Die Estufa-Story. Willkommen im Effizenzzeitalter
Crevillente, Elche und Aspe (alles in Valencia)
Was sind die billigsten Arbeitskräfte eines marktorientierten Herstellers? Korrekt: die Kunden. Deren Arbeitszeit kostet gar nichts. Den Unternehmer zumindest nicht. Mit solchen Grübeleien im Kopf wuchtete ich widerwillig heute früh die Füße aus dem kuschelig einladenden Bett. Erst mal ein Kaffee, um die körpereigenen Aggregate in Betrieb zu bekommen. Mein Blick fällt auf den leeren Wasserkanister. War ich gestern Abend nach meinem Tee zu faul, einen neuen aus der Höhle zu holen. Nun schluffe ich murrend halt eben am Morgen durch den längst angebrochenen Tag.
Der Wasserkessel steht endlich auf dem Herd. Das Falten der zu großen Filtertüten habe ich auch schonmal besser hinbekommen, aber für die eine Tasse langt es. Kaffee ist auch alle. Aber den lagere ich wenigstens im Wohnwagen, ich muss nicht nochmal laufen. Bald habe ich alle hier in den Supermärkten zu bekommenden (und bezahlbaren) Sorten durchprobiert. Jetzt mache ich mich zum zweiten Mal an diese neumodisch verpackten 250-Gramm-Packungen.
Die erste Sorte, die ich davon gekauft hatte, war extra stark geröstet. Na ja. Zumindest laut Aufdruck. Diese hier soll nun der sanfteren Art sein. Doch sanft ranzukommen an das gemahlene Pulver war nicht. Ratsch, und der Nippel war ab. Was wird mich wohl an einem Tag erwarten, der so anfängt?!
Aber warum macht mich denn der Gedanke an den Ofen so sauer? Weil ich nicht gerne für blöd verkauft werde. Doch der Otto-Normalkunde scheint das heutzutage wohl tatsächlich zu sein. Zumindest sind die Hersteller von Gebrauchsartikel wohl dieser Meinung. Ein Phänomen, das vermutlich jeder schonmal erlebt hat, der sich von einem KI-Chatbot im Support wirklich irgendeine Hilfe versprach. In meinem Falle waren es nun Menschen, aber die Nutzlosigkeit der Zeitverschwendung bleibt dieselbe.
„Mein“ Baumarkt ist ja normalerweise die Leroy Merlin-Kette, von der es in Murcia gleich zwei Filialen gibt, die beide mit verschiedenen Restaurants und Supermärkten drumherum perfekt gelegen sind, sodass man jede Fahrt dorthin mit einem kleinen Ausflug verbinden kann. Nun kann man Leroy Merlin jedoch am besten mit unserer deutschen Bauhaus-Kette vergleichen. „Bau“-Markt trifft es nur bedingt, das Programm ist eher in Richtung Baudekoration ausgelegt. Zehntausend Sorten Farben, Tapete, Badmöbel, Spiegel, Lampen… halt eben alles, was man braucht, um sich ein schönes Zuhause einzurichten. Eine Holzlatte und einen Backstein sowie eine Schaufel und eine Kelle kriegt man da zwar auch, aber wirkliche Auswahl sollte man nicht erwarten.
Da ich in der heimischen Region ein bekennender Hornbach-Fan bin, war ich also auf der Suche nach einer Alternative und kam so beim Euro-Brico vorbei. Den würde ich jetzt mit unserem Toom Baumarkt vergleichen. Große Auswahl, insbesondere bei Baumaterialien, aber tendenziell eher Abstriche in Sachen Qualität. Und, was mich tatsächlich überraschte, bei einzelnen Artikeln eine echte Apotheke, sprich, überraschend teuer.
Als ich Anfang Dezember letzten Jahres das erste Mal dort war, hing ich ja noch der irrigen Annahme nach, dass ich bis Weihnachten auf dem neuen Stellplatz stehe, daher brauchte ich eine gute Schaufel und allerlei anderes Werkzeug zum Erweitern meiner mitgebrachten Ausstattung. Und bei der Gelegenheit stolperte ich dann bei diesem Brico auch über einen Gas-Ofen, der gerade im Angebot war. Mit 109,00 € war der „kleine“ Ofen teurer als die leistungsstarke Standard-Bauweise, doch für meinen Pferdeanhänger waren die 1,3-2,5kW des „Kleinen“ mehr als ausreichend. Ich wollte ja keine Sauna bauen. Also habe ich das Teil eingepackt und mitgenommen.
Bis Februar tat der Ofen dann auch brav seinen Dienst. Dann fing er an zu zicken. Ich hatte zwischendurch schon nach dem Kontaktschalter an meiner Klobrille gesucht. Anmachen, läuft. Waschen, Zähne putzen, Kämmen, läuft. Aber wehe, ich setzte mich aufs Klo und war somit wehrlos. Ein kurzes Husten und der Ofen ging aus.
Den Spaß habe ich eine Zeitlang mitgemacht, aber als dann auch noch der Piezo-Zünder der Meinung war, den Dienst einzustellen und ich den Ofen immer mit einem davorgehaltenen Feuerzeug anmachen musste, wurde es Zeit, von den angebotenen zwei Jahren Garantie Gebrauch zu machen. Also habe ich die separat dazu gekaufte Schlauchleitung abmontiert, das Fach für die Gasflasche wieder auseinandergeschraubt und alles ordnungsgemäß im Original-Karton verpackt. Rollen und Schräubchen wieder in die Beutel und den ganzen Ofen wieder in seine Schutztüte. Kurzum, ich war ein bisschen damit beschäftigt.
Nach Murcia fahre ich gerne und öfter. In Crevillente ist jedoch nichts, absolut nichts rund um den Baumarkt, was ein Hinfahren lohnt. Ich brauchte also eine separate Gelegenheit, mit der ich diese Fahrt verbinden konnte. Und diese Gelegenheit fand sich ja dann endlich mit dem Notartermin in Aspe, über den ich hier in einem eigenen Newsletter schon berichtete. So kam ich wenigstens mal in die richtige Himmelsrichtung, in die ich ja sonst eigentlich niemals fahren würde.
Doch meine Hoffnung, auf Verona Pooth zu treffen, erfüllte sich nicht. Nix von wegen „Da werden Sie geholfen“. Der gute Mann im Baumarkt packte meinen Ofen aus, versicherte sich, dass alle Teile da sind, packte alles wieder ein und markierte mit dem Textmarker eine Telefonnummer und eMail-Adresse im Handbuch des Ofens, an die ich mich bitte wenden wolle. Wenn ein Artikel einmal in Betrieb war, könne man von Seiten des Baumarktes nichts mehr machen.
Also fuhr ich unverrichteter Dinge wieder nach Hause und baute den Ofen wieder zusammen. Denn zickend oder nicht, ich brauchte es ja irgendwie wenigstens gelegenheits-warm, wenn dem Ofen mal nach Funktionieren im Sinn war. Ich habe mich also vor den PC gesetzt und haarklein das Problem und die Fehlfunktion beschrieben. Elektronisch übersetzt, dann aus dem Spanischen elektronisch ins Deutsche zurück übersetzt und so lange herum korrigiert, bis ich absolut sicher sein konnte, dass meine Beschreibung flüssig lesbar und klar verständlich sein sollte. Dann klickte ich auf „Senden“.
Zwei Tage lang hörte ich nichts. Dann kam eine Antwort vom Support. Ganz offensichtlich aus einer Leiste von Textbausteinen zusammengeklickt. Um mein Problem beurteilen zu können, sollte ich ein Video von dem Fehler aufnehmen und hinschicken. Ganz offensichtlich war meine eMail nicht einmal gelesen worden. Hiwi-Anweisung als Standard-Handlung, wenn Kunde Reklamation geltend macht: Video anfordern. Grmpf. Ich habe ja auch sonst nichts zu tun.
Aber okay. Ich habe mir also im Bad aus Kanistern und Steinen ein Behelfs-Stativ gebaut, den Ofen mittels Feuerzeug in Betrieb genommen, was aus Sicherheitsgesichtspunkten schon alleine ein Umtauschgrund hätte sein müssen. Und dann gewartet. Natürlich zeigte mir der Ofen an diesem Abend den Stinkefinger und funktionierte tadellos. Irgendwann sterben einem auf dem Topf sitzend die Beine ab und der Aufnahmespeicher des Handys läuft voll. Also das Ganze am nächsten Tag noch einmal. Endlich wieder mit gewohntem Zicken. Ein 2,5GB-Video kann man schlecht per eMail schicken, also habe ich es auch noch geschnitten, komprimiert und gerendert. In den Text meiner eMail habe ich nun vorsorglich die Information reingeschrieben, dass der Euro-Brico eine Stunde Fahrtzeit von mir entfernt ist und ich für eine Reparaturstelle in der Nähe dankbar wäre, sofern es eine gäbe.
Es dauerte erneut zwei Tage und erneut war mein in Worten geschriebener Text nicht gelesen worden. Könnte es vielleicht sein, dass die Bearbeitung der Reklamations-eMails in einem Land erfolgt, in dem gar kein Spanisch gesprochen wird? Wieder erhielt ich eine sichtlich aus Modulen zusammengeklickte Antwort: Das Problem sei nicht reparierbar, ich möge mich unter Vorzeigen dieser eMail an den Händler wenden, bei dem ich das Gerät gekauft habe.
So schob ich nun schon seit zwei Wochen eine erneute Fahrt zum Brico vor mir her. Und jedes Mal begann die Galle in mir zu brodeln, weil diese ganze Geschichte ja nur darauf fußte, dass man als Kunde für zu blöd gehalten wird, ein Gerät zu bedienen. Wenn der Kunde behauptet, das Gerät sei kaputt, wird erst einmal unterstellt, dass er sich irrt. Der Kunde hat ja eh keine Ahnung.
Was er aber zu haben hat, sind unbegrenzte Zeitressourcen. Wenn ich die ganzen Stunden dieser Reklamationsbearbeitung an einer Kundenbuchhaltung gesessen hätte, hätte ich mir von dem damit erwirtschafteten Einkommen einen neuen Ofen kaufen und dabei noch essen gehen können. Genau darauf ist unsere Wegwerfgesellschaft heutzutage ja auch ausgerichtet. Die Artikel sind „zu billig“ und der Aufwand des Reklamierens wird künstlich dermaßen verkompliziert, dass ein Umtauschen einfach nicht mehr lohnt.
Doch selbst mit diesem Wissen ging mir die Sache gegen den Strich. Eigentlich wartete ich die ganze Zeit noch auf eine Information, dass ich beim Notar noch ein paar Unterlagen abholen und mit nach Deutschland nehmen sollte. Doch das verzögert sich offensichtlich auch noch um einige Wochen. Ich hatte Murphy im letzten Newsletter schon erwähnt. In Sachen Campo-Kauf wird sein Zitat „Wenn etwas schiefgehen kann, dann wird es auch schiefgehen“ aufs Maximum ausgereizt. Der Notar fiel als Zwischenziel also aus.
Und so schlürfte ich meinen Kaffee heute früh noch immer ohne eine getroffene Entscheidung, ob ich nun fahren soll oder nicht. Brot und Orangen brauche ich noch ein letztes Mal frisch. Ich muss also heute sowieso nochmal ins Auto. Aber die 25 Minuten nach Jumilla oder Pinoso würden eigentlich ausreichen. Ach, was soll’s. Wenn ich mich so schlecht gelaunt an irgendeine Arbeit setze, kommt da am Ende doch nichts Vernünftiges bei raus. Also habe ich mich zur Mittagszeit auf den Weg zum Baumarkt gemacht.
Ich weiß, ich wiederhole mich. Vermutlich langweile ich den einen oder anderen Leser mit meinem ständigen Hinweisen auf die wunderbaren, schnurgeraden und nur mir ganz alleine gehörenden Straßen schon. Und doch, es macht einfach Freude, dem schweren Diesel hier Auslauf zu gönnen. Eindeutig eine gute Entscheidung zum Aufbessern der Laune.
Kurz vor dem Baumarkt in Crevillente bei Elche verläuft die Straße in mehreren Serpentinen an einem größeren Gewässer entlang. Nun bin ich schon so oft hier vorbeigekommen, doch es gelang mir nie, ein vernünftiges Foto zu machen. Was vor allem daran liegt, dass man sich hier halt eben schon wieder in der belebten Zivilisation von Valencia befindet, nicht mehr im gemächlich dünn besiedelten Murcia. Bedeutet, man hat ständig ein Auto an der hinteren Stoßstange hängen, das es mit der beschilderten Vorgabe, hier gefälligst mindestens 60 km/h zu fahren, auch ernst nimmt. Vermutlich wurde das Schild nur wegen Schleichern wie mir aufgestellt, die statt auf die Straße nur aufs Handydisplay starren. Es wurde jedenfalls auch dieses Mal wieder nichts mit dem Foto des Wassers.
Rein in den Baumarkt, meinen Ofen hinstellen und das Handy mit der geöffneten eMail vom Support nebendran legen. Ein bisschen Fühlen wie der Hahn im Korb, während zeitweise vier Mitarbeiterinnen gleichzeitig auf meinem mit einer den seitlichen Einblick verhindernden Schutzfolie versehenen Handy nach einer Möglichkeit suchen, die eMail weiterzuleiten. Ich vermute, es lag daran, dass während meiner Anwesenheit in dem Baumarkt so rein gar nichts los war. So mussten die Damen nicht nur so tun, als seien sie beschäftigt, sondern konnten sich die Zeit mit Deutsch-Lernen vertreiben. Da ich inzwischen durchaus wieder in der Lage war, mitzulachen, wurde es eine lustige Aktion.
Irgendwann lief eine der Frauen weg, um im Lager zu schauen, ob überhaupt noch eins dieser im Sommer gar nicht zum Programm gehörenden Geräte vorhanden ist. Sie kam nach einiger Zeit mit einem Elektro-Hubwagen und einem einzelnen Karton darauf zurück. Gracias und Hasta luego und das war’s. Nicht einmal eine Unterschrift oder sonst irgendwas. Kaputten Ofen hinstellen, funktionierenden mitnehmen, fertig. Hätte man das nicht schon bei meinem ersten Besuch hier so haben können?
Nach dem Einladen des Ofens überlegte ich, was ich nun mit dem angefangenen Nachmittag machen könnte. Nochmal zum Meer fahren? Langweilig. Aber in Elche gibt es die Ölmühle, in der der verstorbene frühere Inhaber meines Campos seine Oliven zu Geld gemacht hat. Ich könnte dort vorbeifahren und ein paar Flaschen Öl als Präsente für zuhause kaufen. Ein Blick ins Internet: Mittagspause. Diese Spanier und ihre Siesta. Okay, wie überbrückt man eine dreiviertel Stunde?
Neue Idee: Wenn das mit dem Fotografieren des Wassers beim Vorbeifahren nicht funktioniert, warum dann nicht einfach direkt einmal hinfahren? Gedacht, gemacht, und sogar einen explizit für solch neugierige Besucher ausgewiesenen Parkplatz fürs Navi gefunden.
Allein, allein. Taugt nicht wirklich als Ausflugsziel, daher wurde für den Parkplatz nur ein bisschen Gelände am Straßenrand planiert. Nun, mir war es recht, hier nicht auf Menschenmassen zu stoßen.
Der Ausblick vom Fahrersitz im abgestellten Auto. Jede Menge Wasser. Wenn man nach „Barranco del Boch“ googelt, erfährt man, dass der hier durch die Schlucht laufende Bach zu einem Wasserspeicher aufgestaut wird. Dreizehntausend Kubikmeter Wasser sollen hier maximal reinpassen. Da der sich über drei Schluchten ausdehnende Stausee fast einen Kilometer lang und einige hundert Meter breit ist, scheint er wohl nicht sonderlich tief zu sein. Spricht für enorme Verdunstungs-Verluste im Sommer.
In der Ferne hört man ein Rauschen. Als ich mir die Ursache heranzoome, relativiere ich meine Berechnungen von eben nochmal etwas. Es heißt im Internet definitiv „Bach“. Diese dort hereinspülenden Wassermassen sehen jedoch irgendwie nach mehr aus. Meine Neugierde wird aber nicht weiter befriedigt. Sonderlich viel Aufwand habe ich jedoch auch nicht in die Recherche gesteckt, gebe ich zu.
Lieber erkunde ich noch ein bisschen die Landschaft. Und nehme mir vor, für zukünftige Touren grundsätzlich meine Stiefel im Auto zu lagern. Das mit den Barfußschuhen auf dem Untergrund ist, nun, nicht die klügste Kombination für verweichlichte Buchhaltersöhlchen.
Ich soll ab und zu mal ein Gesicht in meine Berichte einbauen, so sagt es mein Handbuch. Mangels weiterer Mitwirkender bleibt nur mein eigenes Antlitz zum Fotografieren. Frisch rasiert und inzwischen wieder deutlich besser gelaunt kann ich es aber auch mal wagen, ein Selfie zu machen.
1985 wurde der Staudamm gebaut. Lange ist es her. Lange genug, dass das Wasser immer mal wieder die früher hier stehenden Gebäude überflutet und wieder freigegeben hat. Vor vielen Jahren habe ich einen Bericht über einen Stausee gelesen, bei dem die Erbauer zu faul waren, die Bäume auf dem später zu flutenden Gelände zu fällen. Sorgte dann unter Wasser für Fäulnis und musste von Tauchern später mit einem Heidenaufwand nachgeholt werden. Ob das bei den Ruinen hier ähnlich verlaufen ist?
Manch ein Fundament trotzt noch den Wassermassen. Das Internet weiß leider auch von einem massiven Müllproblem in dieser Schlucht zu berichtet. Ich nehme mal an, die Erbauer der Anlage sind da vor vierzig Jahren schon mit einem extrem schlechten Beispiel vorangegangen.
Dem Boden kann man ansehen, dass er öfter überflutet wird. Bedeutet, der Stausee hat trotz des vielen Regens der letzten Monate und der erst noch bevorstehenden heißen Jahreszeit aktuell nicht seine maximale Füllhöhe.
Aber voll genug, mir einen ungehinderten Rundmarsch zu ermöglichen, ist er dann doch. Ich habe an dieser Stelle aufgegeben und bin meinen gekommenen Weg wieder zurückgelaufen.
An einer anderen Stelle habe ich einen erneuten Versuch unternommen, zum Wasser zu kommen. Und fühlte mich gleich wieder wie in Deutschland. Alles, was Spaß macht, ist verboten.
Doch irgendwo verstehe ich es ja. Es handelt sich hier um Trinkwasser, das so schon schwer genug sauber zu halten ist. Zudem hat man einfach die Schlucht volllaufen lassen, ohne irgendwelche Böschungen zu begradigen oder andere Gefahrenstellen zu beseitigen. Mit Sicherheit für Taucher ein Paradies, doch für Freizeit-Schwimmer ziemlich gefährlich.
Und doch könnte ich mir vorstellen, dass die Polizei hier in den Sommermonaten im Dauereinsatz ist, um ungebetene Gäste zu vertreiben. Manch eine Getränkedose im Gebüsch und Zigarettenkippe auf dem Boden zeugen davon, dass ich nicht der einzige hier vorbeikommende Mensch bin.
Von weiter oben hier nochmal ein nicht ganz so sehr herangezoomtes Foto des breiten Wassereinlasses mitsamt der großen Staumauer daneben. Hinter der Staumauer geht die Straße zum Baumarkt entlang, die ich vorhin gefahren bin. Da gibt es auch eine Zufahrt zum Pumpengelände, doch mit einem Einfahrt-Verboten-Schild. Sprich, eine Besichtigung von der anderen Seite aus ist nicht gewünscht. Aber meine Neugierde war nun ohnehin halbwegs befriedigt, also habe ich mich aufgemacht zum Auto und zugesehen, dass ich nach Elche komme.
Sehr schöne Straßen hat es hier, das steht außer Frage. Aber für meinen Geschmack zu viele Autos und zu viele Ampeln. Mensch, ich bin zu einem echten Landei verkommen, scheint es.
Regen! Echter, richtiger Regen. Achtzehn Tropfen. Mindestens.
Hier in Spanien hat das Wetter wieder seine altgewohnte Form angenommen. Heiß und trocken.
Da ich immer noch ein bisschen zu früh unterwegs war und entgegen meiner Gewohnheit keine Wasserflasche im Auto dabei hatte, stoppte ich kurz bei einem Fast-Food-Versorger. Ich versuchte es zumindest, doch bis ich einen Parkplatz fand, war ich dann doch schon wieder einige Straßen weiter. Nun, dieser Möchtegern-Regen hielt mich nicht davon ab, den Weg zurück zu laufen.
Mal so ein Schnappschuss zwischendurch. Aufgrund meiner Pkw-Anhänger bin ich auf den Diesel angewiesen, doch mein Herz schlägt eigentlich elektrisch. Eine Antriebsart, die hier in Spanien absolut kein Problem darstellt, denn die Herausforderung einer wirklich guten Ladeinfrastruktur haben die hier schon lange gelöst. Und nicht in der Geizhals-Variante mit gerade mal zwei 11kW-Säulchen alle paar Kilometer. Nein, hier heißt es klotzen, nicht kleckern.
Apropos Diesel. Nach dem Happs und der herrlich kühlen Cola bin ich noch kurz bei der nächstgelegenen Tankstelle auf den Hof gefahren. Wie in Spanien üblich hatte ich die Fahrertür noch nicht ganz offen, da stand schon eine nette Frau neben meinem Auto und frage, ob ich normalen Diesel oder die Premium-Variante haben möchte.
Normal reicht mir. 1,675 € pro Liter. Was erwartet mich wohl zuhause? Ich machte während des Tankens dieses Foto, dann scheuchte mich die Dame in der Warnweste schon nach drinnen. Bis ich an der Kasse ankam, war mein Auto voll. 56 Liter, 94 Euro. Uff. Die Heimfahrt wird teuer, ich merke das schon.
Weiter geht es, endlich auf zur Ölmühle. Doch unterwegs musste ich hier und da zum Telefon greifen, um ein Foto zu machen. Hatte ich nicht letztens noch berichtet, dass man in Spanien gerne die Mittelstreifen und Kreisel mit Plastikrasen versieht, weil bei der Trockenheit eh nichts wächst. Nun, ich muss mich korrigieren. Selbst Plastikrasen will gemäht sein, wenn das Unkraut daneben rauswuchert.
Und hier sehen Sie einen riesigen Springbrunnen in der Mitte eines stark befahrenen Kreisels. Ein wunderschön anzusehendes Werk purer Verschwendung.
Nun, Sie würden es sehen, wenn dieses Handy nicht die Gemächlichkeit eines Faultiers beim Fokussieren an den Tag legen würde.
Normalerweise schalte ich das Handy aus, nachdem ich ein Foto gemacht habe. Doch das mit der Gesichtserkennung funzt mal und mal funzt es nicht. Ist für spontane Schnappschüsse jedenfalls viel zu langsam. Daher habe ich heute die Kamera einfach eingeschaltet gelassen. Was auf dem Beifahrersitz liegend dafür sorgte, dass sich die Linse auf den Abstand zum Sitzpolster fokussierte. Und wenn ich sie dann hochnahm, um „mal eben schnell“ ein Foto zu machen, erst eine Denkpause einlegte, bevor sie sich neu ausrichtete. Diese Denkpause dauert regelmäßig länger, als das Rumfummeln mit der Gesichtserkennung. Irgendwie macht mich meine Ausrüstung zum bildlichen Festhalten meiner Erlebnisse noch immer nicht wirklich glücklich. Das hat alles noch Luft nach oben.
Bis in die abgelegenen Viertel haben sich die städtischen Motorsensenträger noch nicht vorgearbeitet. Die Verkehrsinsel hier bedarf noch eines gelegentlichen pflegenden Eingriffs, um sich dem ansonsten fast schon edel wirkenden Ambiente dieser Siedlung anzupassen. Aber das Hinweisschild ist nicht zu übersehen, ich bin meinem Ziel sehr nahe.
El Tendre. Eine recht noble Ölmühle, auf jeden Fall nicht die günstigste. Was man dem Fuhrpark der Inhaber, der ganzen Anlage und dem einladenden Verköstigungsraum auch ansieht. Hier bezahlt man nicht nur für die Ware, sondern auch fürs Erlebnis. Was aber umgekehrt auch bedeutet, dass man hier Wert auf eine dauerhaft hohe Qualität legt, denn man hat einen Ruf zu verlieren. Es hatte einen Grund, warum der frühere Campo-Inhaber seine mit Liebe und ohne Pestizide zur Reife gestreichelten Oliven ausgerechnet hierher zur Verarbeitung gebracht hat.
Die Preisschilder sind schon eine Herausforderung, aber das Personal ist superfreundlich und hilfsbereit. Und spätestens wenn einem die Tienda-Gata schnurrend um die Beine streicht, schmilzt man dahin. Irgendwann muss ich mir eine Verköstigung buchen. Aber das ist auch so ein Erlebnis, das mit mehreren Teilnehmern mehr Spaß macht. Wird auch in Englisch angeboten, die Sprache wäre ausnahmsweise mal nicht das Problem.
Auf geht es zurück auf die Straße zum letzten Ziel meiner heutigen Fahrt. Das Thema mit dem Brot und den Orangen steht ja noch auf der Agenda. Wenn schon nicht zum Notar, so kann ich doch zumindest bei Feinkost Albrecht alias Aldi in Aspe einkehren. Klar, Aldi „Nord“, was erwartet man denn auch sonst hier im tiefen Süden.
Aber erst einmal muss ich da hinkommen. Autos über Autos. Nenene. Ich habe echt fast schon vergessen, wie das ist, sich in einer größeren Stadt zu bewegen. Gibt es Menschen, denen sowas Spaß macht? Die arme Socke im Fahrschulauto vor mir hatte ich an einer Einmündung vorher reingelassen. Fahren Lernen in der Hardcore-Variante. Nun, auch das gehört dazu.
Wie in Jumilla auch, ein Kreisel am Ortseingang und direkt dahinter der Supermarkt. Spitzenmäßig zu erreichen, nur genau wie alle anderen Supermärkte auch, mit einem für Puppenwagen ausgelegten Parkplatz davor. Anfangs hatte ich noch ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich in BMW-Fahrer-Manier über die Linien auf dem Boden hinwegsetze.
1,614 €! Man kann hier bei Aldi auch Tanken und das ganze 6,1 Cent pro Liter günstiger als ich vorhin. Ganze 3,40 € hätte ich sparen können. Dafür hätte ich hier wieder selbst Dieselgeruch an den Fingern und beim Bezahlen mit einer Maschine gekämpft, die mich vermutlich nicht versteht. Wie viel Aufpreis ist ein Mensch als Anlaufstelle wert? Wie viel Ungemacht akzeptiert man zum Sparen von Ausgaben? Schlagartig war ich wieder bei meinem Ofen-Thema vom Vormittag. Was ist einem die eigene Lebenszeit umgerechnet in Euro wert? Kann man eigentlich alles einfach in Geld umrechnen?
Natürlich habe ich es beim Einkaufen wieder übertrieben. Morgen früh gibt es richtig viel Orangensaft. Und übermorgen. Samstag früh auch nochmal. Sonntagfrüh jedoch gibt es vermutlich Frühstück auf irgendeiner Raststätte. Und Montag brauche ich neue Orangen aus deutscher Quelle. Sofern ich die Angewohnheit des morgendlichen Auspressens überhaupt beibehalten möchte. Ich bin noch gar nicht aufgebrochen und vermisse die Landschaft hier jetzt schon.
Die Landesgrenze von Valencia nach Murcia. Die Straßen werden schlechter, die Landschaft trockener. Es wird einsamer rundherum. Ländlicher. Stiller. Aber schlechter? Nein, kein bisschen. Man ist hier nah genug dran, um jederzeit in den Trubel springen zu können, wenn man ihn wünscht. Und doch weit genug weg, um seine Ruhe vor all dem zu haben, was unser aller Leben inzwischen ziemlich prägt.
Bei einem meiner vergangenen Einkäufe hatte ich mir diese Flasche mal mitgenommen. Sangria ist eigentlich etwas, das ich nur trinke, wenn ich in Deutschland spanisch Essen gehe. Da ist es dann ein Muss. In jungen Jahren gehörte das in großen Flaschen beim Lidl gekaufte Fertigzeugs auch zu jeder Party. Vielleicht ritten mich solch nostalgische Anwandlungen, als ich diese PET-Flasche im Regal stehen sah. Jedenfalls lagerte sie nun schon länger in meinem Kühlschrank.
Den ich am kommenden Samstag abschalten muss. Warum also nicht heute zum Tippen dieses Newsletters die Flasche öffnen und ein bisschen den Gaumen mit zwar ungesundem, aber leckeren Geschmack verwöhnen.
Ich werde wirklich alt. Entweder taugen meine Erinnerungen an früher nichts mehr oder meine Geschmacksnerven sind inzwischen einfach nicht mehr die von früher. Wenn ich mich zurückhaltend ausdrücken möchte, würde ich sagen, … das Zeug ist einfach widerlich! Eigentlich gehen mir ganz andere Kraftausdrücke durch den Sinn, während sich mein Gaumen unter dem sauren, bitteren, künstlichen, synthetischen, wässrigen Zeugs zusammenzieht. Ein Glas habe ich geschafft. Jetzt muss ich mir etwas einfallen lassen, was ich Geizknochen mit dem Rest mache. In eine Suppe rühren? Unter Zugabe eines Kilos Zucker einen Pudding draus kochen? Im Verhältnis 1 zu 10 mit Wein mischen und eine Orange reinpressen? Oder doch am Ende ganz einfach in die Büsche schütten, damit wenigstens noch irgendein Käfer ein paar schöne Stunden hat. „Einfach trinken“ ist auf jeden Fall keine Option.
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