Und woanders ist das Gras doch grüner! Ein Blick nach „drüb de Gass“, wie der Hesse sagen würde.

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Und woanders ist das Gras doch grüner! Ein Blick nach „drüb de Gass“, wie der Hesse sagen würde.

24. Juli 2026 Campo-News 0

15.04.2026 (im Rückblick):

Am Fuße der Sierra de la Pila vor den Toren des Campo Vida Sencilla

Ursprünglich hatte ich mir vorgenommen, meinen Müll regelmäßiger wegzubringen, nachdem ein mir bis heute unbekannter nächtlicher Besucher meine Abfallbeutel einmal ausgeräumt hatte. Doch wie das so ist mit der konsequenten Umsetzung von Vorhaben. Wenn man ausreichend Platz zur Verfügung hat, lässt man sowas auch gerne mal schleifen. Zumal dann, wenn man Behältnisse gefunden hat, die sich den neugierigen Tierpfoten gegenüber als halbwegs resistent erweisen. Durch meine der Trockentrenntoilette geschuldeten Kompostierbeete fallen immer wieder die Tüten der zur Abdeckung gekauften Blumenerde an. Da passt viel Müll eines Singlehaushaltes rein und die Tüten sind mit einem Plastikclip leicht zu verschließen. Perfekt für Faulenzer wie mich.

Einen Haken hat die Sache aber dennoch: Die Öffnung am Sammelcontainer für den Recycling-Müll ist kaum größer als der Durchmesser einer 8-Liter-Wasserflasche. Ich habe noch nicht herausgefunden, warum das so ist, könnte mir aber vorstellen, dass der Grund exakt der gleiche ist, der seinerzeit meine Müllsammlung in der Höhle verwüstete: Größere Öffnungen wären eine Einladung für irgendwelche Tiere, sich in dem Container zwischen all den Plastikpackungen nach etwas Essbarem umzusehen. Für mich bedeutet diese Tatsache jedoch, dass meine selbstgenerierten Abfallbeutel in prall gefüllter Form nicht durch die Öffnung passen. Bedeutet wiederum, an den Container gelehnt umgeben von Fliegenschwärmen beim Schnuppern der Düfte unterschiedlicher Verwesungsgrade organischer Abfälle die Blumenerde-Beutel von Hand wieder entleeren und den Inhalt einzeln in den Gelbe-Sack-Container werfen. Eine Tätigkeit, die dermaßen verlockend ist, dass dies am Ende dann doch wieder für ein Rausschieben des Müllwegbringens sorgt.

Doch meine Aufenthaltszeit auf dem Campo näherte sich ja langsam dem Ende. Das Bisschen ab und zu in mir aufkeimende Vernunft machte mir klar, dass es keine gute Idee sei, alles bis auf die letzten Tage aufzuschieben. Also zog ich mir an diesem angenehm sonnigen Abend die Stiefel an, setzte meinen Hut auf und schnappte mir die beiden Beutel mit dem Verpackungsmüll.

Tatsächlich überlegte ich kurz, mir auch noch den Rucksack mit Altglas zu füllen und mitzunehmen. Doch das war wieder ein Tag, an dem mein Genick mich dran erinnerte, warum ich in Kürze den Heimweg anzutreten habe. Da brauchte ich nicht auch noch mit zusätzlichem Gewicht die Schmerzgrenze richtig zu triggern.

Zumal ich schon nach den ersten hundert Metern feststellte, dass ich ohnehin zu dick angezogen war. Und ein Griff zur ansonsten mit einem Ikea-Waschlappen ausgestatteten Seitentasche meiner Hose ließ mich auch noch wissen, dass ich kein Schweißtuch dabei hatte. Perfekte Voraussetzungen für einen anstrengenden Spaziergang. Im Geiste fing ich schon an, Abkürzungen einzuplanen und die Länge meiner Landschaftsbesichtigungstour zu reduzieren.

Doch lange ärgern kann man sich in dieser Umgebung einfach nicht. Ist das nicht ein Bilderbuch-Himmel? In dieser Form habe ich die Landschaft rund um das Campo in Erinnerung. Doch das war im April. Die Bilder und Videos jetzt aus dem Juli, die ich in den Sozialen Medien zu sehen bekomme, sind geprägt von fast durchgehend Tagestemperaturen über 40°C; selbst nachts kühlt es manchmal nicht mehr unter die 25°C ab. Die wesentlichste Herausforderung stellen jedoch die zahlreichen übers Land ziehenden Stürme dar. Und von der Kraft und Ausdauer des spanischen Viento hatte ich mir ja selbst schon mehr als einmal ein persönliches Bild machen können. Alles in allem also eine anspruchsvolle Umgebung. Und doch eine Umgebung, in die man sich ein wenig verlieben kann.

Dem Gemisch aus Grün und Blau muss ich einfach gleich nochmal ein zweites Foto widmen. Hinten im Bild die hohen Gipfel der Sierra de la Pila. In die Himmelsrichtung führt mich mein Spaziergang, aber natürlich bei weitem nicht so weit. Irgendwie ist sich das Kartenmaterial der unterschiedlichen Herausgeber nicht ganz einig, wo genau denn die Grenze des Naturreservats verläuft. Es scheint eine recht fließende Betrachtung zu sein, die ich für meinen Teil einfach als „alles südlich der RM-A10“ bezeichne. 

Das ist die Regionalstraße, die einen Kilometer von meinem Campo entfernt vorbeiführt und den mich anfangs sehr verwirrenden Trivialnamen „Camino del Boquerón“ trägt. 

„Weg zur Sardelle“? Hier, fernab der Meeresküste? Was würde ich nur ohne den Wissensfundus des Internets tun. So konnte ich herausfinden, das „La Raja“, der Name der Gegend, in der mein Campo liegt, regulär „der Schlitz“ bedeutet, vulgärsprachlich aber auch als Bezeichnung für die Po-Ritze herhalten darf. Gemeint sind die zahllosen kleineren Schluchten, die diese Gegend durchziehen. Und wo die Schluchten ins Gebirge übergehen, wird aus dem Riss etwas Größeres: ein Mund, auf Spanisch „Boca“. 

Im Deutschen verniedlicht man Bezeichnungen durchs Anhängen eines „chen“ ans Wort, im Spanischen macht man das durch ein „ito“. Doch während es im Deutschen kein Pendant für „besonders groß“ gibt, kann man das im Spanischen durch ein Anhängen von „eron“ ausdrücken. Dann gibt es im Spanischen noch die für Lernende eigentlich angenehme Regel, dass immer so geschrieben wird, wie gesprochen wird. Bedeutet, ein „c“ vor einem „e“ wird immer zu einem „sch“-Laut. Bei „Boca“ für Mund muss es jedoch bei einem „k“-Laut bleiben. Also ändert sich die Schreibweise von „c“ zu „qu“. Und voilà, fertig ist „Boquerón“ als große Öffnung eines Gebirges, die so gar nichts mit dem Speisefisch zu tun hat.

Doch ich komme vom Weg ab. Sprichwörtlich. Ich wollte hier keine Abhandlung über mein Verzweifeln beim Lernen dieser Sprache niedertippen, sondern mich zurückerinnern an mein kurzes Wandern durch die Gemarkung vor Ort.

Nachdem ich also meine beiden Mülltüten in das dafür viel zu kleine Loch gefummelt hatte, bin ich die restlichen paar Meter zur Straße gelaufen und habe mir den Weg angesehen, der direkt gegenüber der Einmündung des zum Campo führenden Feldweges leicht nach oben führt. Auch das war irgendwann einmal ein Feldweg. Doch das scheint lange her zu sein. Sehr lange. Man erkennt zwar noch die Fahrspuren, doch die Natur holt sich den Weg unverkennbar schon wieder zurück. Genau das Richtige, um ein bisschen durch unberührtes Land zu wandern, denke ich mir, und mache mich auf den Weg.

Dreckwätze gibt es rund um den Globus. Mir ist und bleibt das Verhalten in einem Land, in dem die Müllcontainer am Straßenrand stehen, jedoch auch weiterhin ein Rätsel. Doch vermutlich gibt es Menschen, die eine Erektion dabei bekommen, wenn sie etwas Verbotenes machen. Die Glasflaschen sind größtenteils kaputtgetreten worden, sowas passiert nicht von alleine.

Dass solche Ursachen als Brennglas schnell mal einen Brand auslösen können … Nun, vermutlich handelt es sich bei Umweltrowdys um Menschen, die selbst sowas feiern würden. Meine Gedanken wandern gerade wieder vom damaligen Spaziergang zu den aktuellen Vorkommnissen. Gerade heute hat die spanische Regierung den nationalen Notstand ausgerufen, weil die Feuerwehren den zahllosen Waldbränden nicht mehr Herr werden können. Muss man als Mensch da die Natur denn unbedingt noch mehr belasten als unbedingt nötig? Ich werde es nie verstehen.

Beim Weiterwandern fallen mir die zahlreichen Wildwechsel ins Auge. Vermutlich bin ich der erste Mensch seit Jahren, der hier entlang läuft. Doch vom Tierreich belebt sind die Wege mächtig, wie mir manch eine kreisrunde Öffnung im Gestrüpp zeigt. Ein einmaliges Durchlaufen verursacht keinen solchen Trampelpfad. Hier wohnen einige Vierbeiner im Unterholz, die ich mir nur zu gerne einmal näher betrachten würde.

Vermutlich sind einzelne Exemplare gerade damit beschäftigt, mich genaustens zu betrachten. Natur ist schon was Schönes. Ich bin hier vollkommen alleine, aber ich bin definitiv nicht allein.

Ich kämpfe mich durchs inzwischen mehr als kniehohe Gestrüpp weiter vorwärts. Eigentlich hätte ich ja längst vermutet, dass ich von dem ehemaligen Feldweg abgekommen und irgendwo in der Pampa unterwegs bin. Doch eins dieser überall zu sehenden viereckigen, schwarzweißen Schilder am Wegrand zeigt mir in lange schon vor sich hin rostender Weise, dass irgendein Mensch vor Äonen es einmal für erforderlich hielt, den Benutzern des Feldwegs zu signalisieren, dass ab hier ein Privatgrundstück beginnt, auf dem gelegentlich ein tierischer Zeitgenosse an einer spontanen Bleivergiftung verendet. Wie mir das Internet verriet, verlangen es die Vorschriften eigentlich, dass man von einem Schild immer bis zum nächsten sehen können muss. Doch da hat Mutter Natur hier längst ihr Veto eingelegt.

Irgendwann erreiche ich eine Stelle, an der sich ein deutlich erkennbarer Trampelpfad vorbeischlängelt. Ich mache mir das Leben leichter und folge einfach diesem Weg, auch wenn das bedeutet, erst einmal in die völlig falsche Himmelsrichtung weiterzugehen.

Gelegentlich werde ich gefragt, ob es mir nicht auf dem Campo zu wenig Vegetation gibt. Die ganze Gegend sei so trist. Ich möchte daher hier einmal deutlich festhalten: Dieses Foto ist kaum anderthalb Kilometer von meinem Campo entfernt entstanden. Statt von Tristes würde ich hier weiterhin eher von einem Paradies für Wanderer sprechen.

Noch etwas weiter kann ich unter dem Gestrüpp erkennen, dass hier irgendwann einmal eine Terrasse aufgeschüttet wurde, die mit gestapelten Steinen stabilisiert worden ist. Ein Gedanke, den man beim Wandern durch das spanische Hinterland niemals vergessen sollte: Wirklich historische Wildnis gibt es hier eigentlich nirgendwo mehr. Dieses ganze Land blickt auf mehrere Jahrtausende (!) der menschlichen Nutzung zurück. Hier sind sprichwörtlich Gesellschaften entstanden und wieder untergegangen. Das Gelände, auf dem ich mich gerade durch wucherndes Unkraut kämpfe, war vielleicht zur Zeit meiner Urgroßväter eine Plantage eines überregional bekannten Großgrundbesitzers, dessen Geschlecht längst ausgestorben ist. Wer weiß, was genau auf diesem Quadratmeter Land wuchs, als Kolumbus dafür sorgte, dass die ganzen durch das Ende der Reconquista arbeitslos gewordenen Krieger ein neues Land niedermetzeln konnten. Sicherlich könnte hier fast jeder Stein eine lange Geschichte erzählen. Zumindest aber lädt das Wandern zum Träumen ein.

Mit einem halben Auge bin ich bei all meinen Wanderungen ja immer am Schauen, welche Art von Pflanze sich hier offensichtlich wohlfühlt und vielleicht ein Nachzüchten auf meinem Campo wert wäre. Auf dem heutigen Marsch kam ich an ganz vielen dieser bis zu zwei Meter hohen, hübsch in leuchtendem Gelb blühenden Buschbäumen vorbei.

Gleisklee, auch Wundklee genannt, so lässt es mich meine schlaue App wissen. Eindeutig einheimisch. Laut Internet ziemlich unkaputtbar, selbst für Menschen ganz ohne grünen Daumen. Sagt das Internet. Die sollten mich mal mit in die Statistik mit einbeziehen. „Vermehrung durch Schneiden“, so wird man angeleitet. Nun, nach inzwischen einem halben Jahr kann ich sagen: Mein Vermehrungsversuch hatte einige bröselige Trockengestecke als Ergebnis. Ich besitze weiterhin noch keinen Ableger des Klees für mein Campo. Beim nächsten Besuch in Spanien versuche ich mich daran noch einmal.

Irgendwann endet der Trampelpfad. Ein von mir ja schon öfter beschriebenes spanisches Phänomen. Wenn man in Spanien einer Straße, einem Feldweg oder irgendeiner anderen Art von Weg folgt, sollte man sicherheitshalber niemals davon ausgehen, dass der auch von irgendwo Bestimmtem kommt oder zu irgendetwas Bestimmten hinführt. Sehr häufig hört ein Weg einfach irgendwo auf. Welchem Zweck er bis dahin diente, weiß nur derjenige, der irgendwann einmal Aufwand betrieben hatte, ihn anzulegen. Dann war das Geld alle oder die Lust, man weiß es nicht. Ich bin im Laufe der Zeit jedenfalls schon sehr viele Male den gleichen Weg zurückgegangen, den ich gekommen bin. Heute jedoch nicht, ich bin einfach auf Gutdünken gemäß geeigneter Himmelsrichtung ins Unterholz eingebrochen und habe mir einen eigenen Weg gebahnt.

Das Unterholz weicht zurück, eine halbwegs ebene Fläche wird sichtbar. Und darauf etwas, das hier in der Region eigentlich tatsächlich sehr selten ist: ein Zaun. Mitten drin ein großes Tor, geschlossen mit Kette und Vorhängeschloss. Aber kein Weg, der zu diesem Tor führt. Vielleicht gab es mal einen. Aber zu erkennen ist davon nichts mehr.  

Naja, vielleicht nur „fast nichts mehr“. Direkt am Zaun entlang nach unten geht eine Schotterstrecke, die einmal so etwas gewesen sein könnte, bevor die Regengüsse der Jahrzehnte hier reichlich Material mit in die Tiefe nahmen. Übrig geblieben ist ein Weg, der selbst für einen Fußgänger zur Herausforderung werden kann. Ein Traktor oder gar noch feineres Fahrzeug wollte hier auf jeden Fall seit Generationen nicht mehr entlang.

Und wieder die so oft schon gemachte Erfahrung: Der Weg endet einfach auf einem Platz. Vermutlich gingen hier irgendwann früher mal Wege weiter, doch die rundherum anschließenden Grundstücke sind in anderer Hand und aktuell noch gepflegt.

Nur einen einfachen Weg nach unten zurück in die Zivilisation findet man nicht so ohne weiteres.

Ich habe mich irgendwann todesmutig an die Fortsetzung der weggeschwemmten Schotterpiste gewagt. Ist es nicht faszinierend, welch eine Macht Mutter Natur an den Tag legen kann? Wirklich lange braucht sie nicht, um von den menschengemachten Errungenschaften nichts mehr übrigzulassen.

Die Wildnis der Sierra de la Pila-Ausläufer habe ich nun hinter mich gebracht. Damit wurde mein Problem jedoch eher größer als kleiner, denn nun stehe ich vor kultiviertem Land, durch das ganz offensichtlich kein Weg zu führen scheint.

Die Bauern hier geben sich ganz viel Mühe, den Erdboden ihrer Plantagen ununterbrochen locker aufgepflügt zu halten. Gut für die Bäume, da somit jeder Tropfen Wasser, der so selten vom Himmel kommt, sofort im Boden versickert, statt nutzlos abzufließen. Aber schlecht für etwaige Fußgänger, denn man versinkt knöcheltief in dem lockeren Erdreich. Das Laufen wird zur Qual. Und wenn man vom Landwirt beim Feststampfen seines Ackers erwischt wird, bekommt man auch nicht wirklich eine Einladung zum Abendessen zu hören.

Es bleibt nur ein Krachseln über das Unkraut und die Steinhaufen am Ackerrand, um sich irgendwie in eine Richtung vorzuarbeiten, in der man den nächsten richtigen Weg vermutet. Genau an der Stelle zeigt das Telefon dann natürlich auch mal wieder nur das Satelliten-Symbol, statt der sonst gewohnten 4G oder 5G. Aufrufen von Google Maps somit unmöglich. Vermutlich hätte es kürzere Wege gegeben, mit denen ich mich zur RM-A10 hätte zurückkämpfen können. Aber ein bisschen Fitnesstraining am Abend ist ja im Zweifel auch kein Fehler.

Endlich. Da vorne erkenne ich das rote Häuschen meines entfernten Nachbars. Etwas weiter rechts, nicht zu erkennen, weil zu klein, stehen die Mülltonnen, an denen ich meinen Spaziergang startete. Luftlinie bin ich also tatsächlich bei meiner Abendrunde gar nicht mal weit rumgekommen. Doch noch bin ich ja auch lange nicht wieder zurück. Ein paar Hindernisse gilt es noch zu bewältigen.

Mit einem solchen Bezugspunkt ist aber zumindest das Einhalten der Marschrichtung deutlich leichter, selbst wenn ich weiterhin noch einige Acker im Zickzack umgehen musste.

Irgendwann hat mich die RM-A10 wieder. Hier nochmal eine angeberische Einblendung vermeintlich für Leser des Newsletters nutzloses, aber für zukünftige Spanienreisende eventuell hilfreiches Wissens: Das „RM“ steht für „Región de Murcia“ und das „A“ für „Altiplano“, also den Regierungsbezirk. So ergeben die im ersten Moment kryptisch wirkenden Bezeichnungen auf einmal einen Sinn.

Die Nordseite dieser Straße ist Spaziergangs-kompatibler, weil alle paar hundert Meter ein Feldweg zwischen den Ackern entlang geht. Ich bin gleich in den erstbesten eingebogen, um dem Asphalt zu entkommen. Irgendwo in der Ferne höre ich einen Traktor, aber Menschen sind mir in all der Zeit nicht begegnet. Dafür aber andere Bewohner: Kaninchen und noch kleinere Heerscharen …

Als ich im vergangenen Jahr 2025 im Sommer hier über die Felder wanderte, sind mir ständig diese silbernen Schlangen begegnet, von denen mir noch ein Foto in der Sammlung fehlt. Bei diesem Spaziergang nun, wo ich mit gezückter Kamera und aktiv auf der Suche nach fotogenen Objekten war, hat sich natürlich keine blicken lassen. Also gibt es hier ersatzweise noch ein Landschaftsbild der Mandelplantagen vor den umliegenden Bergketten.

Aber um nicht das Gefühl aufkommen zu lassen, hier gäbe es nur die Farben Grün und Blau zu sehen, hier ein Foto aus dem kleinen Weiler meiner Nachbarschaft.

Interessanterweise habe ich im Umland nun schon einige Menschen kennengelernt, doch jedes Mal, wenn ich durch Los Ezequieles durchkomme, bin ich entweder in Eile oder diese kleine Gebäudeansammlung wirkt wie ausgestorben. Ich vermute, dass es sich hier auch nur um Wochenend- oder Feriendomizile handelt. 

Oder die wenigen festen Einwohner tagsüber irgendwo anders zur Arbeit pendeln. Irgendein Phantom kümmert sich auf jeden Fall fürsorglich um die Blumenbeete. Im Laufe der Zeit werde ich den unsichtbaren Gärtner noch kennenlernen.

Hier nochmal ein Blick von etwas weiter oben auf besagten Weiler El Ezquiel, der nicht nur gut ausgeschildert zu erreichen ist, sondern auch auf der Website der Stadt Jumilla erwähnt wird. Von der Distanz her weit näher als das Örtchen La Zarza, dem mein Campo postalisch zugeordnet ist. Beides liegt im Gebiet namens La Raja. Alles sehr verwirrend. Es gibt noch viele Rätsel zu lüften, ich merke es immer wieder.

Nun bin ich zurück an meiner Einfahrt mit dem altgewohnten Blick auf die Sierra del Carche. Wieder einmal nehme ich mir ganz fest vor, solche Abendspaziergänge öfter einzulegen. Vielleicht sollte ich mir einen anderen Anreiz ausdenken als denn „Müll wegbringen“. Ist irgendwie nicht die motivierendste Überschrift zum Etablieren einer Routine.

Aber jetzt muss ich dann wohl erst einmal dafür sorgen, dass ich dort wieder hinkomme, denn diesen kleinen sehnsuchtweckenden Rückblick tippe ich 2.000 Kilometer entfernt vorm Ort des Fotos. Die Zeiten der neuerlichen Reiseplanungen werden kommen. Und ich werde darüber berichten.

In schönen Erinnerungen schwelgende Grüße

 

Euer Clark

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