Geschichten aus dem Tagebuch eines Huhns

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Geschichten aus dem Tagebuch eines Huhns

10. Oktober 2026 Campo-News 0

Temporäre Ausschnitte aus 2025 und 2026
La Tosquila bei La Zarza, Jumilla (Murcia)

Vor gut zwei Wochen habe ich angefangen, den Newsletter „Inside Campo, Teil III“ zu tippen, in dem ich endlich auf meine Stromversorgung eingehen möchte, nach der ich so oft gefragt werde. Doch irgendwie wollte es mir nicht gelingen, im Geiste bei dem Thema zu bleiben. Teils weil ich auslastungsmäßig gerade ein bisschen gefordert bin. Aber der wesentliche Grund liegt wohl eher darin, dass ich nur zu gerne nicht nur über die Powerstation schreiben würde, die in meiner Garage vor sich hin verstaubt, sondern ich sehne mich danach, wieder Kabel durch dunkle, Spinnennetz-verhangene Höhlenräume zu ziehen und sperrige Solarpaneele durch die Gegend zu schleppen, um an der großen Batterie endlich wieder den Einschaltknopf drücken zu können. ‚Sehnsucht‘, der wunderbare Klassiker von Purple Schulz, läuft bei mir in Dauerschleife. (Hier als Ausflug zurück in die 90er die Version zusammen mit Kami Manns)

Ein Bisschen hilft mir mein gelegentlicher Austausch mit einer der Nachbarinnen des Campo-Umlandes weiter. Zusammen mit ihrer Lebenspartnerin ist sie nur etwas über ein halbes Jahr vor mir aufs Altiplano murciano gezogen, nachdem sie eine schiere Ewigkeit nach einem bezahlbaren Domizil gesucht hatten, das sie für sich und ihre kleine Tierfamilie herrichten können. 

Zum Berichten über ihre Fortschritte wie auch Rückschläge unterhält Vanina – „Van“ – einen YouTube– und einen Patreon-Kanal, auf denen ich immer wieder gerne die aktuellsten Clips verfolge. So kam mir nun in meinem Frust über meine Schreibblockade die Idee, ich könnte mich statt eigenen Bildmaterials doch einfach einmal aus ihren Videos bedienen. 
Eine kurze Rückfrage und direkt bekam ich mein „Go“ aus Spanien zugeschickt. Also werde ich heute mehr Bilder sprechen lassen und mich selbst aufs Kommentieren beschränken.

La Tosquilla. Ein vermutlich schon vor 50 Jahren aufgegebenes, winziges Dörfchen, in dem einst reges Leben herrschte und allerlei Produkte erzeugt wurden. Übrig geblieben sind davon heute nur noch einige dem Verfall der Zeit trotzende Ruinen und ein Gebäude am Rand, bei dem sogar ich mit meinen nicht selten etwas blauäugigen Renovierungseinschätzungen eher die Finger gelassen hätte. Nicht so jedoch Vanina und Silvia, nachdem sie schon zahllose andere Objekte besichtigt hatten, die entweder gar nicht mehr die Bezeichnung „Haus“ verdienten oder schlicht unbezahlbar waren. Nicht selten sogar eine Kombination aus beidem.

Die Kunst ist es, das zu sehen, was noch nicht da ist. Manch einer schaut auf das verlassene, verwilderte Gebäude und sieht nur bröckelnden Putz und wucherndes Unkraut. Ein Mensch mit ein bisschen Fantasie stellt sich jedoch im Geiste vor, wie es aussehen könnte. Und damit auch andere das Bild im Kopf verstehen, hilft ein Stift auf einem Foto nach.

Wirklich warm ums Herz wurde mir beim Anschauen eines der ersten von Van online gestellten Videos, in dem sie über den Moment der ersten Besichtigung schrieb. Ich fühlte mich so sehr an meine eigenen Emotionen erinnert, als sie die Kamera über die Landschaft mit der Sierra del Carche im Hintergrund schweifen ließ und aus dem Off berichtete, dass sie sich gleich im allerersten Moment in diesen Ort verliebt hat. Irgendwo tief im Inneren flüsterte eine Stimme: „Hier bist Du zuhause“.

Der Kaufvertrag brachte einige bürokratische Hürden mit sich. Ebenfalls ein Thema, bei dem ich inzwischen sehr gut mitreden kann. Wenn ich es denn noch erlebe, irgendwann einmal zum eingetragenen Eigentümer des Campos zu werden, widme ich der Story einen eigenen Newsletter.

Dann bekamen die beiden den Schlüssel zu dem Fahrradschloss übergeben, mit dem ein paar morsche Bretter den Eingang versperrten und durften sich über ihr neues Zuhause freuen.

Man hätte auch erst renovieren und dann einziehen können. Doch wenn man die Renovierung ohnehin mit kleinem Budget über eine längere Zeit hin strecken möchte, kann man auch einmal entrümpeln, durchwischen und direkt ein Behelfsbett aufschlagen. Genau der Punkt, der mich begeistert, den Kontakt zu den Beiden suchen ließ. Hier war ich auf Menschen getroffen, die in ähnlicher Weise ihren gewohnten Lebensstil freiwillig erst einmal vollständig über Bord geworfen haben und in einer Null-Luxus-Variante das aufzubauen begannen, was wirklich zum Leben, nein, zum Glücklichsein erforderlich ist.

Zwei Frauen, zwei Hühner, drei Katzen und ein Hund. Alle unter einem Dach. Und vor allem: alle absolut entspannt im Umgang miteinander. Wenn ich über meine Eindrücke von Spanien berichte, komme ich schnell auf die Mentalität der Menschen zu sprechen. Alles ist etwas langsamer. Alles wird etwas weniger wichtig genommen. Man geht mit dem Farbeimer in den Garten, um den Zaum zu streichen. Trifft dort den Nachbarn, mit dem man sich festquatscht. Irgendwann sitzt man kaffeetrinkend zusammen und trägt am Abend den Eimer mit der Farbe wieder zurück ins Haus, ohne ihn überhaupt aufgemacht zu haben. Der Zaun läuft nicht weg, wird halt eben erst nächste Woche gestrichen. „Leben“ war heute wichtiger.

Für genau diese Entspanntheit sind die acht Individuen auf dem Foto für mich zum Sinnbild geworden. Immer wieder tauchen in den Videos Schnappschüsse auf, in denen die Harmonie der Haustiere richtig spürbar wird. Ein Verhalten, dass die tierischen Hausgenossen nicht an den Tag legen würden, wenn sie es nicht von ihren menschlichen Mitbewohnern genauso vorgelebt bekämen.

„Re-Conquest of Paradise“. Was habe ich auf meinem Campo bei diesem ersten Schritt Schweiß verloren, der notwendig war, um der Natur wieder wegzunehmen, was sie sich im Laufe von Jahren erobert hatte. Genau wie Spielfilme haben Video-Berichte den Effekt, dass man langwierige Entwicklungen einfach vorspulen kann. In der Realität holt man sich eher die eine oder andere Blase an den Handflächen.

Das Dach des Hauses hatte schonmal bessere Zeiten gesehen, was im Laufe der Jahre für ausreichend Wassereinbruch gesorgt hatte, dass die Zwischendecke zum Obergeschoss sich an einigen Stellen in Auflösung befand. Doch bevor es an diese Indoor-Arbeiten gehen konnte, musste die Ursache des Übels angegangen werden: das Dach.

Ziegel für Ziegel, Strohmatte für Strohmatte. Und immer ein Lächeln auf den Lippen. In den Videos gibt Van zu, dass sie den wirklichen Aufwand weit unterschätzt haben. Aber mit einer Engelsgeduld und stählerner Hartnäckigkeit blieben sie an der Sache dran.

Ich habe in meinem Leben genug Häuser und Wohnungen renoviert, um zu wissen, wie zermürbend das Gefühl ist, das sich nach dem Verfliegen der Anfangs-Euphorie einschleicht, während man ununterbrochen nur mit Auseinandernehmen und Abbauen beschäftigt ist. Wenn die Kräfte erlahmen, weil die Aufgaben wieder einmal alles vom Körper abgefordert haben, und doch das angestrebte Ziel noch so unendlich weit weg ist, liegt man schon das eine oder andere Mal nachts im Bett und fragt sich, was man denn da eigentlich gerade tut.

Doch irgendwann dröhnt dann die Betonmaschine fast ununterbrochen, um den Mörtel zum Aufbau einer stabilen Verankerung zu produzieren.

Selbstverständlich unter konstanter Inspektion durch das Federvieh.

Natürlich zieht genau in der Zeit, in der das Haus „oben ohne“ ist, eine Regenfront nach der nächsten übers Land. In den Videos hat Van den Kampf mit haufenweise Bauplane sowie Eimern und Töpfen zum Auffangen des überall eindringenden Wassers eindrucksvoll festgehalten. Man leidet beim Anschauen regelrecht mit.

Wenn dann aber endlich das neue Gebälk festgeschraubt wird und die Verlattung sowie schlussendlich die neuen Ziegel aufs Dach kommen, ist das ein Meilenstein, bei dem man als Zuschauer am liebsten mehr als nur ein „Daumen hoch“ als Gratulation abgeben möchte.

Selbstversorgung mit Gemüse aus dem eigenen Garten wäre ja grundsätzlich eine gute Idee. Nur sieht der Boden zweieinhalb Kilometer von meinem Campo entfernt immer noch genauso aus, wie bei mir: Steine, Steine und noch mehr Steine. Kartoffeln mit der Spitzhacke ernten und für die Karotten am besten gleich an Sprengstoff denken, ist keine Option. Aber die einfallsreichen Frauen lösen das Problem einfach durch die Anlage von Hochbeeten. Wozu hat man denn gerade einen ganzen Haufen Balken vom ehemaligen Dach in der Landschaft herumliegen?

Wenn Van nicht gerade mit Hammer und Bohrmaschine in Haus und Garten unterwegs ist, verdient sie ihr Geld durch Videoschnitt-Arbeiten für andere. Eine Kompetenz, die sie auch beim Erstellen ihrer eigenen Videos zu Einsatz bringt, auch wenn man hier und da merkt, dass sie ein bisschen am Experimentieren ist. 

Auf jeden Fall hat sie aber mit ihrer Kamera einen sehr geübten Blick fürs Detail. Immer mal wieder kommt etwas anderes vor das Objektiv, wie hier der wohlgenährte Gekko.

Stichworte „Bohrmaschine“ und „Experimentieren“. Hier Van gleich mal im Multi-Modus bei der Aktion „Regalbrett“. So kleine Gimmicks baut sie immer wieder gerne zwischendurch in die Videos ein.

Draußen wird derweil auch gearbeitet in Form von Käfer- und Madensuche. Auch kleine Schlangen sind nicht vor den schnellen Schnäbeln sicher, bekam ich berichtet.

Das Endprodukt dieser Pickerei fällt noch überschaubar aus, da die beiden Hühner noch sehr jung sind. Als ich Van kennenlernte, war eine meiner ersten Fragen, ob sie sich die Hühner zur Versorgung mit Frühstückseiern halten. Ich wurde aufgeklärt, dass die Eierproduktion nur ein gern mitgenommener Nebeneffekt ist. Hauptsächlich handelt es sich bei den Hühnern aber um „Pet-Chicken“, um Haustiere.

In Erinnerung der Zeiten, in denen ich Wellensittiche in einer Volliere im Wohnzimmer stehen hatte und mich über den Vogeldreck an der Tapete daneben wunderte, fragte ich direkt nach, wie man denn auf die Idee käme, ein Huhn als Haustier zu halten. Das seien gar keine solchen Kack-Maschinen, wie man gemeinhin annehmen mag, erklärte mir die junge Frau. Mit einem Platz zum Scharren, ähnlich eines Katzenklos, könne man ein Huhn genauso erziehen, wie andere Haustiere auch. Ich gestehe, ich habe bis heute Zweifel. Aber auf die frischen Eier bin ich schon ein bisschen eifersüchtig.

Zur Haustür raus und in dieser Landschaft stehen. Kann es etwas Schöneres geben? Dafür nimmt man im Zweifel auch ein bisschen Ungemach in Kauf. Okay, ein bisschen viel Ungemach.

Ich hatte bei meinem allerersten Spaziergang am Haus der beiden vorbei schon in einem früheren Newsletter berichtet, dass mir das Hinweisschild an der Wegeinfahrt zu dem verfallenen Ort so neu vorkam. Eins der Videos ließ mich wissen, dass ich inzwischen die Künstlerin persönlich kenne, aus deren Pinsel der Schriftzug „La Tosqilla“ stammt.

Gut geplant ist halb gebaut. Selbst die Bepflanzung in den Gemüsebeeten organisiert Van fein säuberlich vorab auf Papier. Eine Sorgfalt, die bei solchen Dingen selbst mir als Buchhalter fehlt. Aber okay, mir kann man auf den Feldern auch Spargel als Dill verkaufen. Ist halt eben alles grün und wächst, wenn’s Wasser kriegt, nicht?

Das Zurücklassen der Tiere im Haus, wenn man mal gemeinsam zum Einkaufen fährt oder anderweitig unterwegs ist, stellt auf Dauer keine befriedigende Lösung dar. Für die Katzen könnte man theoretisch eine kleine Öffnung schaffen, damit sie jederzeit rein und raus können. Doch da würden die Hühner auch durch passen. Und in einer Gegend, in der ausreichend Wildtiere leben, auf deren Speiseplan auch domestiziertes Federvieh zu finden ist, will man sich dem Risiko nur ungern aussetzen. Daher war einer der vorrangig zu errichtenden Bauten ein Hühnerstall.

Zwecks Stabilität und auch um ein bisschen höherwertig und von Dauer zu sein, soll eine Wand eine stabile Mauer aus Stein werden. Der Rest ist ein klassisches Holzgerüst mit lückenlosem Gitter vom Erdboden bis zu den Dachplatten aus Metall. Auch bei diesem Projekt sollte sich zeigen, dass eine kleine Diskrepanz zwischen geplantem Aufwand und tatsächlicher Dauer zustande kam. Der Bau des „Chicken-Run“ füllt auf jeden Fall zahlreiche Videos.

Wobei an der Stelle, die später einmal Garten und Hühnerstall werden sollten, zum Zeitpunkt des Hauskaufs noch jede Menge Geröll herumlag. Für die Beseitigung dieses Hindernisses organisierten sich die beiden Frauen ausnahmsweise einmal externe Hilfe mit schwerem Gerät, statt sich selbst ans Steine-Schleppen zu machen. Nun, aus den Videos geht hervor, dass die beiden im Laufe der Zeit auch so noch weit mehr als genug Steine von Links nach Schräg transportieren müssen.

Kaum etwas lässt das Herz eines Huhns höherschlagen als frisch umgegrabene Erde, in der allerlei obdachlos gewordene Insekten auf der Suche nach Zuflucht leichte Beute werden. Doch auch die anderen kleinen Mitbewohner mussten sich erst einmal einen persönlichen Überblick von dem verschaffen, was der Traktor an einem halben Tag der konstanten Erdbewegung an Veränderung in die Landschaft gebracht hat.

Währenddessen gehen die Arbeiten am Haus unentwegt weiter. Um im Stil der Landschaft zu bleiben, werden die beiden zur neuen Dachhalterung gemauerten Reihen mit Bruchsteinen verkleidet. Eine zeitraubende Fummelarbeit, bei der im Video der Zeitraffer gleich mehrfach zum Einsatz kommt.

Genau wie ich haben die beiden Frauen bei der Anschaffung ihrer Powerbank zuerst auf ein eigentlich praktisches, aber leistungsmäßig viel zu schwaches Faltpaneel gesetzt, welches man hier im Bild sieht. Und genau wie ich haben sie später um zwei starre, große Paneele erweitert, um den für den Tagesbedarf notwendigen Stromhunger decken zu können. Denn – auch hier genau wie bei mir – am Haus ist zwar aus grauer Vorzeit ein Anschluss an die Oberleitungen des öffentlichen Stromnetzes vorhanden. Aber wer braucht denn in einem solch sonnigen Land schon mehr als das, was man selbst produzieren kann. Wobei – noch einmal: genau wie ich – der Einsatz von technischem Gerät – bei den Damen die Betonmaschine, bei mir die Kreissäge – doch für Belastungsspitzen sorgt, bei denen am Ende doch nur noch der Griff zu einem Benzin-Stromerzeuger bleibt.

Und auch beim Thema Wasserversorgung agieren wir identisch, wenngleich Van und Silvia hier schon einen Schritt weiter sind und sich zwei Container zugelegt haben. Doch auch die beiden holen ihr Wasser bislang mittels Kanister vom Brunnen. Und das bei einem weit höheren Verbrauch, als ich ihn während meiner Zeit auf dem Campo hatte.

Warmes Wasser gibt es aus dem Topf auf den Gasherd, geduscht wird unter dem Wasserstrahl im Freien. Ich spare mir ein weiteres „genau wie ich“. Ich glaube, ich erwähnte inzwischen oft genug die vielen Parallelen, die sich ja auch ganz allgemein im Anspruchsverhalten in Form von gesundem Minimalismus zeigen.

Während meiner ersten beiden Aufenthalte in Murcia habe ich die Behauptung aufgestellt, dass es in der Region eigentlich niemals regnet. Meine letzten Aufenthalte und auch ein aktueller Blick in die Nachrichten zeigt, dass diese Zeiten in der Region der Vergangenheit angehören. Es gibt weiterhin lange Perioden, in denen die Natur dort komplett ohne Wasser auskommen muss. Aber es gibt auch von Jahr zu Jahr immer mehr Phasen, in denen man in dem sonnenverwöhnten Süden überhaupt nicht mehr weiß, wo man mit all dem vielen Wasser hin soll, das da in kürzester Zeit vom Himmel kommt. Und damit das Haus in solchen Momenten nicht auch noch nasse Füße bekommt, haben die Frauen eine ordentliche Drainage angelegt. Mit einer wunderbaren Dokumentation, welch ‚Freude‘ das Graben in einem Boden macht, der einfach nur aus Steinen besteht.

Doch auch die ruhigeren Momente kommen in den Videos nicht zu kurz. Mit allen Begleiterscheinungen, die Besitzer von Haustieren nur zu gut kennen. Sich mit etwas Leckerem zu Essen gemütlich auf eine Mauer in die Sonne setzen? Ruckzuck wird man umzingelt von großen Tieraugen, in denen der baldige Hungertod simuliert wird, um einen Happs abzubekommen.

Ich lasse mir den Vorwurf gefallen, dass meine Bilderauswahl vielleicht ein bisschen zu katzenlastig ist. Tatsächlich spielen in den Videodokumentationen von Van die geduldig abgearbeiteten Baustellen eine größere Rolle, als die nur immer mal wieder nebenbei mit aufgenommenen Haustiere. Doch irgendwo darf man mir anmerken, dass ich ein Faible für die Stubentiger habe.

Manch ein Betrachter meiner Bilderauswahl mag sich vielleicht auch weniger an den Tieren stören, als an den immer mit abgebildeten halben Ruinen. Doch da sei gesagt: Es braucht nur drei Schritte mehr, und man steht in dieser Landschaft hier.

Der Hühnerstall ist vollendet, die sich dahinter ergebende Lücke perfekt als Freiluft-Dusche ausgebaut. In und um den Stall wurden noch ein paar weitere Obstbäume gepflanzt. Alles in allem nimmt der Garten ganz, ganz langsam einen richtig ordentlichen Eindruck an. Vor allen Dingen ist er aber inzwischen in einem rundherum perfekt idyllisch-nutzbaren Zustand.

Was sich nur leider auch ein paar freilebende Mitbewohner der Gegend denken. Und sich an allem, was hier wächst, gütlich halten. Tatsächlich habe ich schon von meiner Seite aus überlegt, ob ich nicht um meine Setzlinge jeweils ein Gitter bauen muss, wenn ich sie irgendwann einmal auf dem Campo ins freie Feld einpflanze. Das Betrachten der Schutzmaßnahmen, die Silvia hier treffen muss, nachdem am frisch eingepflanzten Baum nach ein paar Tagen fast keine Blätter, dafür aber mächtige Nage-Spuren zu finden waren, lässt mich auf jeden Fall an dem Plan festhalten, dass eine Rolle Maschendrahtzaun zu meiner nächsten mitzunehmenden Ausrüstung gehört.

Der nächste Winter steht an. Der spanische Begriff ‚Altiplano‘ lässt sich mit ‚Hochplateau‘ übersetzen. Nun sind 600 Meter über dem Meeresspiegel noch nicht wirklich „hoch“. Aber für ein Verschwinden der Landschaft in den Wolken reicht es ab und zu. Ich habe von dem dichten Nebel selbst einige Fotos gemacht. Ein Video bringt da noch ein bisschen mehr Atmosphäre rüber.

Immer mal wieder filmen sich die beiden bei Gymnastik und sportlichen Übungseinlagen. Als Betrachter der Videos fragt man sich, wo ein Mensch die Motivation her bekommt, sich bei der tagtäglichen körperlichen Herausforderung, die sich die beiden auferlegt haben, auch noch an so etwas wie Sport zu beschäftigen. Eine Frage, die ich lustigerweise auch mehrfach in den Kommentaren unter den Videos fand.

Und immer wieder kommen Hammer und Meisel zum Einsatz, um das Gebäude in den gewünschten Zustand zu formen. Hier musste nun ein Loch in die Wand, um ein Kaminrohr durchzuführen. Es geht doch nichts über die Wärme eines Holzofens.

Selbigen man in einem anderen Video auch beim Essen-Zubereiten im Einsatz erlebt. Als mich am vergangenen Neujahr andere Nachbarn zum Essen eingeladen haben, durfte ich diese Bauart von Holzofen bei der Zubereitung eines Spanferkels erstmals kennenlernen. Scheint in Spanien eine weitverbreitete, ja, selbstverständliche Sache zu sein. Ist ja auch eine äußerst praktische Sache, so ein Backfach direkt über dem Feuer.

Szenen aus dem Alltag gibt es in den Videos einige. Der Sturm der vergangenen Nacht hat einige Ziegel vom Dach gerissen, die ersetzt werden müssen. Wäsche muss gewaschen werden. Und jeder ordentliche Schmusekater braucht ein Nickerchen zwischendurch in der Sonne. Man merkt: Meine Spanisch-Lern-App fordert mich in letzter Zeit immer öfter auf, Bilder zu beschreiben, die ich eingeblendet bekomme. Das färbt langsam ab.

Eine meiner letzten Taten vor meiner Abfahrt im vergangenen April war das Vorbeibringen meiner Spitzhacke bei den Beiden. In zahllosen Videos hatte ich vorher zusehen dürfen, wie sie sich mit einer normalen Hacke an dem steinigen Boden abmühten. Was soll mein Werkzeug während meiner Abwesenheit nutzlos rumstehen, während es hier gut zum Einsatz kommen kann. Den folgenden Videos konnte ich dann entnehmen, dass das Ausheben der Löcher zum Einpflanzen der vielen Obstbäume auch einen kleinen Geschwindigkeitsschub erlangte. Die beiden Frauen erschaffen sich hier ein richtig grünes Paradies.

„Abendrot, Gutwetterbot“, so sagt es eine alte Bauernregel. Auch dieses wunderschöne Naturphänomen taucht in den Videos regelmäßig auf. Ich lehne mich dann zurück und denke mir, wie schön es wäre, mit einem Glas Wermut in der Hand vor dem Wohnwagen zu sitzen.

Während meiner Streifzüge durch Vans Videomaterial habe ich noch unzählige Screenshots mehr gemacht, doch für heute will ich langsam zum Ende kommen. Nur einen Punkt muss ich noch erwähnen: die Antwort auf die Frage: Warum ‚Bonnies Jungle‘ als Name für den Vlog?

Die zweite Hälfte ist selbsterklärend. Van betreibt den Vlog in englischer Sprache und sowohl mit der vorgefundenen Natur als auch den zahllosen eigenen Anpflanzungen erschaffen die Frauen rund um ihr Haus einen ganz persönlichen Dschungel. 

Doch wer ist Bonnie? Auch dieser Antwort widmet Van ein eigenes Video.

Silvia fand eines Tages auf dem Weg von der Arbeit ein winziges Küken am Straßenrand. Vermutlich gerade erst geschlüpft aus einem irgendwie verlorengegangenen Ei. Sie nahm das kleine Wesen mit nach Hause, wo sie zusammen mit Van erst einmal überhaupt nicht wussten, was man mit solch einem Tier denn anfängt. So begannen sie zu improvisieren, um das kleine Leben irgendwie zu retten.

Rausgekommen ist dabei dann ein Mitbewohner, der von den größeren Zeitgenossen in der damals noch angemieteten Wohnung akzeptiert wurde. Und der seinen Retterinnen ans Herz wuchs, nachdem er – genauer gesagt „sie“ – auf den Namen „Bonnie“ getauft wurde. 

Und wo ein Huhn Platz hat, passen auch mehr. Nachdem sich Silvia und Van nun mit Hühnern ein bisschen auszukennen begannen, zogen noch zwei weitere als Gesellschaft ein.

Leider ist eins der beiden Neuen recht schnell verstorben und wurde auch nicht mehr ersetzt.

Doch Bonnie erfreut sich bester Gesundheit und führt als gackernde Baustellenaufsicht ein wunderbares Hühnerleben.

Damit nun aber wirklich Schluss für heute. Das Tal zwischen Campo und Sierra del Carche, meine gewohnte Schlussaufnahme in den Newslettern. Heute einmal aus einem etwas anderen Blickwinkel.

Rechts hinter dem Bild einrahmenden Baum erkennt man den markanten Gebirgszug. Und irgendwo links hinter dem anderen Baum, gar nicht mal so weit entfernt, doch auf der anderen Seite des bewaldeten Hügels, wartet mein Wohnwagen auf die Wiederkehr seines Nutzers. 

Ich bin nicht sicher, ob mein bebilderter Ausflug jetzt meine Sehnsucht ein wenig reduziert hat.

Allen, die Lust darauf haben, Van und Silvia bei der Realisierung ihres Traumzuhauses zu folgen, lege ich die schon am Anfang des Newsletters erwähnten Links zu YouTube und Patreon ans Herz.

Und irgendwann berichte ich auch wieder über eigene Baufortschritte direkt vor Ort!

Bis dahin leicht fernwehgeplagte Grüße 🌄

Euer Clark

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