Die Geschichte des Behelfsbades – Inside Campo II

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Die Geschichte des Behelfsbades – Inside Campo II

15. August 2026 Campo-News 0

 Ein Rückblick:

Campo Vida Sencilla, La Raja, bei La Zarza, Jumilla (Murcia)

Immer wieder bekomme ich die Frage gestellt, wie ich denn nur mit so wenig leben kann, wie es mir da auf dem Campo in Spanien zur Verfügung steht. Und immer wieder kann ich ganz offenen Herzens sagen, dass ich eigentlich nichts wirklich Essenzielles vermisse. Klar, in manchen Momenten geht einem schon der Gedanke durch den Kopf, ob sich einzelne Lebensumstände nicht doch auch etwas luxuriöser gestalten ließen. Und genau das ist ja der Knackpunkt, den das Leben auf diesem Campo irgendwann auch einmal den Besuchern näherbringen möchte: Natürlich geht es auch einfacher, bequemer. Und es spricht nichts dagegen, diesen Weg zur Vereinfachung auch zu gehen. Nur sollte man sich bereits beim allerersten Schritt in diese Richtung immer ganz konkret der Tatsache bewusst sein, dass es sich explizit um Luxus handelt. Jede einzelne Bequemlichkeit, die über das lebensnotwendige Minimum hinaus geht, ist per Definition Luxus. Sobald man sich dieser Einsicht einmal bewusst ist, begegnet man vermeintlichen Selbstverständlichkeiten auf einmal mit einer gewissen Hochachtung.

Es soll niemals darum gehen, irgendwem ein bequemes Leben madig zu machen oder die Menschen zu einem klostergleichen Leben im totalen Verzicht zu bewegen. Nein, der Single soll auch weiterhin alleine in seiner im Winter vollständig auf 24° C geheizten 120m²-Wohnung leben können. Nur sollte er sich einfach jederzeit den Privilegien bewusst sein, dass beim Druck auf einen Schalter das Licht angeht und jederzeit aus dem Hahn Wasser in reinster Trinkqualität in unerschöpflichen Mengen zur Verfügung steht. Sich mit dem Wissen, dass es auch anders, dass es auch mit deutlich weniger geht, dennoch für den behaglichen Lebensweg zu entscheiden, sollte jeder Mensch immer für sich selbst entscheiden dürfen. Nur bedarf es für solch eine bewusste Entscheidung erst einmal des Wissens, mit welcher Selbstverständlichkeit man über haufenweise Luxus des Alltags schon gar nicht mehr nachdenkt.

Man merkt, ich arbeite in letzter Zeit wieder etwas verstärkt am Gesamtkonzept des Campo Vida Sencilla. Zum einen werden meine Newsletter rar, zum anderen ufere ich gleich beim Einstieg ins Schreiben schon total aus. Kommen wir daher erst einmal zurück zum Thema, um das es heute gehen soll: das Bad. Oder nennen wir es die temporäre Behelfslösung eines Bades. Denn eine finale Umsetzung für alle Ewigkeit ist das nicht. Wie gesagt, es ist eine dokumentative „mit so wenig geht es auch“-Lösung.

Ich berichtete bereits im vorletzten Newsletter darüber, dass mir die vom Hersteller des Wohnwagens vorgesehene Nasszelle zu klein ist und ich den Platz in diesem Raum ohnehin ständig für andere Lagerbedürfnisse in Beschlag nehme. Während meines Sommeraufenthaltes habe ich einfach eine Gartendusche hinter mein als Blickschutz dienendes Auto gestellt oder zum Waschen das von der Sonne angenehm vorgewärmte Wasser direkt aus dem Kanister genutzt und mit einem Open-Air-Bad gelebt. Man gewöhnt sich ja schnell gewisse Routinen an. Meine letzte Tat vor dem Zu-Bett-Gehen abends war es, mich auf die Ladefläche zu setzen und mit einem Waschlappen den Staub von den Unterschenkeln und Füßen zu waschen.  Auf Seife habe ich dabei verzichtet, so konnte ich das Abwasser danach direkt in einen Busch kippen, der während meines Aufenthaltes sichtlich aufblühte.

Für das Winterhalbjahr ist das dann aber doch kein gangbarer Ansatz. Allzu oft fallen die Temperaturen auf einstellige Gradzahlen. Ja, in manch einer einzelnen Nacht kann da sogar ein Minuszeichen vor der Ziffer auftauchen. Ich brauchte also ein geschlossenes Behältnis, das ich mit möglichst einfachen Mitteln beheizen kann. Aufgrund der schon einige Male erwähnten Anforderung, vorerst auf dem Campo alle Nutzungsgegenstände mobil halten zu müssen, war mein erster Gedanke ganz einfach ein zweiter Wohnwagen. Doch diese Idee habe ich recht schnell wieder verworfen. Zum einen ist in einem Wohnwagen die Nutzung von Wasser nur in den eigens dafür vorgesehenen Mikro-Boxen schadensfrei machbar. Zum anderen habe ich mit meinen 184 Zentimetern Körperlänge in einem Wohnwagen einfach zu wenig „Luft“ nach oben hin. Und sei es nur das Benutzen eines Föhns, ich muss immer in die Knie gehen. Laut Straßenverkehrsordnung dürfen Fahrzeuge grundsätzlich bis zu vier Meter hoch sein. Es ist eine freiwillige Selbstverpflichtung der Wohnwagenhersteller, diesen Wert auf 2,60 Meter zu deckeln. Abzüglich Bodenabstand und Wohnraumisolierung bleibt da nicht mehr viel für innen drin. Als ich versuchte, hinter den Grund dieser Höhenbeschränkung zu kommen, wurde ich aufgeklärt, dass international 3,50 Meter so der Regelfall als Mindesthöhe von Tunneln und Brücken auf Fernstraßen ist. Und mit Wohnwagenaufbauten, wie Satellitenschüssel, Solar und Klimaanlage, sind diese 90 cm Luft schnell verbraucht. Wohnmobile hingegen orientieren sich bauartbedingt an Lastkraftwagen, nicht an Pkws. Daher werden die von Werk her gleich viel höher konzipiert. Aber ein Wohnmobil taugt nichts für meine Zwecke.

Einen Kofferanhänger besitze ich ja schon seit Ewigkeiten. Tatsächlich einmal angeschafft, um mir eine Schreibtischplatte reinzuschrauben und als mobiles Büro zu nutzen. Eines dieser Projekte, die man mit Euphorie angeht, dann aber mangels Kapazitäten nicht mehr zu Ende verfolgen kann. Nun, bereut habe ich die Anschaffung nie, denn die Ladekapazität kann man immer gebrauchen. Und ich habe auch schonmal ein simples Ikea-Bett für zwei Nächte reingestellt, als Übernachtungsplätze für Gäste knapp wurden. Leider hat der Hänger nur eine Innenraumhöhe von 1,80 Metern, also noch weniger als ein Wohnwagen. Darin dann noch eine wasserfeste Bodenwanne verbauen … nein, der Koffer ist fast gut, aber eben nur fast.

Der Grundgedanke an einen Pkw-Anhänger war somit jedoch schon gelegt. Konkret habe ich mich bei der Suche dann auf drei Bereiche eingeschossen, denen ich ausreichende Robustheit und vor allen Dingen uneingeschränkte Wasserfestigkeit unterstelle: Baustellen-Ausstatter, mobile Frittenbuden und Pferdeanhänger. Bei ersteren gibt es irgendwie keinen nennenswerten Gebrauchtmarkt, zumindest konnte ich keinen finden. Bei zweiterem gibt es zwar reichlich Angebote, aber allesamt mit massiven Umbau-Anforderungen für meine Zwecke und zudem in Preisklassen rangierend, die jenseits meiner Vorstellungen lagen. So schränkte sich meine Suche irgendwann auf die dritte Option ein, die auch noch ein unfassbar breites Spektrum an Auswahl zur Verfügung stellte. Wobei ich hier zwei Anforderungen meinerseits stellte, durch die direkt 95 % aller gebraucht angebotenen Anhänger ausschieden: Ich wollte erstens einen Anhänger, der nicht zweihundert Meter gegen den Wind nach Pferd riecht. Und zweitens eine Fronttür, durch die ich aufrecht gehend hindurch passe. Auf gar keinen Fall wollte ich in meinen Anhänger krabbeln müssen.

Recht schnell wurde klar, dass es nur zwei nennenswerte Serienhersteller für einen Hänger meiner Wünsche gibt: Böckmann und Westfalia mit ihren sogenannten „Vollpolys“. Die Bauweise aus glasfaserverstärktem Polyester trotzt jeder Witterung und findet auch im Bootsbau als GFK Anwendung, sprich, Wasser kann dem Material nichts anhaben. Nun galt es noch ein paar weitere Hürden zu nehmen, denn ein ausnahmslos nur zum Viehtransport zugelassener Hänger („grünes Kennzeichen“) nutzte mir genauso wenig etwas, wie einer, an dem sich schon Generationen an Hobbybastler vergangen haben. Irgendwann wurde ich im hohen Norden fündig und habe die Abholung mit einem Ausflug nach Bremen verbunden. Als sich der Hänger nach über 500 Kilometer gemeinsamer Fahrt kurz vor meiner Heimat beim McDonalds-Besuch sehr zu meiner Freude auch noch weigerte, in dem Straßengraben umzufallen, den ich mir als Parkplatz ausgesucht hatte, stand für mich fest, das richtige Gefährt gewählt zu haben.

Ein paar Tage nach der Heimkehr bin ich mit dem guten Stück einmal in die Selbstwaschanlage gefahren und habe ihn innen wie außen komplett ausgekärchert und geschrubbt. Ich wollte, das Großreinemachen im heimischen Bad würde so einfach gehen. Nachdem ich auch noch den letzten Halm ehemals darin vorhandenen Heus aus den Ecken beseitigt hatte, erfreute ich mich daran, ab jetzt auf den Spanien-Touren wohl nie wieder Ladekapazitäts-Probleme zu haben. Ein Irrglaube, wie treue Leser des Newsletters ja zwischenzeitlich wissen. Auch ein Pkw-Anhänger kann ein zickiger Sturkopp sein.

Nach reichlich Gebastel hatte ich irgendwann alle großen und kleinen Dinge so im Anhänger verstaut, dass sie die 2.000 Kilometer Fahrt problemlos überstehen konnten. Fakt ist, das Äquivalent von zwei Pferden samt Sattelgedöns ist viel Stauraum für Zeugs. Hätte ich das im Vorfeld richtig eingeschätzt, hätte ich problemlos noch einiges an Krams mitnehmen können. Ein Problem, das die meisten Menschen ja auch aus ihrem privaten Wohnungsumfeld kennen. Je mehr Platz man hat, umso mehr hebt man auf.

Der Reise nach Spanien vom 29. auf den 30.11.2025 habe ich schon einen eigenen Newsletter gewidmet, daher überspringe ich den Teil hier und mache gleich mit dem Ausräumen des Anhängers bzw. dem Zusammenschrauben der mitgebrachten Möbel weiter. Von meiner ersten Einbauküche aus einem längst verkauften Haus sind noch einige Schränkchen übrig. Teilweise nicht mehr im stabilsten Zustand und bauartbedingt für den stationären Einsatz gedacht, während ich mobiles Mobiliar benötige. Einen Werkzeugkasten vorausgesetzt alles lösbare Probleme. Nur im immer kälter werdenden Deutschland wollte ich mich dieser Aufgabe nicht mehr widmen. Sägen und Schrauben macht unter der wärmenden Sonne Spaniens deutlich mehr Freude.

Irgendwann ist die letzte Schraube in das Holz gedreht, das letzte Rad unten am Schrank montiert, die letzte Arbeitsplatte fest verschraubt. Vom Sperrmüll in Gernsheim hatte ich mir einen großen Spiegel mitgenommen, den ich eigentlich an einem der rollbaren Schränke befestigen wollte. Doch wie erwähnt, es handelt sich um massives Küchenmobiliar einer ehemals hochwertigen Serie. Bedeutet: mit einem unglaublichen Eigengewicht. Räder hin oder her, irgendwie musste der Kram ja mittels Muskelkraft bewegbar bleiben. Daher habe ich lieber an den Spiegel nur zwei Kanthölzer geschraubt und ihn frei stehend neben die Schränke gepackt.

Ein Teppich dazu, meine Trockentrenntoilette aus dem Wohnwagen geholt, die ersten Wasserkanister vom Brunnen als Vorrat dazu und (fast) fertig ist das Badezimmer. Das Wort „fast“ muss ich in den Text einbauen, da ich mir auch eine Armatur mit Warmwasseraufbereitung und eine Pumpe fürs Wasser gekauft hatte. Als ich die Möbel jedoch halbwegs brauchbar zusammengebaut hatte, verließ mich etwas die Lust am Basteln. Immerhin hatte ich auch beim letzten Aufenthalt schon mit Warmwasser aus Sonnenkraft und „fließendem“ Wasser aus Kanistern gelebt. Provisorisch geht das auch damit, dachte ich mir, und habe das elektrische Basteln auf „später“ verschoben. Man kennt das ja, wie es dann am Ende mit einem guten Provisorium ausgeht. Armatur und Pumpe sind bis zum heutigen Tag noch original verpackt.

Warum denn Räder an den Schränken? Nun, hauptsächlich, damit mir der Anhänger weiterhin jederzeit als Transportmittel zur Verfügung steht. Mit überschaubarem Aufwand lässt sich alles Mobiliar einfach rausschieben und schon kann ich auf die große Ladekapazität zurückgreifen.

Doch ich gebe zu, dass noch ein weiterer Hintergedanke eine Rolle spielte: das Schaffen einer Art Außenküche. Klappe auf, einen der Schränke um 90° drehen, den Grill nebendran stellen und fertig ist die Küche unter freiem Himmel.

Zu einer Küche gehört aber mehr als nur ein Grill, den ich bekanntlich ja auch zum Brotbacken nutze. Eine Kochstelle wäre auch ganz nett. Zudem musste ich feststellen, dass die Warmwasserversorgung durch Sonnenkraft doch zu dieser Jahreszeit ein wenig schwächelt. Lauter gute Gründe, über eine Gaskochstelle nachzudenken. So führte mich meine nächste Einkaufsfahrt wieder einmal zum HyperChino-Gemischtwarenladen in Fortuna, wo ich schmunzeln musste, als ich vor dem entsprechenden Regal stand. Es gibt die Feuerstellen in dutzenden Größen bis hin zu mehr als einem Meter Durchmesser. Klar, im Land der Lkw-Reifen-großen Paella-Pfannen braucht man auch passende Brenner unten drunter. Ich habe mir für meine Zwecke den kleinsten verfügbaren rausgesucht. Simples emailliertes Blechrohr. So leicht, dass es schon der Wind vom Tisch wehen könnte. Und dazu eine Tüte mit dem Schlauchset inklusive zweier Schlauchschellen. In Deutschland bekommt man die Gasflaschen in jedem Baumarkt, in Spanien muss man sich für den Besitz erst umständlich registrieren. Dafür ist in Deutschland jedes Schlauchstück doppelt verpresst und mit fünf TÜV-Siegeln abgesichert, während man in Spanien nach Herzenslust frei herumbasteln darf. Kann ja nichts passieren. Ist nur ein bisschen Gas. Verrückte Welt.

Wenn ich somit nun schon über eine Kochstelle im Bad verfüge, kann ich diese auch gleich zur Warmwasserversorgung nutzen. Doch ich musste feststellen, dass selbst der kleinste spanische Gasbrenner noch zu groß für einen deutschen Wasserkessel ist.

Ein Großteil der Flammen lodert einfach recht nutzlos an der Seite des Kessels vorbei und macht einfach nur den Griff unhaltbar heiß. Grundsätzlich nicht unangenehm, den Raum ein wenig mitzuheizen, aber das Erzeugen warmen Wassers dauert einfach viel zu lang.

Also habe ich beim nächsten Besuch beim Chino-Ausstatter geschaut, welches Equipment für kleines Geld zur Lösung meines Problems zu bekommen ist. Seitdem verkalkt nun unter dem extrem harten Quellwasser dieser Topf vor sich hin. Und irgendwann im Laufe der Zeit werde ich es auch noch erlernen, den heiß dampfenden Inhalt daraus in meinen Waschbottich umzufüllen, ohne dabei den Hänger zu fluten und nasswarme Hosen zu bekommen.

Auch wenn die Hauptverwendung der Feuerstelle das Erzeugen von Warmwasser wurde, war ich doch immer mal wieder dankbar dafür, Speisen unter freiem Himmel zubereiten zu können, deren Geruch ich sonst über Tage hinweg nicht aus dem Wohnwagen bekommen hätte. So eine Außenküche hat schon echt ihren Reiz. Aus Erfahrung muss ich jedoch noch festhalten, dass „zwei Küchen“ entweder eine doppelte Ausstattung mit sämtlichen Utensilien und Gewürzen bedeutet, oder aber – wie in meinem Falle praktiziert – unfassbar viele Kilometer Fußmarsch anstehen, bis man vom Olivenöl über den Löffel bis zum Salzstreuer alles hin- und wieder zurückgeschleppt hat. Hier muss ich eindeutig noch an einer Optimierung arbeiten, sonst verbrauche ich beim Kochen mehr Kalorien, als ich zuführe.

Aber mal weg vom Kleinkram, hin zum Wesentlichen. Nach Fertigstellung der Einrichtung war das nun der Blick, der sich einem auf dem Thron sitzenden Menschen ergab. Den Gasheizkörper hatte ich bereits in einem früheren Beitrag erwähnt, bzw. die Umtauschaktion nach Defekt am Sicherheitsabschaltmetall. Hier nur nochmal der Hinweis, dass ich absichtlich das kleinste verfügbare Modell genommen hatte. Diesen Ofen gibt es ja auch als kW-Monster, doch die 1300 Watt der kleinsten Stufe reichten vollkommen aus, in dem Hänger binnen Minuten eine behagliche Wärme zu erzeugen.

Durch die Heckklappe ist auch die Abluft gesichert, sodass man das klassische Kondenswasser-Problem dieser Öfen nicht merkte.

Sofern ich es irgendwie einrichten konnte, habe ich die Aufenthalte im Bad gerne auf Uhrzeiten verschoben, zu denen der graue Hänger schon etwas länger in der Sonne stand. Tatsächlich ist das einer der auch im Internet überall angegebenen „Mängel“ von Polyester-Bauweise: Der Kasten heizt sich in der Sonne enorm auf. Sämtliche Wände werden zu regelrechten Heizstrahlern. Im sanften Winter Spaniens für mich eine Wohltat.

Aber beim originären Einsatzzweck eines solchen Transporters mit zwei ohnehin schon Wärme abgebenden Pferden, dann vielleicht noch im Hochsommer unterwegs, könnte ich mir vorstellen, dass das schnell zu einem hochgradig ungesunden Raumklima führt.

Dem Thema des ‚Örtchens‘ gilt es auch noch einen Absatz zu widmen. Nach unglaublich viel Recherche und Anschauen von YouTube-Videos und Schmökern in Nutzer-Foren fiel meine Wahl am Ende auf die „TeraBlœm“ aus dem Hause Trobolo. Und ich gestehe, dass ich mich mit der Bestellung schwertat. Zum einen habe ich zeitlebens nur Wasser-Closets genutzt. Der Gedanke daran, dass die Hinterlassenschaft nicht auf Knopfdruck in einem Rohr verschwindet, sondern im Eimer unter mir liegen bleibt, war mir hochgradig suspekt. Und auch wenn ich in gefühlten hundert Videos von echten Nutzern versichert bekommen hatte, dass durch Trennen von festem Material und Flüssigkeit die Geruchsentstehung gen Null geht, war ich extrem skeptisch.

Der zweite Grund meiner Zurückhaltung war der horrende Preis dieser Toiletten. Eine simple Holzkiste mit einem Eimer und einem Kanister drin für so viel Geld? Kann man das nicht auch selbst bauen? Klar, kann man. Ob man dann aber so passgenau den Übergang des Flüssigkeitsauffangs zum Kanister dicht bekommt und mit was für Kleinigkeiten man sonst noch herumexperimentieren muss … Als ich in einem der zahlreichen Tester-Videos einen Promo-Code über 10 % angeboten bekam, gab ich mir einen Ruck und klickte auf Bestellen.

Erhalten habe ich dann einen tatsächlich in der Haptik hochwertigen Bausatz. Allerdings weiß ich heute, dass man die vorgebohrten Löcher ein bisschen nachbohren sollte, sonst kommt es beim Zusammenklopfen des Laminatholzes zu unschönen Bruchstellen. Rein vorsorglich habe ich den Aufbau gleich mit wasserfestem Leim durchgeführt, auch wenn das vom Hersteller gar nicht gefordert ist. Anschließend habe ich die Box innen wie außen dreimal mit wasserfestem Klarlack bepinselt. Auch das eine eher überflüssige Maßnahme, wie ich nun nach vielen Monaten des aktiven Gebrauchs weiß. Doch damals wollte ich um jeden Preis vermeiden, dass ein daneben gegangenes Tröpfchen sich vielleicht im trockenen Holz zu einer dauerhaften Geruchsbelästigung verewigt. 

Ich habe von meinem Kistchen keine Fotos auf Lager, daher gibt es hier einfach für die interessierten Leser das Werbevideo des Herstellers.

Worauf all die gesponsorten Videos nicht ganz so ausführlich eingehen, ist das Reinigungsprocedere. Und wie bei unfassbar vielen anderen Produkten auch, kommt man während des Putzens schnell zu dem Schluss, dass derjenige, der den Kram designed hat, sein eigenes Produkt niemals hatte saubermachen müssen.

Da ich keine Löcher in meinen Anhänger bohren möchte, habe ich auf die Außenlüftung verzichtet, auch wenn ich den Ventilator schon mitbestellt hatte. Bedeutet, ich agiere mit Streu, zuerst dem original von Trobolo gelieferten 25-Liter-Sack, später bin ich bei der Raiffeisen vorbeigefahren und habe mir zwei gepresste Kleintierstreu-Pakete gekauft. Gleicher Preis, vollkommen ausreichende Qualität, dafür aber 600 Liter in 24kg-Blöcke komprimiert. Eine Packung ist nahezu ein Halbjahres-Vorrat.

Man sieht im Eimer, dass ich die Übervorsicht in allen Bereichen ausgelebt habe. Den Feststoff-Eimer habe ich mit einer „richtigen“ Plastiktüte ausgekleidet, auf deren Boden ich normales Katzenstreu ausgebracht habe. Darüber kam dann erst der aus Maisstärke bestehende, also im Kompost abbaubare Beutel, in dem schichtweise Hobelspäne und menschliche Hinterlassenschaften gesammelt werden. Je nach Häufigkeit der Benutzung heißt es täglich, allerspätestens am zweiten Tag den Beutel auszutauschen. Jemand, der mit den Sägespänen sparsamer umgeht als ich, schafft vielleicht auch ein paar Schichten mehr. Tatsächlich kann ich bestätigen, dass das Geruchsproblem in all der Zeit nicht wirklich penetrant wurde. Und das Beutel-Zuknoten inklusive Wanderung zum Blumenbeet, in dem ich die Beutel unter einer Schicht Blumenerde für die nächsten Jahre sich selbst überlasse, wurde auch schnell zur täglichen Routine.

Etwas anders sieht es mit dem vorderen Teil der Toilette aus. 10 Liter sind eine Menge Zeug, die man nicht unbedingt vollständig ausschöpfen sollte. Mir würde ein kleineres Behältnis ausreichen, da ich oft genug ans Saubermachen gehe. Doch ein kleineres Behältnis hätte vermutlich auch eine noch kleinere Öffnung. Und die macht das Putzen schon ein bisschen zur Qual. Trobolo empfiehlt Zitronensäure. Ich habe stattdessen mit Essigreiniger gearbeitet. Beides biologisch abbaubar, also ebenso wie der gelbe Inhalt des Kanisters ab in die Büsche damit als Dünger. Doch man kann sich beim Einsatz der Sägespäne im Feststoff-Eimer noch so viel Mühe geben, im Laufe von ein paar Tagen hat man die Holzschnipsel überall an und in dem Kanister hängen. Bleibt nur eins: irgendwie zum Reinigen nach drinnen kommen. Die Öffnung ist gerade so ausreichend groß für eine Männerhand, doch einen Latexhandschuh zerreißt es an den Kanten der Öffnung. Den anzuziehen kann man sich sparen. Auch der eigentlich simple Geruchstop des Kanisters leistet hervorragende Arbeit, selbst wenn Holzspäne drin kleben. Doch das Ding besteht nur aus Kanten, Buchten und Ecken. Ein etwas fummeliges Unterfangen, hier alles sauber zu bekommen.

Nun ist aber Klo-Putzen mit Sicherheit sowieso nichts, was irgendwer richtig gerne macht. Daher will ich hier gar nicht weiter auf die Details eingehen. Nur eben einen ehrlichen Hinweis für all diejenigen dalassen, die über eine Anschaffung einer Trockentrenntoilette nachdenken. Mein Fazit an und für sich ist auf jeden Fall eine absolute Empfehlung! Das Prinzip funktioniert tadellos. Und gerade in einer Region, in der Wasser zum Luxusgut wird, ist das die perfekte Lösung, durch die man nicht auf den vom WC gewohnten Luxus verzichten braucht.

Ach, eins noch … Ich bin 184 Zentimeter groß. Der Holzkasten von Trobolo bringt es auf 53 Zentimeter plus Klobrille. Das ist für meine Körpergröße schon recht strammes Sitzen. Kleinere Personen werden auf dem Kasten mit den Füßen baumeln können. Bedeutet: bei der Anschaffung durchaus auch einen Blick auf die Maße haben. Bequemlichkeit kann auf dem stillen Örtchen eine wesentliche Rolle spielen. 😉

Was gibt es zum Bad sonst noch zu berichten? Vielleicht nur noch einmal der Hinweis auf die klassische Problematik aus der Kombination aus Faulheit und funktionierenden Provisorien. Mein ursprünglicher Plan, den ich mir lange vor der Abreise in meinem Gernsheimer Büro ausgemalt hatte, sah den Aufbau meines Vorzeltes am Wohnwagen vor, in welches einer der beiden im Anhänger stehenden Schränke kommen sollte. Damit wäre im Anhänger ausreichend Platz, um mit einem Gestell einen Kunststoffvorhang einzurichten und das fließende Wasser für eine ordentliche Dusche zu nutzen. Doch der alle paar Tage erbarmungslos übers Campo ziehende Wind hat mich den Gedanken ans Vorzelt aufgeben lassen. Daher die „Übermöblierung“ im Bad-Anhänger. Das fließende Wasser habe ich ja, wie erwähnt, auch noch nicht installiert. Es boten sich einfach immer genug Möglichkeiten, sich erfolgreich drum zu drücken. Vielleicht gibt es also auch hierzu irgendwann noch einmal ein Update. Umbaupotential zum darüber berichten gibt es noch genug.

Heute gibt es zum Abschluss mal nicht die Sierra del Carche, sondern den leicht westlich davon gelegenen Ausblick ins Abendrot, auf den ich nach dem letzten Zähneputzen des Tages schauen durfte, wenn ich aus dem Bad-Anhänger kam. Wird Zeit, dass ich zum Erstellen von Fotonachschub wieder da hinkomme.

Sich gerade in Bastelkonstruktions- und Reiseplänen verlierende Grüße

 

Euer Clark

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