Ein bisschen Natur zum Ostereinstieg

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Ein bisschen Natur zum Ostereinstieg

3. April 2026 Campo-News 0

Fuente de la Higuera in der Sierra de la Pila im Nordosten Murcias

Drei Millionen US-Dollar. Damit könnte ich gemütlich und völlig problemlos mein Spanien-Projekt umsetzen. Diese Summe bekam eine 20-Jährige gerade aktuell als Schadenersatz zugesprochen, nachdem sie als Präzedenzfall nachweisen konnte, in ihrer Jugend nach der Nutzung von Social Media süchtig geworden zu sein. Explizit ging es dabei um Instagram und YouTube. Beim Versacken im Scrollen auf Insta erwische ich mich auch öfter einmal, insbesondere, wenn mich gleich die ersten zwei, drei eingeblendeten Clips zum Lachen bringen und somit aus dem Trübsinn holen. Doch glücklicherweise setzt auf dieser Plattform bei mir recht schnell eine Art Sättigungseffekt ein. Mein Schreibmentor berichtete vor Jahren, dass er sich aus allen Social-Media-Plattformen abgemeldet hat. Als Grund schrieb er die interessante Formulierung: „Diese Plattformen beleidigen meinen Intellekt“. Ich habe längst verstanden, was er damit meint.

Doch in die YouTube-Falle tapse ich ungeachtet dieses Wissens selbst immer mal wieder. Angefangen von bebilderter Recherche über den alltäglichen Nachrichtenkonsum bis hin zum Hinzugewinnen von im ersten Moment völlig nutzlos wirkendem Allgemeinwissen, versuche ich mir aus der Videoplattform das Optimum an brauchbarem Material herauszuholen. Im Zuge der ganzen „weg von den amerikanischen Tech-Bros“-Diskussion habe ich schon mehrfach überlegt, mir eine europäische Alternative zu suchen. Gerade jetzt, wo ich ja nicht nur mit diesem Newsletter, sondern auch mit dem vielleicht irgendwann einmal vom Reißbrett in die Tat umgesetzten Schulungsprogramm eigene Videos online stelle, wird das Thema des Datenschutzes für mich relevanter. Doch so sehr ich als liberal gesinnter Mensch die Vielfältigkeit auch hoch loben mag, so sehr nutznieße ich gelegentlich dann doch auch die Marktbeherrschung eines Monopolisten wie Google mit seinem YouTube-Angebot. Denn gebt mal zu, habt Ihr schonmal was von Dailymotion, Peer Tube, alugha, Ignite, fair:tuve, Mave oder Jet-Stream gehört, um mal nur ein paar der zahllosen EU-Mitbewerber aufzuzählen? Ich bin ja bekennender Befürworter des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks und zahle gerne meinen Beitrag, um dafür die Angebote von ARD, ZDF, HR, ARTE, Funk & Co. in Anspruch nehmen zu können. (Auch wenn ich der Meinung bin, dass man ohne Verlust für die Menschheit auf den Tatort verzichten könnte.)

Doch wo schaue ich mir die Online-Angebote dieser Kanäle denn an? In der ARD-Mediathek? In der ZDF-Mediathek, auf der man sich nochmal separat registrieren muss? Irgendwo anders im Dschungel des unübersichtlichen Internet-Dickichts? Nein, natürlich nicht. Ich greife immer wieder einfach nur auf YouTube zurück. Selbst „Die Anstalt“ hat ihren Versuch abgebrochen, nur noch Ausschnitt-Clips auf YouTube zu stellen und darin auf die Nutzung der Mediathek hinzuweisen. Und genau mit der aktuellen Anstalt-Folge zum Iran-Debakel des Trumpster fing der Donnerstagabend bei mir an, aus dem Ruder zu laufen, zumal der „Especial“ meiner Stamm-Bodega einfach lecker schmeckt und in dem Kanister nicht mehr genug enthalten war, als dass ich ihn nochmal wegstellen wollte. Man kann sich irren, wie viel „nicht mehr viel“ in einem 2-Liter-Kanister ist. Auch so eine Feststellung des Abends.

Ums kurz zu machen: Ich bin am Gründonnerstag erst viel, viel, viel zu spät ins Bett gegangen. Genau genommen war es schon sehr lange Karfreitag, bis mich meine Matratze zu spüren bekam. Und schon während ich meine beiden hier nachts immer noch nötigen Bettdecken bis zum Kinn hochzog, war mir klar, dass ich meinen kurzzeitig Anfang der Woche ins Auge gefassten Plan aufgebe, die kommende Nacht in Jumilla zu verbringen, um mir die um Mitternacht startende „Tamborada de Gloria“ live anzusehen. Genau wie zu allen anderen Prozessionen wird sich mit Sicherheit auch im Internet etwas dazu finden lassen, mit dem ich meine Neugierde befriedigen kann. In Jumilla hat es unter anderem einen eigenen Radiosender, der auch fleißig übers aktuelle Geschehen auf Facebook postet. Traditionen haben den elementaren Vorteil, dass sie sich jährlich wiederholen. Vielleicht habe ich zu einem der nächsten Osterfeste manch einen Besucher auf dem Campo, mit dem zusammen es für einen nächtlichen Ausflug in die Stadt mehr Antrieb gibt.

Also habe ich den Karfreitag nicht nur etwas zu spät gestartet, sondern auch mit einem neuen Tagesprogramm füllen können. Klar, ich könnte mich einfach brav an den PC setzen und dafür sorgen, dass manch ein Kunde am Dienstag nach Ostern ein paar Zahlen seiner Buchhaltung in seinem Maileingang findet. Insbesondere, da mir durch einen erneuten Notartermin-Baumarkt-Besprechungs-Ausflug in der kommenden Woche ja vermutlich ein Arbeitstag fehlen wird.

Doch ab und zu kann man doch mal einen Feiertag auch einfach Feiertag sein lassen. Die Tatsache, dass pünktlich zu Ostern die Wettervorhersagen endlich einmal nichts mehr von starken Windböen erzählte, ja, sogar mächtig ansteigende Temperaturen ankündigt, ist eigentlich schon alleine eine unbedingte Aufforderung, ein paar Stunden draußen zu verbringen. Jetzt könnte ich mich natürlich dem sprießenden Unkraut, den ebenfalls nachgewachsenen Steinen, meinem Maurerexperiment oder irgendeiner der anderen hundert noch auf der zukünftigen Parzelle anstehenden Aufgaben annehmen.

Doch tatsächlich muss ich zugeben, dass ich seit der Feststellung, dass mein aktueller Aufenthalt trotz der für mich noch nicht dagewesenen Länge einfach nicht ausreichen wird, um den angedachten Stellplatz bezugsfertig zu bekommen, meine Selbstmotivation ein bisschen eingebrochen ist.

Nein, heute muss mal was anderes auf dem Plan stehen. Wie wäre es mit ein bisschen Radfahren? Guter Plan. Aber erst einmal frühstücken, wie es eines Feiertages würdig ist. Eine der Gründonnerstagsnachmittagsnebenbeiarbeiten war das Backen eines Brotes. (Seitdem mir beim Spanischlernen bewusst auffällt, wie unüblich in Fremdsprachen Wortkombinationen sind, mache ich mir regelrecht einen Spaß daraus, deutsche Buchstabenmonster zu erstellen. Ab und zu gelingt es mir, Scrabble-taugliche Begriffe zu kreieren, mit denen ich sogar auf einer DIN A4-Seite einen Zeilenumbruch im Wort brauche. Jeder geht so seiner eigenen Sportart nach, nicht?) 

Ich war experimentell zwischendurch auf Backmischungen umgestiegen, doch wirklich überzeugt hat mich keine. Jetzt gibt es wieder klassisches Halbe-Halbe-Brot aus Roggen und Weizen. Hier mal ein Foto eines gelungenen Werkes. Die zwischendurch gelegentlich produzierten Backsteine habe ich sicherheitshalber gar nicht erst fotografisch festgehalten. 

Was gehört ansonsten noch zu einem ordentlichen Oster-Frühstück? Genau: ein Ei. Nein, wir reden von Ostern. Was will ich denn da mit einem einzigen Ei? Heute gebe ich den täglich eingeworfenen Cholesterinsenkern mal ein bisschen was zu tun!

Strahlend blauer Himmel. Mit so viel Sonne, dass es die Kamera am Handy fast ein bisschen überlastet. Nein, natürlich liegt falsche Belichtung mancher Bilder eher am Benutzer als am Gerät. Doch selbst mit hellster Einstellung des Displays konnte ich häufig nichts erkennen. Über vier Monate bin ich nun schon hier in Spanien. Und hatte heute jetzt erst zum zweiten Mal (!) die Notwendigkeit, meine Sonnenbrille aufzusetzen. Was natürlich auch zur Folge hatte, dass ich sie häufig abzusetzen vergaß, wenn ich das Handy zum Fotos-Machen zur Hand nahm. Kurzum: Verzeiht mir die manchmal etwas schwächelnde Farbgebung auf den Fotos.

Der Feldweg an meinem Campo vorbei in Sichtrichtung Sierra de la Pila. Nachdem mich mein letzter Radausflug in die nördlich gelegene Sierra del Carche brachte, von der ich ja, wie berichtet, ein bisschen enttäuscht war, richtete ich mich heute wieder nach Süden in das mir schon etwas bekanntere Gebirge aus. Nur nahm ich mir in Anbetracht des bereits fortgeschrittenen Tages nicht die hohen Gipfel vor, die ich sonst auf meinen Fotos ablichte, sondern orientierte mich ein bisschen an der linken Flanke. Eine Quelle, die auch als Ausflugsziel dient, soll es da geben. Je mehr Wasserstellen ich in der Umgebung kennenlerne, umso besser. Also ein willkommenes Ausflugsziel.

Die Sierra de la Pila beginnt ja quasi vor meiner Haustür. Wobei ich den Eindruck habe, dass die Definition der Ortsbeschreibung je nach gewähltem Medium auch ein bisschen variiert. So ist Google Maps tatsächlich in der Navigationsansicht der Meinung, mein Campo läge in den Ausläufern der über zehn Kilometer entfernten Sierra del Carche. Doch wo genau die Grenzlinie zu ziehen ist, mag einen Bürokraten interessieren. Den habe ich heute mal im Wohnwagen zurückgelassen und bin als Naturliebhaber unterwegs. Und als solcher kann ich nur immer wieder feststellen: Zwei Kilometer von meinem Campo entfernt beginnt eine andere Welt.

Gleich noch einmal ein Foto des entlang geradelten Weges hinterher. Ich hätte alle fünfhundert Meter für ein Foto stehenbleiben können. Die Natur lässt rundherum den Frühling raushängen, was man mit allen Sinnen zu spüren bekommt.

Einfach nur die normal ausgewiesenen Wege fahren kann jeder, dachte ich mir, und bin irgendwann einfach auf einen Seitenweg abgebogen. Der nach einiger Zeit zunehmend steiler, schmaler und anspruchsvoller wurde. Ich muss wohl mal wieder auf mein Sternzeichen zu sprechen kommen. „Neugierde ist der Katze Tod“, so weiß es der Volksmund zu berichten. Okay, ich kenne Menschen, die hier auch ganz ohne elektrische Unterstützung entlang radeln.

Ich habe das Radeln jedoch irgendwann aufgegeben und mich auf einen anderen blöden Spruch reduziert: „Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt“.

Ich sollte wirklich mehr Sport treiben, merke ich. Was bin ich ins Schnaufen gekommen, während ich meinen mit den beiden Akkus extraschweren Drahtesel den Buckel hochgeschoben habe. Für richtig schweres Gelände ist das einfach das falsche Fahrrad. Und der falsche Fahrer. Auf dem Boden entdeckte ich gelegentlich die Stollenabdrücke von Quad-Reifen. Irgendwann muss ich mir echt so ein Teil zulegen. Irgendwann.

Aber das überforderte Pümpchen in meiner Brust litt nicht nur unter den Strapazen des bergigen Aufstiegs. Steinige Bauruinen findet man hier ja leider überall. Doch hier bin ich nun auch an zwei richtig schicken kleinen Holzhäusern vorbeigekommen, die in einer traumhaften Umgebung errichtet wurden … und nun langsam vor sich hin verrotten, weil aufgegeben worden. Welcher Traum ist da irgendwann einmal geplatzt? Was wurde aus den Menschen, die hier ein wundervolles Projekt begonnen haben, jedoch niemals eingezogen sind?

Keinerlei Funknetz. Das ist der Haken in dem Naturreservat. „SOS“ stand nur noch oben in meinem Handydisplay, nicht einmal mehr das sonst in Regionen mit geringer Netzabdeckung gewohnte Satellitensymbol. Der vorausschauend, klug einen Ausflug planende Clark hat natürlich … vergessen, sich die Karte des Navis vorher zur offline-Nutzung herunterzuladen.

Also bog ich nach Bauchgefühl und erahnter Himmelsrichtung auf den einen oder anderen Weg ab, und machte immer wieder meine schon so häufig in Spanien erlebte Erfahrung: man folgt einem Weg fünfhundert Meter oder mehr und steht auf einmal am Rand eines frisch gepflügten Ackers. Der Weg hört einfach auf und geht ins Feld über. Ein Feld, an dessen Rand ich wieder einmal diese Selfmade-Futterstellen-Konstruktion entdeckte, die hier zuhauf vorhanden zu sein scheinen.

Heute habe ich mir die Zeit genommen, ChatGPT auf die Recherche anzusetzen. Ergebnis: Primär sollen diese Einrichtungen der Bestandsförderungen des Perdiz roja dienen, also dem als „Charaktervogel der Iberischen Halbinsel“ bekannten Rothuhn. Als Kollateraleffekt akzeptiert man, dass damit auch die Karnickel-Population sich eines gewissen Wachstumsschubs erfreut. Selbige man mittels Schrotflinte wieder zu beseitigen versucht, was bekanntlich bei den ländlichen Spaniern ein Volkssport ist. Mal abgesehen vom rotschnabeligen Mini-Fasan lag ich mit all meinen früheren Vermutungen also richtig. Jetzt muss es mir nur irgendwann noch gelingen, mal einen von diesen angeblich hier so weit verbreiteten Vögeln leibhaftig vor die Nase, besser noch vors Objektiv zu bekommen. Es gibt noch viel zu entdecken, ich merke es immer wieder.

Ich drehe mein Fahrrad also wieder rum und schiebe es den Weg zurück bis zur nächsten Abzweigung. Diese kann ich dann gute dreihundert Meter entlang radeln, bis ich am nächsten Hindernis zum Stehen komme. Warum hängt man eine Kette quer über die Straße? Kann man dann nicht als Vorwarnung einfach schon an den Anfang des Weges ein Schild mit dem Hinweis „Coto de caza privado“ stellen, die es hier in vor sich hin rostender Form zuhauf gibt. Passend zu der eben entdeckten Futterstelle wäre das dann der Hinweis, dass man bei Überschreiten der Absperrung versehentlich umgeballert werden könnte. Zähneknirschend drehe ich mein Fahrrad erneut herum und fahre die Strecke bis zum übernächsten Abzweig zurück. So kann man die Landschaft auch kennenlernen. Bei mir macht sich nur langsam die Sehnsucht nach asphaltiertem Untergrund breit.

Auch die längste Irrfahrt führt irgendwann zum Ziel. Ich habe die Fuente de la Higuera, Quelle des Feigenbaums, erreicht. Auch wenn ich gestehen muss, dass es mir während dieses Besuchs heute noch nicht gelungen ist, die Herkunft des Namens herauszubekommen. Die dominierende Baumart auf der Anlage ist wie überall in den Wäldern hier die Aleppo-Kiefer. Dazwischen haufenweise andere Laubbäume. Aber Feigen? Wenn ich irgendwann wiederkomme, werde ich mich intensiver auf die Suche danach begeben. Und wiederkommen werde ich mit Sicherheit, denn auch wenn mir die Strapazen wie eine halbe Weltreise vorkommen, liegen zwischen meinem Campo und dem erholsamen Plätzchen hier kaum fünf Kilometer.

Um das allgegenwärtige Plätschern des Wassers festzuhalten, habe ich auch zwischendurch auf ein Video zurückgegriffen.

Man hört darauf den Wind ins Mikrofon pusten und mich schnaufen. Wasserplätschern hingegen muss man suchen. Noch ein Grund mehr, nochmal wiederzukommen. Dann aber vielleicht eher zu Fuß mit Rucksack voller Proviant und Tischdecke.

Weiter geht es, jetzt aber meinem Wunsch entsprechend wieder auf bequem zu radelndem Untergrund. Was der Landschaft drumherum nicht den geringsten Abbruch tut.

Bekanntlich darf man keinem Foto trauen, heutzutage ist ja alles Fake. So habe ich mein Fahrrad auch mal drei Meter neben den Asphalt geschoben und ein Adventure-Foto gemacht. Doch selbst wenn man hier keineswegs auf solch unberührtem Gelände unterwegs ist, stimmt nichtsdestotrotz das aus der Aufnahme hervorgehende Gefühl der Naturnähe. Dieses Reservat ist ein echtes Erholungsgebiet.

Laut Internet erhält man die zu den unzähligen Schildern gehörenden Wanderkarten in den umliegenden Tourismusbüros. Da werde ich bei einem der nächsten Besuche in Jumilla vielleicht doch reinspringen. Für Wanderer ist diese Sierra hier auf jeden Fall ein Paradies.

Mit meiner ständigen Neigung zum Hans-guck-in-die-Luft sollte vielleicht auch ich die weitere Erkundung der bergigen Gegend nur zu Fuß in Angriff nehmen, statt denn auf dem Rad.

Nachdem ich während meines Umsehens auf dem Platz an der Quelle durch die Düfte des Grills der Ostern feiernden Menschen gelaufen bin, machte sich bei mir im Kopf ein gewisses Gelüst nach Nahrungsaufnahme breit. Eigentlich war mein Frühstück mehr als üppig ausgefallen, daher mangelte es meinem Körper mit Sicherheit trotz der Ausflugsstrapazen noch lange nicht an Treibstoff. Doch wenn sich erst einmal der Gedanke an saftiges Grillgut vor dem inneren Auge verfestigt hat, sieht man an jedem Baum schon knusprige Hähnchenschenkel baumeln, die zuhause eigentlich ja noch im Kühlschrank auf Zubereitung warten.

Ein Ziel muss noch sein, bevor ich mich auf den Heimweg mache, so lautete meine Selbstverpflichtung. „Poza Féliz“, das glückliche Wasserbecken. Nun, ich weiß nicht, was ich erwartet hatte. Vorgefunden habe ich genau das, was der Name sagt: ein Wasserbecken. Angelegt für jede Form von Wildtieren, wobei eine Hinweistafel daneben auch hier explizit auf Amphibien hinweist. Ich gestehe, dass ich in einer überwiegend dermaßen heißen und vor allem trockenen Gegend niemals mit Fröschen als nennenswerte Population gerechnet hätte. Da ich überall auch nur auf solch künstlich geschaffene Wasserstellen stoße, scheint es ohnehin eher ein Anliegen des Menschen zu sein, die Nebenwirkungen seines die Natur austrocknenden Lebensstils abzumildern.

So oder so ist die Poza Féliz aber ein zu einer Rast einladendes Örtchen. Zum wiederholten Male komme ich zur Feststellung, dass mir die Sierra de la Pila um einiges sympathischer ist als die Sierra del Carche, auf die ich vom Campo aus draufschaue. Die Natur hier ist deutlich wilder. Und vor allem: Es mangelt nirgendwo an Sitzgelegenheiten. Die Besucher werden auf den Wegen nicht einfach nur möglichst schnell einmal hindurch und wieder nach draußen geleitet, sondern alles ist darauf ausgelegt, innezuhalten und für ein paar Minuten Teil der Natur zu werden. Wie gut würde jetzt ein mitgebrachtes Sandwich schmecken. Himmel, so ein Gedanke ist ja schlimmer als irgendein Ohrwurm.

Mein nun endlich angetretener Weg zurück brachte mich an einer Stelle auch nochmal zu einem ungehinderten Blick auf die eben erwähnte Sierra del Carche. Irgendwo zwischen meinem jetzigen Standort und der anderen Hügelkette steht im Tal mein Kühlschrank. Zeit zum in die Pedale treten.

Der weitere Weg bringt mich auch wieder an zahlreichen Ruinen vorbei. In jedem dieser teilweise riesigen Gebäuden lebten früher einmal Menschen. Ganze Familien sind hier über Generationen aufgewachsen. Jetzt sind wir in einem Zeitalter angekommen, in dem es seitens der Europäischen Union Förderprogramme gibt, über welche Maßnahmen zur Eindämmung der ausufernden Entvölkerung in der Region unterstützt werden. Einer meiner vielem Campo-Hintergedanken ist die Teilnahme an solch einem Programm.

Direkt neben der hier fotografierten Ruine hängt ein noch ziemlich neu aussehendes, signalrotes „VENDE“-, also Zu-verkaufen-Schild. Und an genau dem Platz des Schildes höre ich auch wieder ein leises Plätschern, was sich beim Näherkommen als eigene Quelle herausstellt. 

Eigentlich könnte dieser Ort mitten im Naturreservat ein Paradies sein. Doch er zerfällt einsam und verlassen einfach vor sich hin. Haben wir Menschen denn wirklich so vollkommen den Bezug zur Natur verloren?

Ein ganz elementarer Vorteil eines stundenlangen Berg-hoch-Quälens ist, dass es auf dem Rückweg nur noch bergab geht. Dann noch eine asphaltierte Straße unter den lautstark brummenden Reifen, da muss man schon aufpassen, dass man nicht in einen Geschwindigkeitsrausch verfällt. Ich brachte vorsorglich ab und zu meine Bremsscheiben zum Glühen und stoppte für manch ein weiteres Foto.

Auf dem Hinweg habe ich mich durch die Pampa gekämpft, zurück bin ich den ausgewiesenen Straßen gefolgt. Nun kenne ich entsprechend auch dieses Schild am Wegesrand, das zu der Quelle weist. „Área Recreativa“ steht da über dem Namen der Feigenquelle. Ja, ein Besuch hier in der Gegend bringt wirklich auf andere Gedanken. Ich komme wieder, das steht fest.

Nach soviel Bergen und Landschaft auf den Fotos heute braucht es als Abschlussbild von meinem Campo sicherlich nicht noch ein weiteres Foto der vorhin ohnehin schon einmal abgebildeten Sierra del Carche. Also habe ich meine vom Strampeln doch nicht unbeeinträchtigt gebliebenen Knie einmal gebeugt und in der gleichen Richtung wie sonst absichtlich eine Aufnahme viel zu niedrig gemacht. Ab und zu sollte man den Blick vielleicht auch einmal auf das Naheliegende richten, statt immer nur in die Ferne zu schweifen.

 

 

Ein entspanntes Osterfest wünsche ich Euch! 🐰🥚🐣

Euer Clark

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