El Mediterráneo, das Urlaubsparadies für Jedermann
Santa Pola, Costa Blanca, Alicante (Valenciana)
Spanien ist von der Grundfläche her fast anderthalbmal so groß, wie Deutschland. Doch wirklich bekannt ist den Betrachtern von außen von diesem Land neben dem Ballungsraum um die Landeshauptstadt eigentlich nur ein 30 bis 50 Kilometer breiter Streifen an den beiden Meeresküsten entlang. Immerhin gönnt sich Spanien ja den Zugang zu gleich zwei salzigen Gewässern mit Expeditionsaufbruch-Charakter.
Dass die insbesondere bei deutschen Renteneintritts-Auswanderern sehr beliebte Küstenstadt Alicante in der erreichbaren Nähe meines Campos liegt, hatte ich schon das eine oder andere Mal erwähnt. Doch rund um diese große Stadt gibt es auch noch einige kleinere Meeresanlieger, die einen Besuch wert sind. Ausflugsfahrten dieser Form mache ich eindeutig zu selten, aber wenn es mich jetzt ohnehin schon durch meine Fahrt zum Notar und Baumarkt bis auf ein paar Kilometer an die Küste bringt, warum dann nicht den herrlichen Sonnenschein des Tages nutzen und einen kurzen Abstecher einlegen, um zu prüfen, ob noch Wasser im Mittelmeer vorhanden ist.
Gefühlt müsste das längst alles verdunstet und als Regen auf dem Festland runtergekommen sein. 11 °C als Höchsttemperatur, komplett bewölkt und 90 % Regenwahrscheinlichkeit lässt mich die Wettervorhersage gerade für den kommenden Samstag auf dem Campo wissen. Das Frühlingserwachen scheint noch nicht von Dauer zu sein. Umso mehr kann ich den Dienstag zum Flanieren nutzen, wenn mich das Wetter am Wochenende schon an den Schreibtisch zwingt.
Die Region Valencia ist eine der Urlauber-Hochburgen Spaniens, was mit Sicherheit im Wesentlichen an der Kombination von schönem Wetter mit schöner Landschaft liegt. Menschen, denen es in Murcia zu steinig ist, müssen zur geistigen Grün-Sättigung einfach nur einen Ausflug ins Nachbarland machen. Meine deutsche Denke redet immer noch von „Bundesländern“. Die „autonomen Gemeinschaften“ Spaniens sind damit nicht wirklich zu vergleichen. Aber irgendeine Eselsbrücke braucht man ja.
Auf jeden Fall macht es richtig Freude, in der Gegend herumzufahren. Die Strecke vom Baumarkt hinter der Stadt Elche zur Küste lädt zum verträumten Cruisen ein. Da mir ein Blick auf die Uhr jedoch mitteilte, dass ich von dem Heizstrahler am Himmel nicht mehr gar so viele Stunden wärmende Beleuchtung zu erwarten habe, gab ich lieber ein bisschen mehr Gas.
Je näher man dem Meer kommt, umso typischer wird die Ausgestaltung der Anlagen. Mir selbst fehlt es zwar ein bisschen an eigener Reiseerfahrung, doch aus dem Fernsehen und dem Internet kennt man solch einen Ausblick rund um den Globus zuhauf. Breit ausgebaute, mehrspurige Zubringerstraßen zur Bewältigung der Touristenmassen. Auf dem Mittelstreifen selbst außerhalb der Ortschaften Beleuchtungsmasten, deren Licht als Widerschein am Nachthimmel sogar von meinem Campo aus noch erkennbar ist.
Jahreszeit-bedingt ist hier gerade wenig los. Doch ich bin sicher, in der Saison geht es hier heiß her, da all die Menschen, die bei der Ferienunterkunft lieber ein bisschen sparen, über diese Straßen zum ersehnten Sandstrand kommen wollen. Etwas weiter fingen dann auch die hausgroßen Werbetafeln zu beiden Seiten der Straße an. Wo gibt es das beste Sushi und das erholsamste Spa-Angebot und all diese Hinweise in unüberschaubarer Menge. Mir war da der Verkehr schon zu dicht, um noch zu fotografieren. Im Gernsheimer Keller schlummert bei meiner Tauchausrüstung eine Dashcam. Bei meiner nächsten Tour nach Spanien wird mein Auto aufgerüstet.
Dann ist es endlich so weit. Als Ziel habe ich mir den für seine Fischerei berühmten Ort Santa Pola ausgesucht. Ein letzter Hügel und vor mir erstreckt sich der Ausblick bis zum gut 1000 Kilometer entfernten Afrika. Denn tatsächlich hat Santa Pola eine nach Süden ausgerichtete Küste, nicht wie die meisten anderen Küstenstädte nach Osten. Für den sonnenbadenden Touristen ist das eher wurscht, aber die mit Wind und Strömung kämpfenden Fischerboote erkennen da schon einen erheblichen Unterschied.
Als ich am dritten Parkplatz vorbeikomme und mir mein Navi mitteilt, dass das Meer nur noch zweihundert Meter von mir entfernt ist, entschloss ich mich spontan, das Auto abzustellen und den Rest zu laufen. Was die Navis nur immer verschweigen, sind die zu überwindenden Höhenmeter während des Zurücklegens der Distanzmeter. Für den Hinweg egal, so viel war ich ja in Aspe dann doch noch nicht gelaufen, als dass ich Ermüdungserscheinungen vorweisen könnte. Zudem geht es zum Strand nur bergab. Also los geht es.
Gleich in der ersten Straße, durch die ich lief, musste ich ein Foto dieser Häuserfront machen. Letztendlich sieht die ganze Stadt inzwischen so aus, zumindest in den Teilen der Stadt, die zum Aufbau des Tourismus in den vergangenen 50 Jahren an das Fischerdorf dran geflanscht wurden. Santa Pola hat laut Internet knapp 40.000 Einwohner. Ich konnte spontan keine Angabe finden, wie viel Gäste-Kapazität auf diese Einwohnerzahl kommt. Den runtergelassenen Rollläden an den ganzen leerstehenden schicken Wohnungen zufolge würde ich auf ein Mehrfaches dieser Zahl tippen. Man muss diese Art des Urlaubs schon mögen, um sich da wohlzufühlen.
Natürlich haben die Ferienwohnungen einen erheblichen Vorteil. Statt wie von meinem Campo aus eine Stunde hinterm Steuer zu verbringen, hat man schon nach fünf Minuten Fußweg diesen Ausblick vor Augen. Da schnappt man sich schon einfach mal die Schwimmnudel und trabt in Badelatschen zum Wasser. Okay, nicht im März. So kräftig ist die Sonne dann doch noch nicht.
Am Strand angekommen durfte ich feststellen, dass meine Sorge vor Parkplatznot unbegründet war. Ich hätte problemlos bis ans Wasser fahren können. Sämtliche Parkplätze bis zum Horizont sind leer. Und wieder geht mir der Gedanke durch den Kopf: Wie muss es hier während der Saison aussehen?
Was sind das für runde Knösel, mit denen der Sand des Strandes in schieren Mengen bedeckt ist? Größe und Konsistenz erinnern an Pferdeäpfel, doch ganz eindeutig werden diese in der Sonne ausgetrockneten Bälle vom Meer angespült. Ein lustiger Anblick. Und eine Herausforderung für die Menschen, die den Strand zu pflegen haben.
Aber wenigstens keine Geruchsbelästigung, die man es an manchen Stränden durch die angespülten, verwesenden Algen erlebt. Stichwort Geruch. Tatsächlich schmeckte ich schon nach ein paar Schritten das Salz auf den Lippen. Gehört zum richtigen Urlaubsgefühl dazu, oder nicht?
Die weit ins Wasser hinein reichenden Buhnen vor dem Strand sind in Fahrzeugbreite massiv ausgebaut und laden zu Spaziergängen ein, um dem Trubel des Stadtgeschehens zu entgehen. Von da draußen kann man auch prima Fotos zurück aufs Ufer machen. Ja, Santa Pola ist eindeutig ein schickes Städtchen.
Es wäre gelogen, wenn ich nicht zugeben würde, dass mich das Wasser lockt. Wann war ich das letzte Mal auf einem Boot? Wie lange ist es schon her, dass ich mich mit einer Flasche voller Atemluft in die Fluten gestürzt habe? Alles angenehmere Beschäftigungen, als Steine zu schleppen. Wobei Letzteres wenigstens einen gesundheitsfördernden Aspekt für mich Schreibtischtäter mit sich bringt. Ohne die Herausforderung des Campos hätte ich die letzten Monate vermutlich ausnahmslos nur mit Rumsitzen vorm Computer verbracht.
Herausforderung ist ein gutes Stichwort. Der kluge wandernde Tourist hat immer einen Rucksack mit einer Getränkeflasche dabei. Ist der durstende Clark ein kluger Tourist? <räusper>
Vor dem, was ich als älteren Teil der Stadt bezeichnen würde, wird der Sandstrand auch bereits gepflegt. Beim Weiterwandern begegnete mir eine Familie, deren zwei Kinder bis zur Hüfte im Wasser standen. Ansonsten saßen sogar die Möwen lieber in der Sonne auf dem Sand, als auf den Wellen zu schaukeln. Ich habe es mir verkniffen, aus den Schuhen zu schlüpfen und mal einen Zeh zum Temperaturprüfen ins Meerwasser zu halten. Zumal sich langsam eine mächtige Dürre in meiner Kehle breitzumachen drohte.
Zwei, drei kleinere Schnellrestaurants mit direkter Strandpromenadenlage haben geöffnet, bei denen die in der Sonne stehenden Tische besetzt waren. Im Schatten mag sich keiner in den zwar sanften, aber doch stetigen Wind setzen. Überschrieben mit „Kebab“ wurden auf den typischerweise als Kundenstopper aufgestellten Speisekarten eher Sandwiches und Meeresfrüchte angeboten.
Ein weltreiseerfahrener Tauchbuddy hatte mir irgendwann einmal den Rat gegeben, ich solle möglichst vermeiden, in Promenadenrestaurants zu gehen. Mal zahle dort häufig für den Ausblick, nicht für die Qualität des Essens. Da ich das Phänomen der fragwürdigen Küche nur zu gut aus dem heimischen Frankfurter Bahnhofsviertel kenne, glaubte ich den Rat sofort. Warum sollte sich ein Gastronom in perfekter Lage allzu viel Mühe geben, wenn er den überwiegenden Teil seiner Kundschaft ohnehin nur ein einziges Mal im Leben bewirten wird? Von Ruhm und Ehre kann man nicht Leben, der Taler muss in der Kasse klingeln. Ein Zustand, den sich logischerweise auch Speiseanbieter am Strand zunutze machen können, insbesondere in einer Jahreszeit, zu der nur eins von fünf Restaurants überhaupt geöffnet hat.
Einzukehren, um großartig zu dinieren, sah meine Zeitplanung ohnehin nicht vor, also trabte ich trotz einsetzender Dehydrierung weiter und verließ nun den Strand, um mir in alter Gewohnheit die Hinterhöfe der Touristenpromenade etwas eingehender anzusehen. Auch in den Seitenstraßen und Gässchen gibt es haufenweise Gastronomie. Jedoch hier fast ausnahmslos geschlossen. In der Urlaubssaison hat man in dem Ort das Paradies an Auswahl zur Verfügung. Im Winter sollte man jedoch eher eine Ferienwohnung mit Küche wählen und auf Selbstversorgung setzen.
Sofern es im Winter überhaupt einen Touristen hierher verschlägt. Als ich vor drei Jahren überlegte, dem deutschen Schmuddelwetter zu entfliehen, indem ich meinen Schreibtisch 2000 Kilometer nach Süden stelle, hatte ich mich absichtlich gegen die Küste entschieden, da ich hier mit heftigerem Wind rechnete. Nun, sagen wir mal so, den Gedanken hätte ich mir sparen können, wie ich inzwischen weiß.
Auch Santa Pola hat einiges an Historie vorzuzeigen. In der vor Jahrhunderten zum Schutz vor Piratenangriffen errichteten Burg befinden sich heute Museen und andere Freizeitvertreibungsmöglichkeiten. Das ganze Gebäude ist in einer Perfektion rekonstruiert, die es vermutlich in seinen besten Tagen niemals hatte. Auch die absolute Sauberkeit dürfte im 16ten Jahrhundert eher untypisch gewesen sein. Durch den Verzicht auf eine grüne Insel oder auch nur einen Blumentopf irgendwo entwickelt man das Gefühl, in einem Gefängnishof zu stehen, sobald man durch das Tor eingetreten ist. Hätte es irgendwo ein Kiosk oder auch nur einen Automaten gegeben, wäre ich neugierig auf die Suche nach weiteren Details gegangen. So habe ich das auf spätere Google-Recherche vertagt und lieber meine Wanderung fortgesetzt.
Spanien ist in Sachen Ausbau der erneuerbaren Energien schon viel weiter fortgeschritten, als man es unter der derzeitigen Regierungsausrichtung in Deutschland in zehn Jahren sein wird. Doch an einem Punkt krankt es auch in diesem Land: Man weiß nicht mehr, wohin mit all dem Strom.
Als ich mich vor einigen Wochen mit einem Ingenieur über Nutzungsmöglichkeiten meines Campos unterhielt und berichtete, dass der Miteigentümer irgendwann einmal einen ausländischen Investor als Kaufinteressenten an der Hand hatte, der einen Solarpark darauf errichten wollte, winkte der Fachmann lachend ab. Von der Bauerlaubnisseite her kein Problem, genauso wenig, wie mein Fernezukunftsplan, einen Campingplatz einzurichten. Doch es existiert bereits ein Solarpark auf der anderen Seite von La Zarza. Und mit diesem ist die öffentliche Leitungsinfrastruktur schlichtweg am Ende. Bedeutet: Man kann zwar problemlos noch viel mehr Strom produzieren, doch man bekommt ihn schlichtweg nicht mehr abtransportiert. Als ich den Worten des Ingenieurs lauschte, fiel mir auch ein, dass ich mich beim Vorbeifahren an dem erwähnten Solarpark immer wieder wunderte, warum so viele der Paneele von der Sonne weggedreht werden. Das gleiche Problem wie in Deutschland mit der Windkraft. Da sieht man auch häufig stillstehende Propeller. Die Stromerzeugung aus den Erneuerbaren lässt sich ganz einfach kurzfristig abschalten. Die aus Atomkraftwerken nicht.
Doch das Problem mit der Elektrizitäts-Infrastruktur dürfte sich noch ein paar Tage hinziehen, wenn ich mir die allgegenwärtige, etwas abenteuerlich aussehende Verkabelung an den Häusern anschaue. Elektriker ist auf jeden Fall ein Job mit Zukunft, das steht fest. Und Kabelhersteller. Und Leiter- und Gerüstbauer. Der Existenzgründungsberater in mir macht sich geistige Notizen. Der Körper verweigert dem Geist jedoch langsam den Dienst. Gibt es Menschen, die beim Denken verdurstet sind? Ich muss weiter.
Die Bildung geht auch in Spanien den Bach runter. Symbolbild einer aufgegebenen Schule. Hier hat sich wohl noch kein Investor gefunden, der eine Ferienanlage aus dem Bauwerk errichtet. Eigentlich perfekte Lage. Mir fehlen sämtliche Hintergründe, die zu solchen Entwicklungen führen. Doch es ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass überall nur mit Wasser gekocht wird. Und vor allem: dass letztendlich überall auf der Welt exakt dieselben Probleme zur Lösung anstehen. Der Gedanke, nur man selbst stehe vor Herausforderungen und woanders ist alles Glitzerglanz und Gloria, ist schlichtweg Käse. Klar, ein Urlauber, der sein Erspartes darauf verwendet, die schönste Zeit des Jahres zu erleben, nimmt aus einem Ferienort ganz andere Impressionen mit, als ein Mensch, der hier vor Ort lebt. Apropos vor Ort leben. Wo gehen die denn einkaufen? Wovon leben die denn? Dursten hier alle so wie ich?
Es gibt Ferienwohnungen auch in hübsch, wobei ich nicht wissen möchte, über welche Preisklasse wir hier reden, immerhin sind es nur hundert Meter zur Strandpromenade. Ich grübelte etwas länger, was denn den besonderen Unterschied zwischen diesem Gebäude und all den anderen ausmachte. Meine Vermutung ist das Holz. Ein Haus wirkt komplett verändert, wenn man die Balkongeländer nicht aus dem allgegenwärtigen Stein baut, sondern auf etwas Lebendigeres ausweicht. Dann noch die paar Pflanzen auf dem Grundstück nicht auf geometrische Korrektheit stutzen, sondern einfach ein bisschen wuchern lassen. Und schon kommt ein Bauwerk heraus, das irgendwie ein wenig mehr Sympathie ausdrückt. Ich will nicht von „Wärme“ sprechen, die haben die hier im Sommer sicherlich überall ausreichend bei so viel Asphalt.
Meine Rettung! Mein Weg bringt mich an einem Supermarkt vorbei. Eistee zischt wie Appelsaft, um mal Badesalz zu zitieren. Frisch gestärkt mit Flüssigkeit und Zucker plus einem frischen Brot unterm Arm, was mir das Backen am Abend erspart, mache ich mich nun auf, den letzten Hügel hoch zu meinem Auto.
Man mag mich in meinem Wohnwagen auf dem einsamen Campo als sonderbar bezeichnen, doch irgendwie geht mir beim Betrachten von solchen Ferienwohnungsanlagen immer wieder der Begriff der Käfighaltung durch den Kopf. Gerade in Verbindung mit der vorhin schon verwendeten Redensart von der „schönsten Zeit des Jahres“ sollte man doch eigentlich eher eine Flucht aus dem Druck der alles umgebenden Gesellschaft suchen. Stattdessen pfercht man sich freiwillig dicht auf dicht zusammen.
Ein älterer Feuerwehrkamerad erzählte mir vor Jahren einmal, dass das Thema der Urlaubsplanung alljährlich für ein temporäres Schiefhängen des Hausfriedens sorgt. Während seine Frau und die Kinder möglichst weit weg reisen wollen, bevorzugt er es, den Urlaub gemütlich zu Hause zu verbringen. Der eigene Garten sei groß genug und zu Hause wisse er auch immer, wo die Tasse im Regal und das Bier im Kühlschrank steht. Warum solle er sich den Stress antun, diese Bequemlichkeit aufzugeben, die zu nutzen ihm während des Arbeitengehens kaum möglich ist. Ein zugegeben interessanter Ansatz, der mir seither immer mal wieder in den Sinn kommt. Jeder Mensch definiert Entspannung anders. Manch einer kann sich sogar im selbstgewählten Stress entspannen.
Ich habe mein Auto wiedergefunden. Auf einem nahezu leeren Parkplatz. Ein sicheres Indiz dafür, dass sämtliche Wohnungen hier weit und breit derzeit leer stehen. Welch eine Verschwendung eigentlich. Wir Menschen gehen wirklich merkwürdig mit unseren Ressourcen und Möglichkeiten um.
Gerade mal 83 Kilometer, doch beim besten Willen nicht unter eineinviertel Stunden zu schaffen, so sagt es mir Google Maps. Weil halt eben nur Landstraße und Seitensträßchen. Es wird doch langsam Zeit für die vieldiskutierten Flugtaxis. Per Luftlinie wäre ich in einer halben Stunde zu Hause.
Während ich von der Stadt weg fahre, kommen mir hunderte Autos und zahllose Busse entgegen. Selbst jetzt zu dieser Jahreszeit bilden sich hier schon Pendler-Staus. Wie muss das im Sommer aussehen, wenn auch noch all die Touristen hier entlang wollen? Aber die Landschaft lädt auch nicht zum Eile haben ein. Lieber ein bisschen langsamer fahren und den Ausblick genießen.
Okay, das ist böse. Der Heizstrahler verabschiedet sich für heute. Aber zum Abschied macht er den Autofahrern nochmal so richtig das Leben schwer. So tief runter kann man die Sonnenblende gar nicht machen. Augen schließen ist auch keine Option. Vielleicht hätte ich doch irgendwo zum Essen einkehren und erst in der Dunkelheit den Heimweg antreten sollen. Ach, was ist man im Nachhinein immer so viel schlauer.
Hatte ich schon erwähnt, dass die Landschaft in Valencia auf dem Weg zum Meer ein Hingucker ist? Wenn man die Sonne mal hinter den Hügeln weiß, macht das Betrachten der Natur gleich wieder viel mehr Spaß.
Der Mensch und sein Bedarf an Baumaterial. Hier verschwinden ganze Berge, aus denen man die Steinblöcke herausschneidet. Auch das gehört halt eben zum Ausblick auf der Heimfahrt.
Angekommen. Nein, ich habe am Abend keinen Radausflug mehr gemacht. Das ist ein Archiv-Foto von meiner Spazierfahrt mit Mönch-Kennenlernen. Doch zum Abschluss gehört hier einfach nochmal ein Bild vom Campo in den Newsletter. Ein Bild ganz ohne Ferienhäuser. Nur mit dem Wohnwagen in der Mitte. So klein, dass man ihn schon suchen muss. Ein Wohnwagen, in dem ich die längst leere Eistee-Flasche nun gegen ein Glas Wermut tauschen kann. Und dabei noch ein bisschen vom Meeresrauschen träumen werde.
Im absoluten Urlaubsfeeling befindliche Grüße aus dem Süden
Euer Clark