Wo bleibt der Frühling? Jammern über zu hohe Erwartungen

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Wo bleibt der Frühling? Jammern über zu hohe Erwartungen

27. März 2026 Campo-News 0

Campo Vida Sencilla, La Raja, bei La Zarza, Jumilla (Murcia)

Eine unspektakuläre Woche. Ein Zeichen dafür, dass inzwischen so etwas wie Routine eingekehrt ist. Ich habe mir wieder ein Brot gebacken, ich habe mir wieder Wasser an der Quelle geholt, ich war wieder an der Tanke zum Gas- und Postholen. Und auch der Frühling hat sich mal wieder kurz blicken lassen und gezeigt, was die Sonne denn so ausrichten könnte, wenn der Wettergott sich endlich dazu durchringen könnte, den Ventilator abzuschalten.

Doch bekanntlich hat das Leben immer zwei Seiten. Nicht nur die angenehmen Dinge setzen sich in einer fast schon langweilig zu nennenden Form fort, sondern auch die ganzen Herausforderungen und Problemchen, auf die man gerne verzichten könnte. Chaos-Buchhaltungen bleiben Chaos-Buchhaltungen, egal wie viel Energie man reinsteckt. Das endlose Warten auf den Rechtsanwalt, von dem die ganze Eigentumsentwicklung auf dem Campo abhängt, geht unentwegt weiter. Und die Folgen einer vor Monaten getroffenen Fehlentscheidung zum eigenen Warten machen sich nun auch schmerzhaft bemerkbar. Man mag von der orangenen Abrissbirne im weißen Haus ja halten, was man will, aber tatsächlich hat er es jetzt schon geschafft, definitiv bis ans Ende aller Tage in den Geschichtsbüchern eine besondere Erwähnung zu erhalten, indem er wirklich auf alles und jeden einzelnen Menschen auf diesem Planeten in irgendeiner Form einen negativen Einfluss ausgeübt hat. Okay, bei ein paar einzelnen Figuren kam auch ein ‚positiver‘ Einfluss dabei rüber. Mit deren Folgen dürfen sich dann vermutlich unsere Kinder noch herumschlagen.

Jedenfalls erfordert die von mir beruflich eingesetzte Software für das nun anstehende große Update eine Erweiterung der eingesetzten Hardware. Als dieses Update mit den Speichererweiterungs-Anforderungen vor einem halben Jahr angekündigt wurde, kamen wir nach einem Blick in die Preislisten der Hersteller zu dem Schluss, dass die doch alle ein Rad ab haben und entschieden, mit dem Kauf zu warten, bis der Hype um die Erweiterungen der KI-Megazentren vorbei ist, durch die der weltweite Markt scheinbar leergekauft wurde. Doch leider werden Speichermedien auch in großen Stückzahlen im Kampfmedium der Neuzeit verbaut. Mit jeder einzelnen Drohne löst sich eine Festplatte, ein paar RAM-Bausteine und ein Akku in Luft, besser gesagt in nicht recyclingfähigen Sondermüll auf. Nebenbei wird die KI-Blase auch noch künstlich gestreckt, damit ein paar Milliardäre nicht verarmen. Kurzum, die Hoffnung auf sinkende Preise für Computerbauteile hat sich nicht erfüllt, Festplatten werden heutzutage mit Gold aufgewogen. Und selbst wenn man die astronomischen Preise akzeptiert, wird man mit Lieferzeiten konfrontiert, die an die Trabi-Bestellungen in der Planwirtschaft früher erinnern. Pech für Clarkche Spekulanten, die nun softwareseitig zu einem Kauf gezwungen werden. Mit derlei Erlebnissen kann ich nun also feststellen, dass ich nicht einmal weit draußen auf dem Campo sicher vor den Entwicklungen des Weltgeschehens bin.

Aber gibt es denn gar nichts Neues zu berichten? Doch. Meine Anwesenheit auf dem Campo über diese Wintersaison feierte diese Woche ihr viermonatiges Bestehen. Passend dazu habe ich zwei Erfolge zu verzeichnen, die nach außen nicht wirklich spektakulär wirken, für mich selbst aber schon eine ziemlich symbolische Wirkung besitzen.

Zum einen ist es mir endlich gelungen, meine Rampe zu vollenden. Von hübsch ist sie zwar weiterhin noch ein gutes Stück entfernt, aber sie ist nun bequem mit einer Schubkarre in beide Richtungen benutzbar. Definitiv ein Meilenstein, dessen Umsetzung mich einige Schubkarrenladungen und viele Liter Schweiß mehr gekostet hat, als ich ursprünglich geplant hatte.

Und zum anderen habe ich auch die Einfahrt vom Feldweg zum neuen Stellplatz nun soweit passierbar gemacht, dass ich erstmals mit dem Auto bis unten runterfahren konnte. Das war nötig, um die letztens gekauften Baumaterialien auszuladen. Ich betreibe die Platzentwicklung hier zwar mehr als Fitnessstudio-Ersatz, als denn um schnelle Ergebnisse zu erzielen. Aber dutzende Hohlblocksteine und Zementsäcke einige hundert Meter weit vom bisherigen Platz den Hügel runter und dann die neue Rampe wieder hoch zu schleppen wäre doch ein bisschen zu viel des körperlichen Ertüchtigungstrainings.

Um der Frage nach der Verwendung des Baumaterials gleich zuvorzukommen: Die Grundsteinlegung des Gästezimmers ist nun auch schon erfolgt. Nein, Scherz. Die Stromversorgung auf der zukünftigen Parzelle braucht ein trockenes Zuhause. Ursprünglich überlegte ich, die von einem früheren Anlieger gebuddelte Höhle für den Zweck zu nutzen, doch ein bisschen Skepsis gegenüber bröckelnden Erddecken kann ich weiterhin nicht leugnen. Zudem brauche ich ja auch noch etwas Platz für mein Fahrrad und die Wasservorräte. Die Powerstation bekommt also ihren eigenen Abstellplatz, den ich gleichzeitig als massiven Stehtisch nutzen kann. Die Wasserwaage steht da auf dem Foto übrigens nur zum Angeben. Arg zu viel saubere Geometrie würde das Gesamtbild stören, dachte ich mir, und bin zur Nutzung von Augenmaß übergegangen.

Der viele Regen der letzten Monate bringt es mit sich, dass das Unkraut vor sich hin wuchert. Gerade an den Stellen, an denen ich mit meinem überforderten Rechen die gröbsten Steinmengen abgetragen und somit die Erdoberfläche gelockert habe, sprießen die Pflänzchen explosionsartig. Und machen mir das weitere Rechen echt zur Schwerstarbeit.

Doch mein Trimmer hat sich auch vorgenommen, mich in die Verzweiflung zu treiben, da mir ununterbrochen die Schnur abreißt. So gerne ich all meine Energie auf den neuen Platz richten würde, musste ich doch auch ein bisschen dafür sorgen, dass mir der alte Platz nicht so weit zuwuchert, dass ich nicht mehr an den Wohnwagen rankomme. Wobei das weit gewichtigere Thema aus meiner Sicht das Verhindern vom Rankommen anderer potentieller Mitbewohner darstellt. Mit jedem Grashalm, der hoch genug wächst, dass er außen am Blech des Wohnwagens reibt, habe ich drei ungebetene sechsbeinige Expeditionspioniere innen drin zu Besuch.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich mir beim Gang zum Bad in meinen Puschen in dem morgens vom Tau noch feuchten Unkraut konstant nasse Füße hole. So oder so, ein Grünzeug-Beseitigungs-Einsatz war auch hier vonnöten. Und es ist echt lästig, wenn dann alle paar Meter die Spule des Trimmers leer dreht. Es handelt sich um Original-Schnur, die ich letzten Sommer im Baumarkt gekauft habe, kein Billigprodukt aus dem China-Markt.

Und ich bin inzwischen so ziemlich alle Ratschläge des sonst hilfreichen Internets durchgegangen, von extrafest Wickeln bis drei Tage vor Benutzung in Wasser einlegen. Es hilft nicht, immer wieder reißt die Schnur ab. Ich verbringe mehr Zeit mit Schnur wechseln, als mit Unkraut trimmen. Bei meiner nächsten Fahrt nach Spanien bringe ich meinen Rasenmäher mit. Zumindest an den Stellen, an denen ich die Steine beseitigt habe, wäre der die bessere Alternative.

Insgesamt habe ich inzwischen schon eine recht lange Liste von Dingen, die ich zuhause in Gernsheim nutzlos geworden herumliegen habe, hier auf dem Campo aber gebrauchen könnte. Ursprünglich hatte ich ja vor, meinen Bad-Universal-Anhänger hier in Spanien zu lassen und auf der Rückfahrt nach Deutschland erstmals die Mautgebühren zu umgehen, indem ich mir die hübschen Landstraßen Frankreichs anschaue. Den Ansatz habe ich jetzt erst einmal auf die übernächste Fahrt verschoben. Ich brauche ganz eindeutig auf meiner nächsten Reise zum Campo noch einmal die Ladekapazität meines Anhängers.

Neue Nachbarn kennengelernt habe ich zwischendurch auch. Ein junges Pärchen, die im letzten Herbst aus der Stadt mit jeder Menge mannshoher Mandelbäume hier aufs Land gezogen sind und nun am Versuch verzweifeln, zum Einpflanzen hier Löcher auszuheben. Ich musste beim Anhören der Berichte lachen, denn an den Muskelkater nach dem Buddeln des einen Loches für meinen Kiri-Baum kann ich mich heute noch erinnern. Jeder einzelne Zentimeter Tiefbau hier muss gegen die Steine unfassbar schwer erkämpft werden.

Leider hat sich mein Bäumchen nach einem vielversprechenden Start in alle Richtungen inzwischen entschieden, den Kampf gegen den Wind aufzugeben und die Energie nur noch auf zwei Triebe zu konzentrieren, die mit der Windrichtung wachsen. Ich hoffe sehr, dass hier irgendwann später doch noch ein bisschen mehr Wachstum einsetzt und es kein völlig krummes Ding wird. Aber aktuell bin ich erst einmal froh, dass der importierte Baum überhaupt Fuß fasst. Jetzt muss er es nur noch schaffen, in den letzten paar Wochen, die ich zum Gießen noch unterstützen kann, so weit in den Untergrund vorzudringen, dass er die trockenen Sommermonate überlebt.

Währenddessen habe ich eine Experimental-Anzucht gestartet. Alles, was ich irgendwo wegschneiden musste, wurde in Wasser und in Erde gesteckt. Ob ich nun gleich Kompost draus mache oder dem Schnittgut vorher eine Chance gebe, ein neues Leben zu starten, unterscheidet sich nur durch ein paar Liter Wasserverbrauch. Und die bin ich gewillt zu investieren. Den Feigen scheint es in meinen extra nur für diesen Zweck geleerten Behelfstöpfen nach nun drei Wochen recht gutzugehen.

Der Sturmbruch vom Pfefferbaum hingegen nimmt es mir wohl übel, dass ich nur noch Wasserflaschen zum Eintopfen zur Verfügung hatte. Was lernen wir daraus? Ich muss mehr Bier trinken, um die Bäume zu retten.

Meine Mandelbaum-Stecklinge zieren sich noch ein bisschen, eine Entscheidung treffen zu wollen. Ich werde wohl all meine Nachwuchs-Pflänzchen mit nach Gernsheim nehmen und schauen, ob deutsche Sommerluft dem Wachstum dienlich sein kann. Zumindest wird deutsches Wasser hilfreich sein. Immer wieder komme ich zu der Erkenntnis, dass ich mich dem Thema einer Abwesenheitsvertretung hier auf dem Campo widmen muss, wenn ich pflanztechnisch größere Schritte machen möchte. Sollte ich mich auf die Suche nach einem Mit-Camper begeben?

Von einer Sorte Baum habe ich noch keinen Nachwuchs zu erzeugen versucht. Laut Mr. Google hätte ich da mit Stecklingen auch kein Glück. Die Stürme der letzten Monate haben aber an den vier rund um meinen Wohnwagen stehenden Aleppo-Kiefern im Gegensatz zu allen anderen Bäumen keine Äste abgerissen. Dafür macht den Bäumen leider eine ganz andere Plage zu schaffen, der mindestens zwei der vier Bäume sichtlich auch schon zum Opfer gefallen sind.

Was denkt sich Mutter Natur nur immer wieder dabei, Parasiten zu erschaffen, die ihren Wirt umbringen. Und sobald es keinen Wirt mehr gibt, sterben sie dann selbst aus. 

Hm. Während ich diese Zeilen tippe und mich ans Lesen der Nachrichten erinnere, würde ich glatt sagen, das ist ein ziemlich menschliches Verhalten. Doch statt wieder einmal in die Philosophie abzuwandern, würde ich den Bäumen hier ganz gerne helfen.

Die Frage ist nur, wie. Sowohl für einen mechanischen Einsatz mittels Schere als auch für eine potentielle chemische Keule sind es einfach viel zu viele von diesen Nestern. Und die allermeisten davon in schwindelerregender Höhe, weit weg von meiner Erreichbarkeit.

Da schafft es ein Baum, über Jahrzehnte der Hitze und den Stürmen zu trotzen, nur um dann von einer Horde Raupen platt gemacht zu werden. Raupen, deren stacheliger Mantel ja auch bei uns Menschen zu allerlei Ungemach führen kann, und das selbst noch nach Jahren des auf dem Boden Herumliegens. Bleibt am Ende nur der Einsatz einer Kettensäge? Noch weniger Bäume auf dem ohnehin schon kahlen Campo? Mein Aufforstungs-Vorhaben wird weiter vorangetrieben. Nur ohne Kiefern, denn Raupenfutter züchten will ich keins.

Futter. Gutes Stichwort, um mal einen Schwenk zum Alltag einzulegen. Nachmittags steht eine ‚kleine‘ Tasse schwarzer Tee mit Milch und Honig sowie ein paar Kekse auf der täglichen Agenda. Die Keks-Regale in den Supermärkten hier sind meist genauso groß wie die Bereiche der Grundnahrungsmittel. Spanier scheinen einen Hang zum Naschen zu haben. Es wird jedenfalls Jahre dauern, bis ich hier alle Sorten durchprobiert habe.

Zu dem Foto ist es aber gekommen, weil ich mit Erschrecken feststellen musste, dass mein Honig zur Neige gegangen ist. Klar, den könnte ich auch in jedem beliebigen Supermarkt kaufen, doch da bin ich ein bisschen eigen. Wenn es denn irgendwo einen lokalen Imker gibt, steuere ich lieber den an. Und wo kenne ich schon einen Imker-Verkauf? Genau: in meiner Lieblings-Bodega. Ich muss wohl mal wieder zum Weinkaufen fahren. Da werden aber die Plastikkanister immer wieder neu gefüllt, fällt kein Abfall an, in dem ich Bäume pflanzen könnte. Hach, ich wollte, das wäre meine einzige zu stemmende Herausforderung.

Zum Abschluss wie immer ein Blick ins Tal. Dieses Mal nicht in die Ferne, sondern nur drei Terrassenstufen nach unten. Wann hat man schon mal eine Ziegenherde im Vorgarten stehen? Nun, hier auf dem Campo der Normalzustand alle paar Tage. Doch so weit oben hatte ich sie noch nicht erlebt.

Eine halbe Stunde nach Aufnahme des Fotos fing es wieder an zu regnen. Mein Neid auf das gemütliche Schäferleben verflog schlagartig, während ich mich nach drinnen verzog. Es wird auch hier in Spanien irgendwann Frühling. Ich werde ausharren, bis es soweit ist.

 

In Naturgedanken schwelgende Grüße

Euer Clark

 

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