Wenn schon Sonntagseinkauf, dann auch mit Sightseeing

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Wenn schon Sonntagseinkauf, dann auch mit Sightseeing

5. April 2026 Campo-News 1

Universitätsstadt Murcia

Heute mal ein Schockbild zum Einstieg. Darf sich vorstellen: eine camponatische Schmutzfußspinne.
Während ich meine Zahnbürste am Morgen ihre Arbeit tun ließ, wanderte auf einmal dieser Achtbeiner in meinen Sichtbereich. Mit einem Gurgeln habe ich freundlich gegrüßt, was das Tier zum Stoppen veranlasste.

Ja, ich gebe es zu, das überwiegend einsame Leben auf dem Campo lässt merkwürdige Allüren aufkommen. Wenn sich dann schonmal jemand blicken lässt, wird er auch sofort vollgetextet. So redete ich auf die Spinne ein, während ich meine Zahnbürste und meine Arbeitsplatte trocknete. Dieses Geschöpf hatte nur ganz offensichtlich keinerlei Interesse an Konversation und bewegte sich langsam in Richtung Tür. Als ich diese dann öffnete, um mein Abwasser in die Büsche zu schütten, nutzte der kleine Ungezieferfänger die Gunst der Minute und verschwand nach draußen. Nun, das ersparte mir das Einfangen und Raustragen.

Wie sah denn mein Programm für den Ostersonntag nach dem Zähneputzen aus? Ich habe mich für ein bisschen Wirtschaftsförderung entschieden. Da feiert man einerseits hierzulande das Osterfest, als hätte man die christliche Religion hier erfunden, aber andererseits tritt man die Feiertagsruhe mit Füßen und öffnet die meisten Läden am heiligen Sonntag. Der Ostermontag ist in Spanien kein Feiertag, da mag das mit dem Öffnen ja angehen. Was es aber dann mit dem Schließen am Dienstag auf sich hat, das wissen die Götter.

Mir spart es das Ausfallen von eigener Arbeitszeit, wenn ich meinen ohnehin schon länger angedachten, aufgrund des schlechten Wetters nur immer wieder verschobenen Ausflug in die Hauptstadt gleich mit einem wichtigen Einkauf verbinden kann. Blumenerde der billigsten Art brauchte ich noch ein paar Säcke. So eine Trockentrenntoilette ist eine prima Sache zum Wassersparen, doch spätestens jeden zweiten Tag entsteht ein kompostierbares Beutelchen, für das ein Endlager gebraucht wird. Nun könnte man diese Beutel ja einfach vergraben. Überall auf der Welt, aber nicht in diesem steinigen Untergrund. Beete anlegen und unter einer Erdschicht verschwinden lassen hat sich als super Alternative erwiesen. Nur braucht’s dazu halt eben: Erde. Ich habe mir auch gleich wieder Blumensamen gekauft zum drüber schütten, bevor ich in ein paar Wochen nach Hause aufbreche.

Weiter geht es vom Baumarkt zum IKEA-Parkplatz vor den Toren Murcias. Der Möbelgigant teilt sich ein riesiges Park-Areal mit einem großen Einkaufszentrum. Und irgendwann scheint sich diese Lokalität bei Wohnmobilisten rumgesprochen zu haben. Ein großer Teil der Parkfläche wird dauerhaft von Wohnmobil-Urlaubern aus aller Welt, vor allem aber auch von Spaniern selbst bevölkert. Der Traum meiner schlaflosen Nächte, mit dem Klappstuhl vorm Wohnmobil auf dem Asphalt zu sitzen. Aber ich muss zugeben, dass die Lokalität an sich gut gewählt ist. Mehrere Supermärkte, haufenweise andere Einkaufsläden, sämtliche denkbaren Fast-Food-Ketten sowie zahlreiche Restaurants und vor allem eine direkte Straßenbahnanbindung in die Innenstadt von Murcia machen den Stellplatz durchaus attraktiv.

Für mich wäre es trotzdem nichts. Aber zwei Dinge locken mich ebenfalls auf diesen Parkplatz. Zum einen kostet er nichts und ist ultraleicht zu erreichen. Und zum anderen hat es hier einen Aldi, bei dem ich einen Einkauf ja mit der Fahrt direkt verbinden kann. Die Straßenbahn brauche ich nicht, ich habe mir mein Fahrrad mitgebracht. Das macht mich in der Stadt flexibler. Während ich im Naturreservat lieber aufs Zu-Fuß-Gehen ausweichen möchte, um mir mehr betrachten zu können, ist mir in der städtischen Umgebung das Bewältigen von Strecke wichtiger.

Die Gefahr, über eine Wurzel oder einen Stein zu fallen, ist auf asphaltierten Straßen auch deutlich geringer.

So habe ich auch erst einmal aufs Navi verzichtet und bin einfach auf gut Glück in Richtung Innenstadt losgeradelt. Obwohl mein Orientierungssinn mich in der Sierra vorgestern am Ende doch ziemlich treffgenau zum angestrebten Ziel führte, gelang mir das in der Stadt so rein gar überhaupt nicht. Während Google Maps für die Distanz IKEA-Altstadt rund sechs Kilometer mit 20 Minuten Radfahrzeit angibt, hatte ich beim Aufnehmen dieses Fotos bereits über zehn Kilometer und 50 Minuten — zugegebenermaßen äußerst gemütliche — Radelzeit hinter mir.

Wenn es etwas gibt, das ich tatsächlich „draußen“ auf dem Land vermisse, dann ist das irgendeine kleine Kneipe. Hier in Murcia stapeln sie sich noch. Obwohl ich mich in die Randgebiete der Stadt verfahren hatte, gleich drei Bars auf einem Foto. Zwei junge Frauen kamen an mir vorbei, als ich brütend am Straßenrand stand und fragten mich direkt nach meinem Problem. „Casco antiguo“, so hatte es mir Duolingo letztens erst beigebracht. Tatsächlich habe ich mir den Begriff für „Altstadt“ gemerkt. Doch als die hilfsbereite Zeitgenossin dann in der für Spanier üblichen Maschinengewehrgeschwindigkeit anfing, mir die zweihundert Stellen runterzubeten, an denen ich abzubiegen habe, verflog mein Stolz auf erste erfolgreiche Schritte in dieser Fremdsprache schlagartig wieder.

Also strampelte ich in die zuerst angezeigte Himmelsrichtung los und bog auf die erstbeste Hauptstraße ein. Nur um gleich darauf für ein Foto zu stoppen. Ich hatte es in meinen letzten Newslettern ja hier und da schon erwähnt, und ich werde es vermutlich auch heute noch einige Male anschneiden: Murcia ist in weiten Teilen ein echtes Musterbeispiel dafür, wie man Radfahrer in den Straßenverkehr einbinden kann. Ein eigener Fahrstreifen, sogar als solcher ausgeschildert und für Autofahrer abgegrenzt. Wie geil ist das denn bitte!

Natürlich gibt es in Murcia wie in jeder deutschen Großstadt auch einen Verleiher für Fahrräder und Elektroroller. Und natürlich gibt es hier wie auch sonst überall auf der Welt irgendwelche Vollhonks, denen ihre Umwelt und Mitmenschen einfach restlos am Allerwertesten vorbeigehen. Freunde machen sich Radfahrer auf jeden Fall nicht, indem sie ihr Fahrrad so exponiert mitten im Weg abstellen.

Diese „Un-Freunde“ der Radfahrer machen ihrem Unmut dann auch hier und da Luft, wie ich beim Warten an einer roten Ampel auf dem Verkehrsschild sehen durfte. Gleich zwei Bomben hat der Radfahrer hier ziemlich deutlich aufgeklebt bekommen.

Ich kann mich aber auf meinen ganzen mehr als zwanzig heute gefahrenen Kilometern in der Stadt nicht ein einziges Mal über mangelnde Rücksichtnahme beschweren. Im Gegenteil, es scheint in Murcia einen enorm großen Markt für Essens-Lieferdienste zu geben. Vor fast jedem Restaurant, Eisdiele oder Imbiss flitzen meist junge Menschen mit einem riesigen Thermo-Behälter auf dem Rücken herum. Unterwegs sind die auch mit Motorroller und eBike, doch der mit Abstand größte Teil des Auslieferungspersonals nutzt Elektroroller. Und da scheinbar jeder, der in Murcia Auto fährt, auch schon einmal zuhause vorm Fernseher auf die bestellte Pizza gewartet hat, bekommen diese Scooter bereitwillig immer Vorfahrt eingeräumt. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber Radfahren in Murcia ist echt super easy.

Meine odysseischen Irrfahrten im Zickzack durch die Stadt brachten mich irgendwann auch an diesem Tor vorbei. Hinter dem Zaun daneben viele, sehr viele Autos. Vermutlich auch eine der Kehrseiten der städtischen Fahrradfreundlichkeit. Wer falsch parkt, wird hier schneller abgeschleppt, als er „Auto“ sagen kann.

Grundsätzlich werde ich auch meine zukünftigen Besuche in Murcia vom IKEA-Parkplatz aus starten. Aber sollte mich mal einer fragen, wo denn sein Auto hin abgekommen sein könnte, bin ich nun in der Lage, ihm den Weg zu weisen.

Denn ungeachtet der wunderbaren Fahrradwege hat es in der Stadt halt eben dann doch auch enorm viele Autos. Das Thema „Parkplatznot“ ist hier genauso relevant wie in jeder beliebigen deutschen Innenstadt. Blech am Straßenrand, so weit das Auge reicht. Das Automobil, Stehzeug statt Fahrzeug.

Es gibt eine Branche, die sich in Spanien mit Sicherheit eine goldene Nase verdient, und das sind Hersteller von Kunstrasen. Ich bin an zwei Schul-Sportplätzen vorbeigekommen, die sich eines grünen Untergrundes erfreuen, den man hier mangels Wasser niemals natürlich hinbekäme. Aber das grüne Gummizeugs wird ja nicht nur zu Sportzwecken eingesetzt, sondern auch an allen möglichen anderen Stellen. Hier exemplarisch aus dem Fundus meiner unzähligen Fotos ein Verkehrskreisel, durch den auch die Straßenbahn über sattes Plastik-Grün kurvt.

Nun war die Stadt heute aufgrund des überregional berühmten Osterumzuges gefüllt mit Touristen. Was reitet die Gläubigen eigentlich, solch einen Umzug morgens um sieben Uhr zu starten? Man könnte unterstellen, dass die Hotelbranche da ein Wörtchen mitgeredet hat, denn so bleibt den interessierten Zuschauern nur, sich für die Nacht vorher eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen.

Doch ungeachtet der Besucher ist auch so Murcia eine gefühlt sehr junge Stadt. Also eine Stadt mit überwiegend jungen Einwohnern, meine ich. 32.000 der 475.000 Einwohner Murcias sind Studenten der seit dem Jahr 1272 existierenden Universität, von der gleich mehrere Stadtteile dominiert werden. So gibt es auch einen „Plaza de la Universidad“, an dem ich erneut für eins der tausend heute geschossenen Fotos stehenbleiben musste.

Irgendwann erreichte ich dann endlich die Altstadt mit all ihrem Trubel in den vielen schmalen Gassen. Die Rückseite der Kathedrale war mir bereits von früheren Besuchen bekannt. Von dem Bauwerk gibt es im Internet schon gefühlt eine Million Bilder. Und während der drei Minuten, die ich an diesem Platz stehend meinen Blick über die zahllosen Touristen wandern ließ, die mit gezücktem Handy aktiv waren, würde ich schätzen, gerade kamen wieder ein paar tausend neue Fotos dazu.

Ein Symbolfoto. Ob sich Hans Hartz 1982 beim Komponieren seines bewegenden Schlagers die Welt von heute schon hätte vorstellen können? Er hat sein Lied nur um 20 Jahre überlebt, wie treffend seine Worte einmal werden würden, bekam er nicht mehr mit.

Die weißen Tauben sind müde, sie fliegen lange schon nicht mehr.
Sie haben viel zu schwere Flügel, und ihre Schnäbel sind längst leer.
Jedoch die Falken fliegen weiter! Sie sind so stark wie nie vorher,
und ihre Flügel werden breiter, und täglich kommen immer mehr.
Nur weiße Tauben fliegen nicht mehr.

Trübsinnige Gedanken, wenn man sich vorstellt, dass gerade ein Fest begangen wird, mit dem die Menschheit dokumentiert, bereits vor über zweitausend Jahren zu blöd gewesen zu sein, die richtige Entscheidung zu treffen und lieber ein paar gute Menschen hinwegmeuchelt, um den Mob zu befriedigen. Wir sind heute keinen Meter weiter als damals.

Einmal kräftig den Kopf schütteln, in den blauen Himmel schauen, tief durchatmen und den Spaziergang fortsetzen.

Der mich auf die Vorderseite der Kathedrale bringt. Die ich nun erstmals in ihrem schmucken Erscheinungsbild bestaunen darf. Bei meinem letzten Besuch versteckte sich die Fassade hinter einem folienbehangenen Baugerüst. Das Kläppern von Metallstangen war nun auch heute lautstark auf dem Platz zu vernehmen. Die Tribüne wurde nach dem vormittäglichen Osterprogramm gerade abgebaut. Ich bin vor dem so gar nicht sonntagspassenden Lärm stiften gegangen.

Dieses Mal stammen die blassen Farben nicht von meinen geringen Fotografier-Künsten, sondern die Gärtner haben sich Mühe gegeben, ausnahmslos pastellfarbene Blüten zu pflanzen. Wirkt alles irgendwie so, als sei es von einer Staubschicht bedeckt. Was an der Farbenpracht der Anlage aber insgesamt keinen Abbruch tut.

Und wieder fällt mir als Frankfurter Innenstadt-Spaziergänger eine Nebensächlichkeit ins Auge. Hier haben sich heute bereits zig zehntausende Menschen durch die Innenstadt bewegt. Und dennoch sieht der Boden aus, als könne man davon essen. Wer immer auch hier für die Städtereinigung zuständig ist, macht einen echt spitzenmäßigen Job. Einer dieser vielen verkannten Hintergrund-Jobs, die man schnell vergisst, denn man sieht sie einfach nicht, wenn sie gut gemacht werden.

Was man dafür aber mehrfach zu sehen bekam, auch hier im Bild im Schatten unter den Bäumen links, sind Glaubensüberzeuger. Als Zeugen Jehovas kennt man sie aller Orten. Die Plakate vor den Dreien ließen mich auch in englischer Sprache wissen, dass ich hier den Weg zum korrekten Interpretieren der Bibel gezeigt bekommen kann. Ich habe mich den Menschenmassen angeschlossen, die klugerweise einen großen Bogen darum machten.

Der Rio Segura dümpelt gemütlich durch die Innenstadt. Ziemlich sedimentgesättigt, entsprechend trüb. Was die Touris aber nicht davon abhält, für den Erhalt eines Sonnenbrandes ihren Tribut an den Ruderbootverleih zu zahlen.

Die hübsch geschmückten Blechfiguren singen ein Loblied auf die Fruchtbarkeit der Huerta de Murcia. Das Übersetzen der reinen Worte brachte mal wieder mehr Fragen als Antworten in meinen Kopf. Gemeint ist die „Comarca“, also das, was wir in Deutschland als „Landkreis“ bezeichnen würden. Klar, dass diese durch den Fluss gerade im Frühling besonders erblüht, wenngleich der Mensch es schon ein paarmal fertiggebracht hat, den Rio Seguro zum Bewässern der Felder nahezu trocken zu legen.

Aber was hat es mit der blau-gelben Flagge neben den Statuen auf sich? Das geht aus dem eingestanzten Text nicht hervor und passt auch so gar nicht zu den Blütenfarben. Ich sage es ja, Fragen über Fragen.

Beim Radeln durch die Sierras habe ich die künstlich angelegten Wasserbecken für die Tierwelt fotografiert. Das gibt es in den Innenstädten freundlicherweise auch für die Menschenwelt. Wasser for free to go. Eine nette Einrichtung. Mir schwebte nur langsam eher etwas mit Geschmack vor.

Haufenweise Reisende mit Köfferchen begegneten mir. Die Gassen begannen sich zu entvölkern. Zurück blieben ein paar Touris, die Fotos der hübschen Gassen mit anderen fotografierenden Touris darauf machten.

Welch Ausmaß die frühmorgendliche Prozession gehabt haben muss, merkt man, wenn man die hunderte Meter langen Sitzgelegenheiten entlangläuft. Ich bin nicht wirklich sicher, ob ich traurig sein sollte, nicht schon da gewesen zu sein, als hier die Massen das Spektakel betrachteten.

Einen Haken hat solch ein Mega-Event jedoch. Alle, die sich am Vormittag den Umzug angesehen haben, sind anschließend in die umliegenden Restaurants zum abschließenden Mittagessen geströmt. Völlig aussichtslos, irgendwo ein gemütliches Tischchen im Schatten zu ergattern, auf dem ich mich mit meinem Notebook für eine Stunde niederlassen kann. Also habe ich mich eben weiter dem Wandern und Fotografieren gewidmet.

„Meeting Place: Cocktail Bar“. 
Na, das ist mal eine Aufforderung. Macht alleine aber keinen Spaß. Und hatte zu dieser Uhrzeit ohnehin noch geschlossen.
Doch für zukünftige Meetings in Murcia vormerken.
32° C meint die Anzeige an der Apotheke. Ich nehme mal an, der Temperaturfühler hängt über dem Abluftkanal der umgebenden Restaurantküchen. Es war warm, ja. Aber dann doch nicht soo warm.
Den Fokus auf dem Bild wollte ich eigentlich auch mehr auf das Gemälde auf der Wand dahinter richten. Nun habe ich Profi es fertiggebracht, dass beide Bilder unscharf sind. Allerdings wurde ich beim Fotografieren auch locker zehnmal angerempelt. Ziemlich voll, die gastronomischen Plätze, ich erwähnte es schon.

Insgesamt arbeitet man in der Stadt recht gerne und viel mit bebilderten Wänden. Hier hat sich ein Künstler an der Nachbildung der Kathedrale versucht. Hätte ich mein Fahrrad auf dem Foto oben ein bisschen anders gestellt, wäre es fast das gleiche Motiv.

Zeit für Kalorienzufuhr. 9,20 € für ein Wasser und einen Megabecher mit vier Eissorten. Dieses Mal aber mehr Menge als Geschmack. Eis ist nicht überall superlecker. 

Aber genug Erfrischung, um mich nun wieder auf den Rückweg zum Auto zu machen.

Hier nochmal ein Beispiel für eine Mauer an einem Schulgelände. Eine der führenden Fakultäten der Universität in Murcia sind die kreativen Künste. Unübersehbar wird da ausgiebig dran gearbeitet.

Abendessen zum Mitnehmen für Selbstschlachter? Ein Teich mitten in der Stadt. Mir war ja bekannt, dass sich Gänse fast besser zur Grundstücksbewachung eignen als Hunde. Doch dass dieses Federvieh dermaßen dreist von den Menschen, die sich dem gerade mal kniehohen Zaun nähern, Futter einfordern, überraschte mich dann doch. Was können diese Tiere einen ohrenbetäubenden Lärm veranstalten. Ich habe mich vorsorglich schnell wieder auf meinen Sattel geschwungen und das Weite gesucht.

Ein Blechkamerad ohne erläuternde Hinweistafel. Es sollte verboten werden, Kunst aufzustellen, ohne dass der Künstler dazu sagt, was er denn ausdrücken möchte. Oder ist genau diese Denkanregung der Hintergedanke bei solcher Art von Kunst? Dann muss ich zugeben: gelungen.

Ich hatte versprochen, noch ein paarmal auf das Thema der Radwege einzugehen. Bevor es vergessen geht, hier also noch ein weiteres Foto des vorbildlichen Verkehrsausbaus. Man beachte auch die Tatsache, dass man sich bei der Gestaltung schon der aktuellen Handy-Generation angenommen hat. Für die Menschen, die ihren Blick konstant nur nach unten auf ein Display richten, statt nach vorne in Gehrichtung, hat man auf dem Boden deutlich große Ampel-Symbole aufgemalt. Ob das hilft?

Gebaut wird natürlich auch hier. Oder wie man es im städtebaulichen Fachjargon wohl eher nennt: „nachverdichtet“. Vielleicht habe ich gerade zu viele Stunden zwischen verspielt-verschnörkelten Altstadt-Gebäuden verbracht. Aber ist diese weltweit zu beobachtende Renaissance der osteuropäischen Plattenbauten nicht eine Beton gewordene Form der Langeweile? Als Buchhalter mag ich ja gerade Linien und saubere Strukturen. Doch wie sieht eine Stadt am Ende aus, wenn sich irgendwann nur noch solche konturlose Quader aneinanderreihen?

Ich habe die vergangenen anderthalb Jahrzehnte für ein Innenausbauunternehmen gearbeitet, bei dem der Bereich „Health and Safety“ auch als Marketing-Bestandteil enorm groß geschrieben wurde. Daher ist mein Blick auf Baustellenbeschilderung vielleicht etwas überproportional ausgeprägt. Doch ab und zu frage ich mich immer noch: Sollte man nicht ein einziges zentrales Schild aufhängen mit der Aufforderung „Hirn einschalten!“? Ist es wirklich zweckmäßig, so ziemlich alles zu Tode zu regeln? Aus praktischer Beobachtung würde ich behaupten: Diese Regelungswut geht am Ziel vorbei, denn am Ende kommt auf einen Bauarbeiter ein Kontrolleur. Und wenn der mal wegschaut, beachtet ohnehin keiner mehr die Vorschriften, weil bei striktem Einhalten aller Verbote ein Baufortschritt ausgeschlossen wäre.

Dabei ist das mit den Baustellen ja sogar nur symbolhaft zu sehen. Diese Überbürokratisierung bis zum wirtschaftlichen Stillstand macht sich ja überall breit.

Aber Stichwort „Wirtschaft“. Wenn ich mir die in letzter Zeit geführten Gespräche mit Zuhause ins Gedächtnis rufe und einen Blick in die Nachrichten zur Beurteilung der weiteren Entwicklung werfe, sollte ich vielleicht besser in Spanien bleiben, statt nach Hause zu fahren. Ich befürchte, mich werden andere Dieselpreise erwarten.

Ein letztes Bild von einem Kunstwerk auf einem Verkehrskreisel. Was mag die überdimensionierte Leiter wohl ausdrücken wollen? Hier wird nie was fertig?

Kurz vorm Ziel habe ich mich einmal auf den Boden gelegt. Freiwillig. Kein Über-den-Lenker-Absteigen. Mein Plan war eigentlich, dem Gärtner von Ikea ein Lobes-Foto zu verewigen. Doch unter der Dominanz des Firmennamens gehen die prächtig leuchtenden Blümchen leider unter. Dabei waren die in Natura ein echter Hingucker.

Habe ich irgendwas verpasst? Ist ein allgemeiner Tomaten-Notstand ausgebrochen, von dem ich nichts weiß? Schon wieder stehe ich vor leeren Regalen. Warum sind denn in Spanien aktuell nirgendwo Tomaten zu bekommen? Es wird Zeit, dass ich mir eigene anbaue. Könnte ich vermutlich im Moment mit mächtig Marge verkaufen, denn ich stand nicht alleine ratlos vor den leeren Kasten.

Heute zum Abschluss ein Bild von der Autobahn auf dem Heimweg. Ich weiß, es gibt in Spanien auch Gegenden, in denen die Verkehrssituation ganz anders aussieht. Umso mehr muss ich den Anblick konservieren. Freie Fahrt bis zum Horizont. Herrlich.

Ein Kommentar

  1. Clark Ahten sagt:

    Hier noch eine ergänzende Information zu den beiden oben im Text erwähnten blumengeschmückten Blechfiguren. Bei dem eingestanzten Text handelt es sich um ein Zitat aus dem „Canto a Murcia“, ein etwas gewichtigeres Musikstück, welches auch als „inoffizielle Hymne der Region Murcia“ angesehen wird.

    Den vollständigen Text aus dem Munde des spanischen Tenors Plácido Domingo findet man auch auf YouTube:
    https://youtu.be/B-QDK0dZHWg?si=naEaB76xaY-2S9B-

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