptes Wort zu verwandeln. Doch nachdem mein Smartphone mir auch nach dem zehnten Versuch weiter beharrlich den Zugriff auf meine Bilder verweigerte, schnappte ich mir meine Erdnuss-Tüte und kehrte zum Feuer zurück. Die letzten Stunden des Jahres muss man ja nicht mit Rumärgern verbringen. Dazu findet sich nächstes Jahr auch noch ausreichend Gelegenheit, bin ich ganz sicher.
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